Das Schwert des Königs
- Автор: Berberick Nancy Varian
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #2
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Schwert des Königs». Краткое содержание книги:
Obwohl er wußte, daß er jetzt gehen müßte, daß er mit dem Königsschwert im Wald verschwinden müßte, daß er Zeit schinden sollte, indem er die drei hier den Theiwaren überließ, kniete Stanach sich hin und steckte Sturmklinge wieder in die Scheide.
Genau, dachte Stanach, du verstehst es, nicht wahr? Du hast Familie und Freunde verloren. Du verstehst es, lyt Chwaer, kleine Schwester.
Er zog die beiden Lederbänder an den Seiten der Scheide fest, die Friedensknoten, und stand leise auf, um Tyorl zu wecken.
15
Das Licht der Dämmerung blitzte auf Finns Dolch, als er dem Drakonier die Kehle durchschnitt. Schnell zog er die Hand zurück, und die Klinge löste sich vom geschuppten Fleisch der Kreatur, bevor der Stahl vom versteinernden Körper festgehalten werden konnte. Sein Magen zog sich wie immer vor Abscheu zusammen. Er haßte diese Mißgeburten, wenn sie lebten, er verabscheute sie, wenn sie tot waren. Sie hatten seine Frau getötet und seinen Sohn ermordet. Er konnte nicht genug von ihnen umbringen. Der Gestank von Kampf, Blut und Feuer trieb über die kleine Lichtung. Im kalten Morgenwind stieg Rauch von verbrannten Proviantwagen auf, zog sich um die Wipfel der hohen Kiefern und sank am nahen Fluß herab. Er fing sich in einem Luftstrom über dem Wasser und trieb zurück an den Hang, wo die Drakoniereinheit mit ihren drei Wagen kurz vor Tagesanbruch Finn und seinen Waldläufern zum Opfer gefallen war.
Vor Tagesanbruch, dachte Finn, gerade rechtzeitig, um ihnen die letzten Alpträume ihres Lebens zu lassen.
Die dreißig Waldläufer hatten keinen Mann verloren, auch wenn einige verwundet worden waren. Finn lächelte kalt und zufrieden und sah sich nach Lehr um, in dessen dunklem, zotteligem Haar die sanfte Brise träge spielte. Als Lehr den Anführer der Waldläufer entdeckte, kam er über die Lichtung herangetrottet. Unterwegs umging er die pfeilstarrenden, verkohlten Wagen und sprang nachlässig über Körper, die sich in Stein und Staub verwandelten.
»Irgendwelche Spuren von noch mehr Drakoniern?«
Lehr schüttelte den Kopf. »Nur die hier, Herr. Ich bin auf die Anhöhe geklettert. Von da oben kann man meilenweit sehen. Da gibt’s nur Krähen, und die wollen nur wissen, wann wir endlich weg sind, damit sie frühstücken können.«
Sein schwarzer Humor brachte Lehrs Augen zum Leuchten. »Arme Tiere. Hier gibt’s nur das zu fressen, was die Drakonier gestern von ihrem Abendessen übriggelassen haben. Wenn sie nicht gerade Stein und Staub wollen.«
Finn grunzte. »Schlag am Fluß das Lager auf, Lehr. Wenn dein Bruder mit seiner Arbeit fertig ist, kommt ihr beide zu mir her.«
»Ja, Herr?« Das war eine Aufforderung, mehr zu erklären. Als Finn nicht darauf einging, zuckte Lehr mit den Schultern und machte sich auf, um seinen Bruder zu suchen. Finn erklärte seine Gründe selten. Lehr erwartete selten, daß er das tat, auch wenn er hin und wieder nach einer Erklärung bohrte.
Als er Kembal fand, verarztete dieser bereits die am schlimmsten Verwundeten. Er richtete ihm Finns Anweisung aus. »Irgend etwas geht da vor, Kem. Was meinst du?«
Kembal, der heilkundige Waldläufer, sah seinen Bruder nachsichtig an. »Weiß nicht, aber ich wette, es hat etwas mit den Spuren zu tun, die du gestern gefunden hast.« Kembal entfernte geschickt einen Pfeil aus dem Bein eines Mannes. Der Mann zuckte zusammen. Sein Gesicht wurde blaß und nahm dann den Ausdruck grimmiger Ergebenheit an, als das Blut aus der Wunde strömte. Er wußte genauso gut wie Kembal, daß Drakonierpfeile oft vergiftet waren. Der Blutstrom würde die Wunde säubern, deshalb akzeptierte er ihn, obwohl er es nicht gerne sah. Kem reinigte die Wunde und sah nicht auf, als sein Bruder ging.
Beide wußten, daß Finn wenig begeistert darüber war, daß sie so überraschend über einen Versorgungstrupp Drakonier gestolpert waren. Er wußte auch, daß ihr Anführer zwar Tyorl und Hauk nach Langenberg geschickt hatte, um genau solche Bewegungen in den Vorbergen auszukundschaften, aber die beiden waren noch nicht zurück.
Lehr glaubte, daß die Spuren, die er gefunden hatte, von Tyorl stammten. Kembal erwartete, daß Finn derselben Meinung war. Er verband die Wunde und ging zu dem nächsten Mann, der auf ihn wartete. Er nahm an, daß Finn sich Zeit lassen würde, damit seine Männer sich ausruhen konnten, während er den Pfad zurückging und überprüfte, ob die Spuren von Tyorl stammten oder nicht.
Aber was tat der Elf bei einer so seltsam zusammengesetzten Gruppe wie der, von der die Spuren sprachen? Ein Zwerg, ein Kender und ein leichtfüßiger Mensch oder Elf?
Und wo, fragte sich Kem, war Hauk?
Die sinkende Nachmittagssonne war unverschämt heiß, wie das im Herbst mitunter vorkommt. Sie warf ihr weißes Licht auf die vorspringenden Felsnasen. Alte, braune Blätter raschelten im leichten Wind über die Steine. Stanach wischte sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn und ging auf dem schattigen Pfad in die Knie. Vor nicht allzulanger Zeit war jemand hier entlanggekommen. Der Zwerg sah Tyorl an, der bei seiner Schulter stand.
»Deine Waldläufer?«
Tyorl schüttelte den Kopf. Er zeigte auf einen weiß zerkratzten Stein auf dem Weg. Der Stein war von Stahl zerschabt. »Kein Waldläufer in Finns Gruppe trägt Stiefel mit Stahlkappen. Schau dir diesen Fußabdruck hier drüben an.«
An der Seite des Wegs, wo das Moos im Schatten einer hohen Lärche noch kühl und feucht war, sah man einen guterhaltenen Abdruck. Kein Waldmensch. Stanach schüttelte stirnrunzelnd den Kopf.
»Ein Zwerg«, sagte Tyorl geduldig. »Schau, die Größe entspricht ungefähr deiner.«
Stanach schloß die Augen, weil er an Pfeifers Steingrab dachte, das eineinhalb Tagesreisen von hier auf dem Hügel lag. Die Theiwaren mußten es gefunden und ihre Spur aufgenommen haben. Es war leicht zu erraten, wo die vier Gefährten hin wollten. »Realgars Leute.«
»Wahrscheinlich.« Tyorl folgte leise dem Weg, wobei seine Augen am Boden klebten. Einen Augenblick später war er schon zurück. »Sie wollten zum Fluß. Sieht so aus, als wären sie heute morgen hier vorbeigekommen.«
Der Pfad führte direkt zur einzigen Furt hier. Die nächste war zehn Meilen weiter südlich – ein voller Tagesmarsch. Stanach zupfte nachdenklich an seinem Bart, als er aufstand. »Verdammt!« murmelte er. »Sie wollen uns den Weg abschneiden.«
»Wo ist der Kender?«
»Hinten bei Kelida. Warum?«
»Ich will heute über den Fluß. Aber zuallererst will ich sicher sein, daß die Mörder des Zauberers nicht an der Furt warten. Du beherrschst dein Schwert, Stanach.« Der Elf zog seinen Langbogen von der Schulter, schnürte rasch die Sehne fest und holte einen Pfeil aus dem Köcher. »Bestenfalls sind wir drei gegen vier und müssen Kelida beschützen. Das wird nicht leicht. Das Schwert macht sie zum Ziel. Kannst du Lavim überreden, wieder bei ihr zu bleiben, während wir auf Kundschaft gehen?«
»Das würde ich nicht einmal versuchen wollen. Laß nur. Er plaudert mit Kelida, das beschäftigt ihn noch ein paar Minuten. Laß uns die Furt auskundschaften, solange wir noch können.«
Zögernd blickte Tyorl den Pfad hinunter. Der Weg bog da ab, wo Kelida und Lavim angehalten hatten. Das Mädchen, das nicht daran gewöhnt war, den ganzen Tag zu laufen und zu klettern, beschwerte sich mit keiner Silbe, aber sie nutzte jede Gelegenheit zu einer Rast. Lavim, der keinen Zuhörer freiwillig aufgab, hielt mit ihr Schritt.
Sonnenlicht glitzerte golden in Tyorls Haaren, als er mit den Fingern hindurchfuhr. Stanach sah zu, wie der Elf überlegte.
Die beiden liefen den Weg hinauf, wobei ihre Schritte laut durch den stillen Wald hallten. Zehn Meter hinter der Stelle, wo sie die Spuren gefunden hatten, wandte sich der Pfad nach Osten und wurde so eng, daß sie nicht mehr nebeneinander laufen konnten.
Jetzt ging es steil bergauf. Schwere Erde klebte an den umgestoßenen Steinen auf dem Weg. Das Moos wuchs manchmal oben, manchmal an den Seiten, und an vielen Stellen war die dicke, grüne Decke zerfetzt und aufgerissen. »Sie hatten es eilig«, sagte Tyorl, »und haben sich nicht darum geschert, ihre Spuren zu verwischen. Sie sind genau da auf den Pfad gekommen, wo wir die Spuren zum ersten Mal gefunden haben.« Er sah über die Schulter. »Wir hätten sie nicht allein lassen sollen.«