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Sickster

Электронная книга - «Sickster». Краткое содержание книги:

Zwei junge Männer stehen an vorderster Front einer überhitzten Konsum- und Leistungswelt — und halten stand, bis die Beschleunigung ihr Leben erfasst, überwuchert: Der idealistische Magnus Taue schreibt für das Kundenblatt eines Ölkonzerns, fühlt sich als Loser und hasst seine Arbeit mit der Wut eines Schläfers. Thorsten Kühnemund, Manager und Macho, leidet insgeheim am erfolgreichen Hochglanzleben voller Druck und Alphatierneurosen, er betäubt sich mit Alkohol, schnellem Sex und Abstürzen im molochartigen Clubbing der Stadt. Aus Schulzeiten bekannt, freunden die beiden sich zögerlich an. Doch dann brechen die Fassaden ein. Magnus fühlt sich zu Thorstens Freundin Laura hingezogen, und alle drei strudeln ins Haltlose. So beginnt eine Suche nach irgendeiner Wahrheit des Empfindens, Denkens und Tuns — eine Suche im Rausch, Schmerz und Wahn, und in der eigenen Seele …
Einfühlsam und radikal erforscht Thomas Melle ein sich immer schneller um ein leeres Zentrum drehendes Leben — bis an die Grenzen des Ichs und darüber hinaus. «Sickster» ist ein großes diagnostisches Zeitbild — und das Romandebüt eines Autors, dessen Sprache, so Iris Radisch, «bis ins letzte Komma aufgeladen» ist.
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Auf Lauras Gesicht und ihren ruhenden Händen lag der Widerschein des letzten Graus von draußen. Sie wünschte sich den schon seit Stunden angekündigten Schnee herbei: dass der schwere Himmel sich endlich entladen würde auf diese Stadt, sie unter sich bedeckte, poröser machte. Aber alles blieb nur grau und dräute nach unten und warf weiter seinen scheinheiligen Silberglanz auf ihre Haut. Nur die Wunde in der Innenfläche ihrer rechten Hand blieb davon unbehelligt. Auf sie wagte der dämliche Glanz sich nicht zu legen. Laura stand in der Toilette, Flakons und Cremedöschen standen vor ihr auf der Ablage unter dem Spiegel. Sie musste sich stylen und die Wunde versorgen.

Die Wunde in ihrer Hand war sehr bunt, innen gab es lila Punkte inmitten der trüben, weißorangen Eiterkuppel, die ins Rote nach außen an den Wundrand auslief, wo gelbe Kristalle sich gebildet hatten. Um die Wunde hatte sich ein bläulicher Hof unter die Haut geschoben. Sie schmerzte nicht sehr, nur in den Momenten, wo Laura sie erneut aufkratzte. Aber es war mehr ein visueller denn ein wirklich physischer Schmerz. Es schmerzte mehr in den Augen, die Kruste wirklich wieder aufzubrechen und den Eiter herauslaufen sehen zu müssen, als in der Wunde selbst.

Aber es war notwendig. Eine Narbe an dieser Stelle hieße bloß Küchenunfall oder Partyscherbe oder Sturz von der Rutsche in der Kindheit, also Lüge. Die Lüge aber war schon so übermächtig vorhanden in Laura, in ihrem Körper, dass sie diese kleine Stelle Wahrheit offenhalten wollte, so lange es ging, diese Wunde.

Sie stand im Bad und hörte Thorsten und seine Kollegen, sie redeten leichte Worte, noch immer. Je schwerer die Zunge, desto leichter die Worte, bei solchen Leuten, dachte sie und stellte den Föhn an und legte ihn auf den Waschbeckenrand. Mittwoch war das letzte Mal gewesen. Donnerstag hatte sie die Wunde sein lassen können. Heute war sie wieder fällig. Sie saß auf dem Klodeckel, das Handtuch lag auf ihrem Schoß. Draußen derselbe Himmel wie immer.

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