Sand
- Автор: Herrndorf Wolfgang
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Год: Rowohlt
- Жанр: Современная русская и зарубежная проза
Электронная книга - «Sand». Краткое содержание книги:
Während in München Palästinenser des Schwarzen September das Olympische Dorf überfallen, geschehen in der Sahara mysteriöse Dinge. In einer Hippie-Kommune werden vier Menschen ermordet, ein Geldkoffer verschwindet, und ein unterbelichteter Kommissar versucht sich an der Aufklärung des Falles. Ein verwirrter Atomspion, eine platinblonde Amerikanerin, ein Mann ohne Gedächtnis — Nordafrika 1972.
Ein mitreißender Agententhriller — und noch viel mehr: ein literarisches Abenteuer, ein außerordentlicher Roman. (rowohlt)
«Gut geschlafen?», fragte sie. «Es wundert mich, dass die mir nicht schreiben, es wundert mich einfach.»
Auf dem Küchentisch sortierte sie die Post auf kleine Stapel. Wobei Post nicht ganz das richtige Wort war. Der Inhalt des Briefkastens bestand aus zwei Werbezetteln benachbarter Restaurants («gute arabische Küche», «feinste französische Gerichte»), einem Gruß des Hotels mit Verhaltensmaßregeln plus einer Telefonnummer für Notfälle (Wasserschaden, Stromausfall, Afrikaner auf dem Grundstück) und einem in durchsichtige Folie eingeschweißten, umfangreich bebilderten Prospekt der Tauchschule Poseidon («Die Tauchschule mit dem Dreizack», «Unser Kutter und wir», «Lernen Sie die faszinierende ‹Unterwasser›-Welt aus einer neuen Perspektive kennen»), der den handschriftlichen Zusatz trug: Bitte Prospekt nach Abreise wieder in den Kasten. Weiterhin zwei zerknüllte und vergilbte Papiertaschentücher, ein Briefumschlag ohne Inhalt, eine leere Schokoriegelverpackung und zuletzt noch ein auf der Schreibmaschine mit mehreren Durchschlägen beschriebener, schmaler Papierstreifen, den Helen lippenkauend durchlas und wortlos an Carl weiterreichte:
+++++++++++ Praxis f. Psychologie +++++++++++
J. Carthusian Cockcroft, M.D., Corniche 27
Teclass="underline" 2791, Sprachen: Frz., Engl., kein
Arabisch — Termiene: Mo. — Do. 8–12 & n. Ver.;
— modernste Methode — Schnupperpreise wg.
+++++++++++++!NEUERÖFFNUNG!+++++++++++++
«Was soll das sein? Ist das normal?» Carl drehte den Zettel zwischen zwei Fingern hin und her.
«Hier vielleicht schon.»
«Aber du glaubst nicht ernsthaft, dass ich da hingehe?»
Helen verteilte den Inhalt der Einkaufstaschen auf Kühlschrank, Obstkorb, Spüle und Tisch und begann, eine Ananas zu filetieren. Carl trottete ihr unentschlossen hinterher.
«Schnupperpreise. Das ist doch Quacksalberei.»
«Mich darfst du nicht fragen.»
«Ich frag dich aber.»
«Wahrscheinlich ist die Psychologendichte hier nicht ganz so hoch wie in Manhattan. Da sieht die Werbung halt anders aus. Wenn du schon nicht ins Krankenhaus willst und auch sonst nirgends hin —»
«Und hast du das gesehen? Termiene mit ie.»
«Gedächtnisverlust und Verfolgungswahn. Du solltest auf jeden Fall zum Psychologen.»
«Du findest das nicht seltsam?»
«Wenn da ‹Tellermine› stünde oder ‹Frauen und Kinder die Hälfte› — aber du musst jetzt nicht durchdrehen wegen eines kleinen Tippfehlers. Das ist garantiert irgend so ein Laden für Touristen, denen die Sonne zu lang aufs Hirn —»
Helen unterbrach sich, als sie sein unglückliches Gesicht sah.
«Ich hab Angst», sagte Carl leise. Der Zettel in seiner Hand zitterte, das Zittern wanderte über seinen Arm auf den Körper. Helen legte die Ananas beiseite und kam mit dem tropfenden Messer auf ihn zu. Sie umarmte Carl, stahlblinkende Haifischflosse auf seinem Rücken, und sagte: «Probier’s einfach. Und wenn’s ein Quacksalber ist, hast du nur ein bisschen Zeit verloren.»
«Auf keinen Fall», sagte Carl. «Auf keinen Fall geh ich dahin.»
31. DER TYRANN VON AKRAGAS
Wenn das menschliche Gehirn so simpel wäre, dass wir es verstehen könnten, dann wären wir so simpel, dass wir es nicht könnten.