Der Findling
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Детские и приключения
Электронная книга - «Der Findling». Краткое содержание книги:
Beim Wiedereintritt heftete sie auf die Unglücklichen einen Blick des Sperbers, der den unter dem Laube verborgnen Vogel belauert. Findling und Sissy schienen das Weib zu verstehen. Instinctmäßig wichen sie vor ihr zurück, als ob die Hände des Ungeheuers sich schon anschickten, sie zu erwürgen.
Einige Klugheit mußte sie aber doch beobachten. Der plötzliche Tod dreier Kinder hätte wohl Verdacht erregen müssen. Von den acht oder neun übrig behaltenen Schillingen wollte sie einen kleinen Theil verwenden, um jene noch einige Zeit zu ernähren. noch vier Wochen. o, nicht länger. Stellte sich der Agent wieder ein, so bekam er noch einmal seine neun Peace, da die Versicherungssumme diese Auslage ja zehnfach deckte. Jetzt fiel es ihr gar nicht mehr ein, die Kinder ins Armenhaus zurückzuschicken.
Fünf Tage nach dem Besuche des Agenten verschied das kleine Mädchen, ohne daß vorher ein Arzt hinzugezogen worden wäre.
Es war am Morgen des 6. Octobers. Die Hard, die auswärts etwas trinken wollte, hatte die Kinder in der verschlossenen Hütte zurückgelassen.
Die Kranke röchelte. Außer etwas Wasser zur Befeuchtung der Lippen, konnte sie keine Erquickung erhalten. Arzneimittel hätten in Donegal geholt und bezahlt werden müssen.. Da wußte die Hard ihre Zeit und ihr Geld besser anzuwenden. Das kleine Opfer hatte nicht mehr die Kraft. sich zu bewegen. Mitten in der Fieberhitze zitterte sie vor Kälte. Noch einmal öffneten sich weit ihre Augen, wie um das Licht zum letzten Male zu sehen, und als ob sie sagen wollte:
»Ach, warum, warum wurd' ich geboren?«
Ueber sie gebeugt, netzte ihr Sissy sanft die Schläfe.
Findling starrte auf die beiden hin, etwa wie auf einen Käfig, der sich öffnen und einen Vogel herausflattern lassen sollte..
Als das Kind kläglicher seufzte und sich sein Mund dabei verzerrte, fragte er:
»Wird sie etwa gar sterben?« - ein Verständniß dafür hatte er freilich nicht.
- Ja. antwortete Sissy, sie wird in den Himmel kommen.
- Ohne zu sterben kann man wohl gar nicht in den Himmel kommen?
- Nein, das kann man nicht.«
Wenige Augenblicke später erschütterte ein krampfhaftes Zucken das schwache Wesen, dessen Leben nur noch an einem Windhauch hing. Da verdrehten sich die Augen und die kindliche Seele floh unter einem letzten Seufzer aus der zarten Hülle.
Erschrocken sank Sissy in die Kme. Findling ahmte ihr nach und kniete ebenfalls neben der entseelten Gefährtin nieder.
Als die Hard nach einer Stunde heimkehrte, fing sie laut an zu schreien. Dann lief sie wieder hinaus und heulte:
»Todt!. Todt!. Gestorben!«. sie wollte das ganze Dorf zum Zeugen ihres Schmerzes haben.
Doch kaum einige Nachbarsleute ließen sich blicken. Was ging's ihnen, den Armen und Elenden, denn an, daß eine Unglückliche weniger war? Gab es auf Erden nicht übrig genug andre?. Es wurden deren ja täglich mehr - dieses Samenkorn ging allemal auf.
Als sie diese Rolle spielte, dachte die Hard nur an ihr Interesse und bezweckte, sich den Bezug der erwarteten Summe zu sichern.
Jetzt wurde auch nothwendig, von Donegal den Vertrauensarzt der Gesellschaft zu holen. War er zur Behandlung des Kindes nicht gerufen worden, so sollte er wenigstens dessen Ableben bestätigen; das war eine nicht zu umgehende Formalität der Versicherung.
Die Hard machte sich also noch am nämlichen Tage auf und überließ die Todte der Obhut der beiden Kinder. Sie ging aus Rindok um zwei Uhr nachmittags fort, und da der Hin- und Rückweg zwölf (englische) Meilen betrug, konnte sie vor acht oder neun Uhr abends nicht zurück sein.
Sissy und Findling blieben in der verschlossenen Hütte. Der Knabe hielt sich regungslos neben dem Kamine auf, er wagte gar nicht, sich zu rühren. Sissy wendete dem kleinen Mädchen mehr Sorgfalt zu, als dieser vielleicht je im Leben zu Theil geworden war. Sie wusch ihr das Gesicht, ordnete das Haar und zog ihr das zerrissene Hemd ab, daß sie durch ein weißes Tüchlein ersetzte, welches zum Trocknen dahing. Die kleine Todte sollte kein andres Leichenhemd erhalten, und als Grab nur das Loch, in das man sie eilig versenkte..
Als sie fertig war, streichelte Sissy der kleinen Leiche die Wangen. Findling wollte dasselbe thun. er konnte es nicht vor Entsetzen.
»Komm. komm! rief er Sissy.
- Wohin denn?
- Hinaus!. Komm!. Bitte, komm!«
Sissy weigerte sich. Sie wollte den todten Körper in der Hütte nicht allein lassen. Uebrigens war ja die Thür verschlossen.
»Komm. komm! wiederholte das Kind.
- Nein, nein, wir müssen jetzt hier bleiben!
- Sie ist ja ganz kalt. und ich auch. ich friere, ach, ich friere!. Komm, Sissy, komm mit! Sie könnte uns am Ende mitnehmen, da hinunter. wo sie ist!«
Das Kind war vom Schrecken gepackt. Der Knabe hatte das Gefühl, daß er auch sterben würde, wenn er nicht entwiche. Allmählich wurde es dunkler.
Sissy zündete einen Kerzenstumpf an, den sie in den Spalt eines Stückes Holz klemmte und stellte dieses neben das Todtenlager.
Findling fühlte sich noch mehr entsetzt, als der Lichtglanz die Gegenstände um ihn leicht erzittern zu machen schien. Er liebte ja Sissy, liebte sie, wie eine ältere Schwester. Was er an Liebkosungen erfahren, war von ihr gekommen. Er konnte aber nicht hier bleiben. er konnt' es nicht!
Sich die Hände aufscheuernd und die Nägel verletzend, gelang es ihm, die Erde vor der Thür aufzuwühlen, die Steinschicht wegzuschaffen, die deren Pfosten trugen, und ein Loch auszuweiten, durch das er sich zwängen konnte.
»Komm. komm! rief er zum letzten Male.
- Nein, ich will nicht! erklärte Sissy. Sie würde verlassen sein; ich will nicht!«
Findling warf sich ihr an den Hals und herzte und küßte sie. Dann kroch er durch die Oeffnung, verschwand und ließ Sissy allein bei der Todten zurück.
Einige Tage nachher fiel das umherirrende Kind dem Puppenschausteller in die Hände, und der Leser weiß, was da aus ihm wurde.
Zwölftes Capitel
Die Heimkehr
Zur Zeit fühlte sich Findling glücklich und hielt es für unmöglich, das je noch mehr sein zu können. Er ging völlig in der Gegenwart auf, ohne an die Zukunft zu denken. Die Zukunft ist ja schließlich auch weiter nichts als eine Gegenwart, die sich von einem Tage zum andern erneut.