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Die Piratenstadt von Gor

Электронная книга - «Die Piratenstadt von Gor». Краткое содержание книги:

Die Piratenstadt von Gor - Port Kar, die große Hafenstadt an der Mündung des Vosk, von der aus die Piratenkapitäne die Thassa heimsuchen, das Meer von Gor. Nach Port Kar führt die Spur, der Tarl Cabot folgt, und er ist in seinem Binsenboot unterwegs durch die gefährlichen Sümpfe des Vosk-Deltas, wo die Sklavenhändler von Port Kar ihre grausamen Raubzüge unternehmen. Tarl Cabot fällt den aufgebrachten Schilfbauern in die Hände und wird für einen Sklavenhändler gehalten. Er zieht die Sklaverei dem Tod vor, wird verlacht und bespuckt und hat ein Leben als Entehrter vor sich. Da werden die Sumpfbewohner ihrerseits in die Sklaverei geführt. Tarl Cabot kann entkommen, und er beschließt, furchtbare Rache für seine Erniedrigung zu nehmen – an sich und seinen Gegnern.
Als Bosk wird er der gefürchtetste Kaperkapitän und schließlich der mächtigste Mann in Port Kar, das er vor dem Untergang bewahrt und dem er einen Heimstein schenkt. Aber was ist Berühmtheit und Macht gegen Ehre und Selbstachtung? Bis Tarl Cabot erfährt, daß seine Erniedrigung eine abgekartete Sache war, die seinen Stolz brechen sollte und ihm seine Grenzen zeigen – nur ein weiterer Schritt seiner jahrelangen Ausbildung für die Mission, die er eines Tages im Dienst der Priesterkönige erfüllen soll.
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»Er wollte es mir nicht sagen!«

»Wie hast du dann erwarten können«, fragte ich den Jungen, »daß der Küchenmeister entscheidet, ob du zu mir kommen darfst oder nicht?«

Der Junge senkte den Kopf. »Ich wollte nur mit dir sprechen.«

Dagegen hatte ich nichts einzuwenden, aber als Hausherr mußte ich die Vorrechte des Küchenmeisters beachten. »Wenn du deine Wünsche äußerst«, sagte ich, »dann vor Tellius.«

Ärgerlich musterte der Junge den Küchenmeister, ballte die Fäuste und sagte: »Ich möchte gern den Gebrauch der Waffen lernen.«

Tellius, der Küchenmeister, starrte mich sprachlos an.

»Sklaven dürfen nicht unterrichtet werden«, sagte ich.

»Thurnock, Clitus und andere haben gesagt, sie würden mich unterrichten, wenn du die Erlaubnis gibst.« Er senkte den Kopf.

Der Küchenmeister schnaubte verächtlich. »Es wäre besser, du würdest die Küchenarbeit lernen.«

»Leistet er denn keine gute Arbeit?«

»Nein«, sagte Tellius. »Er ist faul, saumselig und dumm. Ich muß ihn oft schlagen.«

Der Junge blickte ärgerlich auf. »Ich bin nicht dumm«, sagte er.

Ich starrte ihn geistesabwesend an, als wüßte ich nicht, wer er war. »Wie heißt du?« fragte ich.

Er sah mich an und erwiderte: »… Fisch.«

Ich tat, als erinnerte ich mich jetzt. »Ja«, sagte ich, »… Fisch. Gefällt dir der Name?«

»Nein.«

»Wie würdest du dich nennen, wenn du dir einen Namen aussuchen könntest?«

»Henrius«, sagte er.

Der Küchenmeister lachte.

»Das ist ein stolzer Name für einen Küchenjungen!« bemerkte ich. »Könnte glatt der Name eines Ubar sein.«

Der Junge senkte rasch den Blick.

Ich wußte, daß Thurnock, Clitus und andere den Jungen in ihr Herz geschlossen hatten. Wie ich gehört hatte, war er oft dem Küchendienst ferngeblieben, um die Schiffe im Hof und die Waffenübungen der Männer zu beobachten. Der Küchenmeister hatte wirklich seine Mühe mit Fisch, daran bestand kein Zweifel.

Ich musterte den Jungen, betrachtete sein blondes Haar, die offenen, ernsten Augen, die mich flehend ansahen.

Außer ihm wußten in meinem Haus nur drei Männer, wer er wirklich war – ich, Thurnock und Clitus. Der Junge selbst ahnte natürlich nicht, daß wir seinen wahren Namen kannten. Da vom Rat ein Preis auf seinen Kopf ausgesetzt war, hatte er gute Gründe, seine wahre Identität geheimzuhalten. Auf eine Weise konnte er auch gar keinen anderen Namen haben – denn er war versklavt worden. Nach goreanischem Gesetz ist ein Sklave nicht viel mehr als ein Tier; vor dem Gesetz hat er keine Rechte und hängt von seinem Herrn nicht nur hinsichtlich seines Namens ab – der Herr kann auch über sein Leben und sein weiteres Schicksal frei entscheiden.

»Der Sklavenjunge Fisch«, sagte ich zu dem Küchenmeister, »ist ungebeten in meinen Audienzsaal gekommen und hat meiner Meinung nach dem Küchenmeister nicht den nötigen Respekt erwiesen.«

Der Junge kämpfte mit den Tränen.

»Also soll er kräftig geprügelt werden.«

Fisch ballte die Fäuste.

»Und ab morgen«, fuhr ich fort, »wenn sich seine Arbeit in der Küche zu deiner Zufriedenheit entwickelt, aber nur dann, darf er eine Ahn am Tag in der Waffenkunde unterrichtet werden.«

»Kapitän!« rief der Junge.

»Doch diese Ahn ist durch Extraarbeit in der Küche am Abend auszugleichen.«

»Ja, Kapitän«, sagte der Küchenmeister.

»Ich werde für dich arbeiten, Tellius«, sagte der Junge. »Ich werde besser arbeiten als alle anderen!«

»Gut, Junge«, sagte Tellius, »das werden wir sehen.«

Fisch wandte sich an mich. »Vielen Dank, Kapitän.«

»Herr«, berichtigte ihn Tellius.

»Wenn du dich mit den Waffen geschickt anstellst«, sagte ich, »ändern wir vielleicht auch deinen Namen.«

»Danke, Kapitän«, sagte er.

»Vielleicht nennen wir dich Publius – oder Tellius!«

»O nein!« rief Tellius.

»Oder eben Henrius. Aber für einen solchen Namen müßtest du schon vorzüglich mit den Waffen umgehen können.«

»Das werde ich!« rief er, machte kehrt und eilte aus dem Saal.

Der Küchenmeister sah mich grinsend an. »Ich habe noch nie einen Sklaven schneller laufen sehen, wenn es um seine Prügelstrafe ging.«

»Ich auch nicht«, sagte ich.

Bei meiner Siegesfeier nun folgte ich dem Jungen, der einen zweiten gebratenen Tarsk hereintrug, mit den Blicken. Meine Entscheidung, ihm eine Waffenausbildung zu geben, war eine Schwäche gewesen, überlegte ich – etwas, das nicht wieder vorkommen durfte.

Ich betastete das breite rote Band und das Medaillon, das auf meiner Brust hing. Ich war Bosk, Pirat, Admiral von Port Kar, jetzt vielleicht einer der reichsten und mächtigsten Männer auf Gor. Nein, eine solche Schwäche würde ich mir nicht noch einmal erlauben.

Ich hielt den silbernen Pagakelch in die Höhe, und Telima, die neben meinem Sessel stand, füllte ihn nach. Ich sah sie nicht an.

Ich blickte an meinem erhöhten Tisch entlang, an dem Thurnock mit seiner Sklavin Thura und Clitus mit seiner Ula saßen und lachten. Die beiden waren gute Männer, aber sie waren Narren. Sie waren schwach. Ich dachte daran, daß sie den Sklavenjungen mochten und ihm bei seinen Waffenübungen geholfen hatten. Solche Männer waren schwach. Sie hatten nicht das Zeug zum Kapitän.

Ich lehnte mich in meinem Sessel zurück, den Pagakelch in der Hand, und ließ meinen Blick durch den Saal wandern.

Dichtgedrängt standen die Tische, an denen meine Leute saßen und feierten. In einer Ecke spielten Musiker.

Vor meinem Tisch erstreckte sich eine freie Fläche, auf der von Zeit zu Zeit Unterhaltungen geboten wurden – einfache Dinge, die manchmal sogar mir Spaß machten, Feuerschlucker und Jongleure, Akrobaten und Zauberer und Sklaven, die im Wettkampf herumtollten.

»Trinkt!« rief ich.

Und wieder klangen die Pagakelche gegeneinander.

Ich blickte am langen Tisch entlang und erblickte zu meiner Rechten, ganz allein am Ende der langen Tafel, meine Sklavin Luma, meine erste Buchhalterin. Arme, unscheinbare Luma in ihrem Sklavenkragen! Welch kümmerliche Pagasklavin war sie gewesen! Doch was für eine vorzügliche Geschäftsfrau war dieses Mädchen! Sie hatte sehr zu meinem Reichtum beigetragen. Ich stand dermaßen in ihrer Schuld, daß ich ihr heute abend gestattet hatte, an einem Ende der großen Tafel zu sitzen. Natürlich würde sich kein freier Mann neben sie setzen. Um meine anderen Schreiber und Angestellten nicht zu verärgern, hatte ich ihr die Sklavenketten anlegen lassen. Auf diese Weise nahm Luma, die vielleicht wichtigste Person im Hause außer ihrem Herrn, an meiner Siegesfeier teil.

»Wir haben hier einen Sänger«, rief einer der Männer.

Das ärgerte mich, aber ich wollte den Ablauf der Dinge nicht stören, die heute abend dargebracht werden sollten.

»Er ist ein vorzüglicher Sänger«, sagte Telima hinter mir.

»Hol Ta-Wein aus der Küche«, sagte ich.

»Bitte, mein Ubar«, flehte sie, »ich möchte hierbleiben!«

Es wurde still an den Tischen. Wie es hieß, war der Mann von Sullius Maximus geblendet worden, der daran glaubte, daß ein blinder Mann bessere Lieder hervorbringe. Sullius Maximus, der sich selbst mit Poesie und Giften beschäftigte, war ein höchst kultivierter Mann, dessen Meinung allgemein respektiert wurde. Wie dem auch sein mochte – der Sänger war jedenfalls in seiner Finsternis allein mit seinen Liedern. Er hatte nur sie in seiner Dunkelheit.

Ich musterte ihn. Er trug die Robe seiner Kaste, die nicht erkennen ließ, aus welcher Stadt er kam. Viele Sänger wandern von Ort zu Ort. Ich hatte vor langer Zeit einmal einen Sänger gekannt, Andreas aus Tor.

Der Sänger berührte seine Lyra.

»Ich besinge Ar und seine Belagerung, das herrliche Ar, Ich besinge seine Türme und Mauern, das schimmernde Ar, Ich besinge die Vergangenheit.

Ich besinge die dunkelhaarige Talena, aus dem herrlichen Ar, Ich singe von der Wut des Marlenus, Ubar von Ar, Ich besinge die Vergangenheit. Ich besinge den Mann mit dem Sonnenhaar, im herrlichen Ar. Den Mann, der einst zu den Mauern kam, des herrlichen Ar. Tarl aus Bristol besinge ich.«

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