Die Piratenstadt von Gor
- Автор: Норман Джон
- Год: 1975
- Язык: немецкий
- Переводчик: Thomas Schluck
- Жанр: Боевая фантастика
Электронная книга - «Die Piratenstadt von Gor». Краткое содержание книги:
Als Bosk wird er der gefürchtetste Kaperkapitän und schließlich der mächtigste Mann in Port Kar, das er vor dem Untergang bewahrt und dem er einen Heimstein schenkt. Aber was ist Berühmtheit und Macht gegen Ehre und Selbstachtung? Bis Tarl Cabot erfährt, daß seine Erniedrigung eine abgekartete Sache war, die seinen Stolz brechen sollte und ihm seine Grenzen zeigen – nur ein weiterer Schritt seiner jahrelangen Ausbildung für die Mission, die er eines Tages im Dienst der Priesterkönige erfüllen soll.
Wieder senkte sich ein brennendes Geschoß hinter uns ins Wasser – nur noch fünfzig Meter entfernt.
In einer weiteren Viertel-Ahn war die Gruppe unserer Verfolger auf dreißig Rammschiffe angewachsen. Falls es mehr gab, waren sie jedenfalls nicht zu sehen. Die eigentliche Schatzflotte hatte beigedreht.
Ich beobachtete ein brennendes Geschoß, das in anmutigem Bogen durch die Luft angerauscht kam und etwa fünfzehn Meter zu meiner Rechten zischend ins Wasser fiel.
Ich lächelte. »Dreiviertel-Geschwindigkeit«, sagte ich zu unserem Rudermeister.
Meine Schiffe, als seien sie vor Panik außer sich, hielten keine Formation, sondern verstreuten sich nach Südosten. Jedes hatte zwei oder drei Verfolger auf sich gezogen. Die Dorna, die vielleicht als Flaggschiff erkannt worden war, da sie die ursprüngliche Formation angeführt hatte, wurde mit fünf Verfolgern geehrt. Nach etwa zwei Ahn, in denen wir die Geschwindigkeit manchmal steigerten, manchmal wieder verminderten, hatten wir die Gegner hinter uns zu einer langen, unregelmäßigen Linie auseinandergezogen, je nach Geschwindigkeit des einzelnen Schiffs. Inzwischen mußte der Rest meiner Kampfeinheit, achtzehn Rammschiffe, die Schatzflotte von Nordwesten aus angegriffen haben, zu deren Schutz nur noch etwa zehn Rammschiffe zurückgeblieben waren. Ich war etwas verwundert darüber, daß der Gegner uns so hartnäckig verfolgte. Zwar hatte ich von Anfang an die Flagge Bosks, des Kapitäns aus den Sümpfen, aufgezogen, um die Verfolgung sicherzustellen, denn in Cos und Tyros war ein hoher Betrag auf meinen Kopf ausgesetzt. Es erstaunte mich nur, wie beharrlich uns die Einheiten auf den Fersen blieben. Offenbar war ich den Männern der beiden Insel-Ubarate wichtiger als ich angenommen hatte.
Die zwölfte Ahn rückte heran, ehe der Kommandant des ersten Verfolgerschiffs begriff, daß er hereingelegt worden war und mich wahrscheinlich nicht einholen konnte.
»Ruht Ruder!« rief ich.
Ich sah, wie das Tarnschiff beidrehte.
»Wie geht es den Männern?« fragte ich den Rudermeister, unter dem ich auf der Rena aus Temos gerudert hatte.
»Sie sind noch kräftig«, sagte er. »Wir haben ja noch nicht einmal volle Geschwindigkeit gerudert.«
»Sie sollen sich jetzt ausruhen«, befahl ich.
Unsere Verfolger tauschten Trompetensignale aus und hißten Flaggen. Die zurückliegenden Einheiten begannen abzudrehen. Einige weiter entfernte Schiffe, die wahrscheinlich die Signale mit Ferngläsern verfolgt hatten, vollzogen das Manöver nach. Viele andere waren zu weit entfernt.
Kaum hatte unser Verfolger gewendet, als ich neue Befehle gab. »Kehrtwendung!« rief ich. »Und volle Geschwindigkeit!«
Die Ruderer begannen zu jubeln.
Ich bezweifelte nicht, daß unsere Dorna schneller war als ihr Gegner, dem wahrscheinlich keine Zeit mehr blieb, erneut kehrtzumachen und sich zum Kampf zu stellen.
Wir feuerten keine Geschosse ab, kamen lautlos näher.
Wir waren nur noch fünfzig Meter entfernt, als sich ein Seemann auf dem Ruderdeck umdrehte und einen Warnschrei ausstieß. Doch schon bohrte sich die eisengeschützte Ramme der Dorna einen Fuß unter der Wasserlinie splitternd in das Heck.
»Ruder zurück!« brüllte der Rudermeister, und die Dorna, die noch vom Anprall erbebte, ruckte zurück. »Rudergänger – Steuerbord passieren!« rief ich. »Zieht durch! Höchste Schlagzahl!«
Das Heck des gegnerischen Schiffes war bereits unter Wasser, als wir an ihm vorüberglitten.
Armbrustpfeile zischten gegen die Brustwehr, die meine Ruderer schützte, doch das war alles. Dann waren nur noch vier Schiffe vor uns, das nächste kaum hundert Meter entfernt. Der Lärm unseres Rammstoßes und die Schreie der Männer waren weit über das Wasser zu hören.
Wir sahen, wie das Schiff zu wenden versuchte, doch noch ehe es vier Punkte des goreanischen Kompasses vom Kurs abgefallen war, stieß unsere Ramme schräg gegen sein Heck, glitt hinein, machte sich frei, und die Schiffe knirschten aneinander vorbei, wobei die Dorna ihre Backbordruder natürlich eingezogen hatte. Schon hielten wir auf das Heck des nächsten Rammschiffs zu.
Wir hörten verzweifelte Trompetensignale hinter uns, die die Besatzungen vor uns warnen sollten.
Auch das nächste Schiff versuchte zu wenden, doch wir rammten es mittschiffs. Unsere Rammspitze bohrte sich tief in die Seitenwandung und hinterließ ein fürchterliches Loch, als wir zurückruderten und am gegnerischen Heck vorbei auf die nächsten beiden Schiffe zuhielten.
Die beiden Kapitäne waren sich der Gefahr inzwischen wohl bewußt und wagten es nicht, sich zum Kampf zu stellen. Sie hatten mit höchster Schlagzahl die Flucht ergriffen.
»Halbes Tempo!« rief ich.
Der Rudermeister grinste, während ich mein Fernglas hob und den Horizont absuchte.
Es waren nur noch wenige Schiffe zu sehen, und die meisten waren grün, gehörten also meiner Flotte an. Ich war zufrieden, wenn meine Schiffe ihre Verfolger nur weiter auf das Meer hinauslockten – um so besser standen unsere Chancen am Ort der eigentlichen Entscheidung.
Das Schiff, das vor uns floh, hatte seinen Vorsprung nun vergrößert, da wir langsamer ruderten. Nach einigen Ehn hielt der Kapitän seinen Vorsprung wohl für ausreichend, um beizudrehen und den Kampf zu wagen – dabei nahm er natürlich an, daß wir bei unserer Verfolgung die Höchstgeschwindigkeit gehabt hatten.
Als ich sah, daß das Tarnschiff vor uns zum Wendemanöver ansetzte, rief ich nur: »Jetzt!«
Ohne einen Ruderschlag zu verlieren, steigerte mein Rudermeister die Schlagzahl auf höchste Geschwindigkeit. Die Dorna, das Heck geneigt, den Rammbock fast aus dem Wasser gehoben, rauschte los. Wir nahmen unseren Gegner wieder mittschiffs.
Ärgerlich schüttelte sich die Dorna los und nahm innerhalb einer Ehn die Verfolgung des letzten gegnerischen Schiffs auf, das keine Anstalten machte zu wenden. Es hatte inzwischen einen großen Vorsprung herausgefahren.
»Höchstgeschwindigkeit«, befahl der Rudermeister seinem Keleustes.
»Können wir sie noch einholen?« fragte ich.
»Ich glaube ja«, sagte er und reduzierte die Geschwindigkeit auf Dreiviertel-Tempo. Ich schwieg, denn er war ein guter Rudermeister.
Von Zeit zu Zeit überzeugte ich mich, daß das Schiff vor uns seinen Vorsprung weiter ausbaute.
Doch etwa anderthalb Ahn später war zu sehen, daß die Entfernung nicht mehr größer geworden war, während meine Männer noch immer mühelos die Dreiviertel-Schlagzahl durchhielten.
»Der Gegner hat hundertundzweiunddreißig Ruder«, sagte der Rudermeister, »aber er ist schwerer und nicht so gut gebaut wie die Dorna.«
»Offensichtlich ist ihre Schlagzahl reduziert.«
»Sie werden jetzt auch auf Dreiviertel sein – die Höchstgeschwindigkeit läßt sich nicht so lange durchhalten. Und bei Dreiviertel können wir sie überholen.«
Ich dankte ihm, und er kehrte zu seinem Sitz zurück.
Bald mußte unserem Gegner klar werden, daß er uns nicht entkommen konnte. So würde er sich über kurz oder lang zum Kampf stellen.
Nach einer Viertel-Ahn sah ich, wie er zum Wendemanöver ansetzte.
»Viertel-Schlag«, sagte ich, dann: »Ruder ruht!«
Die beiden Tarnschiffe, die Dorna und das andere, lagen sich in der ruhigen See gegenüber. Die Entfernung zwischen uns betrug etwa vierhundert Meter.
Da die Hauptwaffen des Rammschiffs die Ramme und die Scherblätter sind, ist der Frontalangriff der gefährlichste. In einer solchen Situation, wenn sich zwei Schiffe Bug gegen Bug gegenüberstehen, wird im allgemeinen der Steuerbordkreis beschrieben, ein wachsames gegenseitiges Umkreisen, ein Lauern auf die günstigste Gelegenheit. Zweifellos ahnte der gegnerische Kommandant aber auch, daß die Dorna schneller und wendiger war als sein Schiff – ihm blieb also keine Wahl.
Er tat das Erwartete.
Seine Ruder schlugen das höchste Tempo an, und das schwere Schiff stürmte auf uns zu, wobei die Oberkante seiner Ramme durch das Wasser pflügte.
Ich lachte. Ich hatte den gegnerischen Kapitän überlistet.
»Rudergänger«, sagte ich, »Kurs fünf Strich Steuerbord. Rudermeister, wir haben eine Verabredung mit der Schatzflotte aus Tyros.«