Wer die Wahrheit sucht
- Автор: Джордж Элизабет
- Серия: Inspector Lynley (de) #12
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet
- ISBN: 3-7645-0099-9
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Wer die Wahrheit sucht». Краткое содержание книги:
Simon St. James, engster Vertrauter von Chief Inspector Thomas Lynley, reist mit seiner Frau Deborah auf die winterliche Kanalinsel, um die Unschuld von China, einer alten Freundin Deborahs, nachzuweisen. Doch je tiefer sie in die verschworene Inselgemeinschaft eintauchen, desto mehr Personen entdecken sie, die dem wohltätigen Mitbürger Guy Brouard alles andere als freundschaftliche Gefühle entgegenbringen — und die auf irgendeine Weise in den Mord verstrickt sind: seine Exfrau, sein Sohn, seine Geliebte, seine Schwester, seine jugendlichen Schützlinge, der tragisch ausgebootete einheimische Architekt. Liegen die Motive in Brouards undurchsichtiger Vergangenheit? Oder reichen sie zurück bis in Guernseys wechselvolle Geschichte?
Margaret mahnte sich zur Geduld.»Bei Scheunen?«, wiederholte sie.»Das verstehe ich nicht, meine Liebe. Der Stein muss doch ziemlich klein gewesen sein. Um in Guys Mund zu passen, meine ich. «Sie sah, wie ihre ehemalige Schwägerin bei der letzten Bemerkung zusammenzuckte, als weckte das Sprechen darüber ihre dunkelsten Fantasien über die Art und Weise, wie Guy den Tod gefunden hatte: in tödlichen Zuckungen liegend, die Hände vergeblich in seinen Hals gekrallt. Tja, das konnte man nicht ändern. Margaret brauchte Gewissheit und würde sie bekommen.
«Wozu wäre er in einer Scheune benutzt worden, Ruth?«
Ruth sah von der Stickerei auf, mit der sie bereits beschäftigt gewesen war, als Margaret sie im Damenzimmer gefunden hatte. Es war ein sehr großes Stück Leinwand, auf einen hölzernen Rahmen gespannt, der seinerseits auf einem Ständer befestigt war. Und vor diesem Ständer saß Ruth, eine schmächtige kleine Gestalt in schwarzer
Hose und einer übergroßen schwarzen Strickjacke, die wahrscheinlich Guy gehört hatte. Die Brille mit den runden Gläsern war ihr auf die Nasenspitze hinuntergerutscht, und sie schob sie mit kindlich kleiner Hand wieder hinauf.
«Man benutzt den Stein nicht in der Scheune«, erklärte sie.»Er hängt an einem Ring mit den Schlüsseln zur Scheune. So hat man es jedenfalls früher gehalten. Heute gibt es ja kaum noch Scheunen in Guernsey. Der Stein sollte die Scheune vor bösen Geister schützen, Margaret.«
«Ach so. Ein Talisman.«
«Ja.«
«Aha. «Lächerlich, diese Inselbewohner, dachte Margaret. Talismane gegen böse Geister. Hokuspokus zur Abwehr von Kobolden. Hexen auf den Klippen. Teufel auf der Lauer. Sie hätte nie geglaubt, dass ihr verflossener Ehemann auf solchen Quatsch hereinfallen würde.»Haben sie dir den Stein gezeigt? Hast du ihn erkannt? Hat er Guy gehört? Ich frage nur, weil es ihm so gar nicht ähnlich sah, Talismane und dergleichen mit sich herumzutragen. Zumindest sah es dem Mann nicht ähnlich, den ich kannte. Erhoffte er sich davon Glück bei irgendeiner Unternehmung?«
Bei einer Frau? dachte sie, sagte es aber nicht, obwohl sie beide wussten, dass die Frage im Raum stand. Das Einzige, was Guy Brouard neben seinen Geschäften — bei denen, wie einst bei König Midas, alles, was er anfasste, zu Gold wurde, so dass er gar keinen Glücksbringer brauchte — interessierte, war die Eroberung von Frauen und die damit verbundene Jagd. Das hatte Margaret allerdings erst herausgefunden, als sie eines Tages auf der Suche nach dem Scheckbuch ihres Mannes in seinem Aktenkoffer ein Damenhöschen entdeckt hatte, spaßeshalber von der Stewardess aus Edinburgh dort hineingesteckt, mit der er sie betrog. Damit war ihre Ehe beendet gewesen. In den folgenden zwei Jahren war es nur noch darum gegangen, ihren Anwalt eine Vereinbarung aushandeln zu lassen, die ihr eine sorgenfreie Zukunft garantierte.
«Das einzige Unternehmen, mit dem er sich in letzter Zeit befasst hat, war das Kriegsmuseum. «Ruth beugte sich wieder über ihre Stickerei und zog die Nadel geschickt durch den Stoff mit dem Bild, das darauf vorgezeichnet war.»Und deswegen hat er sicher keinen Glücksbringer getragen. Er brauchte keinen. Die Sache entwickelte sich gut, so viel ich weiß. «Sie blickte wieder hoch, die Nadel über dem Stoff.»Hat er dir von dem Museum erzählt, Margaret? Hat Adrian dir davon erzählt?«
Margaret wollte nicht über Adrian sprechen, weder mit ihrer ehemaligen Schwägerin noch mit sonst jemandem. Sie sagte daher:»Ja. Ja, natürlich. Das Museum. Ja, ich wusste davon.«
Ruth lächelte, nach innen gekehrt und liebevoll.»Er war sehr stolz darauf. Etwas in dieser Art für die Insel tun zu können. Etwas Bleibendes zu schaffen, das gut und sinnvoll ist.«
Ganz im Gegensatz zu seinem Leben, dachte Margaret. Sie war nicht hier, um sich Lobreden auf Guy Brouard anzuhören, den großen Gönner. Sie war einzig hier, um dafür zu sorgen, dass Guy Brouard sich wenigstens im Tod als Gönner seines einzigen Sohnes erweisen würde.
«Und was wird jetzt aus seinen Plänen?«, fragte sie.
«Ich denke, das hängt von den Bestimmungen des Testaments ab«, antwortete Ruth. Es klang vorsichtig. Zu vorsichtig, fand Margaret.»Von Guys Testament, meine ich. Natürlich, wessen sonst? Ich habe seinen Anwalt noch nicht gesprochen.«
«Und warum nicht?«, erkundigte sich Margaret.
«Wahrscheinlich, weil es dann Realität wird. Unabänderlich. Dem weiche ich noch aus.«
«Wäre es dir eine Hilfe, wenn ich mit dem Anwalt spräche? Ich nehme dir die Formalitäten gern ab, Ruth.«
«Danke dir, Margaret, das ist lieb von dir, aber ich muss das selbst in die Hand nehmen. Ich muss — und ich werde! Bald. Wenn — wenn es mir richtig erscheint.«
«Natürlich«, murmelte Margaret und sah zu, wie ihre ehemalige Schwägerin die Nadel von unten durch den Stoff schob und feststeckte, ein Zeichen, dass sie für den Moment mit ihrer Arbeit fertig war. Sie bemühte sich, die Anteilnahme in Person zu sein, aber innerlich konnte sie es nicht erwarten, zu erfahren, wie ihr geschiedener Mann sein ungeheures Vermögen aufgeteilt hatte. Vor allem wollte sie wissen, ob er an Adrian gedacht hatte. Lebend hatte er seinem Sohn das Geld verweigert, das dieser für sein neues Geschäft brauchte, aber mit seinem Tod musste er ihm doch endlich geben, was er ihm bis dahin versagt hatte. Und das würde Carmel Fitzgerald und Adrian wieder zusammenbringen. Adrian würde endlich heiraten und ein normaler Mann werden, der ein normales Leben führte, ohne seltsame Vorkommnisse, derentwegen man sich sorgen musste.
Ruth war zu einem kleinen Sekretär getreten und hatte einen zierlichen Schattenfugenrahmen in die Hand genommen. In ihm eingeschlossen war die Hälfte eines Medaillons, die sie wehmütig betrachtete. Es war, wie Margaret sah, dieses alberne Abschiedsgeschenk, das Maman den Kindern am Bootshafen übergeben hatte. Je vais conserver l 'autre moitie, mes cheris. Nous le reconstituerons lorsque nous nous retrouverons.
Ja, ja, schon gut, hätte Margaret gern gesagt. Ich weiß, dass sie dir fehlt, aber wir haben was zu erledigen.
«Früher ist besser als später, meine Liebe«, sagte sie behutsam.»Du solltest mit ihm sprechen. Es ist doch recht wichtig.«
Ruth stellte den Rahmen wieder weg, ohne jedoch den Blick von ihm zu wenden.»Ganz gleich, mit wem ich spreche, es wird nichts ändern«, sagte sie.
«Aber es wird Klarheit schaffen.«
«Wenn Klarheit notwendig ist.«
«Nun, du musst doch wissen, wie er sein — na ja, was er wünschte. Das musst du doch wissen. Bei einem Nachlass, der so groß ist wie seiner, heißt gewarnt sein gewappnet sein, Ruth. Sein Anwalt würde mir da sicher zustimmen. Hat er sich übrigens schon bei dir gemeldet? Der Anwalt, meine ich. Er muss schließlich wissen.«
«O ja. Er weiß es.«
Und? dachte Margaret. Aber sie sagte beschwichtigend:»Ah ja, ich verstehe. Nun, alles zu seiner Zeit, meine Liebe. Wenn du dich dazu bereit fühlst.«