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Электронная книга - «Eine Sunde zuviel». Краткое содержание книги:

Dieser Roman ist eine Sensation. Selten hat ein Roman so erschüttert und ein so weltweites Echo gefunden wie >Eine Sünde zuviel<, ein Titel, der bereits ein Schlagwort wurde. Durch einen Unfall im Labor ihrer Apotheke verliert Luise Dahlmann ihr Augenlicht ... die Hornhäute ihrer Augen werden verätzt. Nach Untersuchungen durch Experten auf dem Gebiete der Augenchirurgie ist es unmöglich, daß sie jemals wieder sehen wird.
Ihr Mann, Ernst Dahlmann, und ihre Schwester Monika, die zu ihr zieht, pflegen sie rührend. Aber diese Pflege ist nur ein übles Spiel ... in Wahrheit haben sich Ernst Dahlmann und seine Schwägerin genähert und nutzen ihre Blindheit aus, um ihr eigenes Leben zu leben und aufzubauen. Durch einen Zufall erfährt Luise während eines Urlaubs in der Schweiz, daß in Italien ein Professor Siri neue Methoden der Hornhautüberpflanzung praktiziert. Sie fährt zu ihm, wird operiert - und es gelingt. Sie kann sehen! Überglücklich fährt sie nach Hause, um ihren Mann zu überraschen. Die Überraschung gelingt ... aber anders, als Luise es sich vorstellte: Sie findet ihren Mann in eindeutiger Situation mit ihrer Schwester vor. Von diesem Moment an beschließt Luise Dahlmann, die Blinde weiterzuspielen, um alles zu sehen, was man einer Blinden als Wahrheit vorlügt. Es ist ein wahnsinnig schweres Spiel, das sie über ein Jahr durchhält, bis Situationen eintreten, die sie zur Enthüllung zwingen: Ich kann sehen! Bis es zu diesem Höhepunkt des Romans kommt, fliegen Bilder unerhörter, ja unheimlicher Spannung an dem Leser vorbei, erlebt er ein Labyrinth menschlicher Leidenschaften und Verirrungen, die vor keinem Verbrechen zurückscheuen ... Taten und Situationen, die nur möglich werden, weil jeder glaubt, der Mittelpunkt allen Geschehens sei blind.
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»Das weiß ich.«

»Und warum sitzen Sie noch hier?«

»Aus Neugier.«

»Bitte, verlassen Sie mein Haus!« sagte Dahlmann hart.

»Nein.«

»Sie wissen, daß Sie jetzt -«

Dr. Kutscher schüttelte abwehrend beide Hände.

»Reden Sie nicht von Hausfriedensbruch. Das weiß ich als Jurist besser.«

»Ich verweise Sie meines Hauses und Sie -«

»Da liegt der Irrtum, kleiner Satan! Das Haus gehört nicht Ihnen, sondern Ihrer Frau! Alles hier gehört Ihrer Frau - die Apotheke, das Haus, das Vermögen, die Grundstücke, der Neubau nebenan . die vollkommene Gütertrennung, die Ihr kluger Schwiegervater durchsetzte, bevor aus Horten eine Dahlmann wurde, macht Sie zum Mitbenutzer, mehr nicht.«

»Zu einem Harlekin macht sie mich!« schrie Dahlmann.

»Das ist Ansichtssache. Wie ich sehe, sind Sie dabei, mit Hilfe der Technik diese Situation zu verändern. Daß der Weg mehr als schmutzig ist, habe ich Ihnen schon gesagt.«

»Ich habe Sie nie danach gefragt. Und nun gehen Sie.«

»Erst, wenn ich Ihre Frau gesprochen habe.«

»Das werde ich verhindern.«

»Dann müßten Sie schon nach Feuerland auswandern.« Dr. Kutscher schüttelte fast mitleidig den Kopf. »Lieber Beelzebub ... war-um diese Aufregung? Soll ich Ihnen einmal etwas sagen? Sie haben von Beginn an alles falsch gemacht! Sie haben sich benommen wie ein Säugling, dem man statt vorgesäuerter Milch Kognak ins Fläschchen getan hat. Es fing schon an, daß Sie Ihrer charmanten Schwägerin am Rockzipfel hingen und >Küß mich, bitte, bitte, küß mich< wimmerten. Man zieht sich vor der Öffentlichkeit nicht die Hosen herunter -«

»Reden Sie nur weiter«, sagte Dahlmann dumpf. »Bald ist es so weit, daß ich Sie ohrfeige -«

»Die Umgebung ist wachsam! Sie ist hellhöriger, als man als verliebter Gockel glaubt. Man denkt, man hat alles so heimlich wie möglich gemacht, keiner ahnt etwas, und dabei sitzt man wie in einem Schaufenster und macht den Zuschauern lebende Bilder vor. Das ist das eine. Das andere ist Ihre Weigerung, Ihre Frau noch einmal operieren zu lassen. Einem Arzt wie Dr. Ronnefeld muß das auffallen! Und den anderen auch. Dem kommt die Blindheit gut zu passen, heißt es. Frau blind, Schwägerin im Haus und im Bett, keine Geldkontrollen mehr ... und wenn Ihre Frau jetzt auch noch für irr erklärt wird, glauben Sie doch selbst, daß Ihnen das keiner abnimmt. Sie haben nicht die russische Begabung, warten zu können. Alle haben das nicht. Daran scheitern die besten Gaunereien! Man will es so schnell wie möglich machen. Merken Sie sich eins, Dahlmann: Eine hundertprozentige Gemeinheit ist wie ein Baum ... man pflanzt sie, muß sie begießen und hegen und pflegen und warten können, bis sie aus sich heraus gewachsen ist - wie ein Baum -trotzend allen Winden und Stürmen.« Dr. Kutscher sah auf seine goldene Armbanduhr. »Für diese Beratung - sechzehn Minuten waren es - sollte ich angesichts der Wichtigkeit mindestens dreihundert Mark liquidieren -«

Dahlmann wurde einer Antwort enthoben. Die Tür öffnete sich, Luise kam herein, mit nassem Haar, in einem roten Bademantel mit gelbem Blütenmuster, in Fellpantoffeln und einem gelben Frottierhandtuch um den Hals. Sie blieb an der Tür stehen und neigte den Kopf. Sie tat es immer, wenn sie angestrengt lauschte und ihre Umgebung an den Geräuschen erkennen wollte.

»Ist noch jemand da?« fragte sie und lächelte. Dr. Kutscher schnitt der Anblick ins Herz ... er sah Dahlmann an, plötzlich wütend und sogar mit einem Anflug von Ekel und Haß.

»Dr. Kutscher«, sagte er, und seine Stimme klang belegt. Er wunderte sich selbst über diesen fremden Ton. »Sie hatten mich durch Dr. Ronnefeld hergebeten, gnädige Frau.«

»Oh!« Luise raffte den Bademantel über der Brust zusammen, eine rührende Geste von Scham und Mädchenhaftigkeit. »Ich ... ich bin nicht in dem Aufzug, daß ich ... Ernsti.?«

»Ja, Luiserl?!« Dahlmann biß die Zähne zusammen. Er merkte selbst, daß seine Sprache in Gegenwart Dr. Kutschers mehr als dumm war.

»Warum hast du mich nicht benachrichtigt?«

»Dr. Kutscher ist eben erst gekommen. Ich hatte noch keine Zeit dazu, Liebes.«

»Was soll er jetzt von mir denken?«

»Nur das Beste, gnädige Frau.« Dr. Kutscher sah Dahlmann wütend an. »Ihr Anblick ist für einen Mann immer eine Freude. Leider bin ich nicht als Mann hier, sondern als Rechtsanwalt -«

Luise lachte. Sie bog sich dabei etwas zurück. Ein Teil des nackten Beines stach aus dem auseinanderklaffenden Bademantel hervor. Welch ein Schwein bist du doch, dachte Dr. Kutscher und sah Dahlmann wieder an. Er hatte in seiner Praxis oft Fälle gehabt, für die ihm jegliches Verständnis fehlte und die er doch als Anwalt zur Verteidigung übernommen hatte, weil er sich sagte, daß ein Mensch zu allen Unmöglichkeiten fähig ist, weil der Charakter des Menschen vom Edelsten zum Gemeinsten reicht, eine Skala, die mit dazu beiträgt, ihn zur Krone der Schöpfung werden zu lassen. Hier, bei einem an und für sich simplen Fall versagte ihm alles Verständnis. Er spürte das bei ihm seltene Gefühl der Ritterlichkeit, das ihn zwang, auf die Seite Luises zu treten und mit allem, was er besaß, gegen Dahlmann zu stehen.

Luise setzte sich und raffte den Bademantel um ihre Beine! Sie sah an Dr. Kutscher vorbei ins Leere und zögerte. Ich habe Angst, dachte sie. Es wäre einfach, aufzuspringen und zu sagen: Geh, du Lump.! Dr. Kutscher, ich kann sehen, reichen Sie die Scheidung ein. Aber das bedeutete, daß sie sofort das Haus verlassen mußte, daß Ernst Dahlmann die Möglichkeit hatte, in wenigen Stunden Deutschland zu verlassen, schneller, als man einen Haftbefehl erwirkt hatte. Sie strich sich mit bebenden Händen über das Haar. Haftbefehl? Wofür denn? Wo waren die Beweise? Man kann niemanden verhaften, weil er seine Frau mit deren Schwester betrügt. Man kann niemanden verhaften, bevor man ihm die Unterschlagungen nachgewiesen hat. Man kann keinen verhaften, weil er seine Frau irrsinnig machen will . auch das muß man erst beweisen.

Und die Angst kam wieder. Die Angst, daß er sie töten könnte. In den vergangenen Tagen hatte sie gesehen, wie sicher seine Hand war, als er den schweren Leuchter über ihren Kopf schwang, und das Erlebnis des heutigen Tages am Abgrund der Kiesgrube war ein Beweis, daß er nicht zurückschrecken würde, sie wirklich zu töten, wenn er erkannte, daß sie sehen konnte. Davor mußte sie sich schützen . sie mußte einen Wall aus Lockung und Hoffnung bauen, um Zeit zu gewinnen, Zeit, die für sie arbeitete, die ihr Material gab, Ernst Dahlmann zu vernichten. Den Mann, den sie einmal so heiß geliebt hatte, wie sie ihn jetzt mit der gleichen Glut haßte.

Sie sah auf Dr. Kutscher und dann auf ihren Mann. Sie trug wieder ihre Sonnenbrille, dunkle Gläser, die den klaren Blick, mit dem sie ihre Umgebung ansah, verdeckten. Auch verstärkten sie ihre Blindheit . ein Mensch mit dunkler Brille, der sich durch seine Welt tastet, ist des Mitleids seiner Umgebung sicher. Wir können beginnen, dachte Luise und legte die Hände in den Schoß.

Dahlmann stand bleich vor Erregung am Blumenfenster und zerrupfte einen Palmenzweig, der ins Zimmer ragte.

»Wir wollen es kurz machen, Dr. Kutscher -«, sagte Luise mit klarer Stimme. Sie sah dabei ihren Mann an und war erschrocken, wie gefühllos sie ihn betrachten konnte. »Ich habe dir, Ernsti, nicht erzählt, daß ich Dr. Ronnefeld gebeten habe, diese Zusammenkunft zu arrangieren. Sie sollte eine Überraschung sein -«

»Das ist sie wirklich, Luiserl -« Dahlmann bemühte sich um seinen alten, freundlichen und liebevollen Ton.

»Ich bin blind, und ich werde blind bleiben -«, sagte Luise und starrte Dahlmann an. »Ich fühle, daß meine Nerven immer mehr nachlassen. Ich höre Geräusche, die nicht vorhanden sind, ich muß mich zwingen, Dinge nicht zu tun, die Katastrophen auslösen könnten. Wer weiß, wie lange ich dazu noch die Kraft habe, wie lange es dauert, bis ich wirklich irr bin. Sie sehen, daß ich ganz ruhig darüber sprechen kann. Und ich möchte etwas regeln, solange ich noch im Vollbesitz der geistigen Kräfte bin, wie es im Juristendeutsch so treffend heißt. Ich möchte einen Irrtum revidieren.«

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