Das Kloster der toten Seelen
- Автор: Тримейн Питер
- Серия: Schwester Fidelma ermittelt #11
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические детективы
Электронная книга - «Das Kloster der toten Seelen». Краткое содержание книги:
Aus einer kleinen religiösen Gemeinschaft sind sämtliche Mönche verschwunden, im Refektorium steht noch ihr beinahe unberührtes Mahl. Es ist, als hätte sich die Erde geöffnet und die Klosterbrüder verschlungen. Da entdeckt man sieben der Mönche ermordet auf den Klippen am Meer und unweit davon ein angelsächsisches Schiff. Trotzdem liegen die Dinge weniger klar, als sie scheinen. Und es wird entschieden gefährlich für Schwester Fidelma und Bruder Eadulf, ehe sie wissen, welche handfesten irdischen Absichten und Interessen hinter dem mystisch anmutenden Vorfall und einigen weiteren Morden in der Gegend stecken.
Aus dem Englischen von Susanne Olivia Zylla
Die Originalausgabe unter dem Titel »Smoke in the Wind« erschien 2001 bei Headline Book Publishing, London.
»Es wird bald regnen, Eadulf«, rief sie. »Dieser Wind ist der Vorbote eines Gewitters, das garantiere ich.«
»Das sollte uns eher helfen, als uns zu behindern«, erwiderte Eadulf. »Zumindest wird der Regen unsere Spuren verwischen.«
Sie konnte nicht einschätzen, wie lange sie schon geritten waren, aber es mußte ein beträchtliches Stück Wegs sein. Ein Blitz zuckte am Himmel auf, ein Donnergrollen folgte. Die Pferde scheuten und wieherten. Ein kalter, eisiger Regen setzte ein, der rasch an Stärke zunahm.
»So werden wir nicht weit kommen«, rief Fidelma. »Hast du eine Ahnung, wo wir sein könnten?«
»Die Sterne sind nicht zu sehen. Es sind zu viele Wolken am Himmel«, erwiderte Eadulf. »Doch ich glaube, daß wir uns nach Westen oder Südwesten bewegen. Genau südlich von Llanpadern lag der Wald.«
Seine Worte wurden von einem weiteren Blitz begleitet, und wieder folgte unmittelbar darauf Donnergepolter.
»Wir müssen irgendeinen Unterschlupf finden«, erklärte Eadulf. »Der Regen ist viel zu stark.«
»Aber jetzt hinterlassen wir keine Spuren«, entgeg-nete Fidelma. »Am besten wir steigen ab und führen die Pferde. Donner und Blitz machen sie ohnehin nervös.«
Widerstrebend gestand sich Eadulf ein, daß sie recht hatte. Er wußte, daß Fidelma eine ausgezeichnete Reiterin war.
Von Kindesbeinen an war sie mit Pferden vertraut. Er war es mehr gewohnt, sich zu Fuß fortzubewegen. Sie saßen ab und führten die Pferde am Zügel. Der prasselnde Regen verwandelte den Boden unter ihren Füßen in Schlamm.
Nach einem grellen Blitz blieb Eadulf stehen und deutete auf einen kleinen Pfad, der vom Hauptweg abging und eben kurz sichtbar geworden war.
»Mir war so, als hätte ich da eine Felswand gesehen. Dort muß es einen Überhang geben, der uns Schutz bieten könnte. Das wäre besser als gar nichts.« Er hatte mit lauter Stimme gesprochen, um den sintflutartigen Regen und das Gewittergrollen zu übertönen.
Fidelma nickte nur.
»Warte hier!« rief ihr Eadulf zu. »Ich werde prüfen, ob es dort sicher ist.«
Schon war er in der Dunkelheit verschwunden. Fidelmastand bei ihrem unruhigen Pferd, sprach ihm gut zu und streichelte besänftigend seine Nüstern.
Dann tauchte Eadulf wieder auf. »Alles in Ordnung«, rief er. »Du kannst kommen. Der Überhang führt in eine Höhle, wo wir mit den Pferden Unterschlupf finden können. Ich habe meins schon dort gelassen. Die Höhle ist geräumig und trocken.«
Sie folgte ihm und führte ihr Pferd vorsichtig über den schlammigen Pfad unter tief herabhängenden Zweigen hindurch.
Obwohl es kaum möglich schien, nahm der Regen noch an Intensität zu. Das Gewitter stand über dem Wald, als hätte sie ein zorniger Gewittergott aufs Korn genommen. Der schleuderte seine grellen Blitze vom Himmel und ließ ihnen explosionsartige Donnerschläge folgen. Ein Blitz hatte offenbar ganz in der Nähe eingeschlagen, denn sie sahen, wie auf einem Hügel ein Feuer ausbrach, das kurze Zeit darauf die Sturzbäche des Regens wieder gelöscht hatten.
Fidelma kam auf einmal der Gedanke, daß der Gewittergott der Sachsen, Thunor, wohl Rache an ihnen nehmen wollte. Es war gar nicht lange her, daß auch ihr Volk die Gewitterunbilden als Zeichen der Macht der Götter und Göttinnen betrachtet hatte. Sie fragte sich, warum der Name des sächsischen Gewittergottes dem seines irischen Kollegen Torann und dem britischen Gott Taranis so ähnlich war.
Der Überhang war recht breit. Wie Eadulf gesagt hatte, befand sich unter dem Felsvorsprung eine Höhle. Eadulf hatte seinem Pferd mit den Zügeln die Vorderfüße gefesselt, damit es nicht davonlief. Eine Möglichkeit, die Pferde anzubinden, gab es in der Höhle nicht. Fidelma lächelte vor sich hin, sie freute sich über seine Weitsicht. Er wird schon noch ein guter Reiter werden, dachte sie. Rasch tat sie es ihm nach.
Die Höhle wirkte groß und einigermaßen trocken, doch sie hatten beide Hunger und froren.
»Vermutlich werden wir hier kein Feuer anbekommen, oder?« fragte sie.
»Wir haben nichts Trockenes zum Anzünden und auch kein Holz«, erwiderte Eadulf, der als schattenhafte Gestalt am Höhleneingang stand und nur von den Blitzen erhellt wurde. »Und selbst wenn ich was fände, bin ich mir nicht sicher, ob es klug wäre, ein Feuer zu machen. Wir haben uns noch nicht weit genug von Clydogs Lager entfernt, fürchte ich, und müssen jedes Aufsehen vermeiden.«
»Er und seine Männer haben sicher während des Gewitters die Suche nach uns eingestellt«, sagte sie. »Vorerst müssen wir uns wohl hier einrichten.«
Sobald es hell genug war und sich, wie sie hofften, das Unwetter gelegt hatte, wollten sie weiterreiten. Doch zunächst mußten sie dafür sorgen, daß ihre Sachen trockneten und sie nicht mehr froren. Eadulf hatte recht: Es war nirgends etwas Brennbares zu finden, also mußten sie sich irgendwie behelfen.
Eadulf hatte mehr tastend als sehend den Pferden in dem Dunkel die Sättel abgenommen. An einer Seite der Höhle hatte er einen glatten Stein entdeckt. Fidelmahörte, wie er sich dort zu schaffen machte.
»Ich habe hier die Satteldecken ausgebreitet. Die sind zwar feucht, aber besser als der blanke Fels. Wir sollten uns aneinander wärmen. Vielleicht werden wenigstens unsere Unterkleider von allein trocknen.«
Fidelma und Eadulf hockten sich Seite an Seite gegen die Felswand. Ihre Umarmung entsprang der Notwendigkeit zu überleben, jeder brauchte die Wärme des anderen. Vor der Höhle verzog sich das Gewitter langsam. Doch die dunklen Wolken fegten immer noch über den Wald und schickten prasselnden Regen auf die Erde nieder.
»Bis zum Morgen wird der Himmel klar sein«, murmelte Fidelma, während sie sich in Eadulfs Arm schmiegte.
Einen Moment lang schwieg Eadulf. »Wenn wir nach Westen reiten, werden wir bald die Küste erreichen. Doch vielleicht gibt es auch noch einen Weg nach Süden.«
»Warum nach Süden?« wollte sie wissen.
»Zurück zur Abtei Dewi Sant.«
»Aber wir haben den Auftrag, den uns Gwlyddien erteilt hat, doch noch nicht erfüllt«, entgegnete Fidelma.
»Wieso? Wir wissen, daß Llanpadern von plündernden Piraten überfallen wurde. Wir haben die Leiche eines Kriegers der Hwicce entdeckt. Ich glaube, daß es ganz klar auf der Hand liegt, was mit dem Kloster und dem Sohn des Königs geschehen ist.«
»Ich halte das überhaupt nicht für klar. Ich möchte nach Llanferran, um mit Dewi zu sprechen und mehr über die Toten zu erfahren, die er gefunden hat.«
»Wie können wir hierbleiben, wo dieser verrückte Clydog in allernächster Nähe ist?« fragte Eadulf bestürzt. »Wir können unmöglich weitere Ermittlungen anstellen, wenn uns diese Bande von besessenen Mördern auf den Fersen ist.«
»Ich kann jetzt keinen Rückzieher machen, Eadulf«, antwortete Fidelma ruhig. »Damit würde ich gegen meinen Eid als dalaigh verstoßen, ganz zu schweigen von dem Auftrag, den uns Gwlyddien erteilt hat.«
»Aber gewiß ...«, sagte Eadulf resigniert. Gegen ihren Entschluß würde er nicht ankommen.
»Wenn du möchtest, reite zur Abtei zurück«, sagte Fidelma ohne jeden Groll. »Du kannst dort auf mich warten. Doch hier ist viel zuviel Böses im Gange, als daß ich mich geschlagen geben will, ohne den Versuch unternommen zu haben, dagegen vorzugehen.«
Eadulf schwieg einen Moment. »Hast du also vor, auch noch mal nach Llanpadern zu reiten?«
»Nach Llanpadern nicht. Clydog würde uns sicher dorthin folgen. Vorerst haben wir getan, was wir an diesem traurigen, verlassenen Ort tun konnten. Wir müssen nach Llanferran und sehen, worauf wir dort stoßen.«
»Und wohin dann?«
»Wieder nach Llanwnda. Ich muß Bruder Meurig und Gwnda über Clydog und seine Bande informieren. Gwnda ist offenbar in der Lage, seine Leute zu schützen, und ich werde ihn bitten, uns ebenfalls unter seinen Schutz zu nehmen. Bruder Meurig und Gwnda haben vielleicht schon von Clydog und seinen Banditen gehört.«