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Paganinis Fluch

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Paganinis Fluch
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Der Raum ist verraucht, träge Schleier bewegen sich durch die stehende Luft.

Eine kleine, muskulöse Frau in einer schwarzen Jeans und einem braunen T-Shirt steht vor einem Mann in Unterhose und Strümpfen. Das Gesicht der Frau wird von einer Kapuze verdeckt. Der Schädel des Mannes ist kahl rasiert und auf seine Stirn sind die Worte »Weiße Macht« tätowiert. Er hat sich in die Zunge gebissen. Blut rinnt über sein Kinn, den Hals und den dicken Bauch.

»Bitte«, flüstert er und schüttelt den Kopf.

Joona sieht die qualmende Zigarre in der herabhängenden Hand der Frau. Ohne Vorwarnung geht sie zu dem Mann und presst die Glut gegen das Tattoo auf seiner Stirn, sodass er losbrüllt. Der dicke Bauch und die hängenden Brüste zittern. Er bepinkelt sich, ein dunkler Fleck breitet sich auf der blauen Unterhose aus und Urin läuft an seinem nackten Bein herab.

Joona hat seine Pistole gezogen, nähert sich dem Spalt zwischen den dicken Plastiklamellen und versucht herauszubekommen, ob sich weitere Personen im Raum aufhalten. Er kann niemanden entdecken, öffnet den Mund, um zu rufen, und sieht plötzlich seine Pistole zu Boden fallen.

Klirrend fällt sie auf den nackten Beton und bleibt vor den Plastiklamellen liegen. Erstaunt betrachtet er seine Hand und sieht sie zittern, und im nächsten Moment kommt der wütende Schmerz. Joona sieht nichts mehr, spürt nur eine schwere, zerstörerische Bewegung hinter seiner Stirn. Ungewollt entfährt ihm ein Stöhnen, und er muss sich mit einer Hand an der Wand abstützen. Er spürt, dass er kurz davor ist, das Bewusstsein zu verlieren, aber noch hört er die Stimmen der Menschen hinter dem Plastik.

»Verdammt noch mal«, schreit die Frau mit der Zigarre. »Sag mir einfach, was zum Teufel du gemacht hast.«

»Ich weiß es nicht mehr«, antwortet der Neonazi unter Tränen.

»Was hast du gemacht?«

»Ich war gemein zu einem Jungen.«

»Genauer!«

»Ich habe ihm das Auge verbrannt.«

»Mit einer Zigarette«, sagt sie. »Einem zehnjährigen Jungen …«

»Ja, aber ich …«

»Warum? Was hat er getan?«

»Wir sind ihm von der Synagoge aus gefolgt und …«

Joona merkt nicht, dass er einen schweren Feuerlöscher von der Wand reißt. Er verliert jegliches Zeitgefühl. Der ganze Ort wird ausgelöscht. Außer dem Schmerz in seinem Kopf und einem hohen, klingelnden Ton im Ohr existiert nichts mehr.

Spende Boerse

31

Die Mitteilung

Joona lehnt an der Wand, blinzelt, um wieder etwas sehen zu können, und merkt, dass jemand bei ihm steht, nach ihm aus dem Zimmer mit den nackten jungen Leuten gekommen sein muss. Er spürt eine Hand auf seinem Rücken und erahnt durch die schwarzen Schmerzschleier hindurch ein Gesicht.

»Was ist passiert?«, fragt Saga Bauer leise. »Bist du verletzt?«

Er versucht, den Kopf zu schütteln, hat aber zu starke Schmerzen, um sprechen zu können. Es kommt ihm vor, als würde mitten durch Haut, Kranium, Gehirnstamm und die zähe Gehirnflüssigkeit ein Haken gezogen.

Joona fällt auf die Knie.

»Du musst hier raus«, sagt sie.

Er spürt, dass Saga sein Gesicht anhebt, kann aber nichts sehen. Sein ganzer Körper ist in Schweiß gebadet, er fühlt ihn aus den Achselhöhlen und von Nacken und Rücken herablaufen, spürt ihn in seinem Gesicht, am Haaransatz und auf der Stirn.

Saga tastet in seinen Kleidern, weil sie annimmt, dass es sich um einen epileptischen Anfall handelt, weshalb sie in seinen Taschen nach Medikamenten sucht. Er nimmt vage wahr, dass sie sein Portemonnaie nimmt und in ihm nach einem Epilepsieausweis sucht.

Nach einer Weile lässt der Schmerz nach, Joona befeuchtet mit der Zunge seinen Mund und blickt auf. Seine Kiefer sind angespannt, und der ganze Körper schmerzt nach dem Mirgräneanfall.

»Ihr dürft noch nicht kommen«, flüstert er. »Ich muss …«

»Was zum Teufel ist passiert?«

»Nichts«, antwortet Joona und hebt seine Pistole vom Boden auf.

Er steht auf und geht, so schnell er kann, an den herabhängenden Plastiklamellen vorbei in den Raum. Er ist leer. An der gegenüberliegenden Wand leuchtet ein Notausgangsschild. Saga folgt ihm und wirft ihm einen fragenden Blick zu. Joona öffnet die Tür des Notausgangs und sieht eine steile Treppe, die zu einer weiteren Stahltreppe zur Straße führt.

»Perkele«, murmelt er.

»Rede mit mir«, sagt Saga wütend.

Joona hat die Ursache seiner Krankheit dauerhaft verdrängt, er weigert sich, daran zu denken, was vor vielen Jahren geschehen ist und zur Folge hat, dass manchmal ein solcher Schmerz durch sein Gehirn pulsiert, dass er für ein oder zwei Minuten völlig außer Gefecht gesetzt ist. Seinem Arzt zufolge handelt es sich um eine extreme Form körperlich verursachter Migräne. Es hat sich gezeigt, dass bei ihm nur das vorbeugende Epilepsiemedikament Topiramat wirkt. Eigentlich soll Joona das Medikament regelmäßig nehmen, aber wenn er arbeiten und klar denken muss, weigert er sich, weil es ihn müde macht und er das Gefühl hat, dass es sein Denken beeinträchtigt. Er weiß, dass er ein Risiko eingeht. Manchmal kann er wochenlang auf das Medikament verzichten, ohne einen Migräneanfall zu bekommen, dann wieder bekommt er schon wenige Tage nach dem Absetzen einen Anfall.

»Sie haben hier einen Typen gefoltert, einen Neonazi, glaube ich, aber …«

»Gefoltert?«

»Ja, mit einer Zigarre«, antwortet er und geht durch den Gang zurück.

»Was ist passiert?«

»Ich konnte nicht …«

»Also ich bitte dich«, unterbricht sie ihn. »Du solltest vielleicht nicht, ich meine … operativ arbeiten, wenn du krank bist.«

Sie streicht sich über das Gesicht.

»Was für eine verdammte Scheiße«, flüstert sie.

Joona durchquert das Zimmer mit der Clownlampe und hört, dass Saga ihm folgt.

»Was treibst du hier überhaupt?«, fragt sie. »Die Einsatztruppe des Staatsschutzes wird diese Räume jeden Moment stürmen. Wenn sie sehen, dass du bewaffnet bist, schießen sie, das weißt du genau, es wird dunkel sein, sie werden Tränengas einsetzen und …«

»Ich muss mit Daniel Marklund sprechen«, unterbricht Joona sie.

»Eigentlich dürftest du nicht einmal wissen, wer das ist«, erwidert sie und folgt ihm die Wendeltreppe hinauf. »Wer hat dir das erzählt?«

Joona geht in einen der Gänge, bleibt jedoch stehen, als er bemerkt, dass Saga in eine andere Richtung zeigt. Er folgt ihr, sieht, dass sie losläuft, zieht seine Waffe, rennt um eine Ecke und hört sie rufen.

Saga ist im Türrahmen zu einem Raum mit fünf Computern stehen geblieben. In einer Ecke des Zimmers steht ein junger Mann mit Bart und schmutzigen Haaren. Es ist Daniel Marklund. In der Hand hält er ein russisches Bajonettmesser.

»Wir sind Polizisten und möchten Sie bitten, das Messer wegzulegen.« Saga hält ruhig ihren Dienstausweis hoch.

Der junge Mann schüttelt den Kopf und bewegt das Messer vor seinem Körper, dreht die Klinge schnell in verschiedenen Winkeln.

»Wir wollen nur mit Ihnen reden«, sagt Joona und steckt seine Pistole ins Halfter zurück.

»Dann redet.« Daniels Stimme ist angespannt.

Joona geht auf ihn zu und begegnet Marklunds gestresstem Blick. Er beachtet das Messer nicht, das auf ihn gerichtet wird, die Klinge, die geschliffene Spitze.

»Daniel, das können Sie wirklich nicht besonders gut«, erklärt Joona lächelnd.

Die glänzende Klinge riecht nach Waffenfett. Daniel Marklund lässt das Bajonettmesser schneller kreiseln, und als er antwortet, ist sein Blick konzentriert.

»Nicht nur Finnen können mit einem Messer um- …«

Joona macht einen schnellen Ausfallschritt, packt das Handgelenk des jungen Mannes, entwindet ihm mit einer sanften Bewegung das Messer und legt es auf den Tisch.

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Главный герой
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