Nie sollst Du vergessen
- Автор: Джордж Элизабет
- Серия: Inspector Lynley (de) #11
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Nie sollst Du vergessen». Краткое содержание книги:
Psychologische Raffinesse, präziser Spannungsaufbau und ein unfehlbarer Sinn für Dramatik charakterisieren die Kriminalromane der Amerikanerin Elizabeth George. Die Autorin, die den Anthony Award, den Agatha Award und den Grand Prix de Litérature Policière gewonnen hat, lebt in Huntington Beach, Kalifornien. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ElizabethGeorgeOnline.com
»Ja, das kann ich verstehen. Das wäre durchaus möglich.«
»Sie wollte wissen, ob es ihm gut geht, Jill. > Warum spielt er nicht, Richard?<, fragte sie mich. >Wie viele Auftritte hat er wirklich abgesagt? Und warum? Warum?<«
»Was wollte sie denn?«
»Sie hat mich allein in den letzten zwei Wochen bestimmt zehnmal angerufen«, sagte Richard. »Plötzlich drängte sie sich wieder in mein Leben, eine Stimme aus der Vergangenheit, von der ich glaubte, ich hätte sie endgültig hinter mir gelassen und -« Er brach ab.
Jill spürte, wie die Kälte an ihr emporkroch, von den Fußsohlen aufwärts, und sie umklammerte. »Du glaubtest, du hättest sie hinter dir gelassen«, sagte sie leise und versuchte, das Undenkbare nicht zu denken. Aber die Gedanken stürmten trotzdem auf sie ein: Er liebt sie immer noch. Sie verließ ihn, sie verschwand aus seinem Leben, aber er liebt sie immer noch. Er hat mich geküsst. Er hat mit mir geschlafen. Aber geliebt hat er immer nur Eugenie.
Kein Wunder, dass er nie wieder geheiratet hatte. Die einzige Frage war: Warum wollte er jetzt wieder heiraten?
Dieser verwünschte Mann konnte ihre Gedanken lesen. Vielleicht las er auch in ihrem Gesicht oder spürte die Kälte. Jedenfalls sagte er: »Ich habe so lange gebraucht, um dich zu finden, Jill. Ich liebe dich. Ich hatte überhaupt nicht erwartet, dass ich in meinem Alter noch einmal lieben würde. Und jeden Morgen, wenn ich auf diesem Foltersofa hier aufwache, danke ich Gott für das Wunder deiner Liebe. Eugenie ist ein sehr ferner Teil meiner Vergangenheit. Wir wollen sie nicht zu einem Teil unserer Zukunft machen.«
Sie hatten, wie Jill nur zu gut wusste, beide eine Vergangenheit. Sie waren keine Teenager mehr, sie konnten nicht erwarten, dass der andere ohne Gepäck in das gemeinsame neue Leben eintreten würde. Was zählte, war die Zukunft. Ihre gemeinsame Zukunft und die Zukunft ihres Kindes. Catherine Ann.
Henley-on-Thames war von London aus rasch zu erreichen, wenn die Rückstaus, die sich im morgendlichen Berufsverkehr auf der M40 bildeten, auf die andere Fahrbahnseite beschränkt blieben. Inspector Thomas Lynley und Constable Barbara Havers hatten Marlow bereits knapp eine Stunde nach ihrer Abfahrt aus Hampstead, wo sie an einer Lagebesprechung unter der Leitung von Inspector Eric Leach teilgenommen hatten, hinter sich gelassen und fuhren in südlicher Richtung Henley entgegen.
Inspector Leach, der offenbar mit einer Erkältung oder Grippe kämpfte, hatte sie mit seinen Leuten bekannt gemacht, die nicht verbargen, dass ihnen die Anwesenheit New Scotland Yards in ihrer Mitte nicht recht geheuer war. Aber angesichts der massiven Arbeitslast, die auf sie wartete - sie hatten unter anderem eine Reihe von Vergewaltigungen in Hampstead Heath und eine Brandstiftung im Haus einer berühmten alternden Schauspielerin aufzuklären -, nahmen sie das Hilfsangebot der Kollegen doch gern an.
Leach berichtete zunächst über den ersten Befund der Obduktion, der die Ergebnisse von Blut-, Gewebe- und Organuntersuchungen noch nicht einschloss. Man hatte bei der Toten, die mit Hilfe der zahnärztlichen Unterlagen als Eugenie Davies, 62 Jahre alt, identifiziert worden war, eine Vielzahl körperlicher Verletzungen festgestellt. Zuerst zählte Leach die Frakturen auf, die sie davongetragen hatte: vierter und fünfter Halswirbel, Oberschenkelhals links, Elle und Speiche ebenfalls links, Schlüsselbein rechts, fünfte und sechste Rippe. Es folgten die organischen Verletzungen: Leber, Milz und Niere. Als Todesursache waren starke innere Blutungen und Schock festgestellt worden; der Tod war zwischen zweiundzwanzig Uhr und Mitternacht eingetreten. Eine Auswertung des am Leichnam festgestellten Spurenmaterials würde folgen.
»Sie wurde ungefähr fünfzehn Meter weit geschleudert«, berichtete Leach den im Besprechungszimmer zwischen Computern, Aktenschränken, Kopiergeräten und Tafeln versammelten Beamten.
»Den Untersuchungen zufolge ist danach mindestens zweimal ein Fahrzeug über sie hinweggefahren, möglicherweise auch dreimal. Das ergibt sich aus den Quetschungen am Körper der Toten und den auf ihrem Trenchcoat sichergestellten Spuren.«
»Das scheint ja eine reizende Gegend zu sein«, bemerkte jemand ironisch.
Leach korrigierte den falschen Eindruck des Sprechers sofort.
»Wir vermuten, dass der Schaden durch ein einziges Fahrzeug angerichtet wurde, McKnight, nicht durch zwei oder drei. Davon werden wir auf jeden Fall ausgehen, solange wir aus Lambeth nichts anderes hören. Beim ersten Zusammenprall mit dem Fahrzeug wurde sie zu Boden gerissen. Der Wagen fuhr dann zuerst vorwärts, danach rückwärts und noch einmal vorwärts über sie hinweg.«
Leach zeigte auf verschiedene Fotografien, die an der Tafel aufgehängt waren, ehe er fortfuhr. Sie zeigten die Straße nach dem Unglück. Er wies auf eine Aufnahme hin, die ein Stück Asphalt zwischen zwei orangefarbenen Pylonen und im Hintergrund eine Reihe geparkter Autos zeigte. »Der Zusammenstoß scheint hier erfolgt zu sein«, sagte er. »Und der Körper schlug hier, mitten auf der Fahrbahn auf.« Wieder ein Stück Straße, das an beiden Enden abgesperrt war. »An der Stelle, wo die Frau aufgeschlagen ist, hat der Regen einen Teil des Bluts weggespült. Aber es hat zum Glück nicht so stark geregnet, dass alles weggewaschen wurde. Und Gewebe- und Knochenspuren waren auch noch vorhanden. Aber die Tote wird nicht da gefunden, wo die Spuren feststellbar sind, sondern hier drüben, neben diesem Vauxhall, der am Bordstein geparkt ist. Achten Sie auf die Lage der Leiche. Sie sehen, dass sie ein Stück unter den Wagen geschoben ist. Wir vermuten, dass der Fahrer des Unfallwagens ausgestiegen ist, nachdem er die Frau niedergefahren und ein paar Mal überrollt hatte, und sie an den Straßenrand zerrte, ehe er weiterfuhr.«
»Könnte sie nicht von einem Fahrzeug dorthin geschleift worden sein? Einem Lkw vielleicht?«, fragte ein Constable, der bisher lautstark eine Tasse Instantbrühe geschlürft hatte. »Oder können Sie das ausschließen?«
»Ja, auf Grund der wenigen Reifenabdrücke, die wir haben«, erklärte Leach und griff nach seinem Kaffeebecher, den er auf einem mit Akten und Computerausdrucken beladenen Schreibtisch an seiner Seite abgestellt hatte.
Er war lockerer, als Lynley nach der ersten Begegnung vor vierzig Minuten in seinem Büro erwartet hatte. Lynley nahm es als gutes Omen für die bevorstehende Zusammenarbeit.
»Aber warum nicht mehrere Fahrzeuge, Sir?«, erkundigte sich ein anderer Beamter. »Das erste fährt sie nieder, und der Fahrer gerät in Panik und flüchtet. In ihrer schwarzen Kleidung wird sie von den beiden nächsten vorüberkommenden Autofahrern nicht gesehen und nochmals überrollt.«
Leach trank einen Schluck Kaffee und schüttelte den Kopf. »Es wäre doch sehr unwahrscheinlich, dass in derselben Nacht im selben Viertel drei unachtsame Autofahrer dieselbe Person überfahren, ohne den Unfall zu melden. Und wie soll sie, wenn wir Ihrer Theorie folgen, unter dem Vauxhall gelandet sein? Dafür gibt es nur eine Erklärung, Potashnik, und die ist der Grund dafür, dass wir uns mit dem Fall befassen.«
Seinen Worten folgte zustimmendes Gemurmel von allen Seiten.
»Ich würde wetten, dass der Typ, der die Sache gemeldet hat, unser Fahrer ist«, rief jemand von hinten.
»Möglich«, stimmte Leach zu. »Pitchley hat sofort seinen Anwalt hinzugezogen und keinen Ton mehr gesagt. Das stinkt natürlich, da haben Sie Recht. Aber er wird uns schon noch einiges erzählen, denke ich, wenn wir sein kostbares Auto lange genug unter Verschluss halten.«