Der stolze Orinoco
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Путешествия и география
Электронная книга - «Der stolze Orinoco». Краткое содержание книги:
- Ja, ist er überhaupt sein Onkel? unterbrach ihn Germain Paterne. Mir will's nicht ganz so scheinen.
- Ob der Sergeant Martial nun Jean von Kermor's Onkel ist oder nicht, fuhr Jacques Helloch fort, würde ja wenig bedeuten, wenn er nur noch ein Mann in den Jahren vollster Kraft und an solche gefährliche Fahrten gewöhnt wäre. Ich frage mich immer, wie er hat zustimmen können.
- Zustimmen, ja, das ist das richtige Wort, Jacques, fiel Germain Paterne ein, indem er die Asche aus seiner Pfeife klopfte. Ja wohl, zustimmen, denn es liegt auf der Hand, daß der junge Mann den Gedanken an diese Reise angeregt und daß er seinen Onkel dazu verführt hat. Doch nein, der Brummbär ist sein Onkel gar nicht, denn ich glaube mich zu erinnern, daß der Oberst von Kermor, als er aus Nantes verschwand, gar kein Kind hatte.
- Als er Nantes wohin verließ?
- Darüber hat man nie etwas gehört.
- Außer daß sein Sohn uns von dem letzten, in San-Fernando geschriebenen Briefe gesprochen hat. Wenn sie freilich auf eine so unzuverlässige Andeutung hin abgereist sind.
- Nun, sie hoffen ja in San-Fernando weitere Nachrichten erhalten zu können, der Oberst hat sich daselbst vor zwölf bis dreizehn Jahren doch bestimmt einmal aufgehalten.
- Das ist es eben, was mir Sorge macht, Germain. Erhält der junge Mann in San-Fernando weitere Mittheilungen, so wird er wahrscheinlich noch weiter. sehr weit. entweder nach Columbien oder durch die Flußgebiete des Atabapo oder des Guaviare, vielleicht auch bis nach den Quellen des Orinoco hinausgehen wollen. Ein solches Wagniß müßte doch zu einem sichern Untergange führen.«
Da unterbrach Germain Paterne seinen Genossen und sagte halblaut:
»Hörst Du nichts, Jacques?«
Dieser erhob sich, ging lautlos nach dem Vordertheil der Pirogue und lauschte, während er die Wasserfläche vom jenseitigen Ufer bis zur Mündung des Meta überblickte.
»Ich sehe nichts, sagte er zu Germain, der ihm gefolgt war. Und doch. ja, setzte er nach nochmaligem scharfen Aufpassen hinzu, mir scheint ein Geräusch vom Wasser her zu kommen.
- Sollten wir nicht die Schiffsleute wecken?
- Warte noch!. Das scheint mir gar nicht das Geräusch von einem sich nähernden Boote zu sein. Vielleicht sind es nur die Fluthen des Meta und des Orinoco, die an ihrer Vereinigungsstelle einen gurgelnden Ton erzeugen.
- Achtung! Sieh da. da draußen!« fügte Germain Paterne hinzu.
Er wies dabei nach einigen schwarzen Punkten hin, die sich wenige Schritte flußabwärts von den Falcas bewegten.
Jacques Helloch ergriff das Gewehr, das am Deckhaus lehnte, und beugte sich über den Bordrand hinaus.
»Ein Boot ist es nicht, sagte er, und doch, mir scheint, ich sehe.«
Er legte schon die Waffe an, als Germain Paterne ihn zurückhielt.
»Schieße nicht!. Schieße nicht! raunte er ihm zu. Hier ist von keinen auf Raub ausziehenden Quivas die Rede!. Das sind nur ehrliche Amphibien, die an der Wasseroberfläche Luft schnappen wollen.
- Amphibien?
- Ja, drei oder vier von den Lamantins und Toninos, die im Orinoco so häufig vorkommen!«
Germain Paterne täuschte sich hiermit nicht. Es handelte sich hier nur um einige Pärchen von Lamantins (Wasserkühen) und Toninos (Wasserschweinen), die sich in den größeren und kleineren Flüssen Venezuelas aufhalten.
Die völlig harmlosen Amphibien näherten sich langsam den Piroguen, verschwanden aber, wahrscheinlich erschreckt, als sie fast heran waren.
Die beiden jungen Leute nahmen ihren Platz auf dem Hintertheile wieder ein, und dann ging das kurze Zeit unterbrochene Gespräch wieder weiter, nachdem Germain Paterne seine Pfeife nochmals in Brand gesetzt hatte.
»Du sagtest eben, begann Jacques Helloch, daß der Oberst von Kermor, wenn Du Dich recht erinnerst, keine weitere Familie gehabt habe.
- Das glaub' ich versichern zu können. Doch halt, da kommt mir etwas in den Sinn. Es schwebte einmal ein Proceß, der von einem Verwandten seiner Gattin angestrengt war, ein Proceß, den der Oberst beim Appellationsgericht in Rennes gewann, nachdem er ihn in unterer Instanz in Nantes verloren hatte. Ja, ja, dessen erinnre ich mich jetzt. Vier bis fünf Jahre später war Frau von Kermor, eine Kreolin von Martinique, auf der Rückkehr von den französischen Colonien bei einem Schiffbruche umgekommen. und zwar mit ihrer einzigen Tochter. Das war ein harter Schlag für den Oberst. Nach langer Krankheit, nach dem Verluste Aller, die seinem Herzen am theuersten waren - seiner Gattin und seines Kindes - und nun ohne weitere Familie, nahm er, wie ich Dir schon sagte, seinen Abschied. Kurze Zeit darauf verbreitete sich das Gerücht, daß er Frankreich verlassen habe. Niemals war dann etwas davon laut geworden, nach welchem Lande er sich gewendet haben mochte, bis der an einen seiner Freunde gerichtete Brief aus San-Fernando eintraf. Ja, so war es; ich wundre mich, daß ich mich nicht eher darauf besonnen habe. Wenn wir den Sergeanten Martial und den jungen Kermor darüber fragten, würden sie das jedenfalls bestätigen.
- Die wollen wir nicht darum befragen, antwortete Jacques Helloch, das sind Privatangelegenheiten, und es wäre von uns indiscret, sich da hineinmischen zu wollen.
- Du magst recht haben, Jacques, Du wirst aber zugeben, daß ich auch recht hatte mit der Behauptung, daß der Sergeant Martial der Onkel Jean von Kermor's nicht sein könne, da der Oberst von Kermor nach dem Ableben seiner Frau keine näheren Verwandten hatte.«
Mit gesenktem Kopfe und gekreuzten Armen dachte Jacques Helloch über das nach, was sein Genosse ihm mitgetheilt hatte. Dieser konnte damit gar keinem Irrthum verfallen sein. Er wohnte ja in Rennes, als der Proceß des Oberst von Kermor am dortigen Appellationsgerichte verhandelt wurde, und die im Vorhergehenden erwähnten Thatsachen waren im Laufe des Processes an den Tag gekommen.
Da kam ihm ein Gedanke, der wohl unsern freundlichen Lesern auch schon aufgestiegen sein mochte.
»Wenn der Sergeant Martial kein Verwandter ist, sagte er, so kann Jean auch nicht der Sohn des Oberst von Kermor sein, da dieser nur eine Tochter hatte, die noch ganz klein bei dem Schiffbruche mit umgekommen war, der ihrer Mutter das Leben kostete.
- Das liegt auf der Hand, erklärte Germain Paterne, es ist unmöglich, daß der junge Mann der Sohn des Oberst wäre.
- Und doch behauptet er das,« setzte Jacques Helloch hinzu.
Hier lag offenbar ein dunkler, ja ein geheimnißvoller Punkt vor. Konnte man annehmen, daß der junge Mann selbst das Opfer einer Täuschung wäre - einer Täuschung, die ihn in so ein gefahrvolles Unternehmen gestürzt hätte?. Nein, das gewiß nicht. Der Sergeant Martial und sein angeblicher Neffe mußten sich, bezüglich des Oberst von Kermor und der Bande, die Jean mit diesem verknüpften, auf Grundlagen stützen, die mit dem, was Germain Paterne wußte, in Widerspruch standen.
Das Interesse Jacques Helloch's nahm übrigens noch mehr zu, je mehr er sich hier einer unaufgeklärten Sache gegenüber sah.
Die beiden Freunde unterhielten sich über dieses Thema bis zu dem Augenblicke wo die Herren Miguel und Felipe, die den hartköpfigen Vertreter des Guaviare schlafen ließen, zur Uebernahme des Wachpostens erschienen.
»Sie haben nichts Verdächtiges bemerkt? fragte Herr Miguel, der auf dem Hintertheil der »Maripare« stand.
- Nicht das Geringste, Herr Miguel, antwortete Jacques Helloch. Strom und Ufer sind vollkommen ruhig.
- Und voraussichtlich wird Ihre Wache ebensowenig gestört werden, wie die unsre, fügte Germain Paterne hinzu.
- Dann also, gute Nacht, meine Herren!« erwiderte Herr Felipe, indem er ihnen von Bord zu Bord die Hände drückte.
Wenn Herr Miguel und sein College die wenigen Stunden, die sie jetzt vor sich hatten, gleichfalls verplauderten, so bezog sich ihr Gespräch doch gewiß nicht auf denselben Gegenstand, wie das der beiden Franzosen. Herr Felipe benutzte jedenfalls die Nichtanwesenheit des Herrn Varinas, um die Bedeutung der Argumente, die dieser für seine Anschauungen betonte, in ihrer Leerheit zu zeigen, und Herr Miguel hörte ihm jedenfalls mit gewohnter Gutmüthigkeit zu.