Chronos [A Bridge of Years - de]
- Автор: Уилсон Роберт Чарльз
- Год: 2008
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 978-3-453-52448-4
- Переводчик: Michael Kubiak
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Chronos [A Bridge of Years - de]». Краткое содержание книги:
Mit »Chronos« legt Robert Charles Wilson einen einzigartigen Zeitreise-Roman vor. Der preisgekrönte Autor von »Spin« stellt damit einmal mehr unter Beweis, dass seine Romane zum Besten gehören, was die Science Fiction derzeit zu bieten hat.
Nanomechanismen waren durch das gerinnende Blut in seinen Arterien gefangen. Unter Sauerstoffmangel leidend, sendeten sie Notsignale aus und schalteten sich ebenfalls nacheinander ab.
Billy Gargullo schleifte den Körper in den Wald und ließ ihn in einem verlassenen Holzschuppen unter einem Haufen modriger Zeitungen zurück. Den Verfall beschleunigende Organismen — im regenfeuchten Wald reichlich vorhanden — stürzten sich sofort auf die Leiche.
Billy eilte zum Haus zurück. Als er dort eintraf, hatte er die kybernetischen Helfer mit einem Impuls elektromagnetischer Strahlung völlig verwirrt. Nun löste er einen zweiten Impuls aus, damit sie ihm den Weg frei machten. Er verharrte für einen Moment in der Küche und zog seine Zusatzgedächtnisse zurate, um sich einen ungefähren Eindruck von seinem Aufenthaltsort zu verschaffen. Amerika, Nordwesten, Pazifikküste — gekennzeichnet durch eine ausgesprochen dichte Biomasse an Wald, die ihn erschreckte und ihm Angst machte — irgendwann nach 1970, zu nahe dem Albtraum, den er hinter sich gelassen hatte. Er wollte einen wirkungsvolleren Puffer, selbst wenn es für ihn ein größeres Risiko bedeutete. Er kehrte in den Keller zurück und betätigte die versteckten Kontrollen des Tunnels, wie die sterbende Frau es ihn gelehrt hatte. Der Zielort war verhältnismäßig unwichtig. Er brauchte einen Ort, wo er sich verstecken konnte. Er würde fliehen, er würde sich verstecken, er würde niemals aufgestöbert werden, und er würde nie zurückkehren.
Das war sein gesamter Plan. Sein einziger Plan. Der einzige Plan, den er brauchte.
Billys EM-Impulse störten den Fernseh- und Radioempfang in der Stadt Belltower und in zwei benachbarten Counties. An der Post Road war die Wirkung am heftigsten und erschreckendsten. Peggy Simmons, die Witwe, die eine Viertelmeile von dem Haus entfernt wohnte, in das Tom Winter später einziehen sollte, sah zu ihrer Verblüffung, wie ihr Zenith-Farbfernseher einen grellen blauen Blitz abgab, während die Bildröhre sich zu einem unheilvollen rissigen Grau verfärbte. In diesem Sommer des Jahres 1979 musste sie für die Reparatur fast dreihundert Dollar bezahlen — die Garantiefrist für den Fernseher war gerade erst abgelaufen. Sie bezahlte die Rechnung, machte jedoch den Angestellten bei Belltower Audiovideo darauf aufmerksam, dass das Crosley-Gerät, das sie 1960 gekauft hatte, fünfzehn Jahre funktioniert hatte, wobei nur ab und zu eine Röhre ausgetauscht werden musste, und dass die Herstellungsqualität gesunken war, während die Reparaturpreise in die Höhe geschnellt waren, aber mit so etwas sei ja zu rechnen gewesen, nicht wahr — man brauchte sich nur anzusehen, in welchem Zustand die Welt sich befand. Der Techniker nickte nur und zuckte die Achseln. Wahrscheinlich hatte sie recht. Er hatte in letzter Zeit ziemlich viele Reparaturen auszuführen.
Die Häufung elektrischer Defekte wurde in Belltower für kurze Zeit als Sensation behandelt, erfuhr ausgiebige Beachtung in der örtlichen Zeitung, wurde ohne Ergebnis untersucht und schließlich vergessen.
Viele der kybernetischen Helfer starben oder wurden von dem EM-Impuls funktionsunfähig gemacht. Aber viele überlebten. Sie waren noch Tage später völlig desorientiert. Beschädigte Informationskanäle mussten geflickt und wiederhergestellt werden, eine verständliche Erinnerung an die Ereignisse des Tages musste erstellt werden.
Am schlimmsten war der Verlust von Ben Collier. Für die kybernetischen Helfer hatte er in sich die Funktionen von Verrechnungsstelle, Gesetzesmacher und Gott vereinigt. Ohne ihn waren sie gezwungen, wieder in primitive Verhaltensmuster zurückzufallen. Das war unvermeidbar, aber zugleich hinderlich. Ohne Ben und zahlenmäßig erheblich reduziert, verfügten sie nur über eine rudimentäre Intelligenz. Sie konnten Routineaufgaben erfüllen. Alles andere war ein Herumtasten in totaler Finsternis.
Viele der Nanomechanismen, die mit dem Körper des Zeitreisenden in engster Verbindung standen, waren durch die Wirkung von Billys Waffe oder durch den physischen Zusammenbruch danach zerstört worden. Einige waren in alle vier Winde zerstreut worden. Beschädigt oder außerhalb der Reichweite kollektiven Denkens und Empfindens starben sie. Ein paar — die eigenen Subroutinen folgten — gelang eine geordnete Flucht. Nach einiger Zeit schafften sie es, zum Haus zurückzukehren. Sie gaben ihre bedeutsamen Gedächtnisinhalte an die größeren kybernetischen Helfer nach Art von Bienen weiter, die für ihren Stock Pollen sammeln und abliefern. Die Gemeinschaft der Maschinen, nun im Besitz dieses neuen Wissens, war sich darüber im Klaren, dass Maßnahmen ergriffen werden mussten.
Heere von insektengroßen kybernetischen Helfern, die den Anweisungen der Nanomechanismen folgten, tauchten in den Wald hinter dem Haus ein. Das war gefährlich, und man hatte darüber diskutiert. Das Gelände außerhalb des Hauses war für sie tabu gewesen — bis zu diesem Notfall. Aber ihre Hauptaufgabe, so erklärten sie, sei die Wiederherstellung von Ben Collier. Andere wichtige Dinge konnten aufgeschoben werden, bis Ben wieder in der Lage war, seine Wünsche deutlich zu äußern.
Die Wiederherstellung war jedoch keine einfache Aufgabe. Kybernetische Kundschafter fanden den Körper in einem fortgeschrittenen Zustand des Verfalls vor. Eine große Anzahl von Mikroorganismen, vorwiegend Bakterien und Pilze, hatte sich in den Wunden, in den Extremitäten und im übrigen Körper eingenistet. Der Fäulnisprozess war erheblich und ließ sich nicht mehr umkehren. Die Arbeit musste sofort begonnen werden. Alte Nanomechanismen wurden aktiviert und neue geschaffen, um als Sterilisanten in den Körper einzudringen. Das Herz wurde isoliert und sorgfältig in einen potenziell funktionsfähigen Zustand versetzt. Offene Venen und Arterien wurden verschlossen. Alte, infizierte Haut wurde abgetrennt und durch Synthetikmaterial ersetzt.
Was sie auf diese Art und Weise erhielten, war nicht unbedingt der Körper des Zeitreisenden, sondern eher seine Kernsubstanz — die Skelettstruktur (minus ein Bein und den größten Teil des Schädels). Grobe Nachbildungen wichtiger Organe sowie ein wenig steriles Fleisch. Hätte ein Betrachter sich in den Holzschuppen verirrt, hätte er etwas erblickt, das aussah wie eine frisch gehäutete, nackte und erschreckend unvollständige Leiche. Sie war in keiner Weise funktionsfähig.
Sie wäre es auch niemals geworden, hätten die kybernetischen Helfer nicht einen Konstruktionsplan des Körpers und Gehirns des Zeitreisenden besessen. Diese Informationen tauschten sie auf holographischem Weg untereinander aus. Einige Details waren durch den elektromagnetischen Impuls verloren gegangen, doch es war nichts dabei, was sie nicht mithilfe der genetischen Daten, die immer noch im Körper enthalten waren, entschlüsseln konnten. Sie hatten an Einzelteilen geborgen, was immer sie konnten, und sie waren bereit, den Rest wiederaufzubauen.
Das Problem war das Rohmateriaclass="underline" Rohmaterial für den Wiederaufbau und für die eigene Erhaltung. Es musste viel getan werden. Vorerst sterilisierten sie die Leiche lediglich und versiegelten sie rundum. Sie organisierten eine Überwachung des Körpers von Ben Collier, um die Lebensfähigkeit seines Fleisches zu gewährleisten. Aber die Hauptmacht der kybernetischen Helfer zog sich ins Haus zurück, um sich über die Nachschubquellen klar zu werden und sich ein Materiallager anzulegen.
Viele neue Nanomechanismen würden benötigt. Diese konnten — wenn auch nur sehr langsam — aus dem Material im Haus und in der Erde ringsum zusammengesetzt werden. Die Nanomechanismen waren sehr kompliziert, aber beinahe völlig masselos. Das war ihr Vorzug. Dank dieser neuen Armee konnte die Arbeit der Wiederherstellung des Körpers in Angriff genommen werden… eine Aufgabe, die unglücklicherweise sehr umfangreich war.