Chronos [A Bridge of Years - de]
- Автор: Уилсон Роберт Чарльз
- Год: 2008
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 978-3-453-52448-4
- Переводчик: Michael Kubiak
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Chronos [A Bridge of Years - de]». Краткое содержание книги:
Mit »Chronos« legt Robert Charles Wilson einen einzigartigen Zeitreise-Roman vor. Der preisgekrönte Autor von »Spin« stellt damit einmal mehr unter Beweis, dass seine Romane zum Besten gehören, was die Science Fiction derzeit zu bieten hat.
»Ich kenne diesen Heini«, sagte Klein. »Alle zwei Jahre kommt er hierher. Er sieht sich kurz um und zahlt den Listenpreis.«
»Niemand zahlt heute den Listenpreis.«
»Wenn die Leute Geld zu verschenken haben«, sagte Klein, »dann ist es nicht unsere Aufgabe, es abzulehnen. Aber ich will mich nicht mit Ihnen streiten. Ich möchte nur, dass Sie endlich verschwinden.« Dann fügte er hinzu: »Ich hab das schon mit Ihrem Bruder geklärt. Also rennen Sie nicht zu ihm hin und erwarten Sie Hilfe von ihm. Er sagte zu mir: ›Hey, wenn Tom Mist gebaut hat, dann ist er die längste Zeit hier gewesen. Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen.‹«
Tom musste lächeln. »Ich glaube, das stimmt«, sagte er. »Ich bin wirklich die längste Zeit hier gewesen.«
Er telefonierte mit Tony und teilte ihm mit, er wolle für eine Weile verschwinden. Tony wollte mit ihm reden — über den Job, über seine Zukunft. Tom erwiderte: »Ich muss mir selbst über einige Dinge klarwerden. Vielen Dank für alles, Tony. Rechne damit, dass du längere Zeit nichts von mir hörst.«
»Was du vorhast, ist völlig verrückt«, sagte Tony.
»Ich muss es aber tun.«
Er packte Reservekleidung in seinen Rucksack. Geld war ein Problem, aber er nahm einige Gegenstände mit, die er vielleicht verkaufen könnte: die Gitarre, die er seit seiner Collegezeit besaß, eine Gibson, ziemlich unhandlich, aber durchaus wertvoll; einen ganzen Satz Silberlöffel. Freitagmittag war er aufbruchbereit.
Er zögerte, als er sah, dass der Fernseher wieder ans Netz angeschlossen war. Während er das Gerät noch betrachtete, flackerte es und schaltete sich ein.
»Ihr meldet euch zu spät«, sagte er. »Ich gehe weg.«
TOM WINTER, WIR FINDEN, DU SOLLTEST NICHT WEGGEHEN.
Die Interpunktion hatte sich gebessert. Er dachte über die Erklärung nach, stellte sich ihre Quelle vor. »Ihr könnt mich nicht aufhalten«, sagte er. Wahrscheinlich traf das zu.
DORT, WO DU HINGEHST, IST ES NICHT SICHER.
»Wo ich zur Zeit bin, ist es auch nicht sicher.«
DU WÜNSCHST ES DIR ZU SEHR. ES IST NICHT SO, WIE DU DENKST.
»Ihr wisst gar nicht, was ich will. Ihr wisst auch nicht, was ich denke.«
Natürlich, vielleicht wussten sie es — es war durchaus möglich. Aber sie widersprachen ihm nicht.
DU KANNST UNS HELFEN.
»Darüber haben wir schon gesprochen.«
WIR BRAUCHEN PROTEINE.
»Ich weiß nicht, was ihr meint.«
FLEISCH.
»Fleisch?« Das war eine unvorhergesehene Entwicklung. »Gewöhnliches Fleisch? Fleisch aus der Metzgerei?«
JA, TOM.
»Was baut ihr da draußen im Wald zusammen, das Fleisch braucht?«
WIR BAUEN UNS.
Er wollte diesen ganzen beunruhigenden Komplex weit von sich schieben. Aber ihm wurde klar, dass er diesen Wesen etwas schuldig war. Es war schließlich ihr Territorium, das er betreten wollte. Und mehr als das: Er befand sich schon lange unter ihrer Kontrolle. Sie hatten angedeutet, dass sie ihn hätten verändern können. Wenn sie einen Sklaven hätten haben wollen, hätten sie ihn dazu machen können. Sie hatten es nicht getan. Deshalb stand er in ihrer Schuld.
Trotzdem — »Wir bauen uns«? Und sie wollten Fleisch?
Er sagte: »Ich habe noch einige Steaks im Gefrierfach…«
DAS WÄRE SCHÖN, TOM.
»Ich könnte sie auf die Anrichte legen.«
DANKE.
»Wie kommt es, dass ihr jetzt so viel besser sprecht?«
WIR SIND FAST VÖLLIG WIEDERHERGESTELLT. DIE DINGE SIND JETZT SEHR VIEL KLARER.
DER ABSCHLUSS UNSERER ARBEIT STEHT UNMITTELBAR BEVOR.
Das klang ziemlich bedrohlich, dachte Tom. Wenn der schlafende Riese erwachte, dann war dies vielleicht nicht gerade einer der sichersten Aufenthaltsorte.
Was folgerte daraus? Verschwinde schnellstens.
Er wollte den Netzstecker des Fernsehers aus der Dose ziehen, aber er rutschte nicht heraus — sie hatten ihn offenbar festgeschweißt. Aber der Schirm blieb leer. Er eilte in die Küche, legte einen Stapel tiefgefrorene Steaks und Hackfleisch auf die Anrichte, dann raffte er sein Gepäck zusammen.
Das Telefon klingelte. Er dachte daran, es klingeln zu lassen, dann kapitulierte er und nahm den Hörer ab. Er rechnete mit Tony und einigen letzten guten Ratschlägen, aber er hörte Doug Archers Stimme.
»Ich habe gehört, dass Sie rausgeflogen sind.«
»Hier verbreiten Neuigkeiten sich aber sehr schnell«, stellte Tom fest.
»Es ist eine kleine Stadt. Ich habe schon mit vielen Leuten geschäftlich zu tun gehabt. Ja, es wird viel geredet.«
»Lassen Sie mich überwachen?«
»Zum Teufel, nein! Wenn ich so etwas tun würde, hätte ich längst gemerkt, dass Sie keinen neuen Job suchen. Sie wollen demnach Urlaub machen, Tom, oder wollen Sie einfach aussteigen?«
»Das Anwesen steht nicht zum Verkauf.«
»Ich rufe Sie nicht als Ihr verdammter Immobilienmakler an. Ist bei Ihnen alles in Ordnung?«
»Es könnte nicht besser sein.«
»Sie wissen, was ich meine.«
Er seufzte. Er hatte Doug gern, und er wollte Doug nicht verletzen — aber er wollte auch nicht, dass Doug in die Sache hineingezogen wurde, jedenfalls nicht in diesem Stadium. »Ich verlasse für einige Zeit die Stadt.«
»Verdammt noch mal«, sagte Archer. »Sie sind auf irgendetwas gestoßen, nicht wahr? Sie wollen nicht darüber reden, aber Sie haben etwas gefunden.«
Oder etwas hat mich gefunden. »Sie haben recht… ich will nicht darüber reden.«
»Wie lange werden Sie weg sein?«
»Ganz ehrlich, das weiß ich nicht.«
»Der Typ, der vor Ihnen dort gewohnt hat… Sie gehen dorthin, wohin er verschwunden ist, stimmt’s?«
»Nein, ich glaube nicht.«
»Wenn Sie zurückkommen«, sagte Archer, »erzählen Sie mir dann mehr über diese Sache?«
Tom gab ein wenig nach. »Mal sehen.«
»Vielleicht sollte ich mal vorbeifahren, solange Sie weg sind… nachsehen, ob das Haus in Ordnung ist.«
»Ich glaube, das ist nicht nötig.« Ihm kam ein Gedanke. »Doug, versprechen Sie mir, dass Sie nicht versuchen einzudringen.« Er nahm zu einer Lüge Zuflucht. »Ich habe nämlich die Schlösser auswechseln lassen.«
»Ich verspreche, dass ich das nicht versuchen werde, wenn Sie versprechen, dass Sie mir eines Tages alles erklären.«
»Abgemacht«, sagte Tom. »Wenn ich zurückkomme.« Falls ich zurückkomme.
»Ich werde Sie daran erinnern«, sagte Archer. Eine Pause entstand. Und er fügte hinzu: »Tja, dann viel Glück. Wenn Sie das brauchen können.«
»Schon möglich, dass ich ein wenig davon nötig habe«, gab Tom zu.
Er legte den Telefonhörer auf, ließ die Rollläden herunter, knipste das Licht aus und kehrte der Welt den Rücken.
TEIL ZWEI
Gespenster
7
Viele Jahre lang war der Zeitreisende tot.
Ben Colliers Tod war nicht vollständig, aber er war nicht weniger als der Tod. Die Waffe des Eindringlings hatte seinen Schädel geöffnet und einen großen Teil seines Gehirns als blutigen Regen über die Wiese verstreut. Sein Herz hatte noch eine krampfartige Pumpbewegung ausgeführt, dann etwa dreißig Sekunden lang geflimmert, als wilde Impulse von seinem traumatisierten Hirnstamm ausstrahlten, dann war es erstarrt und stellte nicht mehr dar als einen Klumpen statischen Gewebes in seiner sich abkühlenden Brusthöhle.
Überall in seinem Körper wurden Schutzsysteme in ihrer Funktion gestört und schalteten sich ab. Den Kreislauf stützende Hilfspumpen reagierten auf das Versagen seines Herzens, dann streikten auch sie, als der Blutdruck unter funktionsfähige Grenzen absank. Er vollführte für fast eine Minute tiefe, mühsame Atemzüge — ähnlich einem tiefen Gähnen. Die Lungen waren das letzte umfangreichere System, das seine unabhängige Funktion einstellte, und sie taten es mit einem abschließenden resignierenden Seufzer. Mittlerweile begann der Körper bereits abzukühlen.