Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Der Weltensammler - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Der Weltensammler

Электронная книга - «Der Weltensammler». Краткое содержание книги:

Ein spannender Roman über den englischen Abenteurer Richard Burton (1821–1890). Anstatt in den Kolonien die englischen Lebensgewohnheiten fortzuführen, lernt er wie besessen die Sprachen des Landes, vertieft sich in fremde Religionen und reist zum Schrecken der Behörden anonym in den Kolonien herum. Trojanows farbiger Abenteuerroman über diesen Exzentriker zeigt, warum der Westen bis heute nichts von den Geheimnissen der anderen Welt begriffen hat.
1 ... 28 29 30 31 32 33 34 35 36 ... 115
Перейти на страницу:

38.

WER DAS OPFER ANNIMMT

Niemals erzählte sie von sich. Es war ein Fehler, sie im Schlafzimmer zu bedrängen. Sie hielt ihn auf Distanz, indem sie ihn erregte. Wenn sie ihre Lippen zurückzog, konnte er seinen Blick nicht von ihrem Mund losreißen. Während sie von oben ihre Hüften auf ihn drückte, starrte er auf die Verheißung ihres Mundes, auf den schimmernden Ausdruck ihrer Stummheit, ihr Zopf löste sich auf — sie stürzte sich in den Trieb, soviel verstand er, wenn die Trauer in ihr alles andere zu lähmen drohte —, sie atmete schwer, ihr Halsband riß, die Perlen kullerten über ihre Brüste auf ihn herab. Er schaute überall hin, auf alles, seine Augen hasteten über ihrer beider Lust. Sie atmete schwerer, er verriet, wohin er hastete, und schwerer, und er, er war wenige Empfindungen entfernt, als sie innehielt, sie bewegte sich nicht mehr, sie ließ ihre Hände auf seiner Brust liegen, und sie begann zu sprechen, während sie auf seinem pulsierenden Staunen sitzen blieb, sprach in vollständigen Sätzen, in einem vertrauten Tonfall, der beiläufig erzählte und doch seine ganze Aufmerksamkeit einforderte. Er mußte seine Stöße besänftigen, um ihren Worten folgen zu können, die einen Weisen beschrieben, einen Brahmanen namens Auddalaka, der als junger Mann initiiert wurde in alle Formen der vedischen Rituale, auch in jene, bei denen die Vereinigung zwischen Mann und Frau als Opferung gefeiert wurde. Doch eines Tages begehrte Auddalaka, der so versiert über die Symbolkraft der Vulva referieren konnte, eine Studentin namens Vijayaa, und er fädelte es ein, daß sie sich im Rahmen des Ritus vereinten, doch es reichte ihm nicht aus, er sehnte sich nach einer Vereinigung außerhalb des Rituals, und so kamen sie zusammen, diese zwei jungen Menschen, und die Lust und das Vergnügen, das sie sich gegenseitig bereiteten, übertrafen alles andere, nahmen eine Bedeutung ein, die das Ritual überragte, durch das die Menschen Zugang zu den Göttern aufrechterhielten. Kundalini verstummte. Und? fragte Burton. Bislang hast du jede Geschichte zu Ende geführt. Sie schwieg. Ihr Schweigen grub sich in ihn hinein. Er senkte seinen Blick, auf die feine Haarlinie, als krieche eine Reihe winziger Ameisen von ihrem Schambein über ihren Bauch bis zu ihrem Nabel und darüber hinaus bis zu der kleinen Kuhle zwischen ihren Brüsten. Seine Hand glitt über diese Härchen, ihr stolzes Romaavali, das gleichsam magisch, so behauptete sie, die Erde mit dem Himmel verbindet. Das zuverlässigste Merkmal ihrer Schönheit, so glaubte sie. Er konnte nicht zustimmen, aber sie hätte sich eher umgebracht, als diese Härchen herauszuzupfen. Seine Hand folgte der Verbindung zwischen ihrem Herzen und ihrem Schoß. Als sie sich wieder anschauten, vermeinte er in einem tieferen Teich ihrer Augen ein Aufflackern von Zuneigung zu entdecken. Er lächelte sie an, und seinem Lächeln entnahm sie wohl, was ihre Augen zuviel versprochen hatten, denn sie begann sich wieder zu bewegen, sie schubste ihn in den Bereich ihrer Dominanz, und sie war gieriger als sonst, gierig zu kratzen und zu beißen, als könne sie den Geschmack seines Körpers behalten, wenn er morgen ginge, als könnte sie bleibende Ornamente auf seiner Haut zurücklassen. Müde fielen sie aus dem Liebeskampf heraus. Die schönste Zeit, die Minuten, in denen ihn kein Gedanke beschwerte, die schönste Zeit, dachte er, jene, die er nicht wahrnahm. Und ihm wurde bewußt, daß sie schon vorbei war. Er richtete sich auf und saugte an ihren Lippen, als suche er nach einem betäubenden Nektar. Und sie, sie ergriff seine linke Hand, sie spielte mit den Fingern, verschränkte sie, zog an den unteren Enden, bis sie knackten, und glitt in einen Gesang, der erst allmählich aus dem Summen heraus seinen Sinn entfaltete:

An einem Sommertag

im Schatten unterm Baum

da liegt sie, da liegt sie

die Kleider zieht sie hoch

ihren Kopf zu schützen

so sagt sie, so sagt sie

vor des Mondes Strahlen.

39.

NAUKARAM

II Aum Yagnakaayaaya namaha I Sarvavighnopashantaye namaha I Aum Ganeshaya namaha II

Am zweiten Tag begann der Lahiya sich Sorgen zu machen. Es war nicht so, daß Naukaram noch nie ein Treffen versäumt hatte. Einmal war er erkrankt, und ein anderes Mal hatte er ihm eine vermeintliche Beleidigung nachgetragen. Aber beide Male hatte der Lahiya Bescheid gewußt. Doch dieses Mal gab es keinen Grund für sein Ausbleiben. Er war in letzter Zeit mutloser als sonst gewesen, willenlos fast, schlaff. Das war das Problem mit den niederen Kasten, sie gaben leicht auf, wenn sie Widerständen begegneten. Es war nicht angenehm, einen ganzen Tag am Straßenrand zu sitzen und auf jemanden zu warten. Inmitten dieser Schakale, die sich die Gelegenheit nicht entgehen ließen, ihn zu verspotten. Sie konnten es nicht verkraften, daß er seit Wochen einen Kunden hatte, der ihn täglich aufsuchte, zu dieser Jahreszeit, in der ein Auftrag in der Woche als ein Segen galt. Eine Angst bemächtigte sich seiner. Was wäre, wenn Naukaram verschwinden würde. Wenn der Bericht jetzt abbräche. Das würde die Geschichte verstümmeln. Das durfte nicht geschehen, sie waren fast am Ende. Jetzt abzubrechen, das wäre schrecklich. Er war von der Intensität seiner Furcht überrascht. Sie richtete ihn auf. Am Nachmittag beschloß er, Naukaram zu suchen. Keine leichte Aufgabe. Er wußte nicht, wo er wohnte, er wußte nur, er war bei Verwandten nahe dem Sarkaarvaadaa-Palast untergebracht. Er fragte in allen Läden des Viertels nach. Kennen Sie einen hochgewachsenen, gebeugten Mann, der als Diener bei einem Firengi gearbeitet hat? Kennen Sie jenen, der Naukaram heißt? Keiner kannte ihn. Als er ihn schließlich doch fand, war es dem Zufall zu danken. Er kehrte in eine Maikhanna ein, weil der Durst ihn quälte und seine Füße schmerzten. Bevor er etwas bestellen konnte, sah er eine vertraute Gestalt. Naukaram, der alleine an einem Tisch saß und kaum noch bei Sinnen war.

— Ich dachte, Sie trinken keinen Daaru.

— Außergewöhnliche Tage erfordern außergewöhnliche Getränke.

— Was ist geschehen?

— Nichts. Ich bin am Ende. Nur das.

— Wieso am Ende?

— Es geht Sie nichts an. Unsere Zusammenarbeit, wie soll ich es sagen, sie ist zu Ende.

— Sie wollen nicht mehr?

— Ich kann nicht mehr. Ich bin ein Mann ohne Wert. Ich habe keine Rupie mehr. Nur Schulden.

— Bei wem?

— Ich bin von einem Bruder zum anderen gelaufen, von Maamaa zu Kaakaa. Jetzt leiht mir keiner mehr was, und diejenigen, die mir etwas leihen könnten, die wollen zuerst das Geld zurückhaben, das sie mir schon geliehen haben. Ich bin bei fast allen verschuldet, verstehen Sie. Weil es so lange dauert mit diesem Brief, der keiner ist.

— Sie können jetzt nicht aufgeben.

— Du! Du hast die Geschichte in die Länge gezogen, um mich zu schröpfen. Du hast mich ausgeraubt. Ich mußte mir Geld ausleihen. Ich habe die Sachen verpfändet, die ich aus Europa mitgebracht habe. Ich habe bei meinen Verwandten gebettelt, um dein Honorar zusammenzukratzen. Du hast mich an der Nase herumgeführt. Ich bin bei der ganzen Stadt verschuldet, und was habe ich dafür bekommen, nichts, nichts in den Händen. Außer einem Schrieb, den keiner lesen will.

— Sie können jetzt nicht aufgeben. Hören Sie mir zu, wenn man so weit gekommen ist, muß man die Sache zu Ende bringen. Sie erinnern mich an einen Mann, der vor Jahren beim Diebstahl erwischt wurde. Der Richter bot ihm an, sich die Strafe selber auszusuchen: entweder ein Kilo Salz zu essen, hundert Stockhiebe zu erhalten oder eine Geldstrafe.

— Der Schwätzer bist jetzt du.

— Der Dieb entschied sich für das Salz, er aß und aß, er quälte sich, und als er fast alles aufgegessen hatte, da bildete er sich ein, er könne keine einzige Prise mehr essen, und er rief aus, genug, genug von dem Salz, ich will doch lieber die Stockhiebe auf mich nehmen. Er wurde geschlagen, neunzigmal, oder fünfundneunzigmal, da bildete er sich ein, er könne keinen einzigen Schlag mehr ertragen, und er rief aus, genug, genug von den Schlägen, laßt mich bitte die Geldstrafe zahlen.

1 ... 28 29 30 31 32 33 34 35 36 ... 115
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)