Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]
- Автор: Франке Герберт Ф.
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Год: Suhrkamp Verlag
- ISBN: 3-518-39087-2
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]». Краткое содержание книги:
Entscheidende Voraussetzung für die Anwendung der automatischen Datenverarbeitung in der Soziologie ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der Verbesserung der sozialen Versorgung durch umfassendere Informationsverarbeitung einerseits und dem Schutz der in der Kommunikation zwischen Sozialtrainer und Bürger wechselnden Information.
Der Computer soll ausschließlich Hilfsmittel des Sozio- und Psychotrainers sein – unter der Zielvorstellung der bestmöglichen Erfüllung des Dienstes am Patienten und an der Gemeinschaft bei der Strukturierung psychologischer und sozialer Verhaltensweisen.
Endziel der Entwicklung muß eine totale Informationserfassung und -verarbeitung sein; dazu muß der Bürger im Rahmen seiner täglichen Verrichtungen auch seiner Auskunftspflicht genügen; weitere Mittel der Datenerfassung sind Prüfungen und Tests, von denen einige deklariert, andere (um die Unbefangenheit zu erhalten) maskiert eingesetzt werden. Das psychologische Datenmaterial zusammen mit den laufenden Ergebnissen der medizinischen Untersuchung ergibt ein umfassendes Persönlichkeitsbild. Entsprechend dem Prinzip von der Identität von Staat und Bürger gibt es den Behörden der Datenerfassung gegenüber keine Privatsphäre und kein Geheimnisrecht. Den informationspositivistischen Grundsätzen gemäß ist die Persönlichkeit nichts anderes als die Summe aller erfaßbaren Individualdaten. Der Anspruch auf Sorge und Schutz für den Bürger ist nur bei völliger Transparenz der Persönlichkeitsstruktur gewährleistet. Die Offenbarungspflicht ist somit als integraler Bestandteil in den § 1 des Grundgesetzes einbezogen.
16.
Den Rest seiner Arbeitszeit verwendete Ben, um einige Änderungen in seiner eigenen, elektronisch abgespeicherten Akte vorzunehmen. Insbesondere griff er in die letzten Registrierungen ein, und er löschte alles, was Verdacht erregen könnte. Er sah mit Verblüffung, welch fundiertes Sachwissen in den Methoden steckte, die er durch die Aufzeichnungen kennengelernt hatte. Es mußte das Wissen von Fachleuten sein. Und sie mußten gehörige Zeit und Mühe aufgewendet haben, um alle diese Schwächen des Systems aufzuspüren und sich nutzbar zu machen. Und er erkannte auch, daß gerade in der Ausschließlichkeit, mit der sich der Staat auf die Datenverarbeitung stützte, eine große Schwäche lag. Denn mit dem Eingriff in die Daten wurde auch ein Stück Wirklichkeit gelöscht. Es war möglich, die Vergangenheit nachträglich zu ändern – man brauchte nur den Inhalt einiger Speicheradressen zu löschen und andere Daten einzuspielen … und dann wurde er sich plötzlich klar, daß dieses Prinzip noch in einem viel weiteren Sinn angewandt werden konnte: Zusammen mit den modernen psychologischen Methoden konnte man selbst die Lebenswege der Menschen nachträglich ändern, reparieren, verbessern …
Jetzt war er sich klar darüber, daß er die Waffe, die ihm in die Hand geraten war, anwenden würde. Ja, es war eine Waffe, es war ganz deutlich, daß man mit diesem know how weitaus mehr erreichen konnte als mit Sprengstoff oder Thermit, daß Information ein weitaus wirksameres Mittel ist, um die Welt zu verändern, als Werkzeuge oder Waffen …
Natürlich mußte er sich in einigen Punkten Gewißheit verschaffen. Wie weit hatte ihn Gunda richtig informiert, in welchen Punkten hatte sie ihn getäuscht?
Nun hatte er Zugang zu unzähligen Daten, die ihm bisher verschlossen gewesen waren, und es lag nahe, sie alle zu sichten, auf Hinweise zu durchleuchten … Aber konnte er dadurch Gewißheit erlangen? Konnten diese Daten nicht längst von anderen manipuliert worden sein – verfälscht in einem Sinn, der allen möglichen divergierenden Absichten entsprechen mochte?
Die beste Methode, um die Wahrheit zu ergründen, war es immer noch, sich persönlich zu überzeugen …
Nach Abschluß der Dienstzeit machte er sich auf den Weg zu Barbara. Sie war die einzige, von der er sich Auskunft erhoffen durfte. Er fuhr bis zum Eingang ihres Wohnblocks und ließ sie von dort aus rufen.
Schon eine Minute später war sie da. »Ben, ich hatte so gehofft, daß wir uns wiedersehen! Doch ich habe mich nicht getraut …«
Ben legte ihr den Arm um die Schulter und ließ es dann wieder, weil er die Blicke der Passanten fürchtete. »Komm«, forderte er sie auf.
»Die Wohnung oben im Hochhaus ist heute besetzt«, sagte Barbara. »Ich wollte warten, bis eine andere frei ist … Ich hätte mich gemeldet … im Moment weiß ich nicht, wohin wir gehen sollen.«
»Hör zu, Barbara, ich möchte mit dir sprechen. Du mußt mir einige Fragen beantworten. Willst du das tun?«
»Ja, gern«, antwortete Barbara, während sie überlegte. »Ich wüßte schon ein Versteck, einige Freundinnen haben es gelegentlich benutzt. Es ist nicht so luxuriös wie die Wohnung – wird es dich nicht stören?«
»Das ist mir gleichgültig«, sagte Ben. »Paß auf. Barbara, ich will nur etwas über diese Untergrundorganisation wissen.«
»Welche Untergrundorganisation? Komm – wir müssen dort hinüber gehen. Es ist nicht weit. Es ist ein Depot für Arbeitskleidung. Eine Warmluftheizung führt hindurch – dort ist es nicht so kalt.«
»Es ist wichtig, Barbara: Du mußt mir alles sagen, was du weißt. Was hast du mit dieser Untergrundorganisation zu tun?«
»Ich weiß nicht, was du meinst. Ich habe nie etwas von einer Untergrundorganisation gehört. Laß doch diese dummen Fragen, komm!«
Ben blieb stehen, und als sie weitergehen und ihn mit sich ziehen wollte, hielt er sie auf. »Barbara«, sagte er mit beschwörender Stimme, »bitte, sag mir die Wahrheit. Ich habe es heute erfahren – das von dir und von Jonathan und von Hardy. Du kannst ruhig zu mir sprechen. Ich gehöre jetzt zu euch. Laß dich nicht so bitten!«
Jetzt veränderte sich Barbaras Gesichtsausdruck, ihre Züge wurden hart. »Du mußt verrückt sein, Ben! Du sprichst von einer Geheimorganisation. Laß mich doch mit solchen Albernheiten zufrieden! Oder bist du da irgendwo dabei? Du – damit möchte ich nichts zu tun haben.« Sie stemmte sich ein wenig gegen ihn, und er rückte von ihr ab. »Ist das alles, was du mir zu sagen hast?«
»Ja!«
Ben drehte sich um und ließ das Mädchen stehen.
Er benützte die Untergrundbahn, um in seinen Wohnblock zu gelangen. Er achtete darauf, nicht allein in einem Wagen zu bleiben, denn sein Erlebnis von gestern war ihm noch deutlich genug in Erinnerung. Dafür hatte Gunda keine Erklärung gegeben, und selbst wenn sie das getan hätte, dann hätte es ebensowenig Wert gehabt wie das, was er heute Nachmittag von ihr erfahren hatte. Er glaubte, daß Barbara die Wahrheit gesagt hatte. Es war nicht denkbar, daß sie sich so gut verstellen konnte. Und es hätte auch keinen Sinn für sie gehabt, sich zu verstellen. Unter diesen Umständen hätte sie anders reagieren müssen … Nun gut – vielleicht fand er es noch heraus, vielleicht auch nicht. Aber eigentlich war das jetzt zweitrangig. Immer stärker wurde in ihm der Wille, das zu tun, was er sich vorgenommen hatte.
Als er den Schlafsaal betrat, bemerkte er eine Menschenansammlung, und dann sah er, daß sie sich vor seiner Koje konzentrierte. Er ahnte einen Zusammenhang mit den Ereignissen in die er verwickelt war, und versuchte sich in der Menge zu verbergen. Allmählich rückte er näher und erkannte, daß man seine Koje ausgeräumt hatte. Nicht nur die Decke, das Kissen, das Laken und die Matratze lagen am Boden, man hatte auch den Schrank herausgerissen, Blondy lag am Boden, die Hülle aufgeschnitten – Schaumkugelflocken quollen heraus –, auch die Matratze war zerfetzt, sogar seinen Rundfunkempfänger hatte man zerschlagen. Er dachte keine Sekunde darüber nach, welche Absicht dahintersteckte, drehte sich um und ging hinüber zum Lift.