Die letzten ihrer Art. Eine Reise zu den aussterbenden Tieren unserer Erde.
- Автор: Адамс Дуглас Ноэль, Carwardine Mark
- Год: 1991
- Язык: немецкий
- Жанр: Природа и животные
Электронная книга - «Die letzten ihrer Art. Eine Reise zu den aussterbenden Tieren unserer Erde.». Краткое содержание книги:
Die eigentliche Profession des Briten Douglas Adams ist das Verfassen von Kultbüchern aus der Science-fiction-Ecke spaßig-hintergründige Weltraumodyssee Per Anhalter durch die Galaxis hat ihm eine weltweite, treue Fangemeinde beschert. Die Expedition, die er hier zusammen mit dem Zoologen Mark Carwardine beschreibt, ist keine Fiktion, und ihr Hintergrund ist durchaus ernst: Es ist eine Reise um die ganze Welt zu den aussterbenden Tierarten unserer Erde. Aber so ernst das Thema auch ist, in Douglas Adams' spritziger Feder wird es zum vergnüglichen Lesestoff. Egal, ob es zu den letzten 20 weißen Nashörnern in Zaire geht, zu den Kakapos, den größten, dicksten und flugunfähigsten Papageien der Welt auf Neuseeland oder zu den Riesenechsen auf der Insel Komodo – diese Spezies findet Adams übrigens nicht nur des penetranten Mundgeruchs wegen gänzlich unsympathisch –, komische Situationen ergeben sich bei so einem abenteuerlichen Unternehmen zwangsläufig. Man muß sie nur erzählen. Und genau das tun Adams und Carwardine in der sicherlich ungewöhnlichsten Reportage über die bedrohten Tierarten der Erde.
Die Autoren
Douglas Adams ist einer der erfolgreichsten englischen Autoren. Vor allem seine absurd-komischen Science-fiction-Romane haben ihm Weltruhm eingebracht.
Mark Carwardine, ein international bekannter Zoologe, hat für den World Wildlife Found (WWF) gearbeitet und bereits mehrere Sachbücher veröffentlicht
Titel der Originalausgabe
LAST CHANCE TO SEE ...
Seufzend legt er die Süßkartoffel zurück auf den Boden.
»Wir nennen diese Stelle Kakapo-Castle«, sagt er und blinzelt uns in dem kalten, grellen Sonnenlicht an. »Es ist die letzte bekannte Stelle auf dem neuseeländischen Festland, an der ein Kakapo gebalzt hat. Diese flache Vertiefung in der Erde gehört zu einem ›Track and bowl system‹.«
Ich erkläre gleich, was ein »Track and bowl system« nun eigentlich ist. Zu sehen ist an der Stelle nicht mehr als eine grob in den Boden geschabte Vertiefung. Sie ist unordentlich und ein bißchen überwuchert. Als ich wieder die uns umgebende atemberaubende Landschaft betrachte, komme ich plötzlich nicht mehr ganz mit. Wir waren so weit in dieses unermeßliche, überwältigende Land hineingeflogen, und das alles nur, um diese kleinen, armseligen Kratzer im Boden und kein Ei zu finden. Bloß eine Kartoffel.
Ich mache eine lahme Bemerkung in dieser Richtung. Mark runzelt die Stirn, und Dons Gesichtsausdruck verfinstert sich.
»O nein«, sagt Don, »ich hatte kein Ei erwartet. Kein Ei. Nicht hier. O nein, ganz und gar nicht.«
»Oh«, sage ich. »Als Sie die Kartoffel aufgehoben haben, dachte ich ...«
Mark raunt mir aus dem Mundwinkel zu: »Das hat Don uns doch alles im Hubschrauber erklärt.«
»Im Hubschrauber habe ich nichts verstanden.«
»Sehen Sie, in einem ›Track and bowl system‹ findet man keine Eier«, sagt Don geduldig. »Das ist nur der Balz- und Paarungsbereich. Ich habe die Süßkartoffel selbst hineingelegt, als ich zuletzt hier war, im vorigen Jahr. Wenn ein Kakapo in diesem Gebiet wäre, hätte er die Kartoffel gegessen.« Er hebt sie auf und reicht sie mir.
»Sehen Sie selbst, kein einziger Abdruck. Nicht die kleinste Bißstelle. Außerdem hätte er seinen Balzplatz gestutzt und gesäubert. Kakapos sind sehr akribische Vögel. Wir wissen nicht, was mit dem letzten in diesem Gebiet passiert ist. Kann sein, daß er getötet wurde, möglicherweise von einer Katze. Wir nehmen an, daß sie manchmal so weit heraufkommen. Fjordland ist voll von Katzen, und das bedeutet nichts Gutes für den Kakapo. Obwohl wahrscheinlich nicht alle Katzen auf einen Kakapo losgehen würden. Einige werden versucht haben, einen Kiwi anzufallen – erfolglos –, und infolgedessen vermutlich lieber einen weiten Bogen um Kakapos machen. Andere könnten es versucht und herausgefunden haben, daß man es schafft, und es wieder getan haben. Kakapos sind es grundsätzlich nicht gewohnt, sich zu verteidigen. Sie erstarren einfach, wenn sie eine Katze näherkommen sehen. Obwohl sie kräftige Beine und Krallen haben, verteidigen sie sich nicht damit. Ein Kiwi hingegen prügelt eine Katze in der Regel grün und blau. Weil Kiwis auch miteinander kämpfen. Wenn man zwei in einen Käfig setzt, ist einer von beiden am nächsten Morgen tot.
Der Kakapo kann auch einfach an Altersschwäche gestorben sein. Wir wissen nicht, wie lange sie leben, obwohl sie allem Anschein nach sehr alt werden. Vielleicht so alt wie Menschen. Aber so oder so ist der Kakapo nicht mehr hier, das dürfte wohl feststehen. Jetzt gibt es im ganzen Fjordland keine Kakapos mehr.«
Trotzdem nimmt er mir die Kartoffel wieder ab und legt sie als letzten Ausdruck eines hoffnungslosen Optimismus behutsam wieder an den Rand der Schüssel.
Bis vor relativ kurzer Zeit – jedenfalls nach evolutionären Maßstäben – bestand die neuseeländische Tierwelt fast ausschließlich aus Vögeln. Nur Vögel konnten den Ort erreichen. Die Vorfahren vieler jetzt dort heimischer Vögel waren ursprünglich hierhergeflogen. Es gab auch noch ein paar Fledermausarten, die Säugetiere sind, aber – und das ist der entscheidende Punkt – es gab keine Räuber. Keine Hunde, keine Katzen, keine Frettchen oder Wiesel, nichts, vor dem die Vögel hätten flüchten müssen.
Und natürlich ist das Fliegen ein Mittel zur Flucht. Es ist ein Überlebensmechanismus, und zwar einer, den die neuseeländischen Vögel nicht unbedingt zu brauchen glaubten. Fliegen ist harte Arbeit und kostet eine Menge Energie.
Und nicht nur das. Auch zwischen dem Fliegen und dem Essen besteht eine enge Verbindung. Je mehr man ißt, desto schwerer fällt einem das Fliegen. Also passierte es immer häufiger, daß die Vögel, statt einen kleinen Snack zu sich zu nehmen und anschließend wegzuflattern, sich zu einem eher umfangreicheren Mahl niederließen und danach ein bißchen spazierenwatschelten.
Als dann schließlich die europäischen Siedler eintrafen und Katzen, Hunde, Wiesel und Opossums mitbrachten, watschelten viele der flugunfähigen neuseeländischen Vögel plötzlich um ihr Leben. Die Kiwis, die Takahes – und die alten Eulenpapageien, die Kakapos.
Unter all diesen Vögeln ist der Kakapo der seltsamste. Na schön, wenn man genau darüber nachdenkt, ist wohl auch der Pinguin ein ziemlich sonderbares Geschöpf, nur ist er auf irgendwie robuste Art sonderbar und bestens an die Umgebung angepaßt, in der er lebt, was man vom Kakapo nicht behaupten kann. Der Kakapo ist ein Vogel in der falschen Zeit. Wenn man einem von ihnen in sein großes, rundes, grünlichbraunes Gesicht sieht, wirkt er auf so heitere, unschuldige Art ahnungslos, daß man ihn am liebsten drücken und ihm sagen möchte, daß alles wieder gut wird, obwohl man weiß, daß das wahrscheinlich nicht stimmt.
Der Kakapo ist ein extrem dicker Vogel. Ein durchschnittlicher, ausgewachsener Kakapo wiegt zwischen sechs und sieben Pfund und kann mit seinen Flügeln bestenfalls ein bißchen herumwackeln, wenn er fürchtet, über irgendwas zu stolpern – aber Fliegen ist mit den Dingern vollkommen ausgeschlossen. Traurig ist nur, daß der Kakapo anscheinend nicht bloß vergessen hat, wie man fliegt, sondern zudem vergessen hat, daß er vergessen hat, wie man fliegt. Ein ernstlich beunruhigter Kakapo bringt es zwar fertig, auf einen Baum zu flitzen und von oben abzuspringen, fliegt aber dann wie ein Stein und landet als wenig eleganter Haufen am Boden.
Im großen und ganzen hat es der Kakapo aber nie gelernt, sich Sorgen zu machen. Er hatte ja nie besonders viel, was ihm hätte Sorgen bereiten können.
Die meisten Vögel werden angesichts eines Räubers zumindest kapieren, daß irgendwas los ist, und sich zügig in Sicherheit bringen, selbst wenn sie dabei irgendwelche im Nest liegenden Eier oder Küken im Stich lassen müssen – aber nicht der Kakapo. Seine einzige Reaktion angesichts eines Räubers ist, ganz einfach nicht zu wissen, was für eine Lebensform das sein soll. Er hat überhaupt keinen Begriff davon, daß irgend etwas möglicherweise auf die Idee verfallen könnte, ihm weh zu tun, also neigt er dazu, völlig verwirrt in seinem Nest hocken zu bleiben und dem anderen Tier den nächsten Zug zu überlassen – der in der Regel schnell kommt und endgültig ist.
Es ist frustrierend, sich den Unterschied klarzumachen, der durch Sprache entstünde. Die Jahrtausende kriechen verdammt langsam vorbei, während die natürliche Selektion von Generation zu Generation fahrig nach dem richtigen Weg stochert und dem komischen, anomalen Kakapo, der ein bißchen bescheuerter ist als seine Zeitgenossen, so lange unbehelligt läßt, bis die gesamte Art endlich auf den Trichter kommt. Das alles ließe sich auf eine Sekunde abkürzen, wenn einer von ihnen sagen könnte: »Solltet ihr eins von diesen Dingern mit Schnurrbart und kleinen, spitzen Zähnen sehen, dann rennt, was das Zeug hält.« Andererseits sind auch Menschen, trotz ihrer beinahe einzigartigen Fähigkeit, aus den Erfahrungen anderer zu lernen, wenig geneigt, diese Fähigkeit zu nutzen.