Die letzten ihrer Art. Eine Reise zu den aussterbenden Tieren unserer Erde.
- Автор: Адамс Дуглас Ноэль, Carwardine Mark
- Год: 1991
- Язык: немецкий
- Жанр: Природа и животные
Электронная книга - «Die letzten ihrer Art. Eine Reise zu den aussterbenden Tieren unserer Erde.». Краткое содержание книги:
Die eigentliche Profession des Briten Douglas Adams ist das Verfassen von Kultbüchern aus der Science-fiction-Ecke spaßig-hintergründige Weltraumodyssee Per Anhalter durch die Galaxis hat ihm eine weltweite, treue Fangemeinde beschert. Die Expedition, die er hier zusammen mit dem Zoologen Mark Carwardine beschreibt, ist keine Fiktion, und ihr Hintergrund ist durchaus ernst: Es ist eine Reise um die ganze Welt zu den aussterbenden Tierarten unserer Erde. Aber so ernst das Thema auch ist, in Douglas Adams' spritziger Feder wird es zum vergnüglichen Lesestoff. Egal, ob es zu den letzten 20 weißen Nashörnern in Zaire geht, zu den Kakapos, den größten, dicksten und flugunfähigsten Papageien der Welt auf Neuseeland oder zu den Riesenechsen auf der Insel Komodo – diese Spezies findet Adams übrigens nicht nur des penetranten Mundgeruchs wegen gänzlich unsympathisch –, komische Situationen ergeben sich bei so einem abenteuerlichen Unternehmen zwangsläufig. Man muß sie nur erzählen. Und genau das tun Adams und Carwardine in der sicherlich ungewöhnlichsten Reportage über die bedrohten Tierarten der Erde.
Die Autoren
Douglas Adams ist einer der erfolgreichsten englischen Autoren. Vor allem seine absurd-komischen Science-fiction-Romane haben ihm Weltruhm eingebracht.
Mark Carwardine, ein international bekannter Zoologe, hat für den World Wildlife Found (WWF) gearbeitet und bereits mehrere Sachbücher veröffentlicht
Titel der Originalausgabe
LAST CHANCE TO SEE ...
Als Captain Cook es 1773 vom Meer aus sah, notierte er, daß »die Berge im Inland, so weit das Auge reicht, so dicht beisammenstehen, als wollten sie keine Täler zwischen sich dulden«. Im Laufe von Millionen Jahren haben Gletscher die großen, gabelförmigen Täler aus den Bergen geschürft, und viele sind bis weit ins Landesinnere vom Meer überflutet.
Einige der Klippen fallen mehr als hundert Meter weit steil ins Meer ab, wo sie für weitere hundert Meter steil abfallen. Es wirkt wie ein noch immer nicht ganz abgeschlossener Prozeß. Trotz unbarmherzig peitschenden Windes und Regens ist das Land in seiner ganzen Unermeßlichkeit scharfkantig und gezackt.
Der Großteil des Gebiets ist noch nicht auf dem Landweg erforscht worden. Die einzigen Straßen, auf denen man den Fjorland-Nationalpark erreicht, verlieren sich ziemlich schnell in den Vorgebirgen, und die meisten Touristen erkunden lediglich die Randbereiche. Ein paar Rucksackträger dringen weiter vor, und sehr, sehr wenige erfahrene Camper versuchen, sich dem Kern des Gebiets zu nähern. Wenn man über diese zerklüfteten Massen und unfaßbar tiefen Schluchten schaut, erscheint einem schon die Idee lächerlich, es zu Fuß durchqueren zu wollen, und wirklich erforscht sind nur gewisse, räumlich begrenzte Kessel, die man – genau wie wir – nur mit dem Hubschrauber erreicht.
Bill Black gilt als einer der erfahrensten Hubschrauberpiloten der Welt, und das muß er auch sein. Er klemmt wie ein knuddliger alter Brummbär hinter dem Steuerknüppel und kaut langsam und gleichmäßig Kaugummi, während er mit seinem Hubschrauber geradeaus auf nackte Steilwände zufliegt, um zu testen, ob jemand schreit. In dem Moment, da der Hubschrauber an der Wand zu zerschellen scheint, wird er von einem Aufwind erfaßt und auf unfaßbare Art und Weise hoch und über den Kamm der Klippe getragen, die auf der anderen Seite wieder jäh abfällt und uns über einem Abgrund ausschwingen läßt. Das Tal schlingert unter uns weg, daß einem schlecht wird, und wir fallen ein paar Meter tiefer, um mit Seitendrall durch die nächste Schlucht und auf die nächste Wand zuzuhüpfen, als hingen wir am Ende eines endlosen, von einem Riesen geschwungenen Gummibandes.
Der Hubschrauber senkt die Nase und pladdert an der Wand der Schlucht entlang. Wir schrecken ein paar Vögel auf, die vor uns in die Luft aufsteigen und mit schnellen, abgehackten Flügelschlägen davonfliegen. Mark kramt schnell nach dem Fernglas unter seinem Sitz.
»Keas!« sagt er. Ich nicke, allerdings nur ganz leicht. Mein Kopf muß schon mit genügend gegenläufigen Bewegungen fertig werden.
»Das sind Bergpapageien«, sagt Mark. »Hochintelligente Vögel mit langen, krummen Schnäbeln. Damit können sie Scheibenwischer von Autos reißen – und machen es auch.«
Es irritiert mich immer, wie schnell Mark Vögel erkennen kann, die er noch nie gesehen hat, selbst wenn sie bloß Kleckse am Horizont sind.
»Der Flügelschlag ist unverwechselbar«, erläutert er. »Aber wenn wir nicht in diesem lauten Hubschrauber säßen, wären sie noch einfacher zu erkennen. Sie gehören zu den Vögeln, die während des Fluges hilfreicherweise ihren Namen rufen. Kea! Kea! Kea! Macht sie sehr beliebt bei allen Vogelbeobachtern. Es wäre toll, wenn der Streifenschwirl den Trick auch lernen könnte. Würde das Auseinanderhalten von Heuschreckenschilfsängerarten erheblich vereinfachen.« Er verfolgt ihren Flug noch einige Sekunden, bis sie einen großen Felsvorsprung umrunden und aus unserem Blickfeld verschwinden. Dann läßt er sein Fernglas sinken. Wir waren nicht hergekommen, um uns die Keas anzusehen.
»Sind trotzdem interessante Vögel, mit einigen komischen Eigenarten. Ausgesprochen penibel, was den richtigen Bau ihrer Nester angeht. Man hat mal ein Keanest gefunden, mit dessen Bau die Vögel 1958 begonnen hatten. 1965 haben sie noch immer rumprobiert und Teile dazugesteckt, aber richtig eingezogen waren sie noch nicht. Sind dir in dieser Hinsicht ziemlich ähnlich.«
Als wir den schmalen Ausgang der Schlucht erreichen, halten wir ein paar Meter von einem Wasserfall entfernt kurz an, der zwischen den Felsen hervorbricht, um den hundert Meter unter uns liegenden Fluß mit Wasser zu füllen. Wir starren ihn aus unserer fliegenden Glasblase an, und ich fühle mich plötzlich wie ein Besucher von einem anderen Planeten, der aus dem Himmel herabsinkt, um eine fremdartige Welt genau unter die Lupe zu nehmen. Außerdem fühle ich mich krank, beschließe aber, diese Information für mich zu behalten.
Mit einem kurzen Achselzucken hievt Bill den Hubschrauber wieder nach oben, aus der Schlucht und in den klaren Himmel. Schon die Unermeßlichkeit dieser Massen von Bergen und Raum, die uns lässig umkreisen, überwältigt die räumlichen Prozessoren des Gehirns. Und dann, wenn man gerade meint, all die Wunder entdeckt zu haben, die diese Welt einem zu bieten hat, kurvt man um einen Gipfel und glaubt plötzlich, man beginne das Ganze noch mal von vorn, nur diesmal unter Drogeneinfluß.
Wir gleiten über Gletschergipfel. Der urplötzliche, verschwenderische Lichtaufwand blendet uns für einen Augenblick, aber als das Licht dann zu festen Formen zusammenwächst, scheinen diese Formen aus einem Traum zu stammen. Große, kopflastige Türme, die an deformierte Gigantentorsos erinnern, mächtige, herausgemeißelte Höhlen und Bögen und hier und dort die rissigen und abgeschlagenen Überreste von etwas, das aussieht wie eine Reihe gotischer Kathedralen, die man aus beträchtlicher Höhe abgeworfen hat. Aber alles ist Schnee und Eis. Es sieht aus, als kämen die Geister von Salvador Dali und Henry Moore nachts vorbei, um mit den Urkräften zu spielen.
Wenn ich mit etwas vollkommen Unfaßbarem konfrontiert werde, reagiere ich instinktiv wie jeder zivilisierte Mensch: Ich greife nach meiner Kamera und fotografiere es. Ich spüre, daß ich sehr viel leichter damit klarkommen werde, wenn es bloß drei Zentimeter Farbe in einem Leuchtkasten sind und mein Stuhl nicht dauernd versucht, mich durch die Gegend zu schleudern.
Gaynor, unsere Rundfunkproduzentin, schiebt mir ein Mikrofon unter die Nase und bittet mich zu beschreiben, was wir gerade sehen.
»Was?« sage ich und fasele ein bißchen.
»Mehr«, sagte sie. »Mehr!«
Ich fasele noch ein bißchen weiter. Die Rotorblätter des Hubschraubers säbeln nur ein paar Zentimeter von einem Eisturm entfernt durch die Luft.
Sie seufzt. »Na schön«, sagt sie, »das läßt sich höchstwahrscheinlich zu irgendwas zusammenschneiden«, und schaltet das Tonband wieder aus.
Wir drehen eine weitere bewußtseinszerknüllende Runde um die riesigen Eisskulpturen und jagen dann zurück durch die Schluchten, die jetzt vergleichsweise spießig wirken.
In unserem Hubschrauber sitzt noch ein weiterer Passagier: Don Merton, ein gütiger Mann mit dem Gebaren eines Vikars, der für irgend etwas Abbitte leistet. Er sitzt ruhig da, stößt gelegentlich seine Brille auf dem Nasenrücken zurück und murmelt für sich »ja, ah, ja«, als bestätige all dies eine Vermutung, die er schon seit langem hegt. Tatsache ist, daß er das Gebiet sehr gut kennt. Er arbeitet für das New Zealand Department of Conservation und hat wahrscheinlich mehr als irgendwer sonst zum Schutz der bedrohten neuseeländischen Vogelwelt beigetragen.
Wir sind der Hunderte von Metern steil abfallende Schluchtwand neben uns wieder sehr nah, und ich entdecke, daß wir einem langen, schmalen Pfad folgen, der über eine unfaßbar schmalen Sims zu einem Felsvorsprung hinaufführt, von dem aus man einen ausgedehnteren Teil des Tal überblicken kann. Ich leide an fürchterlicher Höhenangst. Bei meinen knapp zwei Metern Länge wird mir manchmal schon beim Aufstehen schwummerig, und der bloße Anblick des Pfades beschert mir schwarze, verschwommene Alpträume.