The Vampire Journals - Geliebt: Band 2 (German Edition)
- Автор: Rice Morgan
- Серия: The Vampire Journals #2
- Год: 2013
- Язык: немецкий
- Жанр: Городское фэнтези
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»Heilige Scheiße! Was zum Teufel ist das denn?«
Blinde Wut überkam Kyle, und bevor die beiden Männer auch nur reagieren konnten, packte er jeden von ihnen mit einer Hand und hob sie hoch über seinen Kopf. Sie waren ziemlich groß, aber Kyle war größer – viel größer – und viel, viel stärker. Dann knallte er die beiden mit voller Wucht mit den Köpfen zusammen.
Als sie auf den Stufen zusammenbrachen, trampelte Kyle sie mit gezielten Tritten gegen ihre Köpfe zu Tode.
Aber seine Wut war noch nicht abgeebbt. Seine eigenen Leute hatten ihn ausgestoßen, als wäre er ein Niemand. Nach all dem, was er für sie getan hatte. Nachdem er den Krieg entfacht hatte. Und all das nur wegen eines winzigen Fehlers, wegen dieses blöden Mädchens. Caitlin. Dafür würde er sie büßen lassen.
Doch zuerst würde er seinen eigenen Clan dafür bezahlen lassen. Niemand hatte das Recht, ihn so zu behandeln. Niemand. Sie hatten ihn zwar verbannt, aber er musste das ja nicht akzeptieren. Schließlich gab es immer noch genug Vampire, die ihm treu ergeben waren. Mit seinen Fähigkeiten könnte er sogar selbst der oberste Meister des Clans werden.
Und als er zitternd vor Wut dort stand, schoss ihm plötzlich etwas durch den Kopf – das war die zündende Idee! Ein Plan, ein Weg, wie er seine Rache bekommen und die Kontrolle zurückgewinnen konnte. Ein Weg, wie er selbst oberster Meister werden konnte.
Es war das Schwert, an das er dachte. Wenn er das hätte, wenn er es vor den anderen finden könnte, dann wäre die Macht in seinen Händen. Nicht in ihren. Und dann könnte er zurückkehren und sie zerstören. Zumindest diejenigen, die ihn verraten hatten. Diejenigen dagegen, die ihm gegenüber loyal geblieben waren, würde er als Soldaten aufnehmen.
Ja, es würde ein Blutbad geben, wie sie es noch nie erlebt hatten. Wenn er das Heft erst wieder in der Hand hielt, würde er sich um die Menschen kümmern und den Krieg höchstpersönlich zu Ende bringen. Bis dahin würde die Pest ganze Arbeit geleistet haben, und er, Kyle, hätte das Sagen. Mit diesem Schwert könnte er New York regieren. Alle Räte und alle Clans überall auf der Welt würden ihm unterstehen und sich ihm gegenüber verantworten müssen.
Dieser Plan gefiel ihm. Allerdings musste er das Mädchen finden, wenn er das Schwert haben wollte. Um sie zu finden, würde er Hilfe brauchen – diesen jungen Russen, den Sänger, den sie verwandelt hatte und der immer noch ihren Geruch in seinen Adern hatte.
Ja, der Plan war wirklich gut.
Schnell drehte Kyle sich um und stürmte die Treppen der City Hall hinauf, riss mit einer Hand das Metallschloss heraus und trat die Tür ein. So früh am Morgen war die Eingangshalle noch leer. Er sprintete den Flur entlang, erreichte das andere Ende und zog an einem versteckten Hebel. Als die Wand zurückschwang, eilte er die Steintreppe hinunter und verschwand in der Dunkelheit.
Kyle wusste, dass er sich im schlimmsten Fall mit einer ganzen Armee konfrontiert sehen würde. Deshalb rannte er mit voller Geschwindigkeit. Allerdings würden sie bestimmt nie damit rechnen, dass er sie ganz allein angreifen würde. Außerdem wusste er, dass sie mit dem Krieg beschäftigt waren – wenn er sich beeilte, könnte es ihm gelingen, sich zu holen, was er brauchte. Vor allem bei Tagesanbruch standen seine Karten gut, wenn viele von ihnen sich gerade schlafen legten.
Er erreichte die niedrigeren Ebenen und lief zügig einen breiten Korridor entlang, bis er die große Tür fand, die er gesucht hatte. Wie er schon vermutet hatte, stand nur eine Wache davor, ein junger, schwächerer Vampir, der erst wenige hundert Jahre alt war. Bevor dieser überhaupt reagieren konnte, hatte Kyle ihm bereits einen sauberen Kinnhaken verpasst, der ihm das Bewusstsein raubte.
Jetzt stemmte Kyle die Schulter gegen die Tür und drückte sie ein. Schnell durchquerte er den Raum – da war er ja, der junge Russe. Man hatte ihn mit ausgestreckten Armen an die Wand gekettet und geknebelt. Seine Augen waren vor Furcht und Schrecken weit aufgerissen. Da er schon tagelang hier gefangen gehalten wurde, war er psychisch gebrochen. Kyle verschwendete keine Zeit, sondern zeriss sofort die Ketten an seinen Händen und Füßen. Der Russe zog sich das Klebeband vom Mund und begann sofort zu schreien.
»Wer sind Sie? Warum bin ich hier? Wohin bringen Sie mich? Warum haben …«
Ohne viel Federlesens schlug Kyle ihm mit dem Handrücken so kräftig ins Gesicht, dass er ohnmächtig wurde. Dann warf er sich den schlaffen Körper über die Schulter und trug ihn aus dem Raum. Die Ketten schleiften hinter ihnen her.
Zügig lief er dieselbe Strecke zurück, und ehe er es sich versah, war er wieder in der City Hall und trat ins Tageslicht hinaus. Mit ganzer Kraft rannte er weiter; dabei stellte er erfreut fest, dass niemand ihm gefolgt war.
Allmählich entspannte er sich innerlich ein bisschen. Jetzt hatte er das, was er brauchte. Dieser junge Mann, in dessen Adern immer noch Caitlins Blut floss, konnte ihn direkt zu ihr führen. Und wenn er sie erst gefunden hatte, dann würde er auch das Schwert bekommen.
Zufrieden lächelte er vor sich hin. Jetzt war es nur noch eine Frage der Zeit, bis er das Schwert besitzen würde.
22.
Kapitel
Caitlin und Caleb flogen über Martha’s Vineyard und überquerten dabei viele Meilen dunklen Waldes. Die Spätnachmittagssonne strahlte vom Himmel. Caitlin staunte, wie groß die Insel war. Die Aquinnah-Klippen, die jetzt ihr Ziel waren, befanden sich auf der anderen Seite der Insel. Trotz Calebs hoher Fluggeschwindigkeit würden sie eine ganze Weile brauchen.
Caleb flog nicht gerne, wenn Leute in der Nähe waren, weil er nicht unnötig Aufmerksamkeit auf sich oder überhaupt auf die Vampire lenken wollte. Jetzt hatte er allerdings keine Bedenken, weil zu dieser Jahreszeit kaum Menschen unterwegs waren. Außerdem flogen sie größtenteils über ausgedehnte Wälder.
In Caitlins Kopf drehte sich alles, als sie an die Walfang-Kirche und den neuesten Hinweis zurückdachte, den sie dort gefunden hatten. Damit hatte sie nun wirklich nicht gerechnet. Sie hatte vermutet, es könnte vielleicht noch ein weiterer Schlüssel sein, aber stattdessen hatten sie eine kleine Schriftrolle vorgefunden, ein brüchiges, vergilbtes Stück Pergament, das in der Mitte durchgerissen worden war. Schon der erste Blick hatte ihnen gezeigt, dass eine Hälfte fehlte. Und ohne die andere Hälfte war auch die erste nutzlos. Was sie nun also hatten, war die Hälfte eines Rätsels. Angesichts des Zustandes der Schriftrolle war es ohnehin erstaunlich, dass sie so lange überlebt hatte. Hätte sie nicht in einem schmalen, luftdichten Metallröhrchen gesteckt, wäre bestimmt nichts mehr davon übrig gewesen. Das Röhrchen ruhte inzwischen sicher in Caitlins Tasche.
Zu dritt hatten sie die mysteriöse Nachricht auf der halben Schriftrolle studiert, aber allen war klar gewesen, dass sie nutzlos war. Die Worte und Sätze waren in der Mitte durchgerissen worden. Ihnen blieben nur Bruchstücke, Teile eines Rätsels.
Es lautete wie folgt:
Die vier Reiter …
Sie verlassen …
betreten einen Ring …
versammeln sich …
und finden die …
neben der vierten …
Immer wieder hatten sie versucht, die Sätze zu vervollständigen. Aber so sehr sie sich auch bemüht hatten, ohne die andere Hälfte war es ihnen nicht gelungen.
Ernüchtert hatten sie schließlich aufgegeben. Roger hatte ein wenig kleinlaut gewirkt, obwohl er natürlich nichts dafürkonnte. Es gab keinerlei Spuren oder Hinweise darauf, wo sich die zweite Hälfte befinden könnte.
Also hatten Caitlin und Caleb beschlossen, der einzigen anderen Spur nachzugehen, die sie noch hatten: die Aquinnah-Klippen, von denen Caitlin geträumt hatte.
Sie hatte Mühe, sich den Traum wieder ins Gedächtnis zu rufen. Er kam ihr bereits fern und undeutlich vor, als hätte sie ihn schon vor Monaten geträumt. Allmählich fragte sie sich sogar, ob sie es überhaupt geträumt hatte. Sie wollte Caleb nicht enttäuschen und ihn nicht noch tiefer in dieses scheinbar aussichtslose Unterfangen verstricken.