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18 Geisterstories

Электронная книга - «18 Geisterstories». Краткое содержание книги:

Schaurige Geschichten von klassischen und modernen Gespenstern.
Ausgewählt und herausgegeben von Manfred Kluge.
Inhalt:
Laertes
Karl Hans Strobl
Vier Geister in ›Hamlet‹
Fritz Leiber
Das arme alte Gespenst
Heinrich Seidel
Die Klausenburg
Ludwig Tieck
Der Geisterberg
Gustav Adolf Becquer
Gäste zur Nacht
Alexander Puschkin
Der schwarze Schleier
Charles Dickens
Das weiße Tier
Ein Nachtstück
Georg von der Gabelentz
Das geheimnisvolle Telegramm
Anonymus
Der geraubte Arm
Vilhelm Bergsöe
Die Nacht von Pentonville
Jean Ray
Das Gespenst
Knut Hamsun
Der Geist
Frederic Boutet
Die Kleinodien des Tormento
Paul Busson
Altersstarrsinn
Robert Bloch
Der Spuk von Rammin
Hanns Heinz Ewers
Reitet, Colonel!
Mary-Carter Roberts
Die Stimme aus dem Jenseits
Werner Gronwald
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Liebes Kind, sagte ich jetzt, ich will dir vertrauen, wie ich glauben muß, sie sei wahnsinnig geworden. – Ist jede leidenschaftliche Bosheit etwas andres als Wahnsinn? bemerkte hierauf Elisabeth ganz richtig.

Wir verließen mit dem Herbst die Klausenburg, um das neue bequeme Haus zu beziehen. Denn zu meinem Erschrecken entdeckte ich eine Anlage zur Melancholie an meiner Gattin, für welche die Einsamkeit dort nicht heilsam war. Wir gingen einst durch die alten Zimmer, durch den ziemlich erhaltnen gotischen Saal, und indem unsre Tritte im einsamen Gemach widerhallten, zuckte meine Gattin plötzlich zusammen und schauderte. Ich fragte. O es ist grausig hier, sprach sie zitternd, ich habe das Gefühl, als wenn Gespenster unsichtbar hier umgingen. – Ich erschrak, und der Gedanke sah mich mit grauen Augen eines Ungetüms an: daß auch der Verstand meiner Elisabeth vielleicht wie der der Schwester möchte gelitten haben.

Als wir in dem neuen Hause am Eibensteige wohnten, vermißten wir oft Ernestine und erfuhren, daß sie in der Klausenburg und in den Ruinen des alten Schlosses verweile. Da es einmal zu dieser Mißhelligkeit gediehen war, hatte ich sowohl wie die Frau ein besseres Gefühl, wenn wir die Arme nicht bei uns sahen. Aber wie verschieden war mein Leben doch von jenem, wie ich es mir vorgebildet hatte, als ich um die Hand meiner Elisabeth warb!

Noch anderes häusliches Unglück geseilte sich zu unseren Leiden, um unsern Gram zu vermehren. Jenes Dokument, welches eigentlich mein Vermögen, mein Dasein begründete, jener Beweis, daß Summen bezahlt seien und ich noch welche zu fordern hatte, alle diese Akten und Papiere, die schon nach dem Tode des Grafen Moritz waren als Beweistümer in Anspruch genommen worden, diese wichtigen Blätter, die ich nach langem mühevollen Suchen wieder gefunden und die ich nur kürzlich noch in Händen gehabt hatte, waren verschwunden. Ich hatte sie immer aufmerksam behütet und verschlossen gehalten, ich hatte sie jetzt meinem Advokaten ausliefern und selber mit diesen höchst wichtigen Beweisen, die mir meine Güter frei machten und wieder schafften, nach der Stadt reisen wollen. Und sie waren fort, und wie ich dachte und sann, konnte ich weder ergründen, ja selbst keine Spur auffinden, wie es möglich gewesen, sie mir zu entwenden. Als ich endlich in meiner Herzensangst meiner Frau meine Sorge mitteile, ist sie scheinbar ganz ruhig und sagt mit kalter Stimme und Fassung: Und du kannst noch zweifeln? Ich kann es nicht. Ernestine hat einen Augenblick deiner Abwesenheit, des offnen Pultes, oder wer weiß welches augenblickliche Vergessen benutzt, um diese Papiere dir zu rauben.

Nicht möglich! rief ich im Entsetzen. – Möglich? wiederholte sie; was ist ihr unmöglich? – Da diese Dokumente fehlten, ging jener uralte Prozeß nur sehr langsam vorwärts, und ich konnte es mir selber sagen, daß ich ihn durchaus verlieren müsse, wenn es irgendeinmal zur Entscheidung käme. Ich benutzte daher eine Gelegenheit, als ihn die Gerichte selbst niederzuschlagen vorschlugen, um den wahren Bescheid auf künftige Jahre möglich zu machen. Ich konnte aber nicht unterlassen, Ernestine zu befragen und ihr meinen Verdacht mitzuteilen. Die Haare richteten sich mir empor über die Art und Weise, wie sie diese Anmutung, die jedes unschuldige Herz empören mußte, aufnahm. Als ich meine Verlegenheit überwunden und ihr die Sache vorgetragen hatte, fing sie so laut und heftig an zu lachen, daß ich alle Fassung verlor. Als ich mich gesammelt hatte und in sie drang, mir zu antworten, sagte sie mit schneidender Kälte: Mein guter Herr Schwager, hier sind, wie Sie selbst, trotz Ihrer Borniertheit, einsehen, nur zwei Fälle möglich. Entweder ich bin schuldig, oder unschuldig. Nicht wahr? Wenn ich den Raub begangen habe, so mußte ich durch wichtige Ursachen bewogen sein, oder durch Bosheit, oder was es sei, zu dieser Handlung gestachelt. Und dann sollte ich sagen: ja, ich habe es getan, nehmen Sie es doch ja nicht übel? Sie müssen selbst gestehn, das wäre dümmer als dumm. Wenn ich also blödsinnig wäre, hätte ich es vielleicht so ohne alle Absicht getan, um das Küchenfeuer damit anzuzünden, oder auch weil mir die roten Siegel gefielen, und ich spräche nun: da nehmen Sie die hübschen Papiere zurück, weil ich sehe, daß sie einen Wert für den liebwerten Herrn Grafen haben. Blödsinnig aber bin ich bis dato noch nicht, und wenn ich boshaft bin, so bin ich natürlich nicht so einfältig, die Sache einzugestehen. Oder aber, der zweite Fall, ich bin unschuldig. Und Herr Schwager, widersprechen Sie ja nicht, dann sind Sie der Gimpel, diese so ganz ungeziemenden Fragen an mich zu tun.

Ich konnte dem gespenstischen Wesen nichts antworten. Als ich in unsrer Einsamkeit jetzt gar nicht mehr meine Elisabeth beim Fortepiano beschäftigt sah, das ich eigens für sie vom Auslande hatte kommen lassen, und ich sie darüber zur Rede stellte, sagte sie klagend: Lieber, wenn ich nicht tödlichen Verdruß haben will, darf ich nicht mehr spielen. – Wieso? – Weil mir es Ernestine verboten hat. Sie sagt, in einem Hause, wo eine solche große Virtuosin wie sie selber lebe, könne sie nicht zugeben, daß irgend jemand anders auch nur einen Ton anzuschlagen wage. – Diese Anmaßung ging über alle Geduld hinaus. – Ich lief nach ihrem Zimmer hinüber und forderte sie im ironischen Tone auf, mir etwas vorzuspielen, da sie es andern schwachen Sterblichen nicht erlauben wolle, das Instrument anzurühren. Sie folgte mir laut lachend. Und es ist wahr, sie spielte mit solcher Meisterschaft, daß mein Zorn sich in Bewunderung und Entzücken verwandeln mußte. – Nun? sagte sie ganz ernsthaft, als sie geendigt hatte; das kann man in seinem Hause haben, den Genuß, nach welchem Kenner fünfzig Meilen herreisen würden; – und doch kann man sich auch mit jener Stümperei, diesem Hin- und Herklappen und Tapsen unfähiger Finger zufriedenstellen? O ihr Törichten und Aberwitzigen! Da schwatzen sie von Kunst, die Schäker, und meinen den Dunst, nur nippen können sie vom Himmelstrank, und das Wunder wird in ihren groben Händen zum Plunder und Zunder. Wenn mich nicht das Leben immerdar anekelte, wenn die Menschen mir nicht widerwärtig wären, würde ich gar nicht mehr zu lachen aufhören.

Seitdem spielte sie oft mit uns und erlaubte höchstens Elisabeth und mir, zu singen, obgleich sie behauptete, daß wir weder Schule noch Methode besäßen. So ging der Winter hin. Ich war schon arm und hatte die Aussicht vor mir, ganz zum Bettler zu werden, Elisabeth kränkelte, und mir war die Heiterkeit des Lebens verschwunden.

Es war fast eine Erleichterung unseres Daseins zu nennen, als mit dem nahenden Frühling Ernestine krank und kränker und endlich gar bettlägerig wurde. Sie ward, so wie ihre Krankheit zunahm, immer unleidlicher. Am meisten zürnte sie darüber, daß sie nicht nach der Klausenburg konnte, welche sie sehr lieb gewonnen. An einem warmen Tage ließ ich sie hinfahren, und sie kramte lange in den Gemächern, trieb sich lange zwischen den Ruinen und den Gesträuchen umher und kam uns dann viel kränker zurück, als sie uns verlassen hatte. –

Franz ruhte wieder eine geraume Zeit und fuhr dann so fort: Jetzt sah man wohl, daß die Arme nicht wieder aufkommen würde. Der Doktor meinte, er begriffe die Krankheit und den Zustand der Leidenden nicht, denn die Lebenskraft sei bei ihr so stark, daß alle jene Symptome, die sonst einen nahen Tod verkündigten, bei ihr sich nicht zeigten, und sie wahrscheinlich bald genesen würde. Aber nach einigen Tagen ließ er alle Hoffnung fahren.

Wir sahen eigentlich einer ruhigeren Zukunft entgegen. Wenn uns die Unglückliche auch dauerte, so konnten wir es uns doch nicht ableugnen, daß sie störend in unser Leben und das Glück unsrer Liebe hineingebrochen war. Wir hörten, sie liege im Sterben, und da sie beim Arzt und ihren Pflegern es sich eigens bedungen hatte, daß wir sie nicht belästigen sollten, so hatten wir uns ferngehalten. Jetzt verlangte sie plötzlich dringend, mich zu sehen, bedang sich aber dabei aus, daß die Schwester nicht zugegen sein dürfe. Ich ging hinüber und sagte, so wie ich eintrat: Liebe Freundin, Sie wollen gewiß so gut sein, mir jene Dokumente wieder auszuliefern, die Sie, um mich zu necken, aus meinem Pulte genommen haben. Sie sah mich bedeutend mit den sterbenden Augen an, die jetzt viel größer und verklärter als vormals leuchteten. In ihrem Blick war etwas so Seltsames, Leuchtendes, Grünfunkelndes, daß man nichts Entsetzliches, Unbegreifliches zu sehen braucht, wenn man dergleichen erblickt hat. Haben Sie, Schwager, sagte sie nach einer Pause, immer noch diese Narrenpossen im Kopfe? Doch freilich, lebt jeder so hin, wie er leben kann. Setzt Euch, Freund; fügte sie dann mit einer verächtlichen Miene hinzu, und ich ließ mich an ihrem Bett nieder.

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