Die Elfenkönigin von Shannara
- Автор: Брукс Терри
- Серия: Erbe von Shannara #3
- Год: 1992
- Язык: немецкий
- Переводчик: Karin Konig
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Elfenkönigin von Shannara». Краткое содержание книги:
Sie erfuhr nur zu bald, daß sie richtig vermutet hatte. Die kleine Gesellschaft erklomm einen Hang aus Lavagestein, der dicht mit vertrocknetem Gestrüpp bewachsen war, als sich der Nebel plötzlich lichtete. Sofort warfen sie sich flach auf den Boden. In den Schatten eng aneinander gekauert, starrten sie hinaus auf das, was vor ihnen lag.
Arborlon stand auf einem Hügel weniger als eine Meile vor ihnen. Es war selbst die Quelle des seltsamen Leuchtens, das aus einer massiven Mauer strömte, die die Stadt umgab, und in stetigem Rhythmus schwach durch den Nebel und die Wolken drang. Überall pirschten sich die Dämonen an, Schatten, die in den Vog und den Nebel hinein- und wieder herausschlüpften, gesichtslose, gestaltlose Geister, die nur manchmal sekundenlang im Schein der Feuer sichtbar wurden, die in Rissen in der Erde brannten, wo Fontänen geschmolzenener Lava durchgebrochen waren. Dampfsäulen erfüllten die Luft mit Asche und Hitze und verwandelten die verkohlte Erde in ein geisterhaftes Fegefeuer. Das Grollen der Dämonen verschwand in dem Rumpeln, das tief aus der Erde heraufstieg, wo der geschmolzene Kern des Vulkans umherwirbelte und aufwärts stieß. In der Ferne dampfte der Krater Killeshans hoch über der Stadt und den Geistern, die sie belagerten. Er ragte zerklüftet und bedrohlich empor: ein Feuermonster, das auf einen Leckerbissen wartete. Wrens Augen wandten sich entsetzt von der belagerten Stadt ab und der zerstörten Landschaft zu. Es war nicht zu glauben, daß die Elfen es ertragen konnten, in einer Welt wie dieser gefangen zu sein. Sie fühlte sich selbst leer werden vor Angst und Abscheu. Wie hatte das geschehen können? Die Elfen waren Heiler, vom Moment ihrer Geburt an dazu bestimmt, Leben zu erneuern und das Land und seine Lebewesen zu bewahren. Warum war das hier nicht geschehen? Arborlon war innerhalb seiner Mauern eine Insel. Sein Volk war sicher irgendwie noch beschützt, irgendwie noch immer in der Lage, sich selbst zu erhalten, während die Welt um es herum zu einem Alptraum geworden war.
Sie beugte sich zu Stresa hinunter. »Wie lange ist dies alles schon so, wie es jetzt ist?«
Der Stachelkater fauchte. »Phfffft! Seit Jahren. Die Elfen sind schon so lange dort eingeschlossen, wie wir uns erinnern können, und verbergen sich dort hinter ihrer Magie. Ssstttfff! Siehst du das Licht, das von der Mauer aufsteigt, die sie abschirmt? Mmsstt. Das ist ihr Schutz!«
Der Baumschreier piepste leise und brachte sie so dazu, sich zu ihm umzudrehen. Stresa knurrte. »Grrrrrr. Der Schreier sagt, daß das Licht schwächer wird und die Magie nachläßt. Es dauert nicht mehr lange, bis sie endgültig versagt.«
Wren schaute erneut hinüber. Es war ein Alptraum. Es bleibt nicht viel Zeit, wiederholte sie zu sich selbst. Das Licht verdunkelte sich. Da waren Schatten, daran konnte kein Zweifel bestehen. Sie spürte ein plötzliches Gefühl der Nutzlosigkeit. Wo blieb der Sinn ihrer Suche, fragte sie sich traurig. Sie war nach Morrowindl gekommen, um die Elfen zu finden und sie in die Welt der Menschen zurückzubringen – das hatte ihr Allanon am Hadeshorn aufgetragen. Aber wie konnten die Elfen jemals von hier zurückkehren? Sicherlich hätten sie das schon vor langer Zeit getan, wenn es überhaupt möglich war. Sie waren jedoch hiergeblieben. Ringsum eingekreist. Sie atmete tief ein. Warum nur hatte Allanon sie hierher geschickt? Was sollte sie bloß tun? Eine tiefe Traurigkeit erfüllte sie. Was nur, wenn die Elfen verloren waren? Die Elfen waren alles, was aus der Welt der Feen übriggeblieben war, von dem ersten Volk und von der Magie, die Leben gespendet hatte, als das Leben begann. Sie hatten so viel getan, um die Vier Länder entstehen zu lassen, nachdem die Großen Kriege beendet und die alten Methoden verloren waren. Alle Kinder von Shannara waren aus Elfenblut geboren. Und sie hatten alle Kämpfe gewonnen, die geführt worden waren, um die Rassen zu erhalten. Es schien unmöglich, daß dies alles aus den Schriftrollen der Geschichte getilgt und in die Legende verwiesen werden könnte, daß außer den Geschichten nichts von den Elfen übrigbleiben würde.
Mythen und Legenden, überlegte sie, so wie es jetzt ist.
Sie dachte wieder an das Versprechen, das sie sich selbst gegeben hatte, daß sie die Wahrheit über ihre Eltern erfahren und herausfinden wollte, wer sie gewesen waren und warum sie sie zurückgelassen hatten. Und was war mit den Elfensteinen? Sie hatte geschworen, daß sie herausfinden würde, warum man sie ihr gegeben hatte. Ihre Finger hoben sich, um über die Umrisse des Lederbeutels an ihrem Hals zu fahren. Sie hatte nicht mehr an die Elfensteine gedacht, seitdem sie die Besteigung des Blackledge in Angriff genommen hatten. Sie hatte nicht einmal daran gedacht, die Magie zu gebrauchen, als sie bedroht worden waren. Sie schüttelte den Kopf. Aber warum sollte sie das auch? Es war doch zu sehen, was die Magie den Elfen gebracht hatte. Sie spürte Garths Hand auf ihrer Schulter und sah den fragenden Blick in seinen Augen. Offenbar fragte er sich, was sie tun wollte. Sie stellte fest, daß sie sich dasselbe fragte.
Geh nach Hause, flüsterte eine Stimme in ihrem Inneren. Gib diesen Wahnsinn auf.
Einerseits stimmte sie dem zu. Es war Wahnsinn, und außer einfältiger Neugier und sturer Beharrlichkeit hatte sie keinen Grund, hier zu sein. Wie wenig ihr doch ihre Fähigkeiten und ihre Ausbildung in dieser Sache helfen konnten. Sie hatte Glück gehabt, daß sie so weit gekommen war. Sie hatte sogar Glück, noch am Leben zu sein.
Aber nun war sie trotz allem hier. Und die Antworten auf alle ihre Fragen lagen direkt jenseits des Lichts.
»Stresa«, flüsterte sie, »gibt es eine Möglichkeit, in die Stadt zu gelangen?«
Die Augen des Stachelkaters leuchteten im Dunkeln. »Grrrrrr, Wren von den Elfen. Du bist also tatsächlich entschlossen, dort hinunterzugehen?« Als sie nicht antwortete, sagte er: »In einer Senke, die – grrrrrr – in der Nähe jener Stelle dort liegt, wo die Dämonen kauern, gibt es verborgene Tunnel. Ssssstttfff. Die Tunnel führen in die Stadt. Die Elfen benutzen sie, um sich davonzuschleichen – jedenfalls taten sie es einst. Auf diese Weise haben sie auch uns hinausgelassen, damit wir für sie Wache halten. Phfffft. Vielleicht ist noch immer einer in Gebrauch, was denkst du?«
»Kannst du ihn finden?« fragte sie leise.
Der Stachelkater blinzelte.
»Zeigst du ihn mir?«
»Hssstttt. Wirst du dich an dein Versprechen erinnern, mich mit dir zu nehmen, wenn dies alles vorbei ist?«
»Das werde ich.«
»Sehr gut.« Das Katzengesicht verzog sich. »Also die Tunnel. Wer von uns geht? Ssttff.«
»Garth, du und ich.«
Der Baumschreier piepste sofort.
Stresa schnurrte. »Das dachte ich mir. Der Schreier will auch mitgehen. Grrrrr. Warum nicht? Er ist doch nur ein Schreier.«
Wren zögerte. Sie spürte, wie sich die Finger des Baumschreiers fest um ihren Arm schlössen. Der Schreier piepste noch einmal.
»Sssttt.« Stresa schien zu lachen. »Ich soll dir sagen, daß er Faun heißt. Er hat beschlossen, dich zu adoptieren.«
»Faun.« Wren wiederholte den Namen und lächelte schwach.
»Ist das dein Name, Kleiner?« Die runden Augen waren auf sie gerichtet und seine großen Ohren nach vorn gestellt. Es schien seltsam, daß der Baumschreier überhaupt einen Namen hatte.
»Also, du willst mich adoptieren, ja? Und hingehen, wo ich hingehe?« Sie schüttelte traurig den Kopf. »Es ist schließlich dein Land. Und wahrscheinlich könnte ich dich nicht davon abhalten mitzugehen, selbst wenn ich es wollte.«
Sie sah Garth an, um sich zu vergewissern, daß er bereit war. Das rauhe Gesicht war ruhig, und die dunklen Augen leuchteten unergründlich. Sie schaute ein letztes Mal auf den Wahnsinn unter ihr, schob dann Angst und Zweifel beiseite und sagte sich mit so viel Überzeugung, wie sie aufbringen konnte, daß sie eine Fahrende sei und sicher alles überleben würde.
Ihre Finger strichen kurz über die harte Oberfläche der Elfensteine.