Charlie und die Schokoladenfabrik
- Автор: Даль Роальд
- Язык: немецкий
- Жанр: Детская проза
Электронная книга - «Charlie und die Schokoladenfabrik». Краткое содержание книги:
Der kleine Charlie sah seine vier Großeltern langsam und der Reihe nach an, und alle vier schauten ihn an. Ihre lächelnden Gesichter wirkten freundlich und gleichzeitig ganz ernsthaft. In keinem war irgendein Anzeichen dafür zu entdecken, daß sie sich über Charlie lustig machten.
«Nun, hast du schon mal jemanden hineingehen oder herauskommen sehen, oder nicht?» fragte Großvater Josef.
«Ich... ich erinnere mich nicht, Großvater. Jedesmal, wenn ich an der Fabrik vorbeikomme, ist das eiserne Tor geschlossen», stotterte Charlie.
«Siehst du!» sagte Großvater Josef.
«Aber es müssen doch Leute dort arbeiten...»
«Keine gewöhnlichen Leute, Charlie.»
«Was für welche?»
«Das ist es ja gerade... Da sieht man wieder, wie gescheit dieser Herr Wonka ist.»
«Charlie, es ist Zeit zum Schlafengehen», sagte seine Mutter von der Tür her.
«Bitte, Mutter, ich muß nur eben noch hören...»
«Morgen, Liebling.»
«Ja, morgen abend erzähle ich dir den Rest der Geschichte», sagte Großvater Josef.
4. Die geheimnisvollen Arbeiter
Am nächsten Abend erzählte dann Großvater Josef die Geschichte weiter.
«Weiß du, Charlie, es ist noch gar nicht so sehr lange her, da haben Tausende von Menschen in Herrn Wonkas Schokoladenfabrik gearbeitet. Aber eines Tages hat Herr Wonka plötzlich alle seine Leute bis auf den letzten Mann entlassen und ihnen gesagt, sie müßten nach Hause gehen und könnten nie wieder bei ihm arbeiten.»
«Aber warum?» fragte Charlie.
«Wegen der Spione.»
«Spione?»
«Ja. Die anderen Schokoladenfabrikanten waren neidisch auf Herrn Wonka, weil er die wunderbarsten Süßigkeiten herstellte. Deshalb schickten sie Spione aus, um ihm seine Geheimrezepte zu stehlen. Die Spione ließen sich als gewöhnliche Arbeiter in Herrn Wonkas Fabrik anstellen, und jeder von ihnen fand an seinem Arbeitsplatz heraus, wie die verschiedenen Süßigkeiten hergestellt wurden.»
«Und dann sind sie zurück in ihre eigene Fabrik gegangen und haben dort alles verraten?» fragte Charlie.
«So muß es wohl gewesen sein, denn mit einem Male verkauften auch die anderen Schokoladenfabriken Eis, das nicht einmal in der Sonne schmolz, und Kaugummi, das niemals seinen Geschmack verlor, und Luftballons aus Bonbonmasse, die man ganz riesengroß aufblasen konnte, ehe man sie mit einer Nadel platzen ließ und aufschleckte... Und so noch viele andere Süßigkeiten, die es bis dahin nur bei Herrn Wonka gegeben hatte. Und als Herr Wonka die Plakate der
Konkurrenz sah, raufte er sich den Bart und schrie: <Das ist schrecklich! Überall stecken Spione! Sie ruinieren mich! Ich muß meine Fabrik schließen!>» «Aber er hat sie nicht geschlossen!» sagte Charlie. «Doch, er hat sie geschlossen. Er hat allen seinen Arbeitern gesagt, es täte ihm sehr leid, aber er müsse sie alle entlassen und nach Hause schicken. Dann hat er das Fabriktor zugemacht und eine dicke Kette vorgelegt. Die Schokoladenfabrik lag plötzlich still und verlassen da. Die Schornsteine rauchten nicht mehr, die Maschinen drehten sich nicht mehr, und keine einzige Tafel Schokolade und kein einziger Bonbon wurde mehr gemacht. Keine Menschenseele ging durch das Fabriktor, und sogar Herr Wonka war spurlos verschwunden. Monate verstrichen, aber die Fabrik blieb geschlossen.» Großvater Josef fuhr fort.
«Die Leute sagten: <Der arme Herr Wonka. Er war so ein netter Mensch, und er hat so wunderbare Süßigkeiten gemacht. Jetzt ist er pleite; schade!>
Dann geschah etwas Überraschendes. Eines schönen Tages stiegen früh am Morgen dünne weiße Rauchsäulen aus den Fabrikschornsteinen! Die Leute blieben verblüfft auf der Straße stehen und staunten. <Was ist da los?> riefen sie. <In den Öfen brennt wieder Feuer! Herr Wonka macht seine Fabrik wieder auf!> Sie liefen alle zu der Fabrik hin und rechneten damit, daß das große Tor weit offen stehen und Herr Wonka seine alten Arbeiter willkommen heißen würde.
Aber das große eiserne Tor war noch immer verschlossen, und die Kette hing davor, und Herr Wonka war nirgendwo zu sehen.
<In der Fabrik wird gearbeitet!> riefen die Leute. <Wir hören die Maschinen wieder laufen! Und außerdem riecht es hier draußen nach Schokolade!>»
Großvater Josef beugte sich etwas vor und legte seine knochige Hand auf Charlies Knie.
«Aber das Geheimnisvollste von allem waren die Schatten hinter den Fabrikfenstern, Charlie. Die Leute unten auf der Straße konnten genau sehen, wie sich kleine dunkle Schatten hinter den Milchglasscheiben bewegten.»
«Schatten... von wem?» fragte Charlie schnell.
«Genau das hätten die Leute auch gern gewußt. Sie schrien: <Die ganze Fabrik ist voller Arbeiter, aber es ist niemand hineingegangen, und das Tor ist verschlossen! Das ist doch einfach verrückt! Und es kommt auch kein Mensch heraus!>
Trotzdem bestand kein Zweifel daran, daß in der Fabrik gearbeitet wurde», fuhr Großvater Josef fort. «Und die Maschinen haben seit dem Tag nie wieder stillgestanden, und das ist nun schon gut zehn Jahre her. Obendrein sind die Schokoladensorten und die Bonbons mit der Zeit immer noch besser und köstlicher geworden. Und klar, wenn Herr Wonka jetzt eine neue wunderbare Süßigkeit erfindet, kann kein Spion ihm das Rezept stehlen, weil kein Mensch mehr in die Fabrik hineinkommt.»
«Aber wer macht denn all die Arbeit in der Fabrik, wenn Herr Wonka keinen Menschen hineinläßt?»
«Das weiß niemand, Charlie.»
«Aber warum fragen die Leute Herrn Wonka denn nicht einfach?»
«Weil Herr Wonka sich nie mehr sehen läßt. Das einzige, was die Fabrik verläßt, sind Pakete voller Schokolade und Süßigkeiten. Sie kommen fertig verschnürt und adressiert durch eine Falltür in der Mauer und werden dort jeden Tag von der Post mit Lastwagen abgeholt.»
«Aber wer arbeitet dann nur in der Fabrik?» fragte Charlie wieder.
«Mein lieber Junge, das ist das größte Geheimnis in der ganzen Schokoladenbranche», sagte Großvater Josef.
«Wir wissen nur eines von diesen Arbeitern: Sie müssen sehr klein sein. Manchmal, vor allem spät abends, wenn die Lichter brennen, sind Schatten hinter den Fenstern zu erkennen, Schatten von winzigen Leuten, Leuten, die mir höchstens bis zum Knie reichen... »
«Solche Leute gibt es nicht», sagte Charlie.
In diesem Augenblick kam Charlies Vater ins Zimmer gestürzt.
Er war gerade von der Arbeit in der Zahnpastafabrik nach Hause gekommen und schwenkte aufgeregt die Abendzeitung.
«Habt ihr schon das Neueste gehört?» rief er und hielt die Zeitung hoch, damit sie alle die riesigen Schlagzeilen auf der ersten Seite lesen konnten:
WONKAS SCHOKOLADENFABRIK FÜR EINIGE WENIGE GEÖFFNET!
5. Die Goldenen Eintrittskarten
«Soll das etwa heißen, daß tatsächlich Leute in die Fabrik hinein dürfen?» rief Großvater Josef. «Lies uns vor, was darunter steht... schnell!» Charlies Vater strich die Zeitung glatt. «Also gut, hört zu.»
ABENDZEITUNG
Willy Wonka, der weltberühmte Schokoladenfabrikant, den seit zehn Jahren niemand gesehen hat, gab heute folgende Erklärung ab:_
Ich, Willy Wonka, habe beschlossen, fünf Kindern - nur fünf und keinem einzigen mehr - zu erlauben, in diesem Jahr meine Schokoladenfabrik zu besichtigen. Ich werde diese fünf Auserwählten selbst durch die Fabrik führen und ihnen alle Geheimnisse und Zauberkünste zeigen. Nach der Besichtigung meiner Fabrik erhält jedes Kind genug Schokolade und Süßigkeiten für sein ganzes Leben. Haltet also Ausschau nach den Goldenen Eintrittskarten! Fünf Goldene Eintrittskarten, auf goldenem Papier gedruckt, sind unter der normalen Verpackung von fünf gewöhnlichen Schokoladentafeln verborgen. Diese fünf Schokoladentafeln können überall sein: in jedem Geschäft in jeder Straße in jeder Stadt in jedem Land der Welt... eben überall, wo Wonkas Süßigkeiten verkauft werden. Und nur die fünf glücklichen Finder dieser fünf Goldenen Eintrittskarten dürfen meine Schokoladenfabrik besichtigen und sehen, wie es darin jetzt aussieht. Ich wünsche euch allen viel Glück bei der Suche.