In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
In Gedanken erklärte Perrin seine Wette für verloren. Für gewöhnlich begann Balwer immer mit Neuigkeiten über die Weißmäntel. »Ich schätze, für Amadicia ist das eine Schande. Auf jeden Fall aber für die Gefangenen.« Balwer zufolge sprangen die Seanchaner auf eine ziemliche grobe Weise mit denen um, die sich ihnen mit Waffengewalt entgegenstellten. Also hatte Amadicia kein Heer mehr und auch keine Adligen, die ein neues ausheben oder befehligen konnten. Es gab nichts mehr, um die Seanchaner daran zu hindern, sich so schnell auszubreiten, wie sie wollten, obwohl sie sich auch dann schnell auszubreiten schienen, wenn es Gegenwehr gab. Am besten ritten sie nach Osten, sobald Masema im Lager eintraf, und zwar so schnell, wie es Männer und Pferde schafften.
Er sagte es und Balwer nickte mit einem schmalen Lächeln. Der Mann schätzte es, wenn Perrin den Wert seiner Berichte erkannte.
»Die andere Sache, mein Lord«, fuhr er fort. »Die Weißmäntel haben an der Schlacht teilgenommen, aber anscheinend ist es Valda gelungen, die meisten von ihnen am Ende vom Schlachtfeld zu schaffen. Er hat das Glück des Dunklen Königs. Keiner scheint zu wissen, wo sie abgeblieben sind. Das heißt, jeder weiß eine andere Richtung zu berichten. Ich würde sagen, sie sind nach Osten abgezogen. Fort von den Seanchanern.« Und natürlich in Richtung Abila.
Also hatte er doch nicht so weit danebengetippt. Auch wenn der Mann nicht damit angefangen hatte. Na gut, dann eben ein Gleichstand. Weit über ihnen zog ein Falke am wolkenlosen Himmel vorbei und flog nach Norden. Er würde das Lager lange vor ihnen erreichen. Perrin konnte sich an eine Zeit erinnern, in der er genauso wenig Sorgen wie dieser Falke gehabt hatte. Zumindest verglichen mit dem heutigen Tag. Diese Zeit war lange her.
»Ich schätze, Balwer, die Weißmäntel sind mehr darauf bedacht, den Seanchanern aus dem Weg zu gehen, als uns in die Quere zu kommen. Aber es spielt sowieso keine Rolle, ich kann wegen ihnen genauso wenig schneller reisen als wegen der Seanchaner. War das die zweite Neuigkeit?«
»Nein, Mein Lord. Nur ein interessantes Detail.« Balwer schien die Kinder des Lichts zu hassen, vor allem Valda — Perrin vermutete, dass er irgendwann in der Vergangenheit grob von ihnen behandelt worden war —, aber wie alles bei diesem Mann war es ein trockener, kalter Hass. Leidenschaftslos. »Die zweite Neuigkeit ist, dass die Seanchaner noch eine andere Schlacht geschlagen haben, und zwar im südlichen Altara. Möglicherweise gegen Aes Sedai, obwohl einige auch Männer erwähnten, welche die Macht lenkten.« Balwer drehte sich ein Stück auf seinem Sattel um und warf einen Blick zurück auf Grady und Neald in ihren schwarzen Mänteln. Grady unterhielt sich angeregt mit Elyas und Neald mit Aram, aber die beiden Asha'man schienen den Wald dabei genauso aufmerksam im Auge zu behalten wie die Behüter, die die Nachhut bildeten. Die Aes Sedai und die Weisen Frauen waren ebenfalls in leise Unterhaltungen vertieft. »Wer auch immer gegen sie gekämpft hat, Mein Lord, es steht fest, dass die Seanchaner verloren und sich fluchtartig nach Ebou Dar zurückgezogen haben.«
»Gute Neuigkeiten«, sagte Perrin tonlos. Die Quellen von Dumai blitzten vor seinem inneren Auge auf, diesmal stärker als zuvor. Einen Augenblick lang stand er wieder Rücken an Rücken mit Loial und kämpfte verzweifelt in der festen Überzeugung, dass jeder Atemzug der letzte sein würde. Zum ersten Mal an diesem Tag zitterte er am ganzen Leib. Immerhin wusste Rand über die Seanchaner Bescheid. Wenigstens musste er sich darüber keine Sorgen machen.
Ihm wurde bewusst, dass Balwer ihn ansah. Ihn ins Auge fasste, so wie ein Vogel ein seltsames Insekt ins Auge fasste. Das Zittern war ihm nicht entgangen. Der kleine Mann wusste gern über alles Bescheid, aber es gab einige Geheimnisse, die niemals jemand erfahren würde.
Perrins Blick kehrte zu dem Falken zurück, der selbst für ihn kaum noch zu sehen war. Er erinnerte ihn an Faile, sein wildes Falkenweibchen von einer Frau. Sein wunderschönes Falkenweibchen von einer Frau. Er verbannte Seanchaner und Weißmäntel und Schlachten und sogar Masema aus seinen Gedanken. Zumindest für den Augenblick.
»Reiten wir etwas schneller«, rief er den anderen zu. Der Falke würde Faile vielleicht vor ihm sehen, aber im Gegensatz zu dem Vogel würde er die Liebe seines Herzens sehen. Und heute würde er sie nicht anbrüllen, ganz egal, was sie getan hatte.
2
Verschleppt
Der Falke war bald außer Sicht, und auf der Straße waren keine anderen Reisenden, aber wie sehr Perrin auch zur Eile mahnte, die gefrorenen Furchen, die nur darauf warteten, das Bein eines Pferdes und den Hals des Reiters zu brechen, ließen keine große Geschwindigkeit zu. Der Wind trug Eis und das Versprechen von Neuschnee am nächsten Tag heran. Der Nachmittag war zur Hälfte vorbei, als Perrin abbog und zwischen den Bäumen durch Schneewehen ritt, in die die Pferde gelegentlich bis zu den Knien versanken, und die letzte Meile zu dem Lager im Wald zurücklegte, wo er die Männer von den Zwei Flüssen und die Aiel, die Mayener und Ghealdaner zurückgelassen hatte. Und Faile. Aber nichts war so, wie er es erwartet hatte. Wie immer gab es eigentlich vier Lager, die zwischen den Bäumen verstreut waren, aber die qualmenden Lagerfeuer der geflügelten Wachen um Berelains gestreiftes Zelt lagen verlassen zwischen umgeworfenen Kesseln und im Schnee liegen gelassener Ausrüstungsgegenstände da, und auf dem zertrampelten Boden, der Alliandres Soldaten bei seinem Aufbruch an diesem Morgen zugewiesen worden war, waren die gleichen Anzeichen eines hastigen Aufbruchs zu sehen. Die einzigen Lebenszeichen an beiden Orten waren die Pferdeknechte und Hufschmiede und Wagenfahrer, die sich dick vermummt um die Pferdeleinen und hochrädrigen Nachschubwagen drängten. Sie alle starrten in die Richtung, die auch Perrins Aufmerksamkeit gefangen hatte.
Fünfhundert Schritte von dem steinigen, flachen Hügel mit den niedrigen Zelten der Weisen Frauen entfernt hatten sich die in Grau gekleideten Mayener aufgebaut, alle neunhundert von ihnen, die Pferde stampften ungeduldig mit den Hufen auf, und die roten Umhänge und die langen roten Wimpel ihrer Lanzen flatterten im kalten Wind. Etwas näher am Hügel und ein Stück seitlich versetzt bildeten die Ghealdaner ein lanzenbewehrtes Rechteck von beinahe gleicher Größe, nur dass ihre Lanzen grüne Wimpel aufwiesen. Die grünen Mäntel und die Rüstungen der berittenen Soldaten erschienen fade im Vergleich zu den roten Helmen und roten Brustpanzern der Mayener, aber ihre Offiziere funkelten in ihren silbernen Rüstungen und scharlachroten Mänteln und Umhängen. Eine beeindruckende Zurschaustellung von Männern bei einer Parade, aber das hier war keine Parade. Die Beflügelten Wachen standen den Ghealdanern gegenüber, und die Ghealdaner wiederum dem Hügel. Und die Hügelkuppe wurde von den Männern von den Zwei Flüssen umringt, die ihre Langbogen in Händen hielten. Noch hatte keiner von ihnen den Bogen gespannt, aber jeder Mann hatte einen Pfeil eingelegt und war bereit. Es war Wahnsinn.
Perrin trieb Steher so weit zum Galopp an, wie es dem Pferd möglich war, und pflügte von den anderen gefolgt durch den Schnee, bis er die Spitze der ghealdanischen Formation erreicht hatte. Berelain war dort, in einem pelzbesetzten roten Umhang, und Gallenne, der einäugige Hauptmann der Beflügelten Wachen; Annoura war an ihrer Seite, ihre Aes Sedai-Beraterin, und sie alle stritten anscheinend mit Alliandres Erstem Hauptmann, einem kleinen, hartgesottenen Burschen namens Gerard Arganda, der den Kopf so heftig schüttelte, dass die weißen Federn auf seinem funkelnden Helm bebten. Die Erste von Mayene schien bereit, Nägel zu zerkauen, Annouras Aes Sedai-Gelassenheit ließ Sorge durchschimmern, und Gallenne betastete den mit einem roten Federbusch versehenen Helm, der an seinem Sattel hing, als wollte er ihn doch aufsetzen. Bei Perrins Anblick verstummten sie und drehten ihre Pferde ihm zu. Berelain saß aufrecht im Sattel, aber ihr schwarzes Haar wehte im Wind. Ihre weiße Stute mit den schlanken Fesseln zitterte; an ihren Flanken gefror der Schweiß eines schnellen Ritts.