In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
Grady und Aram saßen bereits im Sattel und Perrin konnte ihre Gerüche nicht unter denen der anderen herausfiltern. Aber das war auch nicht nötig. Er war immer schon der Meinung gewesen, dass Grady trotz seines schwarzen Mantels mit dem silbernen Schwert am Kragen wie ein typischer Bauer aussah, aber in diesem Augenblick war er ein anderer Mann. Der untersetzte Asha'man saß reglos wie eine Statue in seinem Sattel und musterte die Wächter mit dem grimmigen Blick eines Mannes, der entschied, wo er den ersten Schnitt ansetzte. Und den zweiten und dritten und wie viele auch immer nötig waren. Aram, dessen giftgrüner Kesselflickerumhang im Wind flatterte, während er die Zügel nahm, und dessen Schwertgriff über seine Schulter ragte — Arams Gesicht zeigte eine Aufregung, die Perrin das Herz schwer machte. Aram hatte in Masema einen Mann kennen gelernt, der sein Leben und sein Herz und seine Seele dem Wiedergeborenen Drachen verschrieben hatte. In Arams Denken kam der Wiedergeborene Drache kurz hinter Perrin und Faile.
Du hast dem Jungen keinen Gefallen getan, hatte Elyas ihm gesagt. Du hast ihm dabei geholfen, dass er all das losließ, woran er glaubte, und jetzt hat er nur noch dich und dieses Schwert, an das er glauben kann. Und das ist nicht genug, und zwar ^ für keinen Mann. Elyas hatte Aram gekannt, als dieser noch ein Kesselflicker war, bevor er zum Schwert gegriffen hatte.
Ein Eintopf, der für manche möglicherweise vergiftet sein würde.
Es reichte nicht, dass sie aufgesessen waren. Die Wächter sahen Perrin vielleicht mit Erstaunen an, aber sie gaben den Weg erst frei, als sich jemand aus einem Fenster des Hauses beugte und ihnen etwas zurief. Dann rückten sie gerade nahe genug auseinander, dass die Reiter einzeln hintereinander losreiten konnten. Den Propheten ohne seine Erlaubnis zu erreichen war schwer. Ohne seine Erlaubnis zu gehen war unmöglich.
Sobald sie Masema und seine Wächter hinter sich gelassen hatten, ritt Perrin so schnell, wie es in den dicht bevölkerten Straßen möglich war. Nicht, dass das besonders schnell war. Abila mit seinen gepflasterten Marktplätzen und bis zu vier Stockwerken hohen, schiefergedeckten Häusern war vor gar nicht allzu langer Zeit eine große, blühende Stadt gewesen. Es war noch immer groß, aber nun ragten Schuttberge in die Höhe, wo Häuser und Schenken abgerissen worden waren. In ganz Abila gab es keine einzige Schenke mehr oder gar ein Haus, wo jemand nicht schnell genug lauthals die Pracht des Wiedergeborenen Drachen gepriesen hatte. Masemas Missbilligung war niemals subtil.
In der Menge waren nur wenige zu sehen, die aussahen, als wären sie Bürger der Stadt gewesen; farblose Leute in zerlumpter Kleidung, die größtenteils furchterfüllt an den Straßenrändern vorbeihuschten. Es gab auch keine Kinder. Auch keine Hunde; mittlerweile dürfte Hunger an diesem Ort zu einem Problem geworden sein. Überall stapften Gruppen Bewaffneter durch den knietiefen Matsch, der vergangene Nacht noch Schnee gewesen war; hier waren es zwanzig Mann, dort fünfzig, und sie stießen die Leute, die ihnen nicht schnell genug aus dem Weg gingen, einfach zu Boden; sie brachten selbst Ochsengespanne dazu, um sie herumzufahren. Ständig waren Hunderte von ihnen in Sichtweite. In der Stadt musste es Tausende von ihnen geben. Masemas Armee war ein Mob, aber ihre Größe machte bis jetzt andere Mängel wieder wert. Man musste dem Licht danken, dass der Mann eingewilligt hatte, nur ein paar Hundert mitzunehmen. Es hatte zwar eine Stunde der Diskussion gebraucht, aber er hatte eingewilligt. Am Ende hatte Masemas Verlangen, trotz des Verzichts auf das Schnelle Reisen möglichst rasch zu Rand zu stoßen, den Ausschlag gegeben. Nur wenige seiner Anhänger hatten Pferde, und je mehr zu Fuß marschierten, desto langsamer würden sie vorankommen. Wenigstens würde er bei Einbruch der Dunkelheit in Perrins Lager eintreffen.
Perrin sah außer seinen Leuten keine Reiter, und sie riefen bei den Bewaffneten finstere Blicke hervor, steinerne Blicke, fiebrige Blicke. Es kam oft vor, dass gut gekleidete Leute dem Propheten einen Besuch abstatteten, Adlige und Kaufleute, die von der Hoffnung geleitet wurden, dass sie durch die persönliche Unterwerfung größeren Segen und geringere Bestrafungen bekamen, aber für gewöhnlich gingen sie wieder zu Fuß. Jedoch stellte sich Perrines Männern niemand in den Weg, wenn man einmal davon absah, dass sie um Gruppen von Masemas Anhängern herumreiten mussten. Wenn sie zu Pferd abreisten, dann konnte das nur Masemas Wille sein. Trotzdem brauchte Perrin keinen zu ermahnen, in der Nähe zu bleiben. In Abila herrschte eine Atmosphäre gespannter Erwartung, und niemand, der halbwegs bei Verstand war, würde in der Nähe sein wollen, wenn das Warten zu Ende war.
Er verspürte Erleichterung, als Balwer kurz hinter der niedrigen Holzbrücke, die aus der Stadt herausführte, seinen hammernasigen Wallach aus einer Seitenstraße lenkte, fast eine genauso große Erleichterung, wie er sie verspürt hatte, als sie die Brücke überquert und die letzten Wächter passiert hatten. Der kleine Mann mit dem spitzen Gesicht und den eckigen Gliedern, dessen einfacher brauner Mantel mehr an seiner Gestalt herabhing, als dass er ihn trug, konnte des äußeren Erscheinungsbildes zum Trotz sehr gut auf sich selbst aufpassen. Aber Falle baute einen richtigen Adelshaushalt auf, und es hätte ihr mehr als nur missfallen, wenn ihr Sekretär zu Schaden gekommen wäre.
Ihren und Perrins, was das anging. Perrin war sich nicht so richtig darüber im Klaren, was er davon halten sollte, einen Sekretär zu haben, aber der Bursche hatte noch andere Fertigkeiten als eine schöne Handschrift. Wie er unter Beweis stellte, sobald sie die Stadt hinter sich gelassen hatten und von niedrigen, bewaldeten Hügeln umgeben wurden. Die meisten Äste waren kahl, und diejenigen, die noch Blätter oder Nadeln aufwiesen, hoben sich mit einem kräftigen Grün von dem Weiß ab. Sie hatten die Straße für sich, aber der in den Bodenfurchen gefrorene Schnee sorgte dafür, dass sie nur langsam vorankamen.
»Vergebt mir, mein Lord Perrin«, murmelte Balwer und beugte sich auf seinem Sattel vor, um an Elyas vorbeisehen zu können, »aber ich habe zufällig etwas belauscht, das für Euch möglicherweise von Interesse sein könnte.« Er hustete diskret in seinen Handschuh, dann griff er eilig nach seinem Umhang und zog ihn eng um sich.
Eigentlich war Perrins Geste überflüssig, mit der er Elyas, Aram und die anderen aufforderte, sich ein Stück zurückzuziehen. Jeder war daran gewöhnt, dass der kleine pedantische Mann allein sein wollte, wenn er mit Perrin etwas zu besprechen hatte. Warum er den Anschein erwecken wollte, dass niemand wusste, dass er in jeder Stadt und in jedem Dorf, an dem sie vorbeikamen, Informationen beschaffte, konnte Perrin nicht mal erahnen. Ihm musste doch klar sein, dass Perrin seine Erkenntnisse mit Falle und Elyas besprach. Aber egal, er war sehr gut darin, jemandem Informationen zu entlocken.
Balwer legte den Kopf schief, um Perrin zu beobachten, während sie Seite an Seite ritten. »Ich habe zwei Neuigkeiten, Mein Lord, eine, die ich für wichtig halte, und eine dringende.« Dringend oder nicht, selbst seine Stimme klang pedantisch und trocken, wie abgefallene Blätter, die über den Boden rauschten.
»Wie dringend?« Perrin wettete mit sich selbst, wen die erste Neuigkeit betraf.
»Vielleicht sogar sehr, Mein Lord. König Ailron hat sich ungefähr einhundert Meilen westlich von hier nahe der Stadt Jeramel mit den Seanchanern eine Schlacht geliefert. Das war vor etwa zehn Tagen.« Balwer schürzte gereizt die Lippen. Er verabscheute Ungenauigkeit; es störte ihn, wenn er nicht genau Bescheid wusste. »Verlässliche Informationen sind knapp, aber zweifellos ist das amadicianische Heer erschlagen, gefangen genommen oder in alle Winde verstreut. Es sollte mich sehr überraschen, wenn irgendwo noch mehr als hundert Mann zusammen sein sollten, und die werden bald das Handwerk der Straßenräuberei ergreifen. Ailron selbst wurde gefangen genommen, zusammen mit seinem ganzen Hof. Amadicia hat keinen Adel mehr; es hat gar nichts mehr.«