Der Findling
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Детские и приключения
Электронная книга - «Der Findling». Краткое содержание книги:
»Ach, ich danke. ich danke!« murmelte er.
Das war heute sein einziges Nachtgebet, und jedenfalls kannte er auch kein andres.
Man stand jetzt im Anfang der kalten Jahreszeit. Die Ernte war eben hereingebracht. Außerhalb des Pachthofes gab es wenig oder nichts zu thun. In diesen rauhen Gegenden findet die Einsaat des Korns, der Gerste und des Hafers nicht mit beginnendem Winter statt, weil dessen Länge und Strenge sie wieder vernichten könnte. Das ist Sache der Erfahrung. Martin Mac Carthy pflegte hier den März und sogar den April abzuwarten, ehe er mit der sorgfältig gewählten Saat begann. Dabei hatte er sich bisher gut gestanden. Furchen in einem Boden zu ziehen, der bis auf mehrere Fuß Tiefe friert, das wäre eine ebenso harte wie unnütze Arbeit gewesen; da hätte er die Samenkörner auch auf einen sandigen Strand oder auf die Felsen der Küste verstreuen können.
Immerhin fehlte es im Pachthofe nicht an Arbeit. Galt es doch, die Vorräthe an Gerste und Hafer auszudreschen und an Geräthen auszubessern, was schadhaft geworden war. Der Findling konnte sich schon am folgenden Tage von der hier herrschenden Geschäftigkeit überzeugen und versuchte auch vom frühen Morgen an selbst, sich nützlich zu machen. So begab er sich nach den Viehställen. Jetzt nahe am Ende des sechsten Lebensjahres, mußte er doch, wenigstens im Stande sein, Gänse oder Kühe, ja auch Schafe zu hüten, wenn er einen guten Hund zur Seite hatte.
Beim Frühstück und vor einer Tasse warmer Milch sitzend, bot er sich zu einer solchen Dienstleistung an.
»Schön, mein Junge, antwortete Martin, Du willst arbeiten. Recht so. Man muß sich sein Brod verdienen..
- Und ich werd' es mir verdienen, Herr Martin, versicherte er.
- Er ist ja noch gar so jung, bemerkte die Großmutter.
- Das thut nichts, Madame..
- Ei was, nenne mich Großmutter!
- Nun gut. das thut nichts, Großmutter. Ich will so gern arbeiten..
- Und wirst auch hübsch thätig sein, fiel Murdock ein, den ein so entschlossener Charakter bei einem bisher vom Unglück verfolgten Kinde in Erstaunen setzte.
- Ich danke, Herr Murdock!
- Ich werde Dir lehren, die Pferde zu besorgen, fuhr Murdock fort, und auch darauf zu reiten, wenn Du keine Angst hast..
- O, so gern! jubelte der Knabe.
- Und ich, ich lehre Dir die Kühe zu pflegen, ließ Martine sich vernehmen, und sie zu melken, wenn Du Dich nicht vor ihren Hörnern fürchtest.
- Nein, gar nicht, Frau Martine!
- Ich zeige Dir dann, fiel Sim ein, wie man auf dem Felde die Schafe hütet..
- Ich freue mich schon darauf!
- Kannst Du lesen? fragte der Farmer.
- Ein wenig, und auch ein bischen große Buchstaben schreiben.
- Und rechnen?
- Ja. ich kann bis hundert zählen, Herr Martin.
- Na, sagte Kitty lächelnd, ich werde Dir bis tausend zählen und auch kleine Buchstaben schreiben lehren.
- Ich danke, liebe Frau Kitty!«
Das Kind war thatsächlich zu allem bereit, was man ihm vorschlug. Der Kleine wollte sich offenbar dankbar beweisen für die Wohlthaten, die er bei den wackern Leuten schon genoß und noch zu genießen hoffte. Der kleine Diener der Farm zu werden, dahin strebte zunächst sein Ehrgeiz. Ein Zeugniß für den von Natur ernsten Sinn des Knaben lieferte aber die Antwort, die er dem Farmer gab, als dieser ihn lachend fragte:
»Ei, Findling, Du wirst uns ja ein schätzbarer Helfer sein!. Die Pferde, die Kühe, die Schafe. ja, wenn Du alles besorgst, bleibt ja für uns gar nichts zu thun übrig. Wie viel verlangst Du denn Lohn?
- Lohn?.
- Nun ja; Du wirst doch nicht ganz für nichts und wieder nichts arbeiten wollen?
- Nein, das nicht, Herr Martin.
- Wie? rief Martine verwundert, außer der Wohnung, Nahrung und Bekleidung verlangt er auch noch Bezahlung..
- Ja, Frau Martine!«
Alle sahen den Knaben an; es schien ihnen, als ob er etwas ganz ungeheuerliches ausgesprochen hätte.
Murdock, der ihn beobachtet hatte, bemerkte aber:
»Laßt ihn doch sich erst erklären!
- Freilich, meinte die Großmutter. Sag' uns frei heraus, was Du verdienen willst. Baares Geld?.«
Der Findling schüttelte den Kopf.
»Nun. vielleicht eine Krone für den Tag? sagte Kitty.
- Ach nein, Frau Kitty.
- Oder monatlich so viel?. fuhr die Pächtersfrau fort.
- Frau Martine!.
- Also wohl jährlich? meinte Sim, laut auflachend. Eine ganze Krone Jahreslohn..
- Nun, was willst Du denn, lieber Junge? begann Murdock wieder. Ich begreife, daß Du Dir Deinen Lebensunterhalt verdienen willst, ganz wie wir. So wenig man auch empfängt, es sammelt sich endlich doch. Was willst Du also?. Einen Penny. einen Copper täglich?.
- Nein, Herr Murdock!
- So erkläre Dich doch!
- Nun, Herr Martin, Sie geben mir jeden Abend einen Kieselstein.
- Was? Einen Kiesel? rief Sim überrascht. Willst Du Schätze in Kieseln sammeln?.
- Nein. doch es wird mir Vergnügen machen, und nach Jahren einmal, wenn ich groß bin und Sie mit mir zufrieden waren.
- Richtig, Findling, fiel Martin ein, da vertauschen wir Deine Kieselsteine mit Pence oder Schillingen!«
Alle lobten den Kleinen wegen seiner guten Idee, und noch an demselben Abend gab ihm Martin einen Kiesel aus dem Bette des Cashen, der an solchen unerschöpflich war. Der Kleine aber legte ihn in einen alten Steinguttopf, den die Großmutter ihm als Sparbüchse zugewiesen hatte.
»Ein sonderbares Kind!« sagte Murdock zu seinem Vater.
Gewiß, doch dessen gute Natur hatte keinen Schaden erlitten, weder durch die herzlose Behandlung Thornpipe's, noch durch die schlechten Beispiele in der Lumpenschule. Als die Pächterfamilie ihn im Laufe einiger Wochen näher kennen lernte, traten seine natürlichen Eigenschaften nur noch mehr zutage. Ihm fehlte nicht einmal die Heiterkeit, der Grundzug des Nationalcharakters, den man in Irland auch bei den ärmsten Leuten ausgeprägt findet. Dann gehörte er auch nicht zu dem Schlage von Jungen, die den ganzen Tag lang nur herumlungern, deren Augen hierhin und dahin gehen, da sie durch jede Fliege, jeden Schmetterling abgelenkt werden. Immer sah man ihn überlegt, stets sachte er den suchen auf den Grund zu gehen und sich durch Befragung andrer zu unterrichten. Seinen Blicken entging auch nicht das geringste. Er hob jede Stecknadel ebenso auf, wie er einen Schilling aufgehoben hätte. Seine Kleidung hielt er stets reinlich und alles in musterhafter Ordnung. Der Sinn für diese war ihm angeboren. Er antwortete höflich, wenn man ihn fragte, und ließ sich jede erhaltene Antwort erklären, wenn er sie nicht ganz verstanden hatte. Gleichzeitig machte er im Schreiben sichtliche Fortschritte. Das Rechnen schien ihm sehr leicht zu fallen und dabei gehörte er nicht zu den frühreifen Wunderkindern die später so oft nicht halten, was sie versprachen; er brachte aber Berechnungen im Kopfe fertig, bei denen viele andre zur Feder gegriffen hätten. Zu seinem wahrhaften Erstaunen erkannte Murdock auch, daß der Kleine sich bei allen Handlungen nur von seiner hochentwickelten Vernunft leiten ließ.