Ganz Deutschland lacht!. 50 deutsche Jahre im Spiegel ihrer Witze
- Автор: Jamin Peter, Lentz Michael
- Язык: немецкий
- Жанр: Юмористическая проза
Электронная книга - «Ganz Deutschland lacht!. 50 deutsche Jahre im Spiegel ihrer Witze». Краткое содержание книги:
Fragen über Fragen - Antworten und viele Beispiele finden sich in diesem Doppelband der erfolgreichen Witzebücher >Ganz Deutschland lacht< und >Kennen Sie den ...?<.
Peter Jamin, geboren 1951, arbeitet als Schriftsteller, Journalist und Filmemacher in Düsseldorf.
Michael Lentz (1926-2001) war Professor an der Kunsthochschule für Medien in Köln.
Chris Howland, geboren 1928 in London, kam als Soldat nach Deutschland und startete seine Karriere beim BFN in Hamburg. Bekannt wurde er als Humorist, Sänger und Schauspieler. Dieter Thoma, geboren 1927, Journalist, Kabarettist und freier Schriftsteller, war lange Jahre Chefredakteur und Moderator verschiedener Sendungen beim WDR.
1974 hatten Ost und West ihr 25-jähriges Bestehen gefeiert, die Bundesrepublik zurückhaltend, die DDR festlich. Unser Nachbarland bestand nach dem politischen Willen der Bonner Regierung ja gar nicht, es wurde der Hallstein-Doktrin folgend in Gänsefüßchen gesetzt. Hallstein war Staatssekretär im Kanzleramt, und seine Doktrin forderte, dass Staaten, die diplomatische Beziehungen zur DDR aufnahmen, von der Bundesrepublik abgelehnt wurden. Bonn war mit diesem Verdikt auch einige Jahre erfolgreich, weil Beziehungen fast immer auch Geld bedeuteten. Und davon hatten die Bonner damals noch genug.
Eine böse Schlappe wurde der westlichen Selbsteinschätzung 1974 in Hamburg zugefügt. Ein DDR-Fußballer mit dem Namen Sparwasser schoss im Spiel um die Fußballweltmeisterschaft gegen die favorisierte westdeutsche Mannschaft ein Tor. Das reichte zum Sieg der DDR-Kicker.
»Die DDR ist die größte DDR der Welt«, rühmte man sich wieder einmal im Osten. Die Westdeutschen wurden allerdings trotzdem noch einmal Weltmeister, welch ein Glück!
>Waterloo< hieß treffend einer der beliebtesten Titel der PopGruppe »Abba«. Insgesamt stieg die Zahl der in der Bundesrepublik verkauften Schallplatten 1972 zum ersten Mal auf über hundert Millionen. 1976 waren es schon hundertsechsunddreißig Millionen. Wer einen Namen hatte, wollte singen und damit Geld machen.
Selbst der Libero der neuen Weltmeistermannschaft, Franz Beckenbauer, hat es versucht. Er sang:
»Eins zu null für deine Liebe, eins zu null hast du gesiegt,
denn ich weiß, dass alles Glück in meinem Leben ganz allein in deinen Händen liegt.
Eins zu null für deine Liebe, eins zu null für dich allein, hab ich dich, so kann mir nichts passieren — deine Liebe lässt mich glücklich sein.«
Auf dem Fußballplatz war er besser.
»Lieber fernsehgeil als radioaktiv«, hieß ein Spruch. Die Besucherzahlen in Kinos und Theatern gingen entsprechend zurück. 1978 meldete die Statistik, dass die Kinobesuche pro Jahr von 15,4 pro Einwohner (1954) auf 2,1 gesunken waren. Schlechte Zeiten für die Stars der Leinwand, die Herren der öffentlich-rechtlichen Anstalten schenkten dem Volk neue Idole.
Ein Star beklagt sich bei seiner Frau über die Lügen, die in den Medien über ihn verbreitet werden.
»Sei doch froh«, beschwichtigt sie, »dass die nicht die Wahrheit sagen.«
Bei der Bundestagswahl im Oktober 1976 gewannen CDU/CSU mit 48,6%, die SPD erhielt 42,6% und die FDP 7,9% der Stimmen. Aber da SPD und FDP zusammenblieben, konnte die sozialliberale Koalition weiterregieren. Mit dem deutlichen Schönheitsfehler: Die stärkste Partei blieb in der Opposition.
So etwas konnte der SED im Osten nicht passieren. Bei der Wahl zur 7. Volkskammer der DDR stimmten 99,86% für die Einheitsliste. Die Abstimmungsergebnisse wurden nur belächelt.
1970 kursierten in der DDR noch Witze über Walter Ulbricht. 1971 trat er dann als »Erster Sekretär der SED« aus Altersgründen zurück. Erich Honecker wurde sein Nachfolger.
Ulbricht ist mit seiner Frau im Auto unterwegs. Es überholt sie ein Wagen mit dem Kennzeichen »GB«.
»Woher kommen die denn?«, fragt Ulbricht den Fahrer, »>GB<, ist das vielleicht unsere Geheimpolizei?«
»Nee«, antwortet der Fahrer, »ich vermute, es sind die Genossen aus Bulgarien.«
»Bei bulgarischen Genossen steht immer >BG< dran, hier steht aber >GB<«.
»Vielleicht >Gambodscha<«, meint der Fahrer.
Da meldet sich Frau Lotte: »Alles falsch, es wird >Gönichreich Bolen< heißen.«
Ulbricht und Mao Tse-tung unterhalten sich über Innenpolitik. »Und wie viele politische Feinde haben Sie in der Volksrepublik China?«, fragt Ulbricht.
»Es werden so ungefähr siebzehn Millionen sein«, antwortet Mao Tse-tung.
»Ju, das ist ungefähr so wie bei uns.«
Die Chinesen waren überhaupt in aller Munde, weil sie den Streit mit der Sowjetunion pflegten.
Zu Wahlen fragt ein Amerikaner einen Chinesen: »Do you have elections?«
»Yes«, antwortet der, »evely Molning!«
Der chinesische Botschafter soll einen hohen Düsseldorfer Karnevalsorden bekommen, weil er den Ministerpräsidenten Rau immer mit »Helau« angesprochen hat.
1970 schoss das »Reich der Mitte« seinen ersten Erdsatelliten in den Weltraum. Er hieß »Tung Fang Hung«. Der Name war für rheinische Frohnaturen, die darin einen Hundefänger vermuteten, Anlass für chinesische Sprachübungen:
»Was heißt auf Chinesisch >der Dieb<?«
»Langfing.«
»Der Polizist?«
»Langfingfang.«
»Der Polizeihund?« »Langfingfangwau.« »Zwei Polizeihunde?« »Langfingfangwauwau.«
Der chinesische Verkehrsminister heißt nach diesem Schema »Um-lei-tung«, Teenager = »Zu-jung-zum« und Jungfrau = »Zu-dumm-zum«.
Eine chinesische Mondrakete verfehlt ihr Ziel um einige Meter. Mehrere Kommissionen sollen untersuchen, wo die Fehlerquelle liegt. Sie ermitteln: Von zehn Millionen und dreihundertvierund-vierzigtausend Chinesen sind eintausendachthundertdreiund-dreißig eine Zehntelsekunde zu spät auf die Wippe gesprungen.
Eine Zeitlang gingen in den siebziger Jahren im Westen auch Hasenwitze von Mund zu Mund. Unsere Brüder und Schwestern aus der DDR sollen sie erfunden haben, um ein wirtschaftliches Manko zu verspotten - die mageren Angebote in den Geschäften. Eike Christian Hirsch schrieb, es seien Witze mit einem Tier gewesen, »das, obwohl schwach und arm, alle Leute reinlegt«. Professor Röhrich urteilte, dieser Hase sei eine Figur, mit der sich vor allem Kinder sofort identifizieren können, weil sie sich auch der Kindersprache bedient. Clement de Wroblewsky erzählte in seinem Buch die DDRVersion:
Häschen kommt in 'n Gemüseladen: »Hattu Möhren?« »Nein«, sagt die Verkäuferin. Am nächsten Tag kommt Häschen wieder vorbei: »Hattu Möhren?«
»Nein, Häschen«, sagt die Verkäuferin, »da musst du schon woanders fragen gehen.«
Häschen geht also in die Apotheke: »Hattu Möhren?« Antwortet die Apothekerin: »Hattu Rezept?«
Der westliche Urwitz verblödelte die Geschichte:
Der Hase fragt in der Apotheke: »Hattu Möhren?« Der Apotheker verneint. Am nächsten Tag kommt der Hase wieder: »Hattu heute Möhren?« »Nein, ich habe keine Möhren!«
Am Tage danach fragt der Hase wieder: »Hattu jetzt Möhren?«
»Nein, ich habe wirklich keine Möhren.«
Um den aufdringlichen Hasen gleich abzuwehren, stellt der
Apotheker ein Schild ins Fenster: »Heute keine Möhren!«
Als der Hase das sieht, kommt er herein und sagt: »Hattu gestern doch Möhren gehabt!«
Das ließ sich auch in den Schallplattenladen übertragen:
»Hattu Platten? Ja? Muttu mal aufpumpen!«
In einer westlichen Apotheke wurde der Häschenwitz dann erdrosselt:
»Hattu Möhren?« »Ja.«
»Hattu ganzen Witz versaut!«
Es folgten unendlich viele andere Tierwitze. Sie gehörten - wie schon Ende der vierziger Jahre - zum Hausgebrauch, durften in keinem besseren Haushalt fehlen.
Ein altes Ehepaar, das an die Wiedergeburt glaubt, trifft folgende Vereinbarung: Wer von den beiden als Erster stirbt, soll sich nach einiger Zeit melden und sagen, wie es ihm geht. Drei Wochen später stirbt der Mann. Nach einem Monat meldet er sich und fragt: »Hallo Edith, wie geht es dir denn so?« »Ja, meine Güte, Josef«, sagt sie, »da höre ich ja endlich etwas von dir. Wie geht's dir denn?«