Spiel des Schicksals (Hounds and Jackals)
- Автор: Вуд Барбара
- Язык: немецкий
- Переводчик: Xenia Gharbi
- Жанр: Остросюжетные любовные романы
Электронная книга - «Spiel des Schicksals (Hounds and Jackals)». Краткое содержание книги:
Wenig später trifft ein Päckchen von Adele ein. Es enthält eine Figur aus Elfenbein mit einem kunstvoll geschnitzten Schakalskopf. Lydia zieht den mit ihr befreundeten Chirurgen Dr. Kellerman zu Rate, der sich privat als Kunstsammler betätigt. Dr. Kellerman findet schnell heraus, daß es sich bei dem Schakal um eine Figur aus einem uralten ägyptischen Brettspiel handeln und daß diese Figur äußerst wertvoll sein muß. Lydia macht sich indessen große Sorgen um ihre Schwester. Gegen den Rat von Dr. Kellerman fliegt Lydia kurzentschlossen nach Rom. Aber das ist erst der Anfang einer gefährlichen Odyssee, die Lydia schließlich bis in das ägyptische Tal der Könige führt.
Barbara Wood, 1947 in England geboren, wuchs in Kalifornien auf. Sie arbeitete nach ihrem Studium zehn Jahre als OP-Schwester in einer neurochirurgischen Klinik, bevor sie ihr Hobby zum Beruf machte und Schriftstellerin wurde. Inzwischen hat sie mehrere sehr erfolgreiche Romane geschrieben. Barbara Wood bereist alle Länder, in denen ihre Romane spielen, um die geschichtlichen und sonstigen Details zu recherchieren. Sie lebt in Kalifornien.
Mr. Raschid lächelte. Dann stand er auf und räumte die Teetassen und Orangenschalen ab. Ich nutzte den kurzen Augenblick, in dem er weg war, um meine Lage einzuschätzen. Angenommen, er hätte John nicht getötet. Das hieße noch immer nicht, daß ich bei ihm sicher wäre. Was, wenn er mich von Adele fernhielt, statt darauf zu warten, daß ich sie fände?
Es gab die wildesten Möglichkeiten. Im Augenblick konnte ich nur meiner instinktiven Vermutung folgen, daß er war, wer zu sein er vorgab, und es dabei belassen. Immerhin hatte er mich vor der Polizei und allem, was eine Verhaftung mit sich gebracht hätte, bewahrt. Er hatte nicht meinen Schakal genommen und sich davongemacht. Und - ich sah mich in seiner Wohnung um, in der Wohnung dieses sonderbaren Mannes - ich schien hier in Sicherheit zu sein. Als Mr. Raschid zurückkam, stand ich würdevoll auf und gab ihm zu erkennen, daß ich wirklich müde war. Dies schien in letzter Zeit eine Art Dauerzustand bei mir zu sein, und ich fragte mich, wie es wohl wäre, sich normal zu fühlen.
»Ich habe noch ein anderes Zimmer, ein kleines Wohnzimmer, wo ich schlafen werde«, erklärte er.
Wieder blickte ich mich um. Diese Junggesellenwohnung hätte einen Großputz dringend nötig gehabt. Um so mehr, als ihr eine gewisse Ordnung völlig abging, obgleich dieser Eindruck vielleicht durch die Tatsache verstärkt wurde, daß es sich um das Heim eines Orientalen handelte und daß die Art der Möblierung auf mich ziemlich exotisch wirkte. Ich dachte an meine eigene Wohnung, an die rot-weiß-blaue Ausstattung mit blankem Chrom und Glas. Wenn sie auch nicht gerade hypermodern war, so hatte sie zumindest einen gewissen Schick und wurde peinlich saubergehalten.
Dieser Ort hier war mit allen möglichen Dingen vollgestopft und hatte eine starke persönliche Note.
Es schien so absurd zu sagen: »Es ist mir äußerst unangenehm, Sie zu stören«, und doch sagte ich es. Eine unheimliche Müdigkeit überkam mich, und mein Kopf begann noch mehr zu schmerzen. Ich wollte nur allein sein und schlafen. Und wenn es denn in der Wohnung dieses Fremden und in seinem Bett sein sollte. Mein Körper machte einfach nicht mehr mit.
Mr. Raschid öffnete die Tür des Schlafzimmers, in dem ich vorhin aufgewacht war. »Niemand wird erfahren, daß Sie hier sind, Miss Harris. Sie werden vollkommen sicher sein.«
Ich versuchte die Stimme und das Verhalten dieses unbekannten Menschen zu beurteilen und wunderte mich, warum ich ihm gerade jetzt so bereitwillig vertraute. Irgendwie mußte ich aus diesem Schlamassel herauskommen, mit oder ohne Adele, und in eine von mir vertrauten Maßstäben regierte Welt zurückkehren. Ich befand mich auf der anderen Seite der Erdkugel, weit weg von dem Alltag und den Freunden, die ich kannte, und das Gefühl, das diese Vorstellung bei mir hinterließ, war kalt und leer.
»Bitte«, forderte er mich auf, wobei er mit den Fingern meinen Ellbogen berührte, »es ist schon spät.«
»Ja, natürlich.« Ich bewegte mich wie im Traum, denn es kam mir tatsächlich so vor, als ob ich träumte. Als ich das Schlafzimmer betrat, sah ich meinen Koffer und meine Handtasche in einer Ecke stehen. »Geht es Ihnen jetzt besser?« fragte er hinter mir. Ich nickte. »Dann wünsche ich Ihnen eine gute Nacht, Miss Harris.«
»Warten Sie einen Moment.« Ich wandte mich um und hob hilflos die Arme. »Trotz allem vielen Dank«, sagte ich schwach. Er nickte. »Sie sind sicher. Niemand weiß, wo Sie sind. Und ich halte im Shepheard’s Hotel Ausschau nach Ihrer Schwester. Es ist wirklich ganz einfach.«
»Ich weiß, aber. nun ja, ich meine.« Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich je zuvor so um Worte gerungen hatte. Ich fröstelte in dem warmen Zimmer. Ich wußte nicht, was mir größeres Grauen verursachte: Johns Tod oder die Aussicht, daß mir in meiner derzeitigen Lage das gleiche widerfahren könnte. In meiner beruflichen Praxis als Operationsschwester war ich dem Tod in vielerlei Gestalt begegnet. Ich hatte den Tod in seiner gräßlichsten, widerlichsten Stunde gesehen. Und als junges Mädchen hatte mich der Tod persönlich getroffen, als er mir meine Eltern und meinen Bruder raubte. Deshalb waren der Tod und ich uns nicht fremd. Doch das hier war anders. »Waren Sie in ihn verliebt?« hörte ich eine sonderbare Stimme fragen.
Ich starrte Achmed Raschid ausdruckslos an. In meinem ganzen vorausgeplanten, wohlgeordneten und durchorganisierten Leben war ich niemals in irgendeinen Mann »verliebt« gewesen. Ich hatte mir auch niemals ernstlich die Frage gestellt, obwohl alle meine Freunde bereits zahllose »Liebesgeschichten« hinter sich hatten und obgleich jedermann von mir erwartete, daß ich schon längst den richtigen Mann gefunden hatte und wahrscheinlich bald heiraten würde. Doch es hatte sich für mich einfach nie so ergeben, und ich erklärte es mir stets mit meiner Vorliebe für ein zurückgezogenes Dasein. Und jetzt, da ich in diesem halbdunklen Raum mit den verblichenen Tapeten und der arabischen Musik im Hintergrund stand und in die Augen dieses mir völlig Fremden blickte, da zog ich plötzlich meine ganze Vergangenheit in Zweifel.
»Nein, ich war nicht in ihn verliebt gewesen, aber es tut mir leid, daß er tot ist.«
»Er ist bei Allah.«
»Wahrscheinlich.«
»Gute Nacht, Miss Harris.«
»Ja«, flüsterte ich, »und danke.«
»In Ägypten sagen wir schukran.«
»Schukran.«
»Affuan und gute Nacht.«
Kapitel 9.
Der Ruf zum Morgengebet weckte mich. Ich fuhr vor Schreck zusammen und riß die Augen auf. Dann blieb ich regungslos liegen, bis ich mich erinnerte, wo ich war. Licht drang durch die Lamellen der geschlossenen Fensterläden ins Zimmer, frisches Morgenlicht, das auch Straßenlärm und Stimmengewirr von unten zu mir herauftrug. Ich lag da und lauschte dem wie ein Klagelied klingenden Singsang des Muezzins, während ich meine wirren Gedanken ordnete. Das erste, was mir in den Sinn kam, war, daß dieses Bett, in dem ich da lag, äußerst bequem war und daß ich mich gut ausgeruht fühlte. Mein nächster Gedanke galt John Treadwell, zuerst mit Trauer, dann mit Ärger. Mein Ärger verwandelte sich in Bitterkeit, als ich daran dachte, für welch eine Närrin er mich gehalten haben mußte und wie ahnungslos ich in seine Falle getappt war. Ein klein wenig Charme, ein gut geschnittenes Gesicht, und schon war ich bereit gewesen, ihm mein Leben anzuvertrauen. Ich war nicht sicher, was mich mehr erzürnte, seine Hinterhältigkeit oder meine Einfalt. Ich wußte nur eines: Lydia Harris würde eine solche Dummheit kein zweites Mal begehen. Ganz egal, wie bezaubernd der Mann sein mochte. Dann dachte ich an Dr. Kellerman. Er war jetzt sicher furchtbar besorgt und machte sich bestimmt Vorwürfe, daß er mich hatte fortfliegen lassen. Als ich überlegte, wer ihm wohl in meiner Abwesenheit assistierte, mußte ich lächeln, denn ich wußte, wer es auch war, er würde sehnlichst auf meine Rückkehr warten. Er war ein rauher, alter Brummbär im OP, aber die Tatsache, daß er der beste Chirurg unter den Mitarbeitern des Krankenhauses war, gab ihm das Recht dazu.
Adele oder nicht, ich beschloß, Dr. Kellerman noch heute anzurufen.
Zuletzt schweiften meine Gedanken zu der Ursache dieses ganzen Wahnsinns: zu meiner Schwester Adele. Ich fragte mich, wo sie in diesem Augenblick wohl stecken mochte und was sie tat. Ich fragte mich auch, ob sie versuchte, sich mit mir in Verbindung zu setzen, ob sie vielleicht sogar in der Nähe war. Und das größte Rätselraten gab mir diese geheimnisvolle Sache auf, in die wir nun beide verstrickt waren.
Ich muß eine Stunde im Bett gelegen haben, bevor ich mich zögernd entschloß aufzustehen. Mein Kopf schmerzte noch immer und schrie förmlich nach Aspirin, während mein Magen knurrte wie hundert hungrige Löwen. Als ich mich angezogen hatte und vor meiner Tür noch immer kein Geräusch vernahm, schaute ich kurz nach dem Schakal. Nachdem Achmed Raschid mich in der Nacht zuvor allein gelassen hatte und ich gehört hatte, wie er wegging und ein paar Lichter löschte, hatte ich sofort meinen Koffer geöffnet und den Schakal - zu meiner gelinden Überraschung - noch genauso vorgefunden, wie ich ihn hinterlassen hatte. Ich hatte einige Minuten gebraucht, um mir ein neues Versteck für ihn zu überlegen, und ihn zu guter Letzt einfach unter das Kopfkissen gestopft. Falls irgend jemand auf die Idee gekommen wäre, nachts in meinem Zimmer herumzuschnüffeln, dann hätte er zumindest um den Schakal kämpfen müssen. Jetzt zog ich ihn unter dem Kopfkissen hervor, und da ich schon vollständig angekleidet war, schob ich ihn in meinen Hosenbund und ließ meine Bluse darüberfallen. Das war zwar nicht sonderlich angenehm, aber zumindest hatte ich den Schakal auf diese Weise immer bei mir und würde mir nicht ständig Sorgen darum machen müssen. Ich blieb stehen und schaute mich im Spiegel an. Die Bluse war weit und zeigte keine Ausbuchtung. In den letzten Tagen war der Wert dieses Stücks Elfenbein an irgendeiner mehr als obskuren Börse anscheinend um ein Vielfaches gestiegen, so daß es mir jetzt beinahe vorkam, als trüge ich die britischen Kronjuwelen an meiner Hüfte. Der Schakal war mir jetzt ebenso wichtig. Auf irgendeine Weise war er der Schlüssel zu Adeles Aufenthaltsort.