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Spiel des Schicksals (Hounds and Jackals)

Электронная книга - «Spiel des Schicksals (Hounds and Jackals)». Краткое содержание книги:

Während einer komplizierten Operation erhält Lydia Harris, eine hochqualifizierte OP-Schwester in einem Krankenhaus im kalifornischen Malibu, einen mysteriösen Anruf von ihrer Schwester Adele, von der sie seit Jahren nichts gehört hat. Adele bittet sie ebenso dringlich wie verworren, sofort zu ihr nach Rom zu kommen.
Wenig später trifft ein Päckchen von Adele ein. Es enthält eine Figur aus Elfenbein mit einem kunstvoll geschnitzten Schakalskopf. Lydia zieht den mit ihr befreundeten Chirurgen Dr. Kellerman zu Rate, der sich privat als Kunstsammler betätigt. Dr. Kellerman findet schnell heraus, daß es sich bei dem Schakal um eine Figur aus einem uralten ägyptischen Brettspiel handeln und daß diese Figur äußerst wertvoll sein muß. Lydia macht sich indessen große Sorgen um ihre Schwester. Gegen den Rat von Dr. Kellerman fliegt Lydia kurzentschlossen nach Rom. Aber das ist erst der Anfang einer gefährlichen Odyssee, die Lydia schließlich bis in das ägyptische Tal der Könige führt.
Barbara Wood, 1947 in England geboren, wuchs in Kalifornien auf. Sie arbeitete nach ihrem Studium zehn Jahre als OP-Schwester in einer neurochirurgischen Klinik, bevor sie ihr Hobby zum Beruf machte und Schriftstellerin wurde. Inzwischen hat sie mehrere sehr erfolgreiche Romane geschrieben. Barbara Wood bereist alle Länder, in denen ihre Romane spielen, um die geschichtlichen und sonstigen Details zu recherchieren. Sie lebt in Kalifornien.
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Ich starrte einen Moment lang auf meinen Tee, bevor ich den Kopf schüttelte. Das Hämmern im Kopf klang allmählich ab, und mir fiel ein, daß ich wohl fürchterlich aussehen mußte. Zahllose Erinnerungsbilder gingen mir durch den Kopf, doch nur wenige ergaben irgendeinen Sinn. Eine dunkle Erinnerung an helle Lichter. Blitzende Lichter. Und Menschen. Viele

Menschen. Nein, ich konnte mir keinen Reim darauf machen und schüttelte abermals den Kopf. »Vielleicht ist es ganz gut so«, meinte er ruhig. »Bitte trinken Sie den Tee. Er wird Ihnen guttun.«

Ich nippte brav daran und wünschte, daß es Bourbon wäre, während ich den Mann über den Rand meiner Tasse hinweg beobachtete. Ich muß wie eine fluchtbereite Katze ausgesehen haben, denn er sagte: »Bitte seien Sie ganz unbesorgt. Hier sind Sie sicher.« Ich wollte entgegnen: »Wovor?«, aber statt dessen fragte ich: »Wie geht es John? Ist er in Ordnung?«

Mr. Raschid wandte die Augen ab. »Es passierte alles sehr schnell. Ich kam an der offenen Tür vorüber, sah Sie dort liegen. eine sehr peinliche Situation, Sie verstehen. Wäre ich im Shepheard’s Hotel nicht so gut bekannt.«

Ich stellte meine Tasse klappernd auf die Untertasse zurück, als ob ich die Wiederkehr meiner Stärke verkünden wollte. »Wenn Sie nichts dagegen haben, hätte ich gerne ein paar Erklärungen, Mr. Raschid. Wie zum Beispiel, wer Sie eigentlich sind und warum Sie mir gefolgt sind.«

Es senkte sich ein Schweigen herab, das schwer auf dem Raum zu lasten schien. Von allen vier Wänden schien das Echo meines Herzschlags widerzuhallen. Die Lage, in die ich nun plötzlich geraten war, gefiel mir überhaupt nicht. Ich war die Gefangene dieses Mannes. Und niemand wußte, wo ich war. »Ich bin Ihnen natürlich eine Erklärung schuldig, Miss Harris, und ich möchte auch gleich für alle Unannehmlichkeiten um Verzeihung bitten, die ich Ihnen vielleicht verursacht habe. Aber sehen Sie, eigentlich folgte ich nicht Ihnen, sondern Mr. Treadwell.« Ich blickte ihn verständnislos an. »Sie folgten John?«

»Ich wartete auf ihn, als er am Flughafen Leonardo da Vinci ankam, und folgte Ihnen beiden zum Hotel Palazzo Residenziale.« Mr. Raschid schaute einen Augenblick lang auf seine Fingernägel. Ich spürte, daß er sich seine nächsten Worte überlegte: Was er mir sagen und was er zurückhalten sollte.

»Und außerdem«, plapperte ich weiter, »wer sind Sie eigentlich, daß Sie Leuten auf Schritt und Tritt nachspionieren, und in was für eine Sache ist John verstrickt, die es angeblich erforderlich macht, ihn zu verfolgen?«

»Auf all das werde ich gleich zu sprechen kommen, Miss Harris, aber Sie müssen mir bitte erst einmal Gelegenheit geben, auszureden. Nun ja, ich bin Mr. Treadwell in Rom tatsächlich gefolgt, und ich hatte erwartet, daß er an jenem Tag nach Rom zurückkehren würde. Ich hatte jedoch nicht damit gerechnet, daß er in Begleitung - nämlich in Ihrer Begleitung -eintreffen würde. Deshalb beschloß ich, Sie eine Weile zu beobachten, um herauszufinden, in welcher Beziehung Sie zu John Treadwell standen.«

Mein Mund stand offen. »Was soll das heißen, Sie erwarteten, daß er an jenem Tag zurückkehren würde?«

»Mr. Treadwell hatte sich nur ein paar Tage vorher in Rom im Palazzo Residenziale aufgehalten.«

»Wie bitte?« Das Zimmer begann sich langsam vor meinen Augen zu drehen. Möglicherweise halluzinierte ich noch von dem Schlag auf meinen Kopf. »Sie meinen, John ist einige Tage, bevor er mit mir ankam, bereits in Rom gewesen?« Mr. Raschid nickte bedächtig.

»Moment mal, das glaube ich Ihnen aber nicht. Wer sind Sie überhaupt?«

»Das dürfen Sie gerne erfahren. Ich arbeite für die ägyptische Regierung. Ich bin ein Ermittlungsbeamter, wie Sie es ausdrücken würden.«

»Für die ägyptische Regierung?«

Er grinste. »Ich kann Ihnen meine Ausweispapiere zeigen, aber sie sind in Arabisch.«

Ich kniff die Augen zusammen. »Was für ein Ermittlungsbeamter?«

»Das darf ich Ihnen nicht genau sagen, Miss Harris, ebensowenig wie ein Agent Ihrer Regierung alle Informationen über sich preisgeben darf. Lassen Sie es mich so ausdrücken, daß ich in gewisser Weise ein Polizist bin, der mit Mr. Treadwells Überwachung beauftragt ist.«

»O Gott!« Verblüfft und erschüttert fuhr ich mir mit der Hand über die Stirn und versuchte, das alles zu verstehen. Ich ließ mir auch eine Minute Zeit, um mich zurückzulehnen und Achmed Raschid eingehend zu mustern. Dabei stellte ich zu meinem Erstaunen fest, daß er vielleicht doch nicht so unheimlich war, wie ich anfangs geglaubt hatte. Was ich vor mir sah, war ein dunkelhäutiger Mann Anfang dreißig. Er trug eine helle Hose im Jeansschnitt und ein weißes Hemd mit bis zu den Ellbogen hochgekrempelten Ärmeln. Er hatte kräftiges schwarzes Haar und ein ausdrucksvolles typisch orientalisches Gesicht. Er sprach mit einem merkwürdigen, faszinierenden Akzent und drückte sich stets mit besonderer Vorsicht aus. Ich traute ihm aber noch immer nicht.

Er trank noch ein paar Schluck Tee, bevor er weitersprach: »Als ich aus dem Gespräch mit Ihnen erfuhr, daß Sie mit Mr. Treadwell befreundet waren, dachte ich, daß Ihr Handeln mir einen Hinweis auf Mr. Treadwells Aktivitäten geben könnte.« Ich war zutiefst entrüstet, daß meine Privatsphäre so leichtfertig mißachtet worden war. Doch allmählich vermochte ich die Informationen, die Mr. Raschid mir gab, in einen Zusammenhang zu bringen. Dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

»Er war im Palazzo Residenziale, einige Tage bevor ich dort ankam?«

»Ich habe ihn dort mit eigenen Augen gesehen.«

»Aber er hat niemals erwähnt.« Meine Stimme versagte. Ich schaute wieder zu Achmed Raschid auf und stellte fest, daß er mich mit unerschütterlichem Blick anstarrte. »Machen Sie weiter, sagen Sie es schon«, flüsterte ich, obwohl ich es nicht hören wollte. »Ich bin sicher, Sie haben es jetzt schon erraten, Miss Harris. John Treadwell kannte Ihre Schwester Adele.«

Ich kniff meine Augen fest zusammen, und als ich sie wieder öffnete, war das Zimmer noch immer da. Die schmuddeligen Wände, der orientalische Teppich, das Aroma des Tees, die kaum hörbare arabische Musik im Hintergrund, alles war noch da. Auch Achmed Raschid - der Geheimpolizist -, der Mann mit den geheimnisvollen Augen. »Wissen Sie, das kann ich gar nicht glauben.«

Er zuckte die Achseln. »Ich habe ja nicht behauptet, daß er sie gut kannte. Ich habe sie nur einmal dabei beobachtet, wie sie im Palazzo Residenziale zusammen beim Abendessen saßen.«

»War er dort als Gast registriert?«

»Ja, das war er, aber unter einem anderen Namen. Er und zwei weitere Männer teilten sich eine Suite und hatten sich unter dem Namen Mr. Arnold Rossiter eingetragen.« Mr. Raschid sah mich eindringlich an und schien eine Reaktion zu erwarten. Daß ich noch nie von einem Arnold Rossiter gehört hatte, mußte wohl ziemlich deutlich erkennbar gewesen sein.

»War einer von ihnen ein fetter, kleiner Mann mit dicken Brillengläsern?«

Er hob die Augenbrauen. »Ja doch! Was wissen Sie von ihm?« Das erklärte also das Geheimnis. John und der dicke Mann kannten einander tatsächlich. »Er ist in Ägypten. Ich sah ihn heute mit John, kurz bevor wir alle beschlossen, ein Nickerchen auf dem Fußboden zu machen.«

»Seine Freunde sind also mit ihm hier. Das überrascht mich nicht.« Ich rutschte unbehaglich auf der Couch hin und her.

Irgendwie war das alles zu phantastisch, zu heikel. Da saß ich nun in der Wohnung eines Ägypters, der von sich behauptete, ein Geheimpolizist zu sein und meinen Freund John Treadwell zu beschatten, der wiederum, wie sich herausstellte, mich belogen hatte, da er meine Schwester Adele in Rom kennengelernt hatte. Ich spürte, wie mir langsam flau im Magen wurde.

»John Treadwell kannte meine Schwester, nicht wahr? Das bedeutet also, daß er eigens nach Los Angeles flog, um sich auf dem Rückflug wie zufällig neben mich zu setzen und vorzugeben, Adele nicht zu kennen. Es tut mir leid, Mr. Raschid, aber das alles ergibt für mich wenig Sinn.«

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