Ferne Ufer: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #3
- Год: 2016
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ferne Ufer: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Fraser schien zu überlegen. »Dann wäre ich dir … dankbar«, sagte er, »wenn du der Stiefvater wärst für meinen – meinen Sohn.« Er hatte das Wort vermutlich noch nie laut ausgesprochen, der Klang schien ihn zu erschrecken. »Ich … stünde in deiner Schuld.« Jamie klang, als wäre ihm sein Kragen zu eng, obwohl ihm in Wirklichkeit das Hemd am Hals offen stand. Grey blickte ihn neugierig an und sah, dass sein Gesicht ganz langsam ein dunkles, verlegenes Rot annahm.
»Ich würde dir dafür … wenn du willst … ich meine, ich wäre bereit … das heißt …«
Grey verkniff sich das plötzliche Bedürfnis zu lachen. Er legte dem Schotten ganz leicht die Hand auf den Arm und sah, wie sich Jamie zusammenreißen musste, um bei der Berührung nicht zusammenzuzucken.
»Mein lieber Jamie«, sagte er, hin- und hergerissen zwischen Lachen und Ungeduld. »Heißt das, du bietest mir tatsächlich deinen Körper als Bezahlung für mein Versprechen an, mich um Willie zu kümmern?«
Frasers Gesicht war bis zu den Haarwurzeln rot.
»Aye, das tue ich«, gab er wortkarg zurück. »Willst du es oder nicht?«
Jetzt lachte Grey, mit lauten, langgezogenen Keuchlauten, bis er sich schließlich auf die Grasböschung setzen musste, um sich wieder zu fassen.
»O lieber Gott«, sagte er schließlich und rieb sich die Augen. »Dass ich das erleben darf, ein solches Angebot zu hören!«
Fraser stand über ihm und blickte auf ihn hinunter; sein Haar stand im Gegenlicht der Morgensonne vor dem blassblauen Himmel in Flammen. Grey hatte das Gefühl, er könnte den breiten Mund in seinem dunklen Gesicht sacht zucken sehen – Humor, versetzt mit tiefer Erleichterung.
»Dann willst du mich also nicht?«
Grey erhob sich und klopfte sich den Hosenboden sauber. »Ich werde dich vermutlich wollen bis zu meinem letzten Atemzug«, sagte er gelassen. »Aber sosehr ich auch versucht bin …« Er schüttelte den Kopf und strich sich das feuchte Gras von den Händen.
»Glaubst du wirklich, ich würde für einen solchen Dienst Bezahlung verlangen – oder annehmen?«, fragte er. »Eigentlich sollte ich dieses Angebot als äußerst ehrenrührig empfinden, doch ich kenne ja das tiefe Gefühl, dem es entsprungen ist.«
»Aye, nun ja«, murmelte Jamie. »Ich wollte dich nicht beleidigen.«
An diesem Punkt war Grey sich nicht sicher, ob er lachen oder weinen sollte. Stattdessen streckte er die Hand aus und legte sie sanft auf Jamies Wange, die jetzt wieder ihren üblichen Bronzeton annahm. Leiser sagte er dann: »Außerdem kannst du mir nicht etwas geben, was du gar nicht hast.«
Grey spürte, wie ein Teil der Anspannung von dem hochgewachsenen Körper abfiel, der ihm gegenüberstand.
»Meine Freundschaft wird dir gehören«, sagte Jamie leise, »wenn das für dich von Wert ist.«
»Von sehr großem Wert.« Einen Moment standen die beiden Männer gemeinsam da und schwiegen, dann seufzte Grey und wandte den Kopf, um zur Sonne aufzublicken. »Es wird langsam spät. Ich nehme an, du hast heute noch viel zu tun?«
Jamie räusperte sich. »Aye, so ist es. Ich sollte mich wieder ans Werk machen.«
»Ja.«
Grey zupfte sich seine Weste zurecht und war bereit zu gehen. Doch Jamie blieb noch einen Augenblick unentschlossen stehen, dann schien er sich plötzlich zu entschließen, trat nach vorn, beugte sich vor und nahm Greys Gesicht in seine Hände.
Grey spürte die großen Hände warm auf der Haut in seinem Gesicht, leicht und kraftvoll wie die Berührung einer Adlerfeder, und dann legte sich Jamie Frasers sanfter, breiter Mund auf den seinen. Flüchtig spürte er Zärtlichkeit und beherrschte Körperkraft, und er schmeckte Ale und frisch gebackenes Brot. Dann war es fort, und John Grey stand blinzelnd in der gleißenden Sonne.
»Oh«, sagte er.
Jamie blickte ihn mit einem schüchternen, schiefen Lächeln an.
»Aye, nun ja«, sagte er. »Ich gehe davon aus, dass ich nicht giftig bin.« Dann wandte er sich ab und verschwand zwischen den Weiden, und Lord John Grey blieb allein am Wasser zurück.
Einen Moment lang schwieg der Gouverneur. Dann blickte er mit einem trostlosen Lächeln auf.
»Das war das erste Mal, dass er mich freiwillig berührt hat«, sagte er leise. »Und das letzte Mal – bis heute Abend, als ich ihm die zweite Ausfertigung dieser Miniatur gegeben habe.«
Ich saß vollkommen reglos da, das Brandyglas vergessen in der Hand. Ich war mir nicht sicher, was ich empfand; Schock, Wut, Grauen, Eifersucht und Mitleid durchspülten mich nacheinander in großen Wellen und sammelten sich in Becken voller wirrer Emotion.
In unserer unmittelbaren Nähe war vor wenigen Stunden eine Frau brutal ums Leben gebracht worden. Und doch erschien mir die Szene im Ruheraum unwirklich im Vergleich mit dieser Miniatur; einem kleinen, unbedeutenden, in Rottönen gemalten Bild. Im Moment jedoch interessierten sich weder Lord John noch ich für das Verbrechen oder die Vergeltung – oder für irgendetwas anderes als das, was zwischen uns lag.
Der Gouverneur betrachtete mein Gesicht mit großer Konzentration.
»Ich hätte Euch vermutlich schon auf dem Schiff erkennen sollen«, sagte er. »Aber damals war ich ja noch in dem Glauben, Ihr wärt lange tot.«
»Es war schließlich dunkel«, sagte ich begriffsstutzig. Ich fuhr mir mit der Hand durch die Haare, benommen vom Brandy und der Schlaflosigkeit. Dann wurde mir klar, was er gesagt hatte.
»Mich erkannt? Aber Ihr wart mir doch noch nie begegnet!«
Er zögerte, dann nickte er.
»Erinnert Ihr Euch noch an einen dunklen Wald in der Nähe von Carryarick in den schottischen Highlands, vor zwanzig Jahren? Und einen Jungen mit gebrochenem Arm? Ihr habt ihn für mich geschient.« Er hob seinen Arm zur Demonstration.
»Jesus H. Roosevelt Christ.« Ich nahm den Brandy und trank einen Schluck, der mich hustend aufkeuchen ließ. Mit tränenden Augen blinzelte ich ihn an. Jetzt, da ich wusste, wer er war, konnte ich die feinen, schlanken Knochen ausmachen und die sanfteren Konturen des Jungen sehen, der er einst gewesen war.
»Eure Brüste waren die ersten, die ich nackt gesehen habe«, sagte er ironisch. »Es war ein furchtbarer Schock.«
»Von welchem Ihr Euch ja erholt zu haben scheint«, sagte ich ziemlich kalt. »Zumindest scheint Ihr es Jamie verziehen zu haben, dass er Euch den Arm gebrochen und mit Eurer Erschießung gedroht hat.«
Er errötete schwach, dann stellte er sein Glas hin.
»Ich … nun … ja«, sagte er abrupt.
Wir saßen eine ganze Weile da, und keiner von uns schien zu wissen, was er sagen sollte. Ein- oder zweimal holte er Luft, als wollte er etwas sagen, gab es aber jedes Mal auf. Schließlich schloss er die Augen, als wollte er Gott seine Seele anvertrauen, dann öffnete er sie und sah mich an.
»Wisst Ihr …«, begann er, dann brach er ab. Er hielt den Blick auf seine Fäuste gerichtet, nicht auf mich. An einem Finger glitzerte ein blauer Stein, hell wie eine Träne.
»Wisst Ihr«, sagte er noch einmal leise an seine Hände gewandt, »was es bedeutet, jemanden zu lieben und ihm niemals – niemals! – Frieden schenken zu können oder Freude oder Glück?«
Jetzt blickte er auf, und seine Augen waren voller Schmerz. »Zu wissen, dass man ihn nicht glücklich machen kann, nicht weil man selbst oder er daran schuld wäre, sondern einfach nur, weil man nicht als die richtige Person für ihn zur Welt gekommen ist?«
Ich saß wortlos da und sah nicht sein Gesicht vor mir, sondern ein anderes; ebenfalls attraktiv, aber dunkel, nicht blond. Spürte nicht den warmen Hauch der tropischen Nacht, sondern die eisige Hand eines Winters in Boston. Sah das Licht wie Herzblut pulsieren, das sich über den kalten Schnee der Krankenhauslaken ergoss.
… nur, weil man nicht als die richtige Person für ihn zur Welt gekommen ist.
»Ich weiß«, flüsterte ich und ballte die Hände auf dem Schoß zu Fäusten. Ich hatte es Frank gesagt – verlass mich doch. Aber er konnte nicht, genauso wenig, wie ich ihn richtig lieben konnte, weil ich mein Gegenstück anderswo gefunden hatte.