Ein Kampf um Rom
- Автор: Дан Феликс
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Ein Kampf um Rom». Краткое содержание книги:
«Er fügte bei», ergänzte Thorismut, «ein paar Hundert seiner Rosse, die, von der Seereise angegriffen, langsamer marschiert, kämen morgen früh sicher an. Sie sind auch schon gemeldet von Septempeda her: du möchtest, womöglich, die Entscheidung hinausziehen, bis zu ihrem Eintreffen.»
«Warum kommt er nicht selbst hierher?» zürnte Teja.
«Er bemüht sich auf das eifrigste», sprach Thorismut - «ich hab' es selbst gesehen - seinen Reitern genau die Örtlichkeit zu zeigen, wo die Entscheidung fällt. Er hat noch im Mondlicht Gefechtsübungen von den Hügeln herab auf die Straße gemacht.»
Totila aber schloß: «Ich weiß, warum er nicht zu meinem Nachtmahl kommt. Es hat nichts auf sich.»
Und sie setzten sich nun auf die Feldstühle und Truhen, die um den Tisch standen, und begannen das einfache Mahl.
«Der König», hob Teja an, «läßt mich morgen nicht an seiner Seite fechten. So befehl' ich ihn dir, mein tapferer Thorismut: behüte du sein Leben.»
«Das wird er nicht immer können», lächelte Totila, trinkend. «Thorismut muß mir die Speerträger in Taginä befehligen.»
«Solang ich an des Königs Seite halte, geschieht ihm nichts», sagte Thorismut ruhig. «Ich gehe, nochmal zu den Vorposten bei Caprä zu reiten.» Und er schritt aus dem Gemach.
«Ja», rief Totila, «bei Neapolis, am capuanischen Tor, war er mein Retter.»
«Und zu Rom am Tiber der junge Harfenherzog hier», sprach Teja, «wo ist er morgen? Er soll dich wieder decken.»
«Nein!» rief dieser: «Ich habe mir ausgebeten, in dem Reiterangriff voranzureiten und Domna Valerias neue Fahne zu tragen.»
«Nun, frommer Julius», sprach Teja - «du sollst nicht fechten: - aber schirme du des Königs Leben. - Ich weiß, du liebst ihn, auf deine Art: und das wird wohl keine Sünde sein.»
«Ich will um ihn bleiben. Aber besser noch als mein schwacher Arm oder dein starker, Graf von Tarentum, wird mein Gebet zu Gott ihn schützen.»
«Gebet!» sagte Teja. «Noch ist kein Gebet durch die Wolken gedrungen. Und wenn es durchdrang, fand es den Himmel leer.»
Zweiunddreißigstes Kapitel
«Wie», rief der Mönch, «du leugnest, finstrer Mann, wie - wie Cethegus, den Gott der Liebe aus seiner Welt hinaus? Den Gott, der allweise, allmächtig und alliebend vom Himmel aus der Menschen Pfade lenkt, den leugnest du?»
«Ja», rief Teja und ließ die Hand an den Schwertgriff gleiten. «Den leugne ich! Und wäre ein Wesen da oben, lebendig und wissend, was es tut oder geschehen läßt -, man müßte, wie die Riesen unsrer Göttersage, Berg auf Berg und Fels auf Felsen türmen und seinen Himmel stürmen, und nicht ruhen und rasten, bis man das teuflisch grausame Gespenst von seinem blutigen Schädelthron gestoßen hätte oder selbst gefallen wäre von
seinem Blitz.»
Entsetzt sprang Julius auf: «Hat denn der Geist der Gottesleugnung, der Gotteslästerung die gewaltigsten Männer der Welt ergriffen? Ich kann solche Worte nicht anhören.»
«Dann frag' mich nicht!»
Mit Staunen sah auch der König auf den sonst so schweigsamen Freund, aus dessen tief verschlossener Brust plötzlich lang verhaltener, grimmiger Schmerz glühend hervorbrach.
«Ihr staunt», fuhr dieser fort, «daß der grabesstille Teja noch so heiß empfindet. Ich staune selbst zuweilen darüber. Aber morgen ist der Tag der Sommersonnenwende; der Tag, da dereinst meine Sonne für immer sich gewandt. An jeder Wiederkehr des Tages bricht mir die alte Wunde schmerzend auf.»
«Ich begreife deine Düstre jetzt, unsel'ger Mann», sprach Julius nach einer Pause. «Ja, ich fasse nicht, wie du leben kannst - ich könnte nicht atmen: ohne Gott.»
«Wer sagt dir, Mönch, Teja hat keinen Gott? Weil ich ihn nicht nach deinem Glauben sehe, nicht, wie du, vermenschlicht, von Liebe, Haß, Zorn, Eifersucht entstellt? Weil ich nicht denken kann, daß er, der Vorschauende, Wesen schafft, sich und andern zur Qual, sie zu verdammen und sie hintendrein, durch ein Mirakel, durch schuldloses Blut des Edelsten, wieder zu erlösen? Weil ich ihn nicht denken kann wie einen ungeschickten Zimmerer, der seine Baute schlecht gemacht hat und nun immer daran nachflicken muß mit mirakelnder Hand? Ich sage dir: die Majestät meines Gottes ist so furchtbar, daß dein armseliger Engelkönig vor seiner Größe verschwindet, vor seiner unerbittlichen Furchtbarkeit, wie das Gewölbe deiner Kirchen gegen das Gewölbe des Weltalls.
Nein, wäre wirklich ein Allvater in den Wolken, und könnte er dem grausamen Gang der Geschicke nicht steuern: - ihn selber müßte der Gram ergreifen. Er müßte furchtbar leiden unter diesen Schmerzen seiner Kinder wie euer sanfter Jesus litt - das hat mich immer tief gerührt! als er auf dem Ölberg der Menschheit ganzen Jammer trug.
Und weil ich dir, mein Totila, versprochen, dir noch einmal von meiner Harfen- und Liedkunst zu vernehmen zu geben: - so höre den Gesang, den ich dem Allvater Odin in den Mund gelegt.»
Und er griff in die Saiten der kleinen Harfe, die neben ihm bei seinen Waffen lag, und sang dazu mit tiefernster Stimme:
Allvaters Gesang
«Es seufzt meine Seele in unsäglichem Jammer Um des Schmerzengeschlechts, um der Menschen Geschick. Denn was in der Welt von wechselndem Wehe Brandend sich bricht in jeglicher Brust, Mitempfinden, mitdurchkämpfen, Mitdurchklagen muß ich es alles, Alles, alles: - denn geheißen Bin ich <Allvater>: Bald des besiegten, bessern Mannes, Den ein Böser bezwungen, Bitter beißenden Seelenbrand, Wie er grollend in Todesgram Flucht dem grausamen Schicksaclass="underline" Bald des Liebenden tödlich Leid. Der in leere Luft mit den Armen langt, Dem langsam das Leben verlodert An nie verlöschender Sehnsucht Licht: Und der Witwe Wehklage, der Weisen Weinen Und der versinkenden Seele Letzten schrillen Verzweiflungsschrei All dies Elend, öd' und endlos, Es empfindet's mit Allvater Und wie wenig wollen dawider Ach die winzigen Wonnen wiegen, Die, wie verwehte Rosenblätter, Wogen auf weiten, weiten Wellen, Auf des Wehs unendlichem Ozean. Traum, ein Trost nur tröstet die Trauer: Ein Ziel ist gezeichnet den zahllosen Zähren, Eine Endzeit. Ich segne den Tag, da der sengende Surtur Erbarmend der letzten Menschen Gebilde Zugleich mit der müden Erde zermalmt, Da endlich der Quell unerschöpflicher Qualen Verquillt: das letzte menschliche Herz. Willkommen der Tag! - und wären sie weise, Noch wärmer wünschten sie selbst ihn herbei.»
«So empfand ich früher in die Seele eines gütigen Gottes hinein. Aber seither -, ich habe viel gegrübelt und gesonnen -habe ich einen andern, meinen furchtbaren Gott gefunden. Doch freilich, diesen meinen Gott muß man erlebt haben in den Todesschmerzen des zuckenden Herzens.»