Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Unterdessen hatte René sich an den Waldrand vorgeschlichen und hatte mit angehört, was Orlando erzählte.
»Trinke einen Schluck mit uns, Gevatter!«, rief René ihm zu.
Orlando zuckte zusammen und drehte sich um; er erblickte einen Mann, der eine Flasche am Hals hielt.
Er sah zu seinem Kameraden, der ihm mit dem Blick bedeutete, dass er dem neuen Akteur, der sich auf der Szene eingefunden hatte, vertrauen konnte.
René reichte ihm die Flasche, nachdem er selbst die ersten Schlucke getrunken hatte, um den Banditen zu beruhigen, und fragte ihn über seinen Freund Bizzarro aus.
Orlando war mit dem Wein zufrieden, und da er keinen Grund sah, nicht weiterzusagen, was er über den Bizzarro wusste, gab er René bereitwillig alle Auskünfte, die dieser sich nur wünschen konnte. Da es immer später wurde und Renés Wissensdurst gestillt war, erinnerte er seinen Gefährten daran, dass sie weitergehen mussten.
Man leerte die Flasche, reichte einander die Hand zum Abschied und ging; an dem Baum blieben die verfluchten Früchte zurück, die in so kurzer Zeit seinen Ästen entsprossen waren.
Zwei Stunden später kehrte René in das Lager zurück.
Am nächsten Tag fand sich Graf Leo bei Tagesanbruch bei General Reynier ein.
Der General war bereits wach und saß sorgenvoll über einer Karte von Kalabrien im Bett.
»General«, sagte René lachend, »zerbrechen Sie sich nicht länger den Kopf über geographische Karten, ich habe einen Weg ausfindig gemacht, auf dem Ihre Kanonen so mühelos fahren werden wie auf einem Billardtisch. In fünfzehn Tagen werden wir Reggio beschießen, und in achtzehn Tagen werden wir die Stadt eingenommen haben.«
Der General sprang aus dem Bett. »Ich zweifle nicht an Ihren Worten, mein lieber Graf«, sagte er, »aber solche Dinge will man mit eigenen Augen gesehen haben.«
»Nichts leichter als das, General. Kleiden Sie sich an; ich werde meine fünfzig Mann zusammenrufen, und wenn der Ort, zu dem ich Sie führe, Ihnen zusagt, werden wir den Rest unserer Armee hinzuholen und lassen bei Scilla nur so viele Männer zurück, wie nötig sind, um die Stadt eingeschlossen zu halten.«
»Und wenn wir nur zu dritt gingen?«, fragte Reynier.
»Oh, was das betrifft, mein General«, sagte der junge Mann, »diese Verantwortung kann ich nicht übernehmen. Mit meinen fünfzig Mann kann ich mich für Ihre Sicherheit verbürgen; wenn wir zu dritt aufbrechen wollen, kann ich mich aber nur dafür verbürgen, vor Ihnen zu fallen, und da damit niemandem gedient wäre, schlage ich vor, dass wir uns lieber an meinen ersten Vorschlag halten.«
Als General Reynier eine Viertelstunde später sein Quartier verließ, fand er die fünfzig Mann Graf Leos in Habtachtstellung vor, ihre Gewehre zu einer Pyramide zusammengestellt.
Der General begutachtete diesen Anblick.
»Mein lieber Graf«, sagte er zu René, »bei so einem Gefolge dürfte es wenig Sinn haben, unsere Expedition heimlich durchführen zu wollen. Kommen Sie herein und frühstücken Sie mit mir, während ich ein paar Flaschen Wein an Ihre Männer austeilen lasse.«
Nach einer halben Stunde waren alle zum Aufbruch bereit.
Tomeo nahm diesmal einen Weg, den auch die Pferde gehen konnten.
Gegen neun Uhr morgens erreichten sie den Gipfel des Aspromonte; man vergewisserte sich, dass man die Kanonen nur bis nach Maida zurückbringen musste, um von dort einen Weg zu finden, der zum Berggipfel führte, woraufhin man von Gipfel zu Gipfel weiterziehen konnte, bis man den Aspromonte erreichte.
Ein so erfahrener Mann wie General Reynier erkannte auf den ersten Blick, dass es keine andere Möglichkeit gab, die Belagerungsartillerie nach Reggio zu befördern, als diejenige, die sein junger Leutnant aus dem Hut gezaubert hatte.
Deshalb wurde einem Teil der Truppe befohlen, auf dem Berg zu biwakieren, während die übrigen Soldaten am Ufer zurückblieben, um eine Landung der Engländer zu verhindern.
Doch kaum sah René, dass die Ingenieure sich an die Arbeit machten und die Artillerie ihre Geschütze bewegte, bat er General Reynier um die Erlaubnis, sich vierzehn Tage von der Truppe zu entfernen.
»Falls es ein Geheimnis ist«, sagte General Reynier, »will ich nicht in Sie dringen; aber wenn es sich um etwas handelt, was Sie einem Freund anvertrauen können, würde ich gerne wissen, was Sie vorhaben.«
»Ach, Gott«, sagte René, »es ist nichts weiter. Sie müssen wissen, dass bei einem Essen im Hause des Ministers Saliceti die Rede auf einen Räuberhauptmann namens Il Bizzarro kam. Es wurden die abscheulichsten Geschichten über diesen Unmenschen erzählt, und die Herzogin von Lavello, die Tochter des Kriegsministers, hat sich von mir versprechen lassen, dass ich ihr seinen Kopf schicken werde. Dieses Versprechen ging mir nicht aus dem Sinn, doch erst gestern habe ich verlässliche Nachricht über den Aufenthalt dieses Mannes erhalten. Da er ein schlauer Bursche zu sein scheint, bitte ich Sie um vierzehn Tage, und dabei kann ich nicht einmal mit Bestimmtheit versprechen, ihn Ihnen nach diesen vierzehn Tagen an Händen und Füßen gefesselt zu bringen.«
»Was kann ich in dieser Zeit für Sie tun?«, fragte Reynier.
»Meiner Treu, mein General, Sie könnten die Güte haben, mir eine elegante Kiste aus Olivenholz oder aus Eichenwurzelholz schreinern zu lassen und mit den Initialen der Herzogin von Lavello zu versehen, damit wir ihr den Kopf des Don Bizzarro in einem Sarg schicken können, der ihrer würdig ist.«
118
Die Jagd auf die Banditen
Seit René der Herzogin von Lavello gelobt hatte, ihr den Kopf des Bizzarro zu schicken, hatte dieser sich von der Gegend um Cosenza zum äußersten Rand Kalabriens zurückgezogen.
Dort gibt es einen Wald namens Sila, in dem sich nur Banditen und Einheimische auskennen. In diesem Wald hatte der Bizzarro sich versteckt, und es dauerte nicht lange, bis er neue Beweise jener Grausamkeit und Blutgier lieferte, mit der er die Bürger und kleinen Leute so drangsaliert hatte und die nun selbst diejenigen gegen ihn aufbrachte, die für gewöhnlich als Helfershelfer der Banditen ihr Auskommen suchen.
Doch nicht damit zufrieden, bei der Bevölkerung verhasst zu sein, trug er Sorge, seine Leute so verhasst zu machen, dass keiner von ihnen jemals gewagt hätte, den Anführer zu denunzieren, um das eigene Leben zu erkaufen, denn jeder von ihnen hatte so viele Gräueltaten verübt, dass mit Gnade nicht zu rechnen war.
Ein junger Hirte, den die Soldaten gezwungen hatten, ihnen bei der Verfolgung des Bizzarro als Führer zu dienen, wurde von den Männern des Bizzarro gefangen und getötet, indem jeder von ihnen ihm einen Hieb mit dem Messer versetzte.
Beim neunundvierzigsten Hieb lebte er noch, und erst der fünfzigste, den ihm der Bizzarro versetzte, brachte ihm den Tod.
Daraufhin ließ dieser Schlächter ihn in so viele Teile zerstückeln, wie seine Truppe Männer zählte; das noch zuckende Fleisch warf er in einen großen Kessel und kochte daraus eine Suppe, von der jeder ein paar Löffel trinken und ein Stück Fleisch essen musste.
Er besaß zwei riesige Molosserhunde, denen er drei Tage lang nichts zu fressen gab; dann überließ er ihnen zwei Offiziere der Nationalgarde von Monteleone, nackt und unbewaffnet, und konnte sich für einen Augenblick an dem Schauspiel eines jener Kämpfe des Altertums weiden, in denen Christen gegen wilde Tiere antreten mussten.
All das führte dazu, dass der Bizzarro zum Geächteten erklärt wurde und dass jedermann sich vornahm, ihn zur Strecke zu bringen zu helfen, so gut er konnte.
Tomeo kannte ihn nicht, er hatte nie unter ihm gedient. Tomeo gehörte zu jenen, die dem Brigantenwesen wie einem Gewerbe nachgehen, die es ehrenhaft ausüben, denn sie stehlen zwar und töten auch notfalls, doch sie begehen keine unnötigen Untaten.