Ferne Ufer: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #3
- Год: 2016
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ferne Ufer: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Und da habe ich Brianna einmal einen Vortrag darüber gehalten, dass große Männer gütig und sanft sind, kleine dagegen oft gemein«, sagte ich.
»Nun, vermutlich gibt es immer Ausnahmen, die die Regel bestätigen, nicht wahr?« Er wischte mir sanft mit einem feuchten Tuch über das nasse Gesicht.
»Ich möchte gar nicht wissen, wie du das angestellt hast«, sagte er mit einem Seufzer, »aber in Gottes Namen, Sassenach, mach es nie wieder!«
»Ich hatte doch gar nicht vor, überhaupt etwas zu tun …«, begann ich gereizt, als ich durch Mr. Willoughbys Rückkehr unterbrochen wurde. Er hatte die kleine grüne Seidenrolle dabei, die ich schon gesehen hatte, als er Jamie von der Seekrankheit kurierte.
»Oh, Ihr habt die kleinen Stechnadeln mitgebracht?« Jamie warf einen neugierigen Blick auf die kleinen goldenen Nadeln, dann lächelte er mich an. »Keine Sorge, Sassenach, sie tun nicht weh … zumindest nicht sehr«, fügte er hinzu.
Mr. Willoughbys Finger betasteten meine rechte Handfläche und drückten an mehreren Stellen zu. Dann nahm er nacheinander meine Finger, bewegte sie und zog sacht daran, so dass ich die Gelenke knacken spürte. Er legte mir zwei Finger auf die Handwurzel und drückte sie in den Zwischenraum von Elle und Speiche.
»Das ist das Innere Tor«, sagte er leise. »Hier ist Ruhe. Hier ist Friede.« Ich hoffte aufrichtig, dass er recht hatte. Er ergriff eine der kleinen Goldnadeln, hielt sie mit der Spitze über die Stelle, die er markiert hatte, und bohrte sie mir mit einer geschickten Bewegung von Daumen und Zeigefinger in die Haut.
Der Stich ließ mich zusammenfahren, doch der Chinese hielt meine Hand fest in seinem warmen Griff, und ich entspannte mich wieder.
Er plazierte drei Nadeln in jedem Handgelenk, dazu ein lustiges Grüppchen, das an ein Stachelschwein erinnerte, auf meiner rechten Schulter. Obwohl ich mich wie ein Versuchskaninchen fühlte, war meine Neugier geweckt. Ich spürte zwar die Einstiche, doch ansonsten waren die Nadeln nicht unangenehm. Mr. Willoughby summte leise und beruhigend vor sich hin, während er auf mehrere Stellen an Hals und Schulter tippte und zudrückte.
Ich konnte ehrlich nicht sagen, ob mein rechter Arm betäubt war oder ob ich einfach durch die Vorgänge abgelenkt war, aber ich empfand die Schmerzen als weniger quälend – zumindest, bis Mr. Willoughby die Chirurgennadel ergriff und begann.
Jamie saß zu meiner Linken auf einem Hocker und hielt meine Hand, während er mein Gesicht beobachtete. Nach einigen Sekunden sagte er barsch: »Du kannst ausatmen, Sassenach, schlimmer wird es nicht.«
Ich hatte unbewusst die Luft angehalten, und während ich ausatmete, begriff ich, was er mir sagte. Es war die Angst vor Schmerzen, die mich steif wie ein Brett auf dem Sessel sitzen ließ. Der eigentliche Schmerz der Nadelstiche war zwar zugegebenermaßen unangenehm, aber das war nichts, was ich nicht aushalten konnte.
Ich atmete vorsichtig aus und deutete ein Lächeln an. Mr. Willoughby sang murmelnd auf Chinesisch vor sich hin. Jamie hatte mir den Text in der vergangenen Woche übersetzt; es war ein Bettgesang, in dem ein junger Mann die körperlichen Reize seiner Partnerin beschrieb. Ich hoffte, dass Mr. Willoughby seine Naht fertig haben würde, ehe er bei den Füßen anlangte.
»Das sieht übel aus«, sagte Jamie, ohne den Blick von Mr. Willoughbys Tun abzuwenden. Ich selbst sah lieber nicht hin. »Ich frage mich, ob es ein Entermesser war oder ein Parang?«
»Ich glaube, es war ein Entermesser«, sagte ich. »Das heißt, ich weiß es. Er ist mir hinterhergekl–«
»Ich frage mich, warum sie uns angegriffen haben«, sagte Jamie, ohne meine Worte zu beachten. Er hatte nachdenklich die Augenbrauen zusammengezogen. »Es kann schließlich nicht der Fracht wegen gewesen sein.«
»Das kann ich mir auch nicht vorstellen«, sagte ich. »Aber vielleicht wussten sie gar nicht, was wir an Bord hatten?« Das erschien mir zwar höchst unwahrscheinlich; jedes Schiff, das bis auf hundert Meter in unsere Nähe kam, hätte es gewusst – der Ammoniakgestank des Guanos umgab uns wie ein Miasma.
»Vielleicht dachten sie einfach, das Schiff ist so klein, dass sie es komplett an sich bringen können. Die Artemis würde mit oder ohne Fracht einen guten Preis erzielen.«
Ich blinzelte, während Mr. Willoughby beim Singen innehielt, um einen Faden zu verknoten. Ich glaubte, dass er inzwischen den Nabel erreicht hatte, aber ich achtete nicht genau darauf.
»Kennen wir den Namen des Piratenschiffs?«, fragte ich. »Natürlich wimmelt es hier von Piratenschiffen, aber wir wissen schließlich, dass die Bruja vor drei Tagen in der Gegend gewesen ist, und …«
»Genau das habe ich mich auch gefragt«, sagte er. »Ich konnte im Dunklen nicht viel sehen, aber es hatte die richtige Größe und diesen breiten spanischen Rumpf.«
»Nun, der Pirat, der hinter mir her war, sprach …«, begann ich, doch ich wurde von Stimmen im Korridor unterbrochen.
Fergus stahl sich in die Kajüte. Es widerstrebte ihm zwar, uns zu stören, doch er platzte sichtlich vor Aufregung. Er hielt etwas Glänzendes, Klingelndes in der Hand.
»Milord«, sagte er. »Maitland hat einen toten Piraten auf dem Vorschiff gefunden.«
Jamies rote Augenbrauen fuhren in die Höhe, und er blickte von Fergus zu mir.
»Tot?«
»Ziemlich tot, Milord«, sagte Fergus mit einem kleinen Schauder. Maitland blickte ihm über die Schulter, um seinen Anteil des Ruhmes einzuheimsen. »Oh ja, Sir«, versicherte er Jamie ernst. »Mausetot; es hat ihm den Schädel zu Brei zerschmettert!«
Alle drei Männer wandten sich um und starrten mich an. Ich setzte ein bescheidenes kleines Lächeln auf.
Jamie rieb sich das Gesicht. Seine Augen waren gerötet, und vor seinem Ohr war ein Blutrinnsal getrocknet.
»Sassenach«, begann er in gemessenem Ton.
»Ich habe doch versucht, es dir zu erzählen«, sagte ich rechtschaffen. Durch den Schock, den Brandy, die Akupunktur und die wachsende Erkenntnis, dass ich wohl überleben würde, wurde mir allmählich auf so angenehme Weise schwindelig, dass ich kaum Notiz von Mr. Willoughbys abschließenden Bemühungen nahm.
»Er hatte das um den Hals, Milord.« Fergus trat vor und legte das Halsband des Piraten vor uns auf den Tisch. Daran hingen die Silberknöpfe einer Militäruniform, polierte Konanüsse, mehrere große Haifischzähne, einige Stücke Perlmutt und polierte Abalonenschale und eine große Anzahl klimpernder Münzen, die mit Löchern versehen waren, um sie an einem Lederbändchen auffädeln zu können.
»Ich dachte, Ihr solltet das auf der Stelle sehen, Milord«, fuhr Fergus fort. Er streckte die Hand aus und hob eine der glänzenden Münzen hoch. Durch den zunehmenden Brandydunst konnte ich auf dem glänzenden Silber die Zwillingsköpfe des Alexander sehen. Eine Tetradrachme aus dem vierten Jahrhundert vor Christus. Zustand wie neu.
Durch und durch erschöpft von den Ereignissen des Nachmittags, war ich eingeschlafen, solange der Brandy die Schmerzen in meinem Arm noch betäubte. Jetzt war es dunkel, und die Wirkung des Brandys war verflogen. Mein Arm schien mit jedem Herzschlag pochend anzuschwellen, und bei der kleinsten Bewegung durchbohrten ihn schmerzhafte Stiche wie das warnende Zucken eines Skorpionstachels.
Der Mond war drei viertel voll, ein riesiger, asymmetrischer Umriss, der wie eine goldene Träne dicht über dem Horizont hing. Das Schiff drehte ein wenig bei, und der Mond glitt langsam aus dem Blickfeld, während sich der Mann im Mond mit einem unangenehmen Grinsen verabschiedete. Mir war heiß, und vermutlich fieberte ich auch schwach.
In einem Wandfach auf der anderen Seite der Kajüte stand ein Krug mit Wasser. Wackelig und benommen ließ ich die Füße über die Kante der Koje schwingen, und mein Arm protestierte ausdrücklich gegen die Störung. Ich muss ein Geräusch ausgestoßen haben, denn die Dunkelheit auf dem Kajütenboden bewegte sich plötzlich, und Jamies Stimme erklang verschlafen in der Gegend meiner Füße.
»Hast du Schmerzen, Sassenach?«