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Ferne Ufer: Roman (German Edition)

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Ferne Ufer: Roman (German Edition)
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Ich hatte solche Angst, dass ich nicht einmal schreien konnte. Es gab keinen Ausweg; ich konnte nichts tun. Ich presste meine Augen zu und hoffte nur, dass es schnell gehen würde.

Es ging schnell. Ich hörte eine Art dumpfen Schlag und ein scharfes Grunzen, und es roch kräftig nach Fisch.

Ich öffnete die Augen. Der Pirat war fort. Ping An saß einen knappen Meter vor mir auf der Saling, den Kamm wütend geschwollen, die Flügel halb ausgebreitet, um das Gleichgewicht zu halten.

»Gwa!«, sagte er gereizt. Er richtete sein gelbes Knopfauge auf mich und klapperte warnend mit dem Schnabel. Ping An hasste Aufruhr und Lärm. Portugiesische Piraten mochte er anscheinend genauso wenig.

Vor meinen Augen tanzten Flecken, und mir wurde schwindelig. Zitternd klammerte ich mich fest an das Seil, bis ich glaubte, mich wieder bewegen zu können. Der Lärm an Deck hatte jetzt nachgelassen, und der Tenor der Rufe hatte sich verändert. Irgendetwas war geschehen; ich hatte den Eindruck, dass es vorüber war.

Ich hörte ein neues Geräusch, plötzliches Segelklatschen und ein gedehntes Knirschen, dessen Vibration das Seil in meiner Hand wie eine Saite erklingen ließ. Es war vorbei; das Piratenschiff drehte ab. Auf der anderen Seite der Artemis sah ich, wie sich das Netz seiner Segel und Taue in Bewegung setzte, schwarz vor dem Silberhimmel der Karibik. Sehr, sehr langsam machte ich mich auf den langen Rückweg nach unten.

Die Laternen unten brannten noch. Über allem lag der Schwarzpulverrauch wie Nebel, und hier und dort lagen Menschen an Deck. Mein Blick huschte über sie hinweg, während ich mich in die Tiefe gleiten ließ, und ich suchte nach rotem Haar. Ich fand es, und mein Herz tat einen Satz.

Jamie saß neben dem Steuerrad auf einem Fass. Er hatte den Kopf in den Nacken gelegt, die Augen geschlossen, ein Tuch an seine Stirn gedrückt und einen Becher Whisky in der Hand. Mr. Willoughby kniete daneben und leistete Willie MacLeod, der leichenblass am Fockmast lehnte, Erste Hilfe – ebenfalls in Form von Whisky.

Ich zitterte am ganzen Körper vor Erschöpfung und von den Nachwehen des Schrecks. Mir war schwindelig und ein wenig kalt. Schock vermutlich, kein Wunder. Ich konnte auch einen Schluck von diesem Whisky brauchen.

Ich packte die dünneren Taue über der Reling und ließ mich den Rest des Weges auf das Deck rutschen, ohne etwas darum zu geben, dass ich mir die Handflächen wund scheuerte. Ich schwitzte und fror zur selben Zeit, und die Härchen in meinem Gesicht kribbelten unangenehm.

Ich landete mit einem ungeschickten Plumps, der Jamie auffahren und die Augen öffnen ließ. Ihr erleichterter Ausdruck zog mich das letzte Stück zu ihm hin. Ich fühlte mich besser mit der Wärme seiner Schulter unter meiner Hand.

»Geht es dir gut?«, fragte ich und beugte mich über ihn, um nachzusehen.

»Aye, nur eine kleine Beule«, sagte er und blickte lächelnd zu mir auf. Er hatte einen kleinen Riss am Haaransatz, wo ihn anscheinend der Kolben einer Pistole getroffen hatte, doch das Blut war schon geronnen. Er hatte dunkle, fast trockene Blutflecken auf der Vorderseite seines Hemds, doch sein Ärmel war ebenfalls blutig. Er triefte sogar vor frischem, leuchtendem Rot.

»Jamie!« Ich klammerte mich an seine Schultern, und die Ränder meines Gesichtsfelds wurden weiß. »Es geht dir nicht gut – sieh nur, du blutest!«

Meine Hände und Füße waren taub, und ich spürte kaum, wie seine Hände meine Arme packten, als er sich plötzlich erschrocken von dem Fass erhob. Das Letzte, was ich unter den gleißenden Blitzen sah, war sein Gesicht, das unter der Sonnenbräune weiß geworden war.

»Mein Gott!«, sagte seine verängstigte Stimme irgendwo in der wirbelnden Schwärze. »Das ist nicht mein Blut, Sassenach, es ist deins!«

»Ich werde nicht sterben«, sagte ich gereizt, »außer vielleicht an Überhitzung. Nehmt dieses verdammte Zeug da weg!«

Marsali, die mich tränenreich angefleht hatte, bitte mein Leben nicht auszuhauchen, wirkte sehr erleichtert über diesen Ausbruch. Sie hörte auf zu weinen und schniefte hoffnungsvoll, machte aber keine Anstalten, einen der Umhänge, Jacken, Decken und anderen Gegenstände zu entfernen, in die ich eingewickelt war.

»Oh, das geht auf keinen Fall, Mutter Claire!«, sagte sie. »Pa sagt, wir müssen dich warm halten!«

»Warm? Ich werde lebendig gekocht!« Ich lag in der Kapitänskajüte, und obwohl die Fenster weit offen standen, war die Atmosphäre unter Deck erstickend, von der Sonne aufgeheizt und vom Gestank der Fracht verätzt.

Ich versuchte, mich unter dem Deckenberg aufzukämpfen, kam aber nur ein paar Zentimeter weit, ehe ein Blitzschlag meinen rechten Arm durchfuhr. Die Welt wurde dunkel, und kleine helle Funken rasten im Zickzack durch mein Gesichtsfeld.

»Hinlegen«, drang eine strenge schottische Stimme durch die Welle aus Schwindelgefühl und Übelkeit zu mir. Ein Arm lag unter meinen Schultern, und eine große Hand umfasste meinen Kopf. »So ist es gut, leg dich auf meinen Arm zurück. Besser jetzt, Sassenach?«

»Nein«, sagte ich und betrachtete die bunten Feuerräder im Inneren meiner Augenlider. »Ich muss mich übergeben.«

Gesagt, getan, und es war furchtbar unangenehm, denn bei jedem Würgekrampf stachen mich heiße Messer in den rechten Arm.

»Jesus H. Roosevelt Christ«, sagte ich schließlich keuchend.

»Fertig, ja?« Jamie ließ mich vorsichtig zurücksinken und legte meinen Kopf auf das Kissen.

»Wenn du damit meinst, ob ich tot bin, lautet die Antwort unglücklicherweise nein.« Ich öffnete ein Augenlid einen Spaltbreit und sah ihn neben meiner Koje knien. Mit dem blutigen Stoffstreifen um den Kopf und dem blutgetränkten Hemd sah er selbst wie ein Pirat aus.

Er wankte nicht; die Kajüte wankte nicht, also schlug ich vorsichtig das andere Auge auf. Er lächelte mich schwach an.

»Nein, du bist nicht tot; Fergus wird sich freuen, das zu hören.«

Wie auf ein Signal steckte der Franzose nervös den Kopf in die Kajüte. Als er sah, dass ich wach war, brach sein Gesicht in ein strahlendes Lächeln aus und verschwand. Ich konnte oben hören, wie seine Stimme die Besatzung von meinem Überleben in Kenntnis setzte. Zu meiner großen Verlegenheit wurde diese Neuigkeit an Deck mit einem lauten Begeisterungschor aufgenommen.

»Was ist passiert?«, fragte ich.

»Was passiert ist?« Jamie, der gerade Wasser in einen Becher goss, hielt inne und starrte mich über den Rand hinweg an. Er kniete sich wieder neben mich, prustete und hob meinen Kopf, damit ich einen Schluck Wasser trinken konnte.

»Was ist passiert, sagt sie! Aye, was eigentlich? Ich sage dir, du sollst schön mit Marsali unten bleiben, und im nächsten Moment kommst du vom Himmel gepurzelt und landest blutüberströmt zu meinen Füßen!«

Er schob sein Gesicht zu mir in die Koje und funkelte mich an. So imposant seine Erscheinung glatt rasiert und unverletzt sein mochte – stoppelbärtig, blutig, wütend und noch dazu aus zwanzig Zentimetern Entfernung war sie noch um einiges eindrucksvoller. Ich schloss prompt die Augen wieder.

»Sieh mich an!«, sagte er energisch, und ich tat es, obwohl ich wusste, dass es ein Fehler war.

Blaue Schlitzaugen bohrten sich wütend in die meinen.

»Weißt du, dass du um ein verdammtes Haar gestorben wärst?«, wollte er wissen. »Du bist von der Achsel bis zum Ellbogen bis auf die Knochen aufgeschlitzt, und wenn ich dir nicht rechtzeitig ein Tuch um den Arm gewickelt hätte, wärst du jetzt Haifischfutter!«

Seine große Faust krachte neben mir an die Wand der Koje, und ich fuhr zusammen. Die Bewegung schmerzte meinen Arm, doch ich tat keinen Mucks.

»Verdammtes Weibsbild! Wirst du denn niemals tun, was man dir sagt?«

»Vermutlich nicht«, sagte ich kleinlaut.

Er bedachte mich mit einem finsteren Blick, doch ich konnte seinen Mundwinkel unter den Kupferstoppeln zucken sehen.

»Gott«, sagte er sehnsuchtsvoll. »Was würde ich darum geben, dich bäuchlings über eine Kanone zu binden und ein Stück Seil in der Hand zu haben.« Wieder prustete er und zog das Gesicht aus der Koje.

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