Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Krieg und Frieden - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Krieg und Frieden
1 ... 238 239 240 241 242 243 244 245 246 ... 486
Перейти на страницу:

»Wenn er ein ehrenhafter Mensch wäre, so müßte er entweder seine Absicht offen kundtun oder darauf verzichten, mit dir weiter zusammenzukommen; und was ich tun werde, wenn du es nicht selbst tun willst, ist dies: ich werde an ihn schreiben und werde es deinem Papa sagen«, erklärte Sonja in entschlossenem Ton.

»Aber ich kann ohne ihn nicht leben!« rief Natascha.

»Natascha, ich verstehe dich gar nicht. Was redest du nur! So denke doch an deinen Vater und an Nikolai!«

»Ich will von niemandem etwas wissen; ich liebe niemand als ihn. Wie darfst du sagen, er sei unehrenhaft? Weißt du denn nicht, daß ich ihn liebe?« rief Natascha. »Geh hinaus, Sonja! Ich möchte mich mit dir nicht überwerfen, geh hinaus, um Gottes willen, geh hinaus; du siehst, wie schwer ich leide!« rief Natascha gereizt, obwohl sie sich bemühte, ihren zornigen, verzweiflungsvollen Ton zu mäßigen. Aufschluchzend stürzte Sonja aus dem Zimmer hinaus.

Natascha setzte sich an den Schreibtisch, und ohne auch nur einen Augenblick zu überlegen, schrieb sie an Prinzessin Marja jenen Antwortbrief, den sie den ganzen Vormittag über nicht hatte schreiben können. In diesem Brief teilte sie der Prinzessin Marja kurz mit, alle Mißverständnisse zwischen ihnen seien beendet; sie wolle von der hochherzigen Erlaubnis des Fürsten Andrei Gebrauch machen, der ihr bei seiner Abreise volle Freiheit zu handeln gelassen habe, und bitte sie, alles Vorgefallene zu vergessen und ihr zu verzeihen, wenn sie ihr ein Unrecht zugefügt habe; aber sie könne nicht die Frau des Fürsten Andrei werden. Alles dies erschien ihr in diesem Augenblick so leicht und einfach und klar.

Auf den Freitag war die Heimreise der Rostows nach ihrem Gut angesetzt; am Mittwoch aber fuhr der Graf mit einem Käufer nach seinem Landhaus in der Nähe der Stadt.

Für den Tag, an dem der Graf abreiste, waren Sonja und Natascha zu einem großen Diner bei Karagins eingeladen, und Marja Dmitrijewna begleitete sie. Bei diesem Diner traf Natascha wieder mit Anatol zusammen, und Sonja bemerkte, daß Natascha einmal mit ihm redete und sich dabei bemühte, von andern nicht gehört zu werden, und daß sie während des ganzen Diners noch aufgeregter war als vorher. Als sie nach Hause zurückgekehrt waren, begann Natascha von selbst ihrer Freundin die Eröffnung zu machen, welche diese erwartete.

»Siehst du wohl, Sonja, du hast allerlei törichtes Zeug über ihn gesagt«, begann Natascha in sanftem Ton, in dem Ton, in dem Kinder reden, wenn sie gern gelobt werden möchten. »Wir haben uns heute miteinander ausgesprochen.«

»Nun, wie steht es denn also? Was hat er gesagt? Wie freue ich mich, Natascha, daß du nicht auf mich böse bist! Sage mir alles, die ganze Wahrheit. Was hat er gesagt?«

Natascha überließ sich einen Augenblick ihren Gedanken.

»Ach, Sonja, wenn du ihn so kenntest, wie ich ihn kenne! Er sagte … Er fragte mich, in welcher Form ich mit Bolkonski verlobt wäre, und freute sich, als er hörte, daß es von mir abhinge, wieder zurückzutreten.«

Sonja stieß einen traurigen Seufzer aus.

»Aber du hast doch an Bolkonski keine Absage geschickt?« sagte sie.

»Vielleicht habe ich es wirklich getan! Vielleicht ist mit Bolkonski alles zu Ende. Warum denkst du, daß meine Handlungsweise schlecht ist?«

»Ich denke gar nichts; ich verstehe nur nicht …«

»Warte, Sonja, du wirst alles verstehen. Du wirst sehen, was er für ein Mann ist. Denke nichts Schlechtes, weder von mir noch von ihm.«

»Ich denke von niemandem Schlechtes; ich habe euch alle lieb und bin betrübt, wenn euch Schlimmes begegnet. Aber was soll ich tun?«

Sonja ging nicht auf den zärtlichen Ton ein, in welchem Natascha zu ihr redete. Je weicher und schmeichelnder Nataschas Miene war, um so ernster und strenger wurde Sonjas Gesichtsausdruck.

»Natascha«, sagte sie, »du hast mich gebeten, nicht mit dir darüber zu sprechen, und ich habe es auch nicht getan; jetzt hast du selbst davon angefangen. Natascha, ich traue ihm nicht. Wozu diese Heimlichkeit?«

»Also doch wieder, doch wieder!« unterbrach Natascha sie.

»Natascha, ich ängstige mich um dich.«

»Was fürchtest du denn?«

»Ich fürchte, daß du dich ins Verderben stürzest«, antwortete Sonja in festem Ton und erschrak selbst über das, was sie gesagt hatte.

Nataschas Gesicht nahm wieder einen zornigen Ausdruck an.

»Nun, wenn ich mich denn in mein Verderben stürze, dann will ich es so schnell wie möglich tun. Das ist nicht eure Sache. Den Schaden davon werdet nicht ihr haben, sondern ich. Laß mich, laß mich. Ich hasse dich!«

»Natascha!« rief Sonja erschrocken.

»Ich hasse dich, ich hasse dich! Du bist fürs ganze Leben meine Feindin!«

Natascha lief aus dem Zimmer.

Natascha sprach nicht mehr mit Sonja und wich ihr aus. Sie ging, immer mit dem gleichen Ausdruck aufgeregten Staunens und bedrückenden Schuldbewußtseins, durch die Zimmer und griff bald nach dieser, bald nach jener Beschäftigung, um sie sofort wieder hinzuwerfen.

So schwer es Sonja auch wurde, so beobachtete sie doch ihre Freundin fortwährend, ohne ein Auge von ihr zu wenden.

An dem Tag, der demjenigen vorausging, an welchem der Graf zurückerwartet wurde, bemerkte Sonja, daß Natascha den ganzen Vormittag über im Salon am Fenster saß, als ob sie auf etwas wartete, und daß sie einem vorbeireitenden Offizier, in welchem Sonja Anatol zu erkennen glaubte, ein Zeichen machte.

Sonja begann, ihre Freundin noch schärfer zu beobachten, und bemerkte, daß Natascha während des ganzen Mittagessens und Abends sich in einem seltsamen, unnatürlichen Gemütszustand befand: sie gab auf Fragen, die an sie gerichtet wurden, schiefe Antworten, begann Sätze, ohne sie zu Ende zu sprechen, und lachte über alles.

Nach dem Tee sah Sonja, daß ein verlegenes Stubenmädchen an Nataschas Tür auf diese wartete. Sonja ließ beide unbehelligt hineingehen, horchte dann aber an der Tür und vernahm, daß wieder ein Brief abgegeben wurde.

Und plötzlich wurde es ihr klar, daß Natascha irgendeinen furchtbaren Plan für den heutigen Abend vorhatte. Sonja klopfte bei ihr an; aber Natascha ließ sie nicht ein.

»Sie will mit ihm fliehen!« dachte Sonja. »Sie ist zu allem fähig. Heute hatte ihr Gesicht einen besonders trüben, entschlossenen Ausdruck. Und als sie gestern von dem Onkel Abschied nahm, brach sie in Tränen aus«, erinnerte sich Sonja. »Ja, es ist sicher, sie will mit ihm fliehen – aber was soll ich tun?« dachte Sonja, die sich jetzt alle Anzeichen ins Gedächtnis zurückrief, aus denen deutlich hervorging, daß Natascha irgend etwas Schreckliches vorhaben müsse. »Der Onkel ist nicht da. Was soll ich tun: an Kuragin schreiben und von ihm eine Erklärung verlangen? Aber wer zwingt ihn, zu antworten? Oder soll ich an Pierre schreiben, wie mir das Fürst Andrei im Fall eines Unglücks aufgetragen hat …? Aber vielleicht hat sie dem Fürsten Andrei wirklich schon eine Absage geschrieben (sie hat gestern einen Brief an Prinzessin Marja abgeschickt) …« Es Marja Dmitrijewna zu sagen, die so große Stücke von Natascha hielt, das war für Sonja ein gar zu schrecklicher Gedanke. »Aber ob nun so oder anders«, dachte Sonja, während sie auf dem dunklen Korridor stand, »jetzt oder nie ist der Augenblick gekommen, wo ich zeigen muß, daß ich die von der Familie empfangenen Wohltaten in dankbarem Gedächtnis bewahre und Nikolai liebe. Nein, und wenn ich drei Nächte lang nicht schlafen sollte, ich weiche nicht aus diesem Korridor und hindere sie mit Gewalt und dulde nicht, daß Schande über die Familie gebracht werde.«

XVI

Anatol war vor einiger Zeit zu Dolochow übergesiedelt. Der Plan, die Komtesse Rostowa zu entführen, war schon vor einigen Tagen von Dolochow entworfen und vorbereitet worden, und an dem Tag, als Sonja an Nataschas Tür gelauscht und beschlossen hatte, ihre Freundin zu überwachen, sollte dieser Plan zur Ausführung gebracht werden. Natascha hatte versprochen, um zehn Uhr zu Kuragin an die Hintertür hinauszukommen. Kuragin sollte sie in einen bereitstehenden dreispännigen Schlitten setzen und mit ihr sechzig Werst weg von Moskau nach dem Dorf Kamenka fahren, wo ein abgesetzter Pope bereitstand, der sie beide trauen sollte. In Kamenka waren Relaispferde bestellt, mit denen sie an die Warschauer Chaussee fahren wollten, und von dort wollten sie sich mit Postpferden so schnell wie möglich ins Ausland begeben.

1 ... 238 239 240 241 242 243 244 245 246 ... 486
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)