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Ein Kampf um Rom

Электронная книга - «Ein Kampf um Rom». Краткое содержание книги:

Dahn erzählt vom Kampf und vom Untergang der Ostgoten in Italien nach dem Tode des großen Theoderich von Ravenna. Wir erleben das Ringen um die Macht, hören von den Ostgotenkönigen Witiches und Totila bis zu dem denkwürdigen letzten Kampf der Goten unter Teja am Vesuv.
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Erst heute hat er mir gesagt, er trage nicht länger dies ruhmund ehrlose Leben in meinen Frauengemächern: - Himmel und Erde riefen ihn hinweg. Er soll es büßen - mit ihr -! Komm, Cethegus», sprach sie grimmig, seinen Arm ergreifend, «wir wollen sie beide verderben.»

«Du vergißt», sagte Cethegus kalt, «ich habe keinen Grund, sie oder ihn zu hassen. Was ich also hierin tue, tue ich um deinetwillen.»

«Doch nicht, du kluger, eisiger Römer. Glaubst du, ich durchschaue dich nicht?»

«Hoffentlich nicht», dachte Cethegus.

«Du willst Belisar fernhalten von Italien. Allein willst du dort kriegen und siegen. Höchstens einen Schatten neben dir haben, wie Bessas war und Areobindos sein wird. Meinst du, ich habe das nicht durchschaut, als du damals vor Ravenna die Abberufung Belisars so meisterhaft eingefädelt hast? Sorge um Justinian! Was liegt dir an Justinian!»

Cethegus pochte das Herz.

«Freiheit Roms! Zum Lachen! Du weißt, daß nur starke, einfache Männer die Freiheit ertragen. Du kennst deine Quiriten. Nein, dein Ziel liegt höher.»

«Sollte dies Weib durchschauen, was alle meine Feinde und Freunde nicht geahnt?» bangte Cethegus.

«Du willst Italien allein befreit haben und allein als Justinians Statthalter Italien regieren, der nächste an seinem Thron, hoch über Belisar und Narses, der nächste nach Theodora: und, gäb es Höheres, du wärst der Geist, danach zu fliegen.»

Cethegus atmete auf. «Das wäre doch nicht all der Mühe wert», dachte er.

«Oh, es ist ein stolzes Gefühl, der erste Diener Justinians zu sein.»

«Natürlich, über ihren Mann hinaus, ob sie ihn täglich verrät, vermag sie nicht zu denken.»

«Und, als der Gehilfe Theodoras, ihn, den Kaiser, - zu regieren.»

«Die Schmeichelluft dieses Hofes betäubt zuletzt auch den hellsten Verstand», dachte Cethegus. «Das ist der Wahnsinn des

Purpurs. Sie kann sich selber nur als Allbeherrscherin denken.»

«Ja, Cethegus, keinem andern gönnt' ich es, solches nur zu denken. Dir will ich's erringen helfen: - mit dir will ich die Herrschaft der Welt teilen: - Vielleicht nur um törichter Jugenderinnerungen willen: weißt du noch, wie wir vor Jahren zwei Kissen verteilten in meiner kleinen Villa? Wir nannten sie Orient und Okzident. Das war ein Omen. So laß uns jetzt Orient und Okzident verteilen. Durch meinen Justinian beherrsch' ich den Orient. Durch meinen Cethegus will ich den Okzident beherrschen.»

«Hochmütig, unersättlich Weib!» dachte Cethegus. «Wäre mir nur Mataswintha nicht gestorben, die jungfräuliche. Sie an diesem Hof - und du versankst.»

«Aber dazu», fuhr Theodora fort, «muß erst Belisar für immer aus dem Wege. Justinian war entschlossen, ihn abermals, und zwar als deinen Oberfeldherrn, zu senden.»

Cethegus furchte die Brauen. -

«Er vertraut immer wieder seiner hündischen Treue. Er muß von seiner Untreue greifbar überzeugt werden.»

«Das wird schwerhalten», meinte Cethegus. «Eher lernt Theodora die Treue, als Belisar die Untreue.» Ein Schlag der kleinen Hand auf den Mund war seine Strafe.

«Dir bin ich, törichterweise, treu geblieben, - d. h. im Wohlwollen. Willst du Belisar wieder in Italien haben?»

«Um keinen Preis.»

«Dann hilf, ihn verderben samt dem Sohn des Boethius.» -«Sei's», sagte der Präfekt. «Ich habe keinen Grund, den Bruder des Severinus zu schonen. Aber wie? Wie willst du den Beweis von Belisars Untreue führen? Darauf bin ich gespannt. Wenn du das vermagst, erkläre ich mich, wie im Lieben und Hassen, so im Planen einen Stümper gegen Theodora.»

«Das bist du auch, schwerfälliger Sohn von Latium.

Nun höre: aber das ist so gefährlich, daß ich selbst dich, Galatea, bitten muß, Wache zu stehen, daß niemand kommt und lauscht. Nein, Goldmütterchen, nicht innerhalb, - ich bitte recht schön: außerhalb der Türe. - Laß mich nur allein mit dem Präfekten - es gilt - leider! - nur ein Geheimnis des Hasses.»

Als nach geraumer Zeit der Präfekt das Gemach verließ, sagte er zu sich selber: «Wenn dieses Weib ein Mann wäre, - der müßte mir sterben. - Er wäre gefährlicher als die Barbaren, samt Byzanz. Aber dann freilich, dann wäre die Bosheit nicht so unergründlich teuflisch.»

Zwölftes Kapitel

Bald nachdem der Präfekt nach Haus gekommen, meldete Syphax den Sohn des Boethius: die Kaiserin sende ihn.

«Laß ihn ein und niemand sonst, bis er fort ist. Einstweilen aber schicke schleunigst nach Piso, dem Tribun.»

Der junge Anicius, einstweilen zum Mann herangereift, trat ein. Er trug einfache Kleidung, und sein Haar, sonst künstlich gelockt und gesalbt, hing heute schlicht herab. Seine weichen Züge - sie erinnerten den Präfekten lebhaft an Kamilla -gewannen sehr durch den Ausdruck von Entschlossenheit, der heute darauf ruhte.

«Du mahnst mich an deine schöne Schwester, Anicius», mit diesen Worten empfing ihn der Präfekt.

«Ihretwegen, Cethegus, bin ich gekommen», sprach der Jüngling ernst. «Du bist der älteste Freund meines Vaters, meines Hauses. Du hast mich und Severinus in deinem eignen Hause geborgen gehalten und, mit Gefahr für dich selbst, geflüchtet, als man nach uns forschte. Du bist der einzige in Byzanz, von dem ich väterliche n Rat in einer dunkeln Pflicht erbitten kann. Erst vor wenigen Tagen erhielt ich diesen rätselhaften Brief.»

«Anicius, dem Sohne meines Patronus, Corbulo, der Freigelassene... -»

«Corbulo? Ich kenne den Namen.»

«Der Freigelassene meines Vaters, bei welchem meine Mutter und Schwester Zuflucht gefunden, und der... -»

«Mit deinem Bruder vor Rom gefallen ist.»

«Ja, aber er starb erst im gotischen Lager, wohin er, selbst schwerverwundet, mit meinem sterbenden Bruder aus dem Dorf ad aras Bacchi, gefangen gebracht wurde. So erzählt mir ein mitgefangener armenischer Söldner Belisars, Sutas, der mir den Brief überbrachte, den Corbulo nicht mehr vollenden konnte.

Lies selbst.»

Und Cethegus nahm das kleine Wachstäfelchen mit den kaum leserlichen Zügen und las: «Das letzte Wort, das Vermächtnis deines sterbenden Bruders war: Anicius soll nun rächen die Mutter, die Schwester, mich: uns alle hat derselbe Dämon unseres Hauses... - -»

«Hier endet leider der Brief», sagte Cethegus, Anicius die Tafel zurückgebend.

«Ja, dem treuen Corbulo vergingen die Sinne, und er erwachte nicht mehr aus seiner Ohnmacht, sagt der Söldner.»

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