Die Gebrüder Kip
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Морские приключения
Электронная книга - «Die Gebrüder Kip». Краткое содержание книги:
- Dann müßte der Mann wenigstens sehr alt sein, antwortete der Kapitän, denn die Auflassung der Anstalt erfolgte 1842, und wenn er sich schon damals darin befand, wäre er jetzt, wo wir 1885 schreiben, gewiß schon ein hoher Siebziger!
- Das ist ja richtig, Gibson. Ich komme auch mehr und mehr auf den Gedanken, daß Schiffbrüchige von der holländischen Goelette nach der Insel Norfolk verschlagen sein könnten, wenn sich Nat nicht überhaupt getäuscht hat.
- Nein nein. das nicht! versicherte der junge Mann.
- Dann müßten sich die armen Leute, fuhr Hawkins fort, dort etwa seit vierzehn Tagen befinden, denn wahrscheinlich hat der Schiffsunfall nicht früher stattgefunden.
- Jawohl, wenigstens nach dem, was uns der Kapitän der 'Assomption' mitgeteilt hat, antwortete Gibson. Morgen wollen wir auch alles versuchen, was sich hierbei tun läßt. Befindet sich, woran Nat ja nicht zweifelt, ein Mann an diesem Teile der Küste, so wird er, wenn es wieder hell wird, gewiß noch einmal Umschau halten, und mit den Fernrohren werden wir ihn trotz der Entfernung erkennen können.
- Ich muß Ihnen aber wiederholen, Herr Kapitän, fiel der Bootsmann ein, wenn sich in der Nacht noch Wind erhöbe, wär' es doch wohl ratsamer.
- Ob wir Wind bekommen oder nicht, Balt, der 'JamesCook' bleibt vorläufigverankert, und wir segeln nicht eher ab, ehe nicht ein Boot hinausgegangen ist, die Sachlage zu untersuchen. Ich gehe von der Insel Norfolk nicht weg, ohne die Umgebung der Nordostspitze abgesucht zu haben, wenn uns das auch vierundzwanzig Stunden kostete.
- Das ist recht, Vater; ich bin auch überzeugt, daß dieser Tag kein verlorener sein wird.
- Ist das nicht auch deine Ansicht, Hawkins? fragte der Kapitän, sich dem Reeder zuwendend.
- Vollständig,« erklärte Hawkins.
Gibson war ja wegen seines Entschlusses nicht einmal zu rühmen, denn mit dem, was er vor hatte, erfüllte er nur seine einfache Menschenpflicht.
Nach dem Vorderdeck zurückgekehrt, erhielt Vin Mod von Flig Balt Mitteilung von dem, was hier eben besprochen und beschlossen worden war. Dem Matrosen paßte das natürlich ebensowenig wie dem Bootsmanne. Immerhin konnte Nat Gibson sich dennoch getäuscht haben. Vielleicht hatte sich keiner von den Schiffbrüchigen der »Wilhelmina« auf diese Küste gerettet. Jedenfalls sollte man ja binnen zwölf Stunden darüber Klarheit haben.
Die Nacht, es war eben Neumond, wurde sehr dunkel. Ein Nebelschleier in den höheren Luftschichten verdeckte alle Sterne Im Westen war jedoch das Land als eine noch etwas dunklere Masse undeutlich sichtbar.
Gegen neun Uhr brachte eine leichte Brise dann und wann ein Anklatschen des Wassers am »James-Cook« hervor, der sich um ein Viertel vor seinem Anker drehte. Mit diesem aus Südwesten kommenden Winde wär' es ja möglich gewesen, nach Norden zu zu segeln. Der Kapitän beharrte indes bei seinem Beschlusse und die Brigg blieb also vor Anker liegen.
Übrigens handelte es sich nur um einen zeitweiligen Windhauch, der den Gipfel des Mount-Pitt streifte, und das Meer glättete sich stets bald von neuem.
Hawkins saß nebst Gibson und dessen Sohne auf dem Hinterdeck. Sie waren noch nicht in ihre Kabinen gegangen, um die nach der Hitze des Tages doppelt erquickende, frische Nachtluft zu genießen.
Es mochte fünfundzwanzig Minuten nach neun Uhr sein, als Nat Gibson sich erhebend nach der Küste hinausspähte, während er sich dem Backbord näherte.
»Ein Feuer! rief er plötzlich. Da draußen lodert ein Feuer!
- Wie. ein Feuer? wiederholte der Reeder.
- Ja, Herr Hawkins.
- Und in welcher Richtung?
- In der des Felsblockes, wo ich den Mann gesehen habe.
- Ja, wirklich, bestätigte der Kapitän.
- Da wäre ja der Beweis, daß ich mich nicht getäuscht hatte!« sagte Nat Gibson mit einer gewissen Befriedigung.
An der bezeichneten Stelle flackerte ein Feuer, ein Holzfeuer, dessen hohe Flammen in einem dicken Rauchwirbel emporloderten.
»Gibson, ließ sich Hawkins vernehmen, das ist ein Zeichen, das uns gilt.
- Ohne Zweifel! bestätigte der Kapitän. Auf der Insel befinden sich Verunglückte!«
Ob nun Schiffbrüchige oder andere, jedenfalls menschliche Wesen, die Hilfe verlangten. Welche Angst mußten sie ausgestanden und welche Furcht empfunden haben, daß die Brigg schon die Anker gelichtet haben könnte!
Jetzt galt es deshalb, sie zu beruhigen, was sofort geschehen sollte.
»Nat, sagte der Kapitän, hole dein Gewehr und beantworte das Signal.«
Der junge Mann begab sich nach dem Deckhause und kam mit einem Karabiner in der Hand wieder heraus.
Drei Schüsse krachten. rollend tönte das Echo vom Ufergelände zum »James-Cook« zurück.
Gleichzeitig schwenkte ein Matrose dreimal eine Fackel, die am Top des Fockmastes befestigt wurde.
Jetzt war also nur noch das Grauen des Tages abzuwarten, dann sollte sich der »James-Cook« mit dem Landvorsprünge der Insel in Verbindung setzen.
Siebentes Kapitel.
Die beiden Brüder
Zur Zeit des Morgenrotes verhüllte ein ziemlich dicker Nebel den Horizont im Westen. Vom Ufer der Insel Norfolk waren kaum die Umrisse der Felsen zu erkennen. Diese Dünste mußten ja voraussichtlich bald verschwinden. Über der Nebelschicht sah man schon den Gipfel des Mount-Pitt in Sonnenlicht gebadet.
Der oder die Schiffbrüchigen konnten jetzt übrigens nicht mehr so beunruhigt sein; denn obwohl die Brigg augenblicklich für sie unsichtbar war, hatten sie gestern Abend doch sicherlich die Antwort auf ihr Signal gehört und verstanden. Das Schiff konnte seinen Ankerplatz also wohl nicht verlassen haben, und binnen einer Stunde sollte ja wirklich ein Boot ans Land geschickt werden.
Bevor ein solches jedoch flott gemacht wurde, wollte Gibson mit gutem Grunde warten, bis die Landspitze nebelfrei wäre. Von da hatte ja der Feuerschein herübergeleuchtet und da hatten sich die Verlassenen. gezeigt, die den Beistand des »James-Cook« erflehten. Offenbar verfügten sie nicht einmal über eine Pirogue, denn sonst wären sie doch wohl schon selbst an Bord gekommen.
Allmählich erwachte eine Brise aus Südosten. Einige an der Linie zwischen Himmel und Wasser lagernde Wolken deuteten darauf hin, daß sie noch am Morgen auffrischen werde. Ohne die Veranlassung, die ihn jetzt vor Anker zurückhielt, hätte Gibson Befehl gegeben, abzusegeln.
Etwas vor sieben Uhr kam der Fuß der Korallenbank, längs der eine weißliche Brandung aufschäumte, deutlicher zum Vorschein. Die Dunstmassen wälzten sich eine nach der anderen weiter, und die Landspitze tauchte klar sichtbar heraus.