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Der Graf von Sainte-Hermine

Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:

Hector de Sainte-Hermine sitzt zwischen den Stühlen: Er hat geschworen, seine Familie zu rächen, die von der Französischen Revolution ausgelöscht wurde, doch irgendwie begeistert ihn dieser Napoleon Bonaparte auch, der Frankreich nun mit großem Enthusiasmus regiert. Seine Zerrissenheit führt ihn in die entlegensten Ecken der Welt, als Freibeuter, Abenteurer und schließlich als Waffengefährte Napoleons in die Schlacht von Trafalgar. Der letzte und unvollendete Roman von Alexandre Dumas wartet mit allem auf, was man vom Großmeister der Mantel-und-Degen-Geschichten erwartet: Rasante Kampfszenarien und romantisch-sehnsüchtigen Liebesgeschichten wechseln sich ab mit politischen und philosophischen Ausführungen. Erst 1990 wurde die Manuskripte des als Fortsetzungsroman angelegten Buchs entdeckt, der französische Forscher Claude Schopp puzzelte die Einzelteile zusammen. Er versah die Erzählung dann auch mit einem Anhang, der dem scheinbar auf ewig unvollendeten Roman doch noch ein würdiges Ende setzt. Spannender Lesestoff, der bald verfilmt werden dürfte - wahrscheinlich mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle.
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
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Diese Arena umfasste zweieinhalbtausend Jahre Erinnerungen und war zwanzig Jahrhunderte lang Dreh- und Angelpunkt der Weltgeschichte gewesen, zu Zeiten der Republik wie zu Zeiten der Päpste.

Die Pferde hatten verschnauft, und weiter ging es.

Auf Höhe des Grabmals der Horatier zweigte zur Rechten ein kleiner Pfad ab; mitten in dem rötlichen und fahlroten Gras, das die römische Campagna wie ein Löwenfell bedeckt, hatte dieser kaum sichtbare Pfad, der immer wieder in den Wellen der Hügel verschwand, dank seiner Nützlichkeit für Fußgänger als Abkürzung der Straße von Rom nach Velletri die Jahrhunderte überdauert.

»Sehen Sie diesen Weg?«, sagte der Jüngere der Reisenden, der zum Cicerone seines Reisegefährten geworden war, denn dieser seufzte inzwischen vor Ungeduld, wenn jener seine Erzählung unterbrach. »Höchstwahrscheinlich kamen die zwei Gladiatoren des Milo diesen Weg entlang, nachdem sie dessen Sänfte verlassen hatten, der sie zusammen mit einem Dutzend Kameraden als Eskorte dienten, um auf der Ebene Clodius zu überfallen, der sich dort mit Erntearbeitern unterhielt. Clodius wurde mit einem Speerhieb verwundet, der unter der linken Brust eindrang und an der Schulter austrat; er flüchtete sich in diese Ruinen, die früher ein Bauernhof waren, die Gladiatoren verfolgten ihn, fanden ihn in einem Ofen, in dem er sich versteckt hatte, erschlugen ihn und warfen seinen Leichnam auf die Landstraße.«

»Aber erklären Sie mir«, sagte der Husarenoffizier, »wieso Clodius sich so großen Einfluss auf die Römer bewahren konnte, obwohl er fast ruiniert und völlig verschuldet war.«

»Das ist leicht zu erklären: Zunächst einmal war er so schön, dass seine Mitbürger ihm den Beinamen Pulcher gegeben hatten; Sie wissen, welch große Rolle die Schönheit im Altertum spielte; seine Niederlage im Kampf gegen den Gladiator Spartakus, als dieser aus Capua floh, konnte seiner Beliebtheit nichts anhaben, und diese Beliebtheit förderten nach Kräften seine vier Schwestern, deren eine den Konsul Metellus Celer geehelicht hatte, die zweite den Redner Hortensius, die dritte den Bankier Lucullus, und deren vierte Lesbia war, die Geliebte des Dichters Catull. Böse Zungen in Rom behaupteten allerdings, Clodius sei der Liebhaber seiner vier Schwestern gewesen, und wir wissen, dass der Inzest in den letzten Tagen Roms überaus verbreitet war. Durch seine vier Schwestern hatte Clodius Zugriff auf die vier großen Machtbereiche unserer Welt: über die Frau des Metellus Celer war ihm die konsularische Macht zugänglich, durch die Frau des Hortensius stand ihm eine der wortmächtigsten Stimmen Roms zur Verfügung, durch die Frau des Lucullus stand ihm das Vermögen des reichsten Bankiers der Welt zur Verfügung, und durch Lesbia, die Mätresse Catulls, erlangte er das Ansehen, das Freundschaft und Verse eines großen Dichters ihm verschafften; zudem unterstützte ihn der reiche Crassus in der Voraussicht, eines Tages möglicherweise den Pöbel zu benötigen, über den Clodius gebot; Cäsar, dessen Laster er teilte, schmeichelte ihm und versuchte zugleich, ihm seine Frau abspenstig zu machen, und Pompejus hielt große Stücke auf ihn, weil er die Legionen seines Schwagers Lucullus zugunsten des Pompejus aufgewiegelt hatte; selbst mit Cicero stand er auf gutem Fuß, denn dieser war in seine Schwester Lesbia verliebt und wäre gern ihr Liebhaber gewesen, wogegen Clodius nicht das Geringste einzuwenden hatte.

Diese Liebe wurde für Clodius zum Verhängnis. Ich sagte bereits, dass er der Liebhaber der Mussia war, Tochter des Pompejus und Ehefrau Cäsars. Um sich ungestört mit ihr zu treffen, schlich er sich in Frauenverkleidung in ihr Haus; wie Sie wissen, war bei diesen lesbischen Orgien die Gegenwart von Männern, ja sogar männlicher Tiere strengstens verboten. Eine Dienerin erkannte Clodius und verriet ihn; Mussia half ihm, durch Geheimgänge zu entfliehen, doch das Gerücht von seiner Anwesenheit war bereits in aller Munde, und ein beispielloser Skandal war die Folge.

Clodius wurde von einem Tribun des Religionsfrevels angeklagt und vor Gericht zitiert, doch Crassus sagte ihm, er solle sich keine Sorgen machen, denn er, Crassus, werde die Richter bestechen; und wahrhaftig kam er mit Geld und schönen Patrizierinnen, die sich für Clodius opferten, und er ging sogar so weit, für diese Götter des Rechts die Fabel von Jupiter und Ganymed nachzustellen; all das führte zu einem solchen Skandal, dass Seneca sagte: ›Das Vergehen des Clodius war weniger schuldhaft als dessen Sühne.‹<

Zu seiner Verteidigung hatte Clodius ein Alibi ersonnen: Er behauptete, am Tag vor dem Fest der Bona Dea tausend Meilen von Rom entfernt gewesen zu sein. Zu seinem Pech hatte Terentia, die Ehefrau des Cicero, die schrecklich eifersüchtig war und Ciceros Liebe zu Lesbia bemerkt hatte, ihren Ehemann am Tag der Geheimfeiern im Gespräch mit Clodius gesehen, und sie stellte Cicero vor eine Wahl, der er sich bei all seiner Gewandtheit nicht entziehen konnte: ›Entweder sind Sie in die Schwester des Clodius verliebt; dann werde ich wissen, was ich zu tun habe, und Sie werden nicht gegen ihn aussagen; oder Sie sind nicht in sie verliebt, und dann gibt es keinen Grund, warum Sie nicht gegen ihren Bruder aussagen sollten.‹<

Cicero fürchtete sich vor seiner Frau, und er sagte gegen Clodius aus. Das hat Clodius ihm nie verziehen; und daher rührt der Hass, der die Tumulte und Aufstände auslöste, die Rom mehr als ein Jahr lang erschütterten, und der erst ein Ende fand, als Milo Cicero den Dienst erwies, Clodius von seinen Tierfechtern erschlagen zu lassen.

Das Volk hielt seinem Abgott über den Tod hinaus die Treue, was selten genug vorkommt, und nachdem ein Senator den Kadaver gefunden und nach Rom zurückgebracht hatte, errichtete seine Ehefrau Fulvia ihm einen Scheiterhaufen, und das römische Volk nahm glühende Holzscheite und brannte ein ganzes Stadtviertel nieder.«

»Mein lieber Reisegefährte«, sagte der junge Offizier, »Sie sind eine wahre wandelnde Bibliothek, und es wird mir mein Lebtag lang zur Befriedigung gereichen, in Begleitung eines zweiten Varro gereist zu sein … Ha! Sehen Sie«, rief er und klatschte begeistert über die klassische Anspielung, die ihm gelungen war, in die Hände, »auch ich bin von der römischen Geschichte affiziert! Aber fahren Sie fort, fahren Sie fort. Was ist das hier für ein Grabmal? Nur zu gern würde ich Sie einmal bei einer Wissenslücke ertappen.«

»Da haben Sie eine schlechte Wahl getroffen«, sagte der Cicerone, »denn dieses Grab ist mir besonders vertraut. Es ist das Grab des Askanios, des Sohns des Äneas, der so unvorsichtig war, bei der Plünderung Trojas den Rockzipfel seiner Mutter loszulassen, so dass er sie nicht wiederfand, sondern nur seinen Vater, der den Großvater Anchises und die Hausgötter forttrug; das führte letztlich zur Gründung Roms, doch zur gleichen Zeit, ja fast gleichzeitig, floh merkwürdigerweise aus einem anderen Stadttor Telegonos, Sohn des Odysseus und Gründer Tusculums, dessen Grab keine zwei Meilen von hier entfernt liegt. In diesen zwei Männern, dem Griechen und dem Asiaten, Söhne feindlicher Rassen, hatten die entgegengesetzten Nationalitäten in Europa ihre Verkörperung gefunden: Sie waren Rivalen, ihre Völker waren Feinde; die Zweikämpfe der Väter vor Troja setzten sich in den Kämpfen ihrer Nachfahren vor Rom fort. Die zwei bedeutendsten Geschlechter Albas und Tusculums waren das der Julier, dem Cäsar entstammt, und das der Porcier, dem Cato entstammt. Sie wissen, welch schrecklichen Kampf diese zwei Männer führten; nach mehr als tausend Jahren Dauer fand der Kampf von Troja vor Utica sein Ende. Cäsar, der Nachkomme der Besiegten, rächte Hektor an Cato, dem Nachkommen der Sieger. Das Grab des Askanios war das erste Grabmal, wenn man von Neapel kam, und des letzte, wenn man von Rom kam.«

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