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Der Regenmörder

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Der Regenmörder
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„Wir fotografieren den Kopf, und Sie lassen dann hundert Abzüge davon machen, so schnell es nur geht."

Er selbst fuhr sofort mit dem ersten Abzug zu Mr. Yohiro in dessen Galerie und zeigte ihn ihm.

„Ist dies der Reporter, der da gestern zu Ihnen kam?"

„Ja, das ist der Mann."

Yamada sah auf die Uhr. Es war fünf Uhr nachmittags. Ein paar Stunden blieben ihm höchstens, bis es zu regnen anfing und damit Akikos Schicksal besiegelt war.

12. KAPITEL

Akiko war klar, daß ihr Schicksal besiegelt war. Sie saß gefesselt und geknebelt in dem stockfinsteren Wandschrank, ohne sich auch nur rühren zu können. Nicht einmal einen Fluchtversuch konnte sie unternehmen, weil der Würger ständig im Raum war.

Worauf wartet er denn nur? fragte sie sich. Sie wäre wohl noch mehr in Angst gewesen, wenn sie gewußt hätte, daß er nur auf den Regen wartete, um es dann zu tun. Es sollte nur wenige Stunden dauern, bis es regnete.

Inzwischen aber war eine gewaltige Suchaktion im Gange. Sekio Yamada hatte hundert Abzüge des Fotos von dem modellierten Würgerkopf machen und verteilen lassen. Uniformierte Polizei und Kriminalbeamte in Zivil durchkämmten systematisch die Straßen des Stadtviertels Whitechapel. Sie zeigten das Foto Bewohnern und Passanten in der Hoffnung, Hinweise zu bekommen, die zur Identifizierung des Mannes führten.

Yamada hatte eine Einsatzbesprechung mit Inspector West. „Wäre es nicht vielleicht besser", fragte West, „die Fotos in ganz London zu verteilen? Warum kaprizieren Sie sich allein auf Whitechapel?"

„Weil alle seine Opfer dort ermordet wurden, deshalb", beharrte Yamada. „Ich habe keinen Zweifel, daß er sie sich alle in Lebensmittelgeschäften in Whitechapel gesucht hat." Er war ungeduldig und wollte diese Besprechung schnellstens beenden, um sich wieder selbst nach Whitechapel begeben zu können. Der Gedanke, daß sich Akiko direkt in der Gewalt des Würgers befand und daß ihr etwas geschehen könne, war ihm unerträglich.

„Also gut", beschied ihn Inspector West schließlich. „Sie bekommen alle Leute; die Sie brauchen. Aber finden Sie ihn, bevor er weitermordet!" Die Suche ging weiter.

Sekio Yamada hatte das ganze Viertel in Bezirke unterteilt und für jeden eigene Leute eingewiesen.

Einer der Detectives kam in ein Kaufhaus und zeigte dem Geschäftsführer das Foto.

„Wir suchen diesen Mann", sagte er. „Ist er Ihnen bekannt?" Der Manager besah sich das Foto und schüttelte den Kopf. „Nein."

„Haben Sie etwas dagegen, wenn ich das Foto auch Ihrem Personal zeige?" „Natürlich nicht."

Aber niemand konnte das Gesicht auf dem Foto identifizieren. Die Polizeibeamten suchten jede Apotheke und jeden Friseur auf, alle Eisenwarengeschäfte und Lebensmittelläden. Aber nirgends hatte man den Mann auf dem Foto jemals gesehen. Detective Blake sagte schließlich zu Sekio Yamada: „Sieht nicht gut aus bisher, Sergeant. Wir tappen herum wie im Nebel. Vielleicht hat Inspector West ja recht,. und der Mann wohnt ganz woanders und kommt nur hierher, um sich hier seine Opfer zu holen."

„Das glaube ich nicht", sagte Yamada. „Mein Gefühl sagt mir ganz stark, daß er auch hier irgendwo wohnt." Er sah zum Himmel hinauf und ging dann zu einer Telefonzelle.

„Wen wollen Sie denn anrufen?" „Das Wetteramt."

Er hörte eine Stimme vom Tonband. „... Winde aus Nordost mit einer Geschwindigkeit von zehn Stundenmeilen. Ein

Hochdruckgebiet kommt von der Küste her, starker Regen ist zu erwarten. Die Temperaturen stehen bei..." Er hängte mißmutig ein. „Es wird bald regnen", sagte er zu Blake. „Machen Sie den Leuten Dampf. Es muß schneller gehen. Wir haben nicht mehr viel Zeit!"

Alan Simpson schaute in seiner Wohnung aus dem Fenster. Zu seiner Freude begannen sich bereits dunkle Wolken zusammenzuballen. Bald, dachte er, bald ist es soweit, dann regnet es.

Er dachte an die im Wandschrank eingeschlossene Frau und lächelte böse. Nur noch kurze Zeit, und ihr Schicksal war besiegelt.

Sekio Yamada selbst war es, der schließlich jemanden fand, der Alan Simpson identifizieren konnte. Es war in dem Lebensmittelgeschäft, wo Simpson einzukaufen pflegte. „Ja, sicher", sagte der Verkäufer dort. „Klar, den kenne ich. Der kommt regelmäßig."

Sekios Herz tat einen Freudensprung. „Wissen Sie auch, wie er heißt?"

„Nein, das nicht. Aber er wohnt hier in der Gegend, das weiß ich."

„Woher?"

„Na, weil er eines Tages kam und eine ziemliche Menge einkaufte. Und da fragte ich ihn, ob er Hilfe zum Heimtragen bräuchte, und er sagte, nein, nein und daß er nur ein paar Häuser weiter wohne."

Yamada hängte sich an den Polizeifunk. „Alle Einsatzbeteiligten schnellstens hier zusammenziehen." Er gab die Adresse durch. „In diesem Bereich von vier Häuserblocks werden sämtliche Wohnungen durchsucht! Höchste Eile ist geboten!"

Und so gingen Polizeibeamte von Tür zu Tür und zeigten das Foto vor.

„Haben Sie diesen Mann schon einmal gesehen ?" „Nein, wer ist das?"

„Haben Sie diesen Mann schon mal gesehen?" „Sieht fast so aus wie mein verstorbener Mann." „Ihr verstorbener Mann ?" „Ja. Er ist vor zehn Jahren gestorben ..." „Haben Sie diesen Mann schon einmal gesehen?" „Nein. Wozu wollen Sie das wissen?"

Dann endlich ein Glückstreffer. „Haben Sie diesen Mann schon mal gesehen?"

„Ja, gewiß. Er wohnt in dem Block da drüben." Ein paar Minuten später befragte Sekio Yamada diese Mieterin. „Waren Sie das, die einem Beamten gesagt hat, Sie kennen diesen Mann, Madame?"

„Mit Namen kenne ich ihn nicht, aber ich bin ihm eine Zeitlang mal ständig begegnet. Die letzte Zeit allerdings nicht mehr. Er wohnt da drüben, in dem Haus gegenüber." Sekio Yamada ging über die Straße und in das bezeichnete Wohnhaus. Dort kam ihm der Hausverwalter entgegen. „Ja? Suchen Sie jemand?"

Yamada zeigte ihm das Foto. „Kennen Sie diesen Mann?" „Ja, sicher. Das ist Alan Simpson, einer unserer Mieter hier." „Hier in diesem Haus?"

„War er. Aber vor ein paar Wochen habe ich ihn hinausgesetzt."

Yamada war, als habe er einen Hieb in die Magengrube bekommen.

„Was?"

„Ja: Er hat sich immer so merkwürdig benommen. Solche Mieter kann ich nicht haben, und da habe ich ihm gekündigt." „Wissen Sie, wohin er gezogen ist?"

„Nein", sagte der Hausverwalter kopfschüttelnd. „Er ist mit einem Möbelwagen gekommen und mit all seinen Sachen weg. Ich habe ihn nicht wiedergesehen."

Yamada kombinierte rasch. „Ein Möbelwagen? Stand der Name der Spedition darauf?"

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