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Der Regenmörder

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Der Regenmörder
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„Keinen Laut!" sagte Alan Simpson, „oder ich bringe Sie auf der Stelle um."

Akiko war zu verblüfft, um sich bewegen zu können. „Bitte", stammelte sie, „tun Sie mir nichts." Er schob sie in das Atelier hinein. „Also, Sie wollten das da der Polizei zeigen, wie?"

Sie wußte nicht, was sie sagen „Nein.. .ich..."

„Lügen Sie mich nicht an!" Sie drehte sich zu ihm um. Es war, als schaue sie in das Gesicht, das sie modelliert hatte. Er sah genauso aus, wie sie sich an ihn erinnerte.

Sie war ihm schon einmal entkommen, aber es war ihr klar, daß sie nun in seiner Gewalt war. Ich muß Zeit gewinnen, dachte sie. Sekio kann jede Minute dasein. Er wird mich beschützen.

Sie wunderte sich, daß der Würger gar keine Schnur in der Hand hatte, und überlegte, was er vorhaben mochte. Wollte er sie etwa mit einem Messer erstechen? Bisher hatte er doch alle seine Opfer erdrosselt?

„Kommt der Polizist wieder?" fragte Alan Simpson.

Akiko zögerte. Sie war sich nicht sicher, was besser war zu sagen, Ja oder Nein.

„Nein", sagte sie dann.

„Sie sagen mir besser die Wahrheit."

„Was haben Sie mit mir vor?"

Alan Simpson wußte selbst noch nicht genau, was er mit ihr machen sollte. Daß sie sterben mußte, war klar. Aber er brachte es nicht über sich, es zu tun, solange es nicht regnete. Es mußte regnen. Genau wie an dem Tag, wo er seine Mutter dabei überrascht hatte, wie sie es mit einem Fremden trieb. Ich muß sie von hier wegschaffen. Ich bringe sie in meine Wohnung und halte sie dort fest, bis es regnet, und dann töte ich sie!

In diesem Augenblick klopfte es an der Wohnungstür. Simpson fuhr überrascht hoch. „Wer ist das?" flüsterte er. „Ich... ich weiß nicht."

„Sie lügen!" Sein Gesicht war zornrot. „Das ist er, nicht? Na, dann müßt ihr eben beide daran glauben." Sie spürte wieder sein Messer im Nacken.

„Nein, bitte!" flehte Akiko. „Tun Sie ihm nichts!" Sie war auf einmal schrecklich besorgt, daß er Sekio etwas antun würde. Mehr noch als sie sich um sich selbst ängstigte. Simpson stand da und überlegte fieberhaft. Er mußte diesen Polizisten loswerden.

„Er kommt, um diesen Kopf von mir zu holen, wie?" „Ja."

„Warum haben Sie ihm den nicht vorher schon gegeben?" „Weil er noch nicht fertig war." Akiko hoffte, daß dieser Wahnsinnige Sekio unbehelligt ließ, wenn sie ihm die Wahrheit sagte.

„Also gut", sagte Simpson, „Sie tun jetzt genau, was ich Ihnen sage. Sie sagen ihm, daß der Kopf noch nicht fertig ist, aber daß er ihn morgen früh bekommt. Haben Sie verstanden?"

Er drückte ihr das Messer tiefer in den Nacken, so daß sie bereits einige Blutstropfen spürte.

„Ob Sie verstanden haben?"

„Ja."

„Gut. Machen Sie die Tür auf, aber nur einen Spalt. Eine falsche Bewegung, und Sie haben das Messer im Genick." Es klopfte noch einmal.

„Los jetzt!" zischte er ihr zu. Er blieb dicht hinter ihr und hatte sie mit einer Hand an der Schulter, mit der anderen hielt er sein Messer in ihrem Nacken. Er trieb sie vor sich her zur Tür. Von draußen war Sekio zuhören. „Akiko? Sind Sie da?"

Ihr Mund war vor Angst so trocken, daß sie fürchtete, keinen Laut herauszubringen.

„Antworten Sie!"zischelte Simpson. „Ja. Ich bin ... ich bin da!"

„Machen Sie einen Spalt auf", flüsterte Simpson.

Akiko holte tief Luft und machte die Tür halb auf. Sie spürte das Messer auf der Haut in ihrem Genick. Der Würger stand hinter der Tür, wo ihn Sekio nicht sehen konnte.

Sekio sah Akiko an, und sie erschien ihm ungewöhnlich blaß.

„Ist etwas?" fragte er. „Was ist los?"

Akiko hätte ihm am liebsten zugeschrien, daß sie in der Gewalt des Würgers war, der ihr eine Messerklinge in den Nacken drückte. Und daß er um sein Leben laufen sollte. „Nein, nein", sagte sie statt dessen nur, „alles in Ordnung." Aber ihre Stimme war schwach.

„Kann ich hereinkommen?" Akiko setzte schon zu einer Entgegnung an, als sie den sich verstärkenden Druck des Messers in ihrem Nacken spürte.

„Seien Sie mir nicht böse", sagte sie also, „tut mir leid, aber als ich heimkam, fühlte ich mich auf einmal so müde, und da konnte ich nicht an dem Kopf weiterarbeiten." Sekio sah enttäuscht aus. „Ach so. Das ist schade. Ich hatte gehofft... "

„Ja, ich weiß. Ich mache ihn auch gleich morgen früh fertig. Ich rufe Sie an, wenn es soweit ist." Es war ein merkwürdiger Ausdruck in ihrem Gesicht. Sekio machte sich Sorgen. „Sie sind doch nicht krank, wie? Soll ich nicht hereinkommen und..."

Wieder spürte sie den Druck des Messers. „Nein. Ich bin wirklich sehr müde. Morgen früh geht es mir bestimmt wieder besser!"

Sie mußte ihn anlügen, aber sie tat es, um sein Leben zu retten.

Wenn er hereinkam, brachte der Würger ihn um.

Sekio sagte zögernd: „Na gut, wenn Sie meinen. Dann gehe ich eben. Ich komme dann morgen früh wieder."

„Ja", sagte Akiko. „Tun Sie das."

Er musterte sie lange, ehe er sich umdrehte und ging.

Alan Simpson drückte die Tür zu.

Sie war allein mit dem Würger.

11. KAPITEL

Sekio Yamada konnte in dieser Nacht nicht schlafen. Akikos Verhalten hatte ihn sehr befremdet. Den ganzen Abend war sie so warmherzig und freundlich gewesen. Und dann war alles plötzlich ganz verändert als er wieder zu ihrer Wohnung zurückkam.

Statt ihn hineinzubitten, hatte sie ihn weggeschickt. Und dabei hatte sie doch zuvor versprochen, den Kopf des Würgers fertigzustellen, dann aber vorgeschützt; müde zu sein, und ihn noch einmal vertröstet.

Er versuchte, sich ihr merkwürdiges Verhalten noch einmal zu vergegenwärtigen. Er konnte sich nicht erinnern, daß sie müde gewesen wäre. Im Gegenteil, sie war sehr lebhaft und vergnügt gewesen. Äußerst seltsam.

Aber was noch schlimmer war: er hatte nun massive Probleme mit Inspector West.

„Sie haben mir den modellierten Kopf des Würgers fest für gestern abend versprochen. Nun, wo ist er?" Yamada schluckte schwer. Er wollte Akiko nicht in Schwierigkeiten bringen. „Das tut mir leid, Sir", sagte er. „Es hat eine kleine Verzögerung gegeben. Aber heute vormittag werde ich ihn bestimmt bekommen."

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