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Ein Kampf um Rom

Электронная книга - «Ein Kampf um Rom». Краткое содержание книги:

Dahn erzählt vom Kampf und vom Untergang der Ostgoten in Italien nach dem Tode des großen Theoderich von Ravenna. Wir erleben das Ringen um die Macht, hören von den Ostgotenkönigen Witiches und Totila bis zu dem denkwürdigen letzten Kampf der Goten unter Teja am Vesuv.
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Julius lächelte und schwieg. Ruhig faßte er Valerias freudig gebotene Hand und schritt mit ihr in die Klostertür, wo ihnen Cassiodor entgegenkam. -

Nur mit Mühe gewann die Beredsamkeit des Königs dem Freunde das Versprechen ab, nach einigen Tagen den greisen Cassiodor nach Byzanz zu begleiten. Julius scheute den Glanz, den Lärm, die Sünde des Kaiserhofs, bis endlich das Beispiel Cassiodors ihn überwand. «Ich meine», schloß der König, «man kann in der Welt mehr gottgefällige Werke tun als im Kloster. Ein solches frommes Werk ist diese Gesandtschaft, die zwei Reichen neuen Krieg ersparen soll.»

«Gewiß», sagte Julius. «Der König und Held kann Gott dienen wie der Mönch. Ich tadle deine Art des Dienstes nicht: -laß mir die meine. Und mir ist: diese unsre Zeit, da eine alte Welt unter schweren Schauern versinkt und eine neue unter rauhen Stürmen aufsteigt, da alle Laster des verfaulten Heidentums mit aller Wildheit der Barbaren sich vermischen, da Üppigkeit, Fleischeslust und blut'ge Gewalt das Morgen- und das Abendland erfüllen, da ist es wohlgetan, weltferne Stätten zu gründen, wo Armut, Reinheit und Demut wohnen dürfen.»

«Mir aber scheinen Pracht, Liebesglück und freudiger Stolz keine Sünde vor dem Himmelsgott. Was meinst du von unsrem Streit, Freund Teja?»

«Er hat keinen Sinn für mich», sprach dieser ruhig. «Denn euer Gott ist nicht der meine.»

*

Am Abend vor der Abreise der beiden Gesandten nach Firmum, wo sie sich nach Byzanz einschiffen sollten, führte Cassiodor die Freunde noch nach einer Kapelle, die er, dicht bei dem Kloster, auf der gerade gegenüber ragenden hohen Felskuppe des nämlichen Berges erbaut hatte. «Es wird dir dort gefallen, mein Totila», hatte Valeria gesagt.

Vor Sonnenuntergang gerade erreichten die Freunde den Gipfel des einsam ragenden, runden Felskopfes. Dieser, mitten in dem Hügelgrund zu steiler Höhe aufsteigend, gewährte den freiesten Anblick über das blühende picentinische Land. Im Norden und Osten begrenzten den Blick die prachtvollen Terrassen des Apennins mit jenen klassischen, stilvollen, großartig ruhigen Formen, wie sie nur der italischen Landschaft eigen. Im Westen schimmerte im Glanz der sinkenden Sonne, wie ein kostbarer goldner Gürtel, durch das Grün der Gefilde der Fluß Clasius, in welchen hier die beiden kleineren, Sibola und Rasina, münden. Im Süden glänzte aus den Bergen von Nuceria her der Tiniafluß durch üppiges Gelände.

Denn unter diesem lachenden Himmel hatte eine reiche Ernte - das Wunderjahr Totilas - die Spuren der früheren Verwüstung und Verödung rasch und völlig verwischt: viele Hunderte von weißen Marmorvillen, von Schlössern, von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden lauschten aus dem Dunkelgrün des Lorbeers, aus dem Silbergrau der Oliven, aus dem endlosen Gerank der Reben. Ein uralter Wartturm, vielleicht aus römischer Zeit, ragte an dem Südabfall des Hangs: dessen Gemäuer sowie der ganze Hügelrücken war von Efeu, Feigen, Wein, Kastanien in reizender Verwilderung überzogen.

Die Sonne aber, die nun rasch versank, warf ein glühendes, dunkelrotes Licht, warf einen Purpurmantel über die weite Ebene, indes auf den fernen Höhenzügen, den plastisch klaren, dem Terrassenbau der italischen Natur, eine violette Duftschicht lag. Überrascht, geblendet standen alle. Niemand fand Worte für

so viel Schönheit.

«So was dergleichen ahnte ich in Italia», flüsterte Adalgoth zu Graf Teja, «wann ich vom Iffinger oder gar von der Mentula gen Südwesten sah. Aber es ist doch viel schöner, als ich geträumt.»

Der König aber rief: «Und hab' ich nun nicht recht, Teja, daß ich dies Land liebe wie eine Braut? Daß ich es unserm Volk erhalten will um jeden Preis? Wahrlich, dieser Ort ist die beste Rechtfertigung meines Trachtens! Himmlische Lüfte! Goldenes Licht umschweben die Stätte! - -»

Und mit lebhaftem, gerührtem Blick fuhr er fort: «Ja hier, ihr Freunde, hier Cassiodor, will ich dereinst begraben sein!» Und er legte die Rechte auf einen uralten mächtigen Sarkophag von verwittertem, dunklem Marmor, der Deckel desselben lag zerbrochen daneben auf der Erde: wild wuchernder Efeu hatte das Innere des Sarges ganz erfüllt.

«Welch schönes Zusammentreffen», sprach Cassiodorus ernsthaft. «Weißt du, wie dieser Ort seit alters heißt? Spes bonorum, <der Guten Hoffnung>. Und weißt du, wer, der Sage nach, in diesem Sarge geruht? Ein anderer weiser, mildseliger Friedensfürst: ursprünglich wohl ein uralter tuskischer König, später hat die Sage des Landvolks Numa Pompilius, den Gütigen, daraus gemacht. Ein uraltes Heiligtum des Friedens, eine Stätte des Segens und der Zuflucht haben schon die Heiden hier verehrt: Meine neugebaute Kapelle habe ich bei dem Ausbruch des Krieges Emanuel dem Friedensgott geweiht. Höchste Ehre würde es meiner kleinen Kapelle, wolltest du, Friedenskönig, sie zu deiner Ruhestätte wählen.»

«Nein», rief Totila, «vergib mir, ehrwürdiger Vater! Nicht in der dumpfen Krypta deines Baues, - hier, unter dem blauen Dach des ausonischen Himmels, hier will ich ruhn», - und er schlug auf den Sarkophag. «Auf dieser lichten Höhe, umspült vom goldnen Licht, überragt von nickendem Lorbeer, unter der Vögel süßem Gesang. Ich werde mich wohl vertragen mit den

Mannen des Friedenskönigs. Hört, ihr meine Freunde, das ist mein Wille. Höre du zumaclass="underline" dessen Jugend uns alle überleben muß, Adalgoth, mein Liebling!»

«Wer denkt an die Nacht bei heller Mittagssonne!» rief Adalgoth.

«Die Ahnungsvollen», sagte Teja. «Seht, wie rasch die Sonne verschwand und ihr warmes, freudiges Goldlicht. Eine Purpurdecke, wie ein rotes, blutiges Leichentuch, deckt schon das Tal von Taginä. Und die veilchenblauen Schatten sind schon kaltes Schwarz geworden und fallen plötzlich herein! So rasch! Und rascher noch, als in diesem Land die Nacht, bricht ein, in allen Ländern, das Schicksal und der Tod.»

Viertes Kapitel

An dem gleichen Abend, da Adalgoth im Gefolge des Königs die Sonne sinken sah über das mittelitalische Land auf der Spes bonorum, stand auch in schimmervollem Sonnenuntergang auf dem Südabhang des Iffingerberges auf ihren Stab gelehnt Gotho, die Hirtin. -

Um sie her hüpften und weideten die Schafe und drängten sich allmählich müde zusammen um die Hüterin, der Heimkehr nach dem Sennhaus gewärtig und begierig.

Aber sie harrten und blökten umsonst.

Denn das schöne Kind beugte sich von moosigem Stein an dem Rand des silberklaren Gebirgsquells emsig vor: in ihrer Lederschürze lagen gehäuft die schönen, würzig duftenden Blumen der Berghalde: der Thymian, die Wegrose, die Minze, die am feuchten Saume des Rinnsals sprießt, und der tiefblaue Enzian. Und sie sann und sprach mit sich selbst und mit ihren Blumen und den hurtig enteilenden Wellen. Und sie warf die Blumen in den rinnenden Quelclass="underline" bald einzeln, bald kleine Sträuße und halbfertige Kränze. - -

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