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Das Sterben in Wychwood

Электронная книга - «Das Sterben in Wychwood». Краткое содержание книги:

Die Originalausgabe erschien unter dem Titel
MURDER IS EASY
© 1939 Agatha Christie Limited, a Chorion Company.
All rights reserved.
Das Sterben in Wychwood
© 2007 Agatha Christie Limited, a Chorion Company.
All rights reserved.
Aus dem Englischen von A.F. Bringen
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«Natürlich ist sie das.»

«Miss Humbleby, darf ich mir etwas herausnehmen?»

«Ich bin sicher, dass es nichts Ungehöriges ist.»

«Oh, seien Sie dessen nicht zu sicher! Ich wollte sagen: Dr. Thomas hat sehr viel Glück.»

Rose errötete und lächelte.

«Sie haben es also gehört?»

«Sollte es ein Geheimnis sein? Verzeihen Sie!»

«Oh, nichts ist hier ein Geheimnis», seufzte Rose.

«Also ist es wahr – Sie sind mit ihm verlobt?»

Rose nickte.

«Nur verkünden wir es eben jetzt nicht offiziell. Wissen Sie, Vater war dagegen, und es sieht so – so unfreundlich aus, wenn wir es in dem Augenblick, wo er tot ist, hinausposaunen.»

«Ihr Vater war nicht einverstanden?»

«So ist es.»

Luke fragte sanft: «Er fand, Sie seien zu jung?»

«Das sagte er.»

«Aber Sie meinen, es steckte noch etwas anderes dahinter?» Rose senkte den Kopf langsam und widerstrebend.

«Ja – ich fürchte, auf was es wirklich hinauslief, war, dass Vater – nun, dass er Geoffrey eigentlich nicht mochte.»

«Sie waren einander nicht sympathisch?»

«Es schien manchmal so… Natürlich, Vater hatte so viele Vorurteile.»

«Und er liebte Sie vermutlich sehr, und der Gedanke, Sie zu verlieren, war ihm unangenehm?»

Rose bejahte, jedoch mit einer gewissen Zurückhaltung.

«Es ging tiefer? Er wollte gerade Thomas nicht als Gatten für Sie?»

«Ja. Wissen Sie – Vater und Geoffrey waren so verschieden, dass sie immer wieder aneinandergerieten. Geoffrey war wirklich sehr geduldig und nett dabei – aber da er wusste, dass Vater ihn nicht mochte, wurde er noch unsicherer und zurückhaltender ihm gegenüber, so dass Vater ihn eigentlich nie näher kennenlernte.»

«Vorurteile sind sehr schwer zu bekämpfen», bestätigte Luke.

«Es war so gänzlich unvernünftig!»

«Ihr Vater gab keine Gründe an?»

«O nein, er konnte doch nicht! Ich meine natürlich, er konnte nichts gegen Geoffrey einwenden, als dass er ihn nicht mochte.»

«‹Ich mag dich nun mal nicht, guter Mann, den Grund dafür ich nicht sagen kann.›»

«Ganz richtig.»

«Nichts Greifbares, an das man sich halten könnte? Ich meine, Ihr Geoffrey trinkt nicht und wettet nicht auf Pferde?»

«O nein. Ich glaube, Geoffrey weiß nicht einmal, wer das Derby gewonnen hat!»

«Das ist komisch», sagte Luke. «Wissen Sie, ich hätte nämlich schwören können, dass ich Ihren Dr. Thomas am Derbytag in Epsom sah.»

Einen Augenblick befürchtete er, er könnte mal erwähnt haben, dass er erst an jenem Tag in England eingetroffen sei; aber Rose antwortete sofort ohne jedes Misstrauen. «Sie glaubten Geoffrey beim Derby gesehen zu haben? O nein. Er hätte an dem Tag auch gar nicht weg können. Er war fast den ganzen Tag drüben in Ashewood bei einer schweren Entbindung.»

«Was für ein Gedächtnis Sie haben!»

Rose lachte.

«Das habe ich mir gemerkt, weil er mir erzählte, sie hätten dem Baby den Kosenamen Jujube gegeben!»

Luke nickte zerstreut.

«Überhaupt geht Geoffrey nie zu einem Rennen; er würde sich zu Tode langweilen.»

Sie fügte in einem anderen Ton hinzu:

«Wollen Sie nicht – mit hereinkommen? Ich glaube, Mutter würde Sie gern sehen.»

«Ja, sind Sie sicher?»

Rose ging voraus in ein Zimmer, das in der Dämmerung trübe wirkte. Eine Frau saß seltsam zusammengekauert in einem Lehnstuhl.

«Mutter, dies ist Mr Fitzwilliam.»

Mrs Humbleby fuhr auf, dann reichte sie ihm die Hand. Rose ging still aus dem Zimmer.

«Ich freue mich, Sie zu sehen, Mr Fitzwilliam. Freunde von Ihnen kannten meinen Mann vor vielen Jahren, sagte Rose mir.»

«Ja, Mrs Humbleby.» Es war ihm sehr unangenehm, die Lüge der verwitweten Frau gegenüber wiederholen zu müssen, aber er hatte keine Wahl.

«Ich wollte, Sie hätten ihn kennengelernt. Er war ein so prachtvoller Mensch und ein großer Arzt. Er heilte viele Menschen, die als hoffnungslos aufgegeben waren, durch die Kraft seiner Persönlichkeit.»

Luke sagte sanft:

«Ich habe, seit ich hier bin, sehr viel von ihm gehört. Ich weiß, wieviel die Leute von ihm hielten.»

Er konnte Mrs Humblebys Gesicht nicht deutlich sehen. Ihre Stimme klang ziemlich monoton, aber eben ihr Mangel an Ausdruck schien die Tatsache zu betonen, dass starkes Gefühl in ihr war, das mit Macht zurückgehalten wurde.

Sie sagte ziemlich unerwartet:

«Die Welt ist ein sehr schlimmer Ort, Mr Fitzwilliam. Wissen Sie das?»

Luke war ein wenig überrascht.

«Ja, das mag schon sein.»

Sie bestand darauf:

«Ja, aber wissen Sie es? Das ist wichtig. Es gibt sehr viel Schlechtigkeit hier… Man muss vorbereitet sein – sie zu bekämpfen! John war es. Er wusste. Er war auf der Seite des Rechts!»

«Davon bin ich überzeugt.»

«Er kannte die Schlechtigkeit, die an diesem Ort war», sagte Mrs Humbleby. «Er wusste – »

Sie brach plötzlich in Tränen aus.

Luke murmelte:

«Es tut mir so leid – », und hielt inne.

Sie fasste sich ebenso jäh wieder, wie sie die Fassung verloren hatte.

«Sie müssen verzeihen», sagte sie. Sie streckte ihm die Hand entgegen, und er nahm sie. «Kommen Sie uns doch mal besuchen, solange Sie hier sind», sagte sie. «Es wäre so gut für Rose; sie hat Sie sehr gern.»

«Ich habe sie auch sehr gern; ich finde Ihre Tochter das netteste Mädchen, das ich seit langem kennengelernt habe, Mrs Humbleby.»

«Sie ist sehr gut zu mir.»

«Dr. Thomas ist ein beneidenswerter Mann.»

«Ja.» Mrs Humbleby ließ seine Hand los. Ihre Stimme war wieder ausdruckslos geworden. «Ich weiß nicht – es ist alles so schwer.»

Als Luke sie verließ, stand sie in der Dämmerung, und ihre Finger wanden und drehten sich nervös ineinander. Auf dem Heimweg ging er in Gedanken die verschiedenen Phasen des Gesprächs durch.

Dr. Thomas war einen großen Teil des Derbytages von Wychwood abwesend gewesen, und zwar im Auto. Wychwood war nicht ganz sechzig Kilometer von London entfernt. Angenommen, er hatte eine Entbindung durchgeführt – sprach mehr als seine Behauptung dafür? Nun, vermutlich ließ sich das herausfinden. Seine Gedanken wandten sich Mrs Humbleby zu –

Was hatte sie gemeint mit ihrem Satz: «Es gibt sehr viel Schlechtigkeit hier…?»

War sie einfach nur nervös und überreizt durch die Erschütterung über den Tod ihres Mannes? Oder steckte da mehr dahinter? Wusste sie vielleicht etwas? Etwas, das Dr. Humbleby gewusst hatte, bevor er starb?

«Ich muss weitermachen», sagte sich Luke. «Ich muss weiterkommen in dieser Sache.»

Entschlossen wandte er seine Gedanken von dem Gefecht ab, das zwischen ihm und Bridget stattgefunden hatte. 

13

Am folgenden Morgen kam Luke zu einem Entschluss. Er fühlte, dass er mit indirekten Erkundigungen so weit gekommen war, wie er konnte. Es war unvermeidlich, dass er früher oder später gezwungen sein würde hervorzutreten, und dass die Zeit gekommen war, die Schriftstellermaskerade fallen zu lassen und zu enthüllen, dass er mit einem bestimmten Ziel nach Wychwood gekommen war.

Im Zuge dieses Schlachtplans beschloss er, als erste Honoria Waynflete zu besuchen. Die diskrete Art und eine gewisse Scharfsinnigkeit im Ausdruck dieser alten Jungfer hatten nicht nur einen günstigen Eindruck auf ihn gemacht –, er hoffte auch, dass sie ihm noch Interessantes mitteilen könnte, das ihm weiterhelfen würde. Er hatte die deutliche Ahnung, dass die Vermutungen von Miss Waynflete der Wahrheit recht nahe kamen.

Er besuchte sie gleich nach dem Gottesdienst.

Miss Waynflete zeigte keinerlei Überraschung über seinen Besuch. Als sie sich ihm gegenüber niedersetzte, die Hände ordentlich im Schoß gefaltet und die intelligenten Augen – die so sehr denen einer Ziege glichen – auf sein Gesicht gerichtet, fand er es gar nicht schwierig, gleich auf den Zweck seines Besuches zu kommen.

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