Das Sterben in Wychwood
- Автор: Кристи Агата
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Жанр: Классические детективы
Электронная книга - «Das Sterben in Wychwood». Краткое содержание книги:
MURDER IS EASY
© 1939 Agatha Christie Limited, a Chorion Company.
All rights reserved.
Das Sterben in Wychwood
© 2007 Agatha Christie Limited, a Chorion Company.
All rights reserved.
Aus dem Englischen von A.F. Bringen
«Ja.»
«Dachte es mir. Hier fällt gleich jedes neue Gesicht auf, wissen Sie.»
Es kam eine Ablenkung, die zwei Bulldoggen gingen auf einen weißen Köter los.
«Augustus – Nero. Hierher – augenblicklich hierher!»
Als Augustus und Nero endlich widerstrebend den Befehl befolgt hatten, nahm Major Horton die Unterhaltung wieder auf. Luke streichelte Nelly, die gefühlvoll zu ihm aufsah.
«Nette Hündin, was?» sagte der Major. «Ich liebe Bulldoggen, hab immer welche gehalten; ziehe sie jeder anderen Rasse vor. Ich wohne gleich hier in der Nähe, kommen Sie doch mit und trinken Sie ein Glas mit mir.»
Luke nahm die Einladung an, und die beiden Herren machten sich auf den Weg, während Major Horton einen Vortrag über Hunde hielt und über die Minderwertigkeit aller anderen Rassen gegenüber der von ihm bevorzugten.
Luke hörte von den Preisen, die Nelly errungen hatte, von dem unverschämten Benehmen eines Preisrichters, der Augustus nur ein «Bestens empfohlen» zugebilligt hatte, und von den Triumphen Neros.
Mittlerweile waren sie bei der Tür des Majors angelangt; er öffnete sie – sie war übrigens nicht versperrt –, und sie betraten das Haus. Der Major ging voran in ein kleines Zimmer, das etwas nach Hund roch und dessen Wände entlang Bücherregale standen. Der Major bereitete die Drinks. Luke sah sich um. Es gab dort Fotografien von Hunden, Sportzeitschriften und ein paar stark abgenutzte Lehnsessel. Silberne Becher standen aufgereiht auf den Regalen. Über dem Kamin hing ein Ölgemälde.
«Meine Frau», sagte der Major, von seiner Beschäftigung aufsehend und der Richtung von Lukes Blick folgend. «Eine großartige Frau. Viel Charakter in ihrem Gesicht, finden Sie nicht?»
«Ja, wirklich», sagte Luke und betrachtete die verstorbene Mrs Horton.
Sie trug auf dem Bild ein rosa Atlaskleid und hielt einen Strauß Maiglöckchen in der Hand. Ihr braunes Haar war in der Mitte gescheitelt, und ihre Lippen waren fest aufeinandergepresst. Die Augen, von einem kalten Grau, blickten dem Beschauer verdrossen entgegen.
«Eine ausgezeichnete Frau», sagte der Major, während er Luke ein Glas reichte. «Sie ist vor über einem Jahr gestorben. Ich bin seitdem nicht mehr derselbe Mensch.»
«Nein?» Luke wusste nicht recht, was er sagen sollte.
«Nehmen Sie Platz.» Der Major deutete auf einen der Stühle. Er selbst setzte sich auf den zweiten und wiederholte, seinen Whisky-Soda trinkend:
«Nein, ich bin seitdem nicht mehr derselbe Mensch.»
«Sie müssen sie schrecklich vermissen», meinte Luke verlegen.
Major Horton schüttelte düster den Kopf:
«Der Mensch braucht eine Frau, um auf der Höhe zu sein, sonst wird er schlapp – ja, schlapp. Er lässt sich gehen.»
«Aber sicher – »
«Mein Junge, ich weiß, wovon ich rede. Merken Sie sich das, ich will nicht behaupten, dass die Ehe einen zuerst nicht hart hernimmt; das tut sie schon! Man sagt sich selbst, hol’s der Teufel, ich darf ja gar keinen eigenen Willen mehr haben! Aber man fügt sich. Es ist alles eine Frage der Disziplin.»
Luke dachte, dass das Eheleben des Majors mehr einem militärischen Feldzug als einem häuslichen Idyll geglichen haben musste.
«Die Frauen», sprach der Major weiter, «sind merkwürdige Geschöpfe. Manchmal scheint es, als könne man ihnen nichts recht machen. Aber, weiß Gott, sie halten einen auf der Höhe.»
Luke bewahrte achtungsvolles Schweigen.
«Sind Sie verheiratet?» fragte der Major.
«Nein.»
«Ah, Sie werden es auch noch packen. Und, wie gesagt, mein Junge, da geht nichts darüber.»
«Es ist immer erfreulich», entgegnete Luke, «jemanden gut vom Ehestand sprechen zu hören. Besonders in diesen Zeiten der leichten Scheidungen.»
«Pah!» brummte der Major. «Die jungen Leute sind nichts wert! Keine Geduld, keine Ausdauer, keine Kraft!» Luke hätte gern gefragt, wozu denn solch außerordentliche Kraft benötigt würde, beherrschte sich jedoch.
«Lydia war eine Frau unter Tausenden – unter Tausenden! Jedermann achtete sie und blickte zu ihr auf.»
«Ja?»
«Sie konnte keinen Unsinn vertragen. Sie hatte eine Art, jemanden zu fixieren, dass der Betreffende gleich Bescheid wusste. Ein paar von diesen unreifen Mädchen, die sich heutzutage Hausgehilfinnen nennen und glauben, man muss sich jede Frechheit gefallen lassen! Lydia hat es ihnen aber rasch gezeigt! Wissen Sie, dass wir fünfzehn Köchinnen und Stubenmädchen in einem Jahr hatten – fünfzehn!»
Luke fand, dass das kaum ein Lob für Mrs Hortons Talent als Hausfrau war, doch da der Hausherr es anscheinend anders sah, murmelte er nur irgend etwas Undeutliches.
«Warf sie einfach hinaus, wenn sie ihr nicht passten.»
«Und war es immer auf diese Art?» fragte Luke.
«Nun, natürlich gingen auch eine Menge freiwillig. ‹Gut, dass wir sie los sind›, pflegte Lydia zu sagen!»
«War das nicht manchmal etwas unbequem?»
«Ach, mir machte es nichts, selbst mit anzupacken», sagte Horton. «Ich kann recht gut kochen und glänzend Feuer anmachen. Um das Abwaschen habe ich mich ja nie gerissen, aber natürlich muss es auch sein – dem kann man nicht entgehen.»
Luke stimmte zu und fragte, ob Mrs Horton tüchtig in häuslichen Arbeiten war.
«Ich bin nicht der Mensch, der sich von seiner Frau bedienen lässt», sagte Major Horton. «Überhaupt war Lydia viel zu zart, um Hausarbeit zu verrichten.»
«Sie war nicht kräftig?»
Major Horton schüttelte den Kopf.
«Sie hatte einen so starken Geist. Sie gab nicht auf! Aber wie diese Frau gelitten hat! Und dabei kein Mitgefühl von den Ärzten! Ärzte sind gefühllose Bestien. Sie verstehen nur kruden körperlichen Schmerz; etwas Außergewöhnliches geht über ihren Horizont. Humbleby zum Beispiel, den hielt jeder für einen guten Arzt.»
«Sie nicht?»
«Der Mann war ein vollkommener Ignorant. Wusste nichts von modernen Erkenntnissen. Ich bezweifle, dass er überhaupt je von einer Neurose gehört hatte! Er verstand vermutlich etwas von Masern und Mumps und gebrochenen Knochen, aber sonst nichts. Zum Schluss hatte ich Krach mit ihm. Er verstand Lydias Fall gar nicht. Ich sagte es ihm geradeheraus, und das schluckte er nicht. Er war beleidigt und schnauzte, ich solle mir doch einen anderen Doktor nehmen. Danach hatten wir Thomas.»
«Der war Ihnen lieber?»
«War überhaupt ein viel geschickterer Arzt. Wenn irgendeiner sie hätte durchbringen können, so wäre es Thomas gewesen. Tatsächlich ging es ihr vorübergehend besser, aber dann hatte sie einen plötzlichen Rückfall.»
«War es schmerzhaft?»
«Hm, ja. Gastritis, heftiger Schmerz – Übelkeiten – alles zusammen. Wie die arme Frau litt! Sie war eine Märtyrerin, wenn es je eine gab. Und zwei Pflegerinnen im Haus, die ungefähr soviel Mitgefühl hatten wie zwei Stöcke!» Der Major schüttelte den Kopf und leerte sein Glas. «Ich kann Pflegerinnen nicht ausstehen! So was von selbstzufrieden! Lydia behauptete steif und fest, dass sie sie vergifteten. Das war natürlich nicht wahr – eine richtige krankhafte Einbildung –, eine Menge Leute haben so was, sagte Thomas, aber eins war wahr, diese Frauenzimmer mochten sie nicht. Das ist das Schlimme bei den Frauen, können einfach nicht mit ihresgleichen.»
«Ich vermute», sagte Luke, der meinte, sich ungeschickt auszudrücken, es aber nicht besser sagen konnte, «dass Mrs Horton eine Menge ergebener Freunde in Wychwood hatte?»
«Die Leute waren sehr freundlich», erwiderte der Major etwas ausweichend. «Whitfield schickte Trauben und Pfirsiche aus seinem Gewächshaus, und die alten Katzen kamen und leisteten ihr Gesellschaft, Honoria Waynflete und Lavinia Pinkerton.»
«Miss Pinkerton kam oft, nicht wahr?»
«Ja. Eine richtige alte Jungfer – aber ein gutes Geschöpf! Sehr besorgt war sie um Lydia, pflegte sich nach der Diät und den Medikamenten zu erkundigen. Alles gut gemeint, wissen Sie, aber ein schreckliches Getue nenne ich’s.»