Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Torian wankte vor Schwäche. »Gib auf!« keuchte er in einem letzten Versuch, dem sinnlosen Morden ein Ende zu bereiten.
Die Echse kümmerte sich nicht um ihn, wenn sie seine Worte überhaupt verstand. Sie bekam einen der Laa zu packen, der sich unvorsichtigerweise etwas zu nah an sie herangewagt hatte, und riß ihm mit einem einzigen Hieb die Kehle auf.
Torian trat einen Schritt auf sie zu, konzentrierte sich ein letztes Mal – und schleuderte sein Schwert wie einen Dolch.
Die Waffe flog auf den Echsenkrieger zu, überschlug sich ein paarmal in der Luft und traf mit tödlicher Präzision die schmale verwundbare Stelle zwischen dem Hornkopf und den Panzerschuppen des Rumpfes.
Torian empfand keinen Triumph, nicht einmal Genugtuung. Alles, was er noch spürte, waren Entsetzen – und Schwäche. Er wankte, brach in die Knie und stürzte schwer zu Boden. Mühsam kämpfte er gegen die beginnende Ohnmacht an.
Als er nach Minuten wieder die Augen öffnete, machten sich weiche, kundige Hände an seinen Wunden zu schaffen. Er versuchte, sich aufzurichten, wurde aber mit sanfter Gewalt zurückgehalten und blickte in das lächelnde Gesicht einer noch sehr jungen Frau mit langem, dunklem Haar.
»Ich bin Ayla, Herr«, sprach sie ihn an.
»Du ... du sprichst meine Sprache?«
»Wir haben sie von deinen Begleitern erlernt. Die Krieger, die nach dir gesucht haben, hatten noch keine Zeit dazu.«
So schnell! durchfuhr es ihn. Ayla sprach ohne jeden Akzent; wie konnte sie die Sprache binnen weniger Stunden erlernt haben? Aber das interessierte ihn momentan nur am Rande.
»Shyleen und Garth ... was ist mit ihnen?«
»Sie sind verletzt, aber es geht ihnen einigermaßen gut.«
»Ich muß sie sehen«, verlangte er und richtete sich auf, doch das Mädchen drückte ihn mit sanfter Gewalt zurück.
»Bleib noch einen Moment liegen, bis ich deine Wunden versorgt habe. Du bist noch sehr schwach, Herr.«
Herr? dachte er verwirrt. Wieso bezeichnete sie ihn als Herr?
Aber er sagte nichts mehr, sondern blieb still liegen, bis sie alle seine Wunden mit einer übelriechenden, brennenden Salbe eingeschmiert hatte. Dann stemmte er sich wieder in die Höhe, ignorierte sowohl ihren erneuten Widerspruch, wie auch seine Schwäche, stand vollends auf und schaute sich entsetzt um.
Der Platz bot einen Anblick des Schreckens. Wo vor wenigen Stunden noch ein Dorf gestanden hatte, erstreckte sich nun ein Ruinenfeld, übersät mit Trümmern, Unrat, Asche und – Leichen. Die Toten lagen wie Teile eines gräßlichen Todesmosaiks über-und nebeneinander. Einige davon waren schuppige Echsenkrieger, aber viele der reglos ausgestreckten Gestalten hatten auch die menschlichen Gesichter der Laa.
Zu viele.
Dabei hatte eine richtige Schlacht eigentlich gar nicht stattgefunden. Der Kampf – soweit man das Gemetzel, das die Echsen unter den Laa angerichtet hatten, so nennen konnte – hatte sich auf ein relativ kleines, halbkreisförmiges Terrain vor dem Eingang der niedergebrannten Hütte beschränkt.
Eine große Zahl von Opfern hatte auch eine Panik gefordert, die beim Überfall der Echsen ausgebrochen sein mußte. Und nur die allerwenigsten Toten trugen Uniformen. Es waren wieder einmal die Unbeteiligten gewesen, die den Preis für diesen Wahnsinn bezahlten: die Kinder, die Alten, die Schwachen und Kranken, die der in Panik geratenen Menge nicht mehr hatten ausweichen können und zu Tode getrampelt worden waren. Das Stöhnen und Wehklagen der Verletzten erfüllte den Platz.
Der Anblick erfüllte Torian mit einem Gefühl rasenden, hilflosen Zornes, in den sich noch etwas anderes mischte: Verzweiflung und Resignation.
Mühsam riß er sich von dem Anblick der Toten los. Die Überlebenden waren inzwischen wieder zurückgeströmt. Torian spürte, wie sich alle Blicke auf ihn konzentrierten, was er als ausgesprochen unangenehm empfand, obgleich er ebenso deutlich fühlte, daß keine Feindseligkeit darin lag, sondern –
Ja – was eigentlich?
Verwirrt wandte er sich zu Ayla um und öffnete den Mund, um eine Frage zu stellen.
Aber er kam nicht mehr dazu, denn im gleichen Augenblick, sank das Mädchen vor ihm auf die Knie und beugte das Haupt fast bis zum Boden herab.
»Herr«, flüsterte sie.
Und dann, ganz schnell und beinahe lautlos, ließen sich auch die übrigen Laa zu Boden sinken. Es waren immer noch mehr als zweihundert.
»Herr«, flüsterten auch sie.
Das Gefühl vager Erleichterung, das Torian angesichts der Greuel bisher über sein Überleben und das von Shyleen und Garth verspürt hatte, verging. Plötzlich war ihm nur noch kalt. Sehr kalt. »Nein«, sagte er, nicht zum ersten und wahrscheinlich auch nicht zum letzten Mal, seit er gegen Aylas Willen an ihrer Seite über das Schlachtfeld schritt und ihr half, die Qualen der Verletzten zu lindern, so gut es ging. Es ging allerdings nicht sehr gut: sie besaßen weder Medikamente noch ausreichend Verbandszeug, und der Begriff Arzt schien nicht einmal zum Wortschatz der Laa zu gehören. Meist beschränkte sich Torians Hilfe auf ein aufmunterndes Lächeln; und manchmal nicht einmal darauf. Und das Schlimmste war, daß er die ganze Zeit über das Gefühl nicht loswurde, daß dies alles hier seine Schuld war.
Ayla widersprach nicht, aber der Blick ihrer großen, dunklen Augen war voller Trauer. Allein dieser Blick ließ ihn schon wieder Schuldgefühle empfinden. Obwohl er sich fest vorgenommen hatte, es nicht mehr zu tun, fügte Torian hinzu: »Du mußt mich verstehen, Ayla. Dies alles hier ist entsetzlich, aber es ...«
»Du glaubst, es ginge dich nichts an, Herr, ich weiß«, unterbrach ihn Ayla leise. Ihre Stimme war so traurig wie ihr Blick. Sie rang sich ein Lächeln ab, aber er sah Tränen in ihren Augen schimmern und fühlte sich hilflos wie selten zuvor in seinem Leben. Dabei – absurd genug – war er zum ersten Mal seit vielen Jahren überhaupt in einer Position, in der er wirkliche Macht hatte. Noch vor wenigen Stunden war er nicht mehr als ein Gejagter in einem fremden Land gewesen.
Jetzt war er der König dieser Menschen.
Mehr noch – ihr Gott.
So ganz hatte er die Geschichte, die ihm Ayla im Verlauf der letzten Stunde erzählt hatte, noch immer nicht verstanden; vielleicht, weil sie einfach zu phantastisch war, um wahr zu sein.
Es war die Geschichte der Laa; soweit man eine Geschichte, deren Anfänge Jahrhunderttausende in die Vergangenheit reichte, in weniger als einer Stunde erzählen konnte: Es war eine Zeit gewesen, in der sie friedlich in diesem Tal gelebt hatten. Irgendwann dann, vor Äonen von Jahren waren fremde Wesen erschienen, über die Ayla nicht mehr wußte, als daß es sie gegeben hatte. Sie hatten begonnen, das paradiesische Tal zu verändern, unmerklich zuerst, dann immer stärker und stärker, bis aus dem Paradies der Laa eine Todesfalle geworden war, und dabei versucht, die Laa zu vertreiben. Als ihnen das nicht gelang, hatten sie einen grausamen Vernichtungsfeldzug gegen sie begonnen.
Und mit den fremden Eroberern waren auch die Echsen erschienen, und sie waren geblieben, als die Eindringlinge nach einiger Zeit wieder verschwanden. Seither tobte ein erbitterter Krieg zwischen den Echsen und den Laa. Das war die grob zusammengefaßte Geschichte der Laa – und ihres Befreiers.
Es muß wohl eine Art Naturgesetz sein, daß Menschen, die in Not sind, sich stets nach einem Befreier sehnen, einem Gott, der im Augenblick der höchsten Gefahr vom Himmel herabsteigt und sie rettet, und es gab auch hier diese Legende; wie überall. Mit einem Unterschied:
Den Laa war dieser Befreier wirklich erschienen; ein Fremder, der sie vor den Echsen gerettet hatte und ihr Volk ein für allemal von ihnen befreien würde.
Er hieß Torian.
Natürlich war er kein Gott, nicht einmal ein ganz kleiner –aber er hatte nun einmal gegen die Echsen gekämpft und den Laa allein durch seine Existenz und ihre Hoffnung auf eine Erfüllung der alten Prophezeiung den Mut zum Weiterkämpfen gegeben, auch wenn er dabei vor Angst fast gestorben wäre. Und deshalb hielten ihn Ayla und die anderen für ihren Gott; den Befreier, von dem ihre alten Legenden berichteten. Es hatte herzlich wenig Sinn, den Laa klarmachen zu wollen, daß ihre Vermutungen nicht stimmten und er alles andere als ein Gott war, denn auch dafür hatten sie praktischerweise die richtige Legende parat – nämlich die, daß ihr Erretter selbst nichts von seiner Bestimmung ahnte...