Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Er schüttelte den Kopf. Wie fortgewischt war aller Zorn, den er zuvor für sie empfunden hatte. Er wußte nicht, was mit ihr geschah, aber er würde sie jetzt nicht allein lassen, nicht um alles in der Welt.
»Nein«, stöhnte sie mit ersterbender Stimme. Sie zitterte am ganzen Körper, dennoch bäumte sie sich auf und hob die Hand, als versuchte sie, ihn fortzuscheuchen. Die Bewegung war so schwach, daß er sie fast nur ahnen konnte.
»Lauf«, hauchte sie noch einmal. »So lauf doch endlich!«
Wieder schüttelte er den Kopf, beugte sich über sie und versuchte, sie aufzurichten. Es blieb beim Versuch. Bläuliche Funken rasten über ihren Körper. Ein Blitz zuckte auf, und fuhr wie ein feuriges Schwert durch Torians Arm, als er sie berührte.
Er schrie auf und wurde von einer unsichtbaren Faust zurückgeschleudert. Ein stechender Schmerz fuhr durch seinen Rücken, als er auf das Pflaster prallte. Stöhnend richtete er sich auf und kroch auf Händen und Knien zu Lyn zurück.
Zu dem Wesen, das einmal Lyn gewesen war. Wie ein Geflecht blutigroter Flammen trafen die letzten Sonnenstrahlen Lyns Körper und hüllten ihn ein. Aber die grauenvolle Veränderung, die sie durchmachte, war nicht allein darauf zurückzuführen. Ihre Haut schien in Sekundenschnelle um Jahre zu altern, schien vor seinen Augen zu zerfließen und sich in Nichts aufzulösen, und irgend etwas anderes, Rötliches kam unter der Maske ihrer engelhaften Züge zum Vorschein.
»Flieh doch, Torian«, brachte sie noch einmal mit letzter Kraft hervor. Ihre Stimme klang zischend; die Stimmbänder waren nicht für menschliche Worte gedacht.
Entsetzt prallte er zurück. Nein! hämmerte eine Stimme in ihm. »Lyn!« schrie er und wußte gleichzeitig, daß sie ihn nicht mehr hörte.
Einige Sekunden war er unfähig, sich zu rühren, erstarrte mitten in der Bewegung. Es waren genau die Sekunden, die sie brauchte, um ihre Verwandlung zu beenden.
Als sich Torian endlich wieder aus der Erstarrung löste, war es bereits zu spät, um noch zu fliehen. Vor ihm kauerte eine verkleinerte Ausgabe der Alptraumkreatur aus der Kuppel, die ihn immerhin auch noch um gute zwei Köpfe überragte. Mit einem Fauchen sprang sie auf ihn zu.
Ein Hieb ihrer mit Hornschuppen gepanzerten Klaue traf ihn mit aller Wucht. Er wurde von den Füßen gerissen und meterweit zurückgeschleudert. Einige Herzschläge lang wußte er nicht mehr, wo Oben und wo Unten war. Instinktiv nahm er blitzschnell die Arme hoch und schützte seinen Kopf, während er seinen Körper zusammenkrümmte.
Diese Reaktion rettete ihm das Leben. Er prallte auf den Boden und überschlug sich mehrmals. Der Aufschlag betäubte ihn fast; schien ihm das Rückgrat zu brechen. Für Sekunden bestand sein Körper nur noch aus brennendem, verzehrendem Schmerz.
Torian ahnte den dunklen Schatten über sich mehr, als er ihn sah. Verzweifelt schrie er auf und warf sich abermals zur Seite.
Die dolchartigen Klauen verfehlten sein Gesicht nur um eine Handbreit. Dicht neben seinem Kopf bohrten sie sich in den Boden, rissen Steine aus dem Erdreich und zermalmten sie. Die Drachenkreatur stieß einen wuterfüllten, unmenschlichen Schrei aus.
Andere schattenhafte Gestalten waren plötzlich um sie herum. Mühsam kämpfte Torian gegen den Schmerz an und blinzelte die Benommenheit fort. Erst dann erkannte er, daß es sich bei den anderen um Menschen handelte, die mit Schwertern und Speeren gegen das Monstrum kämpften. Grobe Hände zerrten Torian hoch, dann versetzte ihm jemand zwei schallende Ohrfeigen.
Die Drachenkreatur, die einmal Lyn gewesen war, verschwand. Sie war nicht geflohen oder von den Unbekannten getötet worden — sie war einfach nicht mehr da. Der Platz, an dem sie noch vor einer Sekunde gestanden hatte, war leer, als hätte es sie nie gegeben. Verwirrt schaute sich Torian um. Nirgendwo war eine Spur des Monstrums zu sehen. Nur die mehr als zwei Dutzend Unbekannten standen noch in einem Kreis um ihn herum. Sie trugen derbe Hosen, die von einem breiten, metallbeschlagenen Gürtel zusammengehalten wurden, darüber ein stählernes Kettenhemd. Immer noch hielten sie ihre Waffen in den Händen, und sie beobachteten ihn lauernd, aber nicht feindselig. Immer wieder schauten sie sich besorgt um. Ihre Haltung war sprungbereit; eine fast greifbare Spannung lag in der Luft, doch Torian spürte, daß sie nicht gegen ihn gerichtet war.
Er trat auf einen der Unbekannten zu, einen schlanken Mann mit dunkelblondem Haar, der im Gegensatz zu den anderen auch noch einen knielangen, schwarzen Umhang trug und so etwas wie der Anführer zu sein schien.
»Ich bin Torian Carr Conn«, stellte er sich vor.
Der Angesprochene stieß einen Schwall unverständlicher Worte aus und blickte ihn dabei fragend an.
Torian zuckte mit den Schultern. »Tut mir leid, Freunde, aber ich verstehe kein Wort.« Er legte sich die Hand auf die Brust, und mit besonders deutlicher Betonung wiederholte er noch einmaclass="underline" »Torian.«
Sein Gegenüber begriff. Auch er klopfte sich gegen die Brust. »Marodon«, sagte er. Dann machte er eine Bewegung, die ihn und seine Begleiter einschloß. »Laa.«
Anscheinend der Name des Volkes. Torian wiederholte die Worte und entsprechenden Gesten, um zu zeigen, daß er verstanden hatte.
Marodon sprudelte wieder einige fremdartige Worte hervor, dann kniete er dort nieder, wo die Echse den Straßenbelag aufgerissen hatte, nahm noch einige lose Steine aus dem Loch und begann mit seinem Schwert in den Sand darunter zu kritzeln. Torian erkannte einige Hütten, die anscheinend das Dorf der Laa darstellen sollten.
Er nickte, und Marodon wischte die Skizze hastig aus. Dafür zeichnete er die Umrisse zweier Menschen, von denen der eine ein Hüne, die andere unzweifelhaft eine Frau war. Torians Herz schlug schneller. Mit ein wenig Phantasie konnte man in den Gestalten Shyleen und Garth vermuten.
Er nannte die Namen, doch Marodon zuckte nur mit den Schultern und stand wieder auf. Noch einmal schaute er sich mit deutlichen Anzeichen der Besorgnis um, dann bedeutete er Torian mit einigen Gesten, ihnen zu folgen.
Er zögerte einen Moment, dann schloß er sich den Laa an. Sie schienen ihm nicht feindlich gesonnen zu sein, hatten ihn im Gegenteil vor dem Drachen gerettet. Wenn sie ihn umbringen wollten, hätten sie das einfacher haben können. Und die Aussicht, von ihnen vielleicht zu Shyleen und Garth geführt zu werden, rechtfertigte jedes Risiko.
Noch einmal sah er sich unbehaglich um, versuchte herauszufinden, was mit dem Drachen passiert war, der sich ihm erst in Gestalt von Lyn gezeigt hatte, dann wandte er sich mit einem neuerlichen Schulterzucken wieder um und folgte den Laa.
Voller Unbehagen wurde ihm klar, daß er sich längst nicht so frei bewegen konnte, wie ihm lieb gewesen wäre. Trotz aller Freundlichkeit bewachten ihn die Laa, hielten ihn in einem weiten Kreis eingeschlossen, den sie in Sekundenschnelle schließen konnten, wenn er auszubrechen oder sonst etwas gegen sie zu unternehmen versuchte. Dabei hasteten sie so schnell vorwärts, daß es fast einer Flucht gleichkam, und mit einem Mal begriff Torian, daß sie ihn nicht – nur bewachen, sondern auch vor einem plötzlichen Angriff beschützen wollten, indem sie ihn in die Mitte nahmen. Hoffentlich nicht einfach nur deshalb, um sich ihre Beute nicht von anderen streitig machen zu lassen, dachte er düster, dann verdrängte er auch diesen Gedanken und beschloß, zumindest solange auf ein kleines Stück Glück zu hoffen, bis sich etwas anderes herausstellte. Für den Augenblick hatte er nichts zu befürchten, und das war schon mehr, als er noch vor ein paar Minuten zu hoffen gewagt hatte.
Sie brauchten nur ein paar Minuten, um die Stadt zu verlassen und wieder in den Wald zu gelangen. Als sich Torian umdrehte, kamen ihm die Gebäude im letzten Licht der untergehenden Sonne wie gigantische, drohend gegen den Himmel gestreckte Krallen vor.
Wenig später versank die Sonne vollends, und es wurde fast schlagartig dunkel. Das Licht des Mondes drang kaum durch das dichte Blätterdach, und selbst als sich Torians Augen umgewöhnt hatten, konnte er kaum weiter als ein paar Schritte sehen.