Der Drachenbeinthron
- Автор: Уильямс Тэд
- Серия: Остен Ард #1
- Язык: немецкий
- ISBN: 3-8105-2313-5
- Переводчик: Verena C. Harksen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Der Drachenbeinthron». Краткое содержание книги:
Auf der uralten Feste Hochhorst wächst der rotschöpfige, wenig anstellige, aber ungemein wißbegierige Küchenjunge Simon auf. Von dem skurrilen, greisen Doktor Morgenes als Lehrling angenommen, lernt er Lesen, Schreiben und die Geschichte seines Landes.
Einst herrschten in Osten Ard die Sithi, ein Elbenvolk, bis aus dem hohen Norden die Menschen kamen und sie mit kaltem Eisen vertrieben. Nur mit Hilfe schwärzester Magie vermochte Ineluki, der Sohn des Elbenkönigs, einige wenige seines Volkes zu retten. Er selber gilt als tot.
Simon wird in die letzten Jahre der Regierung des siebten Königs seit jener großen Schlacht hineingeboren. Es ist der schon zu Lebzeiten sagenumwobene Johan Presbyter, der den Feuerdrachen Shurakai erschlug. Aus dessen Knochen ließ sich der König einen Thron aus Drachenbein bauen. Als Johan mit über hundert Jahren stirbt, hinterläßt er zwei Söhne; Elias, der ältere, wird neuer Hochkönig von Osten Ard. Er gerät immer mehr unter den Einfluß seines Ratgebers Pryrates, eines machtgierigen und skrupellosen Zauberpriesters. Aus Mißtrauen gegenüber seinem Bruder Josua schließt Elias zur Sicherung seiner Herrschaft einen Bund mit den Nornen. Von diesen bleichen, schwarzverhüllten Wesen erhält der junge König das Schwert ›Leid‹, eines der drei magischen Schwerter von Osten Ard.
Ohne Elias' Wissen hat Pryrates als Gegenleistung Josuas Leben versprochen. Der Prinz wird von ihm in einem der unterirdischen Verliese des Hochhorstes gefangengehalten. Durch Zufall entdeckt ihn dort der stets neugierige Simon und befreit ihn mit Morgenes' Hilfe. Als Pryrates davon erfährt, muß auch Simon fliehen: In letzter Sekunde kann der Doktor ihn in einen Geheimgang schicken, dann setzt er sich und das Haus in Brand.
Der Fünfzehnjährige weiß, dass er jetzt auf sich allein gestellt ist, denn Pryrates fordert seinen Kopf. Von nun an kämpft Simon um sein Leben – und um Osten Ard.
Niemand konnte ihm antworten, aber in dem Schweigen, das Jirikis Worten folgte, stieg ein klagender, leiser Klang empor. Voll unbekannter Worte schwebte er im Dunkel, eine Melodie von geisterhafter Schönheit.
Als er seinen Gesang beendet hatte, sah An'nai seinen stillen Prinzen und seine Sithikameraden an und blickte dann auf die anderen, die jenseits der tanzenden Flammen saßen.
»Es ist eines von unseren Liedern, das einst auch die Sterblichen sangen«, murmelte er. »Die Menschen des Westens liebten es vor langer Zeit und gaben ihm Worte in ihrer Sprache. Ich will … ich will versuchen, es in eure zu übersetzen.«
Er sah zum Himmel auf und dachte nach. Der Wind hatte sich gelegt, und als das Schneegestöber aufhörte, wurden die Sterne sichtbar und leuchteten kalt und fern.
Endlich begann An'nai zu singen, und die Schnalzlaute und fließenden Vokale der Sithisprache schwangen gedämpft in seinen Worten mit.
Als An'nais Stimme sich hob und die klagenden Worte liebkoste, erfaßte Simon eine nie gekannte Sehnsucht – Heimweh nach einer Heimat, die er niemals gekannt, ein Gefühl des Verlustes für etwas, das ihm nie gehört hatte. Niemand sprach, während An'nai sang. Niemand hätte ein Wort herausgebracht.
An'nai verstummte. Das Feuer war ein einsamer heller Fleck in einer Wüste von Schatten.
Das grüne Zelt stand ganz allein in der feuchten Leere der Ebene vor den Mauern von Naglimund. Seine Wände hoben und senkten sich und wogten im Wind, als ob es als einziges von allen Dingen, die sich vielleicht ungesehen auf dieser riesigen offenen Fläche bewegten, lebte und atmete.
Deornoth biß die Zähne zusammen, um einen abergläubischen Schauder zu unterdrücken, obwohl der feuchte, messerscharfe Wind genügte, sie klappern zu lassen. Er sah auf Josua, der ein kleines Stück vor ihm herritt.
Schaut ihn an, dachte er. Als ob er seinen Bruder schon vor sich sähe – als könnten seine Augen mitten durch die grüne Seide und das schwarze Drachenwappen darauf sehen, tief in Elias' Herz.
Als er sich nach dem dritten und letzten Mitglied ihrer Abordnung umsah, fühlte Deornoth sein ohnehin schweres Herz noch tiefer sinken. Der junge Soldat, auf dessen Anwesenheit Josua bestanden hatte – ein gewisser Ostrael –, wirkte, als würde er vor lauter Angst gleich ohnmächtig werden. Seine derben, kantigen Züge, deren Röte durch die sonnenlosen Frühjahrswochen inzwischen verblaßt war, zeigten einen Ausdruck krampfhaften, nur mühsam unterdrückten Entsetzens.
Ädon steh uns bei, wenn wir uns auf den verlassen müssen. Warum in aller Welt hat ihn Josua nur ausgesucht?
Während sie sich langsam dem Zelt näherten, teilte sich die Zeltklappe. Deornoth straffte sich, den Bogen griffbereit. Nur ein Augenblick blieb ihm, sich selber zu verfluchen, weil er zugelassen hatte, daß sein Prinz eine so ungeheure Dummheit machte. Aber der heraustretende Soldat blickte sie nur gleichgültig an und trat dann neben den Eingang, um ihnen den Weg freizuhalten.
Deornoth gab Josua ein respektvolles Zeichen zu warten und spornte sein Pferd rasch einmal um das grüne Zelt herum. Es war groß, ein Dutzend Schritte oder mehr nach allen Seiten, und die Haltetaue, an denen der Wind zerrte, summten unter seinem Gewicht; aber das zertretene Gras ringsum war frei von jedem Hinterhalt.
»So, Ostrael«, sagte er, als er wiederkam. »Du bleibst hier stehen, neben diesem Mann«, er deutete auf den anderen Soldaten, »und zwar so, daß man ständig wenigstens eine deiner Schultern in der Tür sieht, verstanden?«
Deornoth nahm das matte Lächeln des jungen Spießkämpfers als Bestätigung und wandte sich dem Wachsoldaten des Königs zu. Das bärtige Gesicht des Mannes kam ihm bekannt vor; bestimmt hatte er ihn schon auf dem Hochhorst gesehen. »Wenn auch du dich so neben die Tür stellen würdest, wäre es für alle Beteiligten besser.«
Der Wächter verzog den Mund, trat jedoch einen Schritt näher an den Eingang heran. Josua war bereits abgestiegen und näherte sich der Tür. Deornoth beeilte sich, ihm zuvorzukommen und trat ein, die eine Hand locker am Schwertgriff.
»Soviel Vorsicht ist kaum vonnöten, Deornoth«, bemerkte eine leise, aber durchdringende Stimme, »so heißt Ihr doch, oder? Schließlich sind wir hier alle Ehrenmänner.«
Deornoth blinzelte. Josua war ihm gefolgt. Innen war es schneidend kalt und finster. Die Wände gaben ein schwaches Licht von sich, ließen jedoch nur einen Bruchteil der Helligkeit von außen herein, als schwömmen die Insassen des Zeltes in einem gewaltigen, wenn auch unvollkommen geschliffenen Smaragd.
Vor ihm schwebte ein bleiches Gesicht, die schwarzen Augen wie Nadelstichlöcher ins Nichts. Im grünen Dämmerlicht erschien Pryrates' Scharlachgewand rostrot, von der Farbe getrockneten Blutes. »Und Josua!« sagte er im Tonfall schrecklicher Leichtfertigkeit. »So sehen wir uns wieder. Wer hätte gedacht, daß sich seit unserem letzten Gespräch so vieles ereignen würde?«
»Haltet den Mund, Priester – oder was immer Ihr seid«, fuhr der Prinz ihn an. In seinen Worten lag soviel kalte Stärke, daß selbst Pryrates vor Erstaunen blinzelte wie eine aufgeschreckte Eidechse. »Wo ist mein Bruder?«
»Ich bin hier, Josua«, sagte eine Stimme, ein tiefes, zerbrochenes Flüstern, das wie ein Echo des Windes klang.