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Электронная книга - «Die Dämonen». Краткое содержание книги:

Die Dämonen
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Ich habe mir zu wiederholten Malen die Frage vorgelegt: warum ging er gerade, das heißt im buchstäblichen Sinne: warum ging er gerade zu Fuß und fuhr nicht einfach auf einem Wagen? Anfangs erklärte ich mir das mit seiner fünfzigjährigen Unerfahrenheit in praktischen Dingen und mit einer phantastischen, durch ein starkes Gefühl hervorgerufenen Aberration der Ideen. Es schien mir, daß der Gedanke an einen Reiseschein zur Benutzung von Postpferden (selbst wenn die Pferde Glöckchen hätten) ihm gar zu einfach und prosaisch erscheinen mußte, die Pilgerschaft dagegen als eine weit schönere Rache des Liebenden. Aber heute, wo alles schon zu Ende ist, glaube ich, daß alles dies damals viel einfacher zuging: erstens fürchtete er sich, einen Wagen zu nehmen, weil Warwara Petrowna es erfahren und ihn mit Gewalt zurückhalten konnte, was sie auch gewiß getan hätte; er aber hätte sich ihr dann sicherlich gefügt, und – dann hätte er der großen Idee für immer Lebewohl sagen müssen. Zweitens mußte man, um einen Reiseschein zu nehmen, mindestens wissen, wohin man fahren wollte. Aber gerade daß er dies nicht wußte, war für ihn in diesem Augenblicke der größte Schmerz: er war absolut nicht imstande, einen Ort zu nennen und zu bestimmen. Denn wenn er sich für irgendeine Stadt entschieden hätte, so wäre sein Unternehmen sofort in seinen eigenen Augen absurd und unmöglich geworden; das sah er sehr wohl vorher. Denn was sollte er gerade in dieser bestimmten Stadt tun, und warum nicht in einer andern? Sollte er ce marchand suchen? Aber was für einen marchand? Hier trat ihm diese zweite, besonders furchtbare Frage entgegen. Im Grunde gab es für ihn nichts Schrecklicheres als ce marchand, den zu finden er sich so plötzlich Hals über Kopf aufmachte, und den zu finden er in Wirklichkeit selbstverständlich aufs äußerste fürchtete. Nein, das beste war schon einfach die Landstraße, so einfach auf sie hinauszugehen und sie entlang zu wandern und an nichts zu denken, solange das irgend anging. Die Landstraße, das ist etwas Langes, Langes, wobei kein Ende abzusehen ist, gerade wie das menschliche Leben, gerade wie menschliche Zukunftsträumereien. In der Landstraße liegt eine Idee; aber was für eine Idee liegt in einem Reiseschein? Ein Reiseschein, das ist das Ende der Idee ... Vive la grande route, und dann komme, was Gott sendet!

Nach dem plötzlichen, unerwarteten Zusammentreffen mit Lisa, das ich bereits erzählt habe, wanderte er in noch größerer Versunkenheit weiter. Die Landstraße führte in einer Entfernung von einer halben Werst an Skworeschniki vorbei, und seltsamerweise hatte er anfänglich gar nicht einmal bemerkt, wie er auf sie gekommen war. Etwas gründlich zu überlegen oder auch nur sich einer Sache klar bewußt zu sein war ihm in diesem Augenblicke ein Ding der Unmöglichkeit. Der feine Regen hörte bald auf, bald setzte er wieder ein; aber auch den Regen bemerkte er nicht. Ebensowenig bemerkte er es, daß er die Reisetasche über die Schulter geworfen hatte und ihm infolgedessen das Gehen leichter wurde. So mochte er eine oder anderthalb Werst gegangen sein, als er auf einmal stehen blieb und sich umschaute. Die alte, schwarze, von Wagengeleisen durchfurchte Landstraße zog sich, mit Weidenbäumen eingefaßt, vor ihm wie ein endloser Faden hin; zur Rechten war eine kahle Fläche, längst abgeerntete Felder, zur Linken Gesträuch und weiter dahinter ein Wäldchen. Und fern, ganz fern die kaum wahrnehmbare Linie der in schräger Richtung vorüberfahrenden Eisenbahn und auf ihr der Rauch eines Zuges, von dem aber kein Geräusch mehr zu hören war. Stepan Trofimowitsch wurde ein wenig ängstlich, aber nur für einen Augenblick. Ohne besonderen Grund seufzte er, stellte seine Reisetasche unter eine Weide und setzte sich darauf, um sich auszuruhen. Während er sich niedersetzte, fühlte er im Körper einen Frostschauder und wickelte sich in das Plaid; da er gleichzeitig auch den Regen gewahr wurde, spannte er den Regenschirm auf. So saß er ziemlich lange, wisperte ab und zu etwas vor sich hin und preßte seine Hand fest um den Griff des Regenschirmes. Verschiedene Bilder zogen in fieberhafter Reihe, einander schnell ablösend, vor seinem geistigen Auge vorüber. »Lise, Lise,« dachte er, »und mit ihr ce Maurice. Sonderbare Menschen ... Aber was war das für eine sonderbare Feuersbrunst, und wovon redeten sie eigentlich, und wer ist da ermordet? ... Ich glaube, Stasie hat noch nichts davon gemerkt, daß ich für immer fortgegangen bin, und wartet noch auf mich mit dem Kaffee ... Im Kartenspiel? Habe ich denn Menschen im Kartenspiel verloren? Hm! Bei uns in Rußland zur Zeit der sogenannten Leibeigenschaft ... Ach, mein Gott, aber Fedka?«

Er zuckte mit dem ganzen Leibe vor Schreck zusammen und blickte rings um sich.

»Aber wie, wenn hier irgendwo hinter einem Strauche dieser Fedka sitzt? Es heißt ja, er kommandiere hier eine ganze Räuberbande auf der Landstraße. O Gott, dann werde ich ... dann werde ich ihm die ganze Wahrheit sagen, daß ich schuldig bin ... und daß ich zehn Jahre lang um seinetwillen gelitten habe, mehr als er dort bei den Soldaten, und ... und ich werde ihm mein Portemonnaie geben. Hm! j'ai en tout quarante roubles; il prendra les roubles et il me tuera tout de même.«

Vor Angst machte er (es ist schwer zu sagen warum) den Regenschirm zu und legte ihn neben sich. In der Ferne, auf dem Wege von der Stadt, zeigte sich ein Bauernwagen; Stepan Trofimowitsch begann ihn unruhig zu betrachten.

»Grâce à Dieu, es ist ein Bauernwagen, und – er fährt Schritt; das kann nicht gefährlich sein. Diese hiesigen halbverhungerten Pferdchen ... Ich habe immer über die Rasse gesprochen ... Übrigens war es Peter Iljitsch, der im Klub von der Rasse zu reden anfing; aber ich habe ihn damals schön widerlegt, et puis ... Aber was ist denn da hinten ... wie es scheint, sitzt eine Bauerfrau auf dem Wagen. Eine Bauerfrau und ein Bauer – cela commence à être rassurant. Die Frau hinten und der Bauer vorn – c'est très rassurant. Hinten ist an den Wagen eine Kuh an den Hörnern angebunden, c'est rassurant au plus haut degré.«

Der Wagen war herangekommen; es war ein ganz einfacher, ordentlicher Bauernwagen. Die Frau saß auf einem prall vollgestopften Sacke und der Bauer auf dem Wagenrande; die Beine ließ er nach Stepan Trofimowitschs Seite zu seitwärts heraushängen. Hinterdrein schleppte sich wirklich eine rote, an den Hörnern angebundene Kuh dahin. Der Bauer und die Frau betrachteten Stepan Trofimowitsch mit weit aufgerissenen Augen, und Stepan Trofimowitsch sah sie ganz ebenso an; aber als er sie bereits ungefähr zwanzig Schritte an sich hatte vorbeipassieren lassen, stand er plötzlich eilig auf und suchte sie einzuholen. In der Nachbarschaft des Wagens fühlte er sich natürlich sicherer; aber als er ihn eingeholt hatte, vergaß er sofort alles wieder und versank von neuem in seine fragmentarischen Gedanken und Vorstellungen. Er schritt dahin und ahnte natürlich nicht, daß er für den Bauer und dessen Frau in diesem Augenblicke den rätselhaftesten und interessantesten Gegenstand bildete, den man auf der Landstraße treffen kann.

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