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Электронная книга - «Die Dämonen». Краткое содержание книги:

Die Dämonen
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»Wissen Sie was? Meiner Ansicht nach glauben Sie womöglich noch fester als ein Pope.«

»An wen? An Ihn? Hören Sie,« sagte Kirillow, indem er stehen blieb und mit einem starren, verzückten Blicke vor sich hin sah. »Hören Sie einen großen Gedanken: es war auf der Erde ein Tag, und mitten auf der Erde standen drei Kreuze. Einer der Gekreuzigten glaubte so fest, daß er zu einem der andern sagte: ›Heute wirst du mit mir im Paradiese sein.‹ Der Tag ging zu Ende, beide starben, gingen hin und fanden weder ein Paradies noch eine Auferstehung. Was der eine gesagt hatte, bewahrheitete sich nicht. Hören Sie: dieser Mensch war der höchste auf der ganzen Erde; er stellte das Ziel dar, zu dessen Erreichung sie leben sollte. Der ganze Planet, mit allem, was auf ihm ist, ist ohne diesen Menschen nur ein Wahnsinn. Weder vor Ihm noch nach Ihm hat es einen ebensolchen Menschen gegeben; er war geradezu ein Wunder. Das Wunder besteht eben darin, daß es einen ebensolchen nie gegeben hat und nie geben wird. Wenn dem aber so ist, wenn die Naturgesetze nicht einmal mit Ihm Mitleid gehabt, ihr eigenes Wunderwerk nicht geschont, sondern auch Ihn gezwungen haben, inmitten der Unwahrheit zu leben und für eine Unwahrheit zu sterben, dann ist der ganze Planet Unwahrheit und beruht auf Unwahrheit und dummer Verhöhnung. Mithin sind die Gesetze des Planeten selbst Unwahrheit und eine vom Teufel ersonnene Komödie. Wozu soll man also leben? Antworten Sie, wenn Sie ein Mensch sind!«

»Dadurch bekommt die Sache eine andere Wendung. Mir scheint, Sie haben hier zwei verschiedene Ursachen durcheinandergemischt; das ist aber ein sehr unzuverlässiges Verfahren. Aber erlauben Sie, wie nun, wenn Sie ein Gott sind? Wenn die Unwahrheit ein Ende genommen hat und Sie es richtig erraten haben, daß die ganze Unwahrheit daher stammte, daß der frühere Gott existierte?«

»Endlich haben Sie es begriffen!« rief Kirillow enthusiastisch. »Also kann man es doch begreifen, wenn sogar ein solcher Mensch, wie Sie, es begriffen hat! Jetzt werden Sie begreifen, daß die ganze Rettung für alle darin besteht, daß man allen diesen Gedanken zeigt. Aber wer wird ihn zeigen? Ich! Ich begreife nicht, wie bisher ein Atheist hat wissen können, daß es keinen Gott gibt, ohne sich doch sofort zu töten. Zu wissen, daß es keinen Gott gibt, und gleichzeitig nicht zu wissen, daß man selbst ein Gott geworden ist, das ist eine Absurdität; man tötet sich sonst unfehlbar selbst. Wenn man es weiß, dann ist man ein König und tötet sich nicht mehr selbst, sondern lebt in Pracht und Herrlichkeit. Aber einer, derjenige, der der erste ist, der muß sich unbedingt selbst töten; denn wer wird sonst den Anfang machen und es zeigen? Und so werde ich mich unfehlbar selbst töten, um den Anfang zu machen und es zu zeigen. Ich bin jetzt nur noch wider meinen Willen ein Gott, und ich bin unglücklich, weil ich verpflichtet bin, Eigenwillen zu zeigen. Alle sind unglücklich, weil alle sich fürchten, Eigenwillen zu zeigen. Eben darum ist der Mensch bisher so unglücklich und arm gewesen, weil er sich gefürchtet hat, in dem wichtigsten Punkte Eigenwillen zu zeigen, und nur so in Nebendingen Eigenwillen gezeigt hat wie ein Schulknabe. Ich bin schrecklich unglücklich, weil ich mich schrecklich fürchte. Die Furcht ist der Fluch des Menschen ... Aber ich werde Eigenwillen zeigen; ich bin verpflichtet zu glauben, daß ich nicht glaube. Ich werde den Anfang machen und das Ende bringen und die Tür öffnen. Ich werde der Retter sein. Nur dieses Eine wird alle Menschen retten und sie gleich in der folgenden Generation physisch umgestalten; denn in der jetzigen physischen Gestalt kann, soweit ich das einsehe, der Mensch ohne den früheren Gott nicht existieren. Drei Jahre lang habe ich nach dem Attribute meiner Göttlichkeit gesucht und es endlich gefunden: das Attribut meiner Göttlichkeit ist der Eigenwille! Das ist alles, wodurch ich im wichtigsten Punkte meine Unbotmäßigkeit und meine neue furchtbare Freiheit zeigen kann. Denn furchtbar ist sie in hohem Grade. Ich werde mich töten, um meine Unbotmäßigkeit und meine neue furchtbare Freiheit zu zeigen.«

Sein Gesicht war unnatürlich blaß, sein Blick unerträglich starr. Er war wie im Fieber. Peter Stepanowitsch dachte schon, er werde im nächsten Augenblick umfallen.

»Geben Sie eine Feder her!« rief Kirillow auf einmal ganz unerwartet in einem Zustande entschiedener Verzückung. »Diktieren Sie, ich werde alles niederschreiben und unterzeichnen. Auch daß ich Schatow getötet habe. Diktieren Sie, solange mir noch lächerlich zumute ist! Ich fürchte das Urteil hochmütiger Sklaven nicht! Bald werden Sie selbst sehen, daß alles Geheime offenbar werden wird! Aber Sie werden erdrückt werden ... Ich glaube! Ich glaube!«

Peter Stepanowitsch sprang von seinem Platze auf, reichte ihm im Nu Tinte und Papier und begann, den günstigen Augenblick benutzend und in zitternder Angst um das Gelingen, zu diktieren.

»Ich, Alexei Kirillow, erkläre ...«

»Halt! Das will ich nicht! Wem erkläre ich das?«

Sein ganzer Leib wurde wie vom Fieber geschüttelt. Dieser Ausdruck »Ich erkläre« und ein besonderer plötzlicher Gedanke, der sich daran knüpfte, schienen auf einmal seine ganze Aufmerksamkeit zu absorbieren, wie wenn das ein Ausweg wäre, nach dem sein gequälter Geist wenigstens für einen Augenblick ungestüm hinstürzte.

»Wem erkläre ich das? Ich will wissen wem.«

»Niemandem, allen, dem ersten besten, der es liest. Wozu soll man das näher bestimmen? Der ganzen Welt!«

»Der ganzen Welt? Bravo! Und Reue soll nicht darin vorkommen. Ich will nichts bereuen. Und ich will mich nicht an die Obrigkeit wenden!«

»Nein doch! Das ist ja auch nicht nötig; hole der Teufel die Obrigkeit! So schreiben Sie doch, wenn es Ihnen Ernst ist! ...« rief Peter Stepanowitsch in krankhafter Aufregung.

»Halt! Ich will eine Fratze mit herausgestreckter Zunge darüber zeichnen.«

»Ach, dummes Zeug!« erwiderte Peter Stepanowitsch ärgerlich. »Das kann man auch ohne Zeichnung durch den bloßen Ton zum Ausdruck bringen.«

»Durch den Ton? Das ist gut. Ja, durch den Ton, durch den Ton! Diktieren Sie es mit dem Ton!«

»Ich, Alexei Kirillow,« diktierte Peter Stepanowitsch mit fester, gebieterischer Stimme, indem er sich über Kirillows Schulter beugte und jeden Buchstaben verfolgte, den dieser mit seiner vor Aufregung zitternden Hand hinschrieb, »ich, Kirillow, erkläre, daß ich heute, am ...ten Oktober, zwischen sieben und acht Uhr abends, den Studenten Schatow im Parke getötet habe, wegen Verräterei und wegen einer Denunziation betreffend die Proklamationen und Fedka, welcher bei uns beiden im Filippowschen Hause zehn Tage lang gewohnt und genächtigt hat. Ich töte mich selbst heute mit einem Revolver, nicht weil ich Reue empfände oder vor jemand Furcht hätte, sondern weil ich schon im Auslande den Entschluß gefaßt hatte, mir das Leben zu nehmen.«

»Weiter nichts?« rief Kirillow erstaunt und unwillig.

»Kein Wort weiter!« versetzte Peter Stepanowitsch mit einer abwehrenden Handbewegung und suchte ihm das Schriftstück zu entreißen.

»Halt!« rief Kirillow und legte seine Hand fest auf das Papier; »halt, Unsinn! Ich will angeben, in welcher Absicht ich mich getötet habe. Und wozu ist da Fedka erwähnt? Und wie ist's mit der Feuersbrunst? Ich will alles schreiben, und dann will ich noch in kräftigem Tone schimpfen, jawohl, in kräftigem Tone!«

»Genug, Kirillow, ich versichere Ihnen, daß es ausreicht!« sagte, beinahe flehend, Peter Stepanowitsch, der vor Angst zitterte, der andere könnte das Blatt zerreißen. »Damit es Glauben findet, muß es möglichst dunkel gehalten sein, gerade so, mit bloßen Andeutungen. Man darf nur ein Zipfelchen von der Wahrheit zeigen, eben nur so viel, daß es diese Leute reizt. Denn sie belügen sich selbst immer mehr, als wir sie belügen, und ebenso glauben sie sicherlich sich selbst mehr als uns, und das ist ja das Allerbeste, das Allerbeste! Geben Sie her! So, wie es ist, ist es vorzüglich; geben Sie her, geben Sie her!«

Er bemühte sich, ihm das Blatt zu entreißen. Kirillow hatte mit weit aufgerissenen Augen zugehört und anscheinend versucht, sich die Sache im Kopfe zurechtzulegen; aber er schien nichts davon verstanden zu haben.

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