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Электронная книга - «Witiko». Краткое содержание книги:

An seinem monumentalen Werk über die Gründungsgeschichte des Königreiches Böhmen im 12. Jahrhundert arbeitete Stifter zehn Jahre lang wie »ein Pflugstier«. Durch den Romanhelden Witiko, der stellvertretend für den sittlich handelnden Menschen steht, wird das grandiose Historiengemälde zum Bildungsroman, als dessen Meister sich der Autor mit seinem ›Nachsommer‹ in die Literaturgeschichte eingeschrieben hatte.
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Die Fürsten und Herren riefen dem Kaiser freudig zu, und gelobten, seine Weisungen genau zu befolgen, und die Rechtsgelehrten des Lagers sagten, es sei gut, daß man eine solche Stadt nicht ungehört verdamme.

Es kamen die Abgesandten der Stadt Mailand.

Sie sprachen: »Die gute und getreue Stadt Mailand bringt der Hoheit des Kaisers, welcher der König des italienischen lombardischen Bodens ist, ihre Huldigung und ihre Unterwürfigkeit dar. Die gute und getreue Stadt Mailand hat nie die Rechte des Königs verhöhnt oder sie verletzt. Der König hat das Recht, die obersten Lehen zu verleihen, er hat das Recht, die Lehensträger zusammen zu rufen, er hat das Recht, auf den Reichstagen Gesetze zu geben, er hat das Recht, Richter und Notare zu ernennen, seine Stellvertreter abzuordnen, und zu verlangen, daß sein Heer im Lande verpflegt werde. Die gute und getreue Stadt Mailand hat das eifrige Verlangen, daß diese Rechte im aufrechten Bestande sind. Der fränkische König Karl hat die römische Kaiserkrone von dem Heiligen Vater empfangen. Er hat das longobardische Reich erobert, hat den longobardischen König entsetzt, und ist selber der longobardische König geworden. Und dann sind in später Zeit die Könige der Deutschen die Nachfolger Karls geworden, sie haben von dem Heiligen Vater die römische Kaiserkrone erhalten, und haben sich zu Königen des lombardischen Landes gemacht. Aber die Könige waren selten in dem Lande, und die Herren in den Schlössern übten ihren Willen und ihre Gewalt. Da halfen sich die armen Städte selber. Ihre Bürger sammelten sich Kenntnisse und Mittel, schlossen sich an einander, führten mit Ausdauer die Waffen, daß ihnen die Herren nicht schaden konnten. Sie gaben sich seither Satzungen, für die sie ihr Leben einsetzten. So ist es in vielen geworden, und so ist es in der guten getreuen Stadt Mailand geworden. Und weil es so ist, so sollten sie von der Wahl ihrer Könige nicht ausgeschlossen sein, sie sollten auf den Reichstagen zu den Gesetzen mitwirken, und es sollte ihnen gegen ihren Willen kein Stellvertreter des Königs, kein Richter, kein Notar, kein Konsul, kein Oberer gesetzt werden. Dem Könige werden die Mailänder dann stets reiche Geschenke senden, sie werden ihm ein hinreichendes Geld zur Bestreitung der Landeskosten geben, und sie werden, wenn er im Lande ist, zu seiner Hofhaltung und zur Verpflegung seines Heeres nach Kräften und nach Einsicht beitragen. Sie werden immer demütige Untertanen sein, und die Fürsten seines Reiches mit großen Geschenken und Ehrenbezeugungen bedenken, daß das alles in Vollziehung kömmt.«

»So hängt ihnen tote Hunde um den Hals, und jagt sie aus dem Lager«, rief Friedrich, der Herzog von Schwaben.

»Richte nicht du allein«, sagte der Kaiser.

Dann sprach er zu den Abgesandten: »Ihr habt recht geredet, da ihr gesagt habt, wie die Herrschaft an die deutschen Könige gekommen ist. Ihr habt schlecht geredet, da ihr gesagt habt, wie sie geübt werden soll. Den König wollt ihr wählen, der König soll Gesetze geben, die ihr wollt, der König soll Obere einsetzen, die ihr wollt, und der König soll empfangen, was ihr ihm gebet. Wer ist dann der König? Ihr redet von der Hilfe, die ihr euch selbst gewähren mußtet. Sind die Übel nicht entstanden, weil die Macht der Könige zu schwach geübt wurde? Daher die wilden Kriege gegen die Herren im Lande, die Kriege der Städte unter einander. Sind die Kriege durch die Könige oder durch euch entstanden? Ihr wollt frei von Bedrückung sein, und bedrückt andere. Seid ihr nicht grausamer gegen Lodi gewesen, als je ein fremder Kriegsmann? Meint ihr, ich habe vergessen, daß ihr bei meinem Heimzuge aus Rom mit denen von Verona im Einverständnisse eine Brücke bautet, die unter meinem Heere brechen sollte, und daß ihr mich in den Engpässen überfielet, damit ich umkomme? Meint ihr, ich habe vergessen, daß ihr Tortona, das ich zerstört habe, sogleich wieder hergestellt und in euern Bund gezogen habt, daß ihr meine getreue Stadt Pavia bekämpft und ihr einen Vorsteher von Mailand gegeben habt, daß ihr meinen Markgrafen von Montferrat bekriegt und seine Schlösser erobert habt, daß ihr Brescia und Piacenza in euern Bund wider mich genommen habt? Und soll ich es vergessen, daß ihr vor meinen Ohren jetzt die Fürsten zu gewinnen strebt, daß sie euch zu Sinne sind?«

Darauf antwortete einer der Gesandten: »Wir wissen nichts von dem Verrate bei Verona, wir haben denen von Tortona, weil sie baten, nachbarliche Hilfe geleistet, und haben uns gegen die, welche uns unterdrücken wollten, gewehrt. Wir sind nichts anders als treue Untertanen des Königs gewesen. Was die Kriege der Städte gegen einander betrifft, so ist das in Freistaaten so, sie haben ihre Liebe und ihren Haß für sich.«

»Du hast das Wort gesagt«, sprach der Kaiser, »ihr seid Freistaaten, und ein Freistaat ist kein Untertan. Ist die Stadt Mailand die getreue, und bedarf sie des Schutzes, so rufe sie den des Königs, wie die andern treuen Städte getan haben. Ihr habt hier Worte der Herrschaft gesprochen, habt ihr nicht auch die der Unterwerfung?«

»Wir haben nach Auftrag die demütigen Bitten der Unsern vor unsern König gebracht«, sagte der Abgesandte. »So sind wir fertig«, sprach der Kaiser. »Hochwürdiger Erzbischof von Mainz, wie nennt man das, was Mailand übt?«

»Empörung«, sagte der Erzbischof.

»Und du von Köln?« fragte der Kaiser.

»Empörung«, antwortete der Erzbischof von Köln.

»Und du von Trier?« fragte der Kaiser.

»Empörung«, antwortete der Erzbischof von Trier.

»Und ihr andern?« fragte der Kaiser.

»Empörung«, riefen alle.

»So müssen wir mit unserm Heere weiter vorgehen, ob die von Mailand andern Sinnes werden«, sagte der Kaiser, »ihr Abgesandte aber gehet von hinnen. Hocherlauchter König von Böhmen, erlauchter Herzog von Österreich, ich bitte euch, befehlet Männer aus euern Heeren, welche diese da ungefährdet aus dem Lager bringen.«

Der König von Böhmen sandte zu Witiko, der Herzog von Österreich zu Chunring.

Beide kamen mit Scharen, und führten die Abgesandten Mailands hinweg.

Und von diesem Augenblicke an wurde der Zug gegen Mailand gerüstet.

Wladislaw, der König von Böhmen, brach zuerst sein Lager ab, und war mit seinen Männern an der Spitze des Heeres.

Man zog im Anfange nach Blancanuga, und von dort zog man gegen Cassano, wo die große Brücke über den Fluß Adda war. Da die Heere an den Fluß gekommen waren, sahen sie, daß die Brücke zerstört worden sei, und die Kundschafter sagten, es seien schon vor langer Zeit auch alle andern Brücken in der Gegend hinweg genommen worden.

Der Kaiser lagerte also an der zerstörten Brücke, und tausend Schritte von ihm abwärts lagerte der König von Böhmen, sein Bruder Diepold und der Bischof Daniel. Die übrigen Fürsten und Herren hatten weiter rückwärts ihre Stellen.

Die Wasser der Adda waren von Regengüssen hoch angeschwollen, und auf dem jenseitigen Ufer waren von dem mailändischen Heere wohl über tausend schwer geharnischte Männer, und es war eine große Menge von Bogenschützen und Schleuderern. Und wie Krieger von beiden Heeren sich an den Ufern einander gegenüber zeigten, sendeten die Mailänder Pflöcke, Lanzen, Pfeile, Lagerbolzen aus ihren Schleudergeräten herüber.

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