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Nie sollst Du vergessen

Электронная книга - «Nie sollst Du vergessen». Краткое содержание книги:

In einer regnerischen Nacht wird Eugenie Davies in London von einem Autofahrer getötet. Ein Unfall ist definitiv auszuschließen: Die Frau wurde frontal angefahren und danach mehrmals absichtlich mit dem Wagen überrollt. Doch was hatte Eugenie Davies so spät am Abend überhaupt in der Stadt zu suchen? Und warum trug sie einen Zettel mit dem Namen genau des Mannes bei sich, der später ihre Leiche findet? Für Inspector Thomas Lynley, in dessen Privatleben sich zur selben Zeit dramatische Veränderungen ankündigen, sind diese Fragen nur der Auftakt zu Ermittlungen, in deren Verlauf er auf einem gefährlich schmalen Grat zwischen persönlicher Loyalität und beruflicher Ehre wandert. Denn schon bald stellen Lynley und Sergeant Barbara Havers betroffen fest, dass ihr Chef Superintendent Webberly, der mehr über Eugenie Davies zu wissen scheint, als er preisgibt, versucht, sie bei der Auswertung von Erkenntnissen zu behindern. Für Lynley und Havers steht ihre berufliche Laufbahn auf dem Spiel, doch sie sind schon viel zu tief in den Fall eingedrungen, um sich noch zurückziehen zu können. Denn die Familie Davies nährt einen tödlichen Kreislauf aus Versagen, Wut und Gewalt, der immer weitere Opfer fordert…
Psychologische Raffinesse, präziser Spannungsaufbau und ein unfehlbarer Sinn für Dramatik charakterisieren die Kriminalromane der Amerikanerin Elizabeth George. Die Autorin, die den Anthony Award, den Agatha Award und den Grand Prix de Litérature Policière gewonnen hat, lebt in Huntington Beach, Kalifornien. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ElizabethGeorgeOnline.com
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»Aber nicht auf einen Ehemann?«

Sie strich sich wieder mit einer Hand über das Haar. Es schien eine typische Geste von ihr zu sein. »Ich war nie verheiratet, Constable. Ich kümmere mich um die beiden Kinder meiner Schwester. Sie waren vier und sechs, als sie zu mir kamen. Ihr Vater wollte sie nicht haben, als meine Schwester starb - er war zu sehr damit beschäftigt, sein Single-Dasein zu genießen. Aber seit ihm langsam klar wird, dass er nicht ewig zwanzig Jahre alt sein wird, kommt er offenbar zur Vernunft. Ehrlich gesagt möchte ich ihm keinen Grund geben, mir die Kinder wegzunehmen.«

»Gibt es denn einen Grund? Was für einer wäre das wohl?«

Anstatt ihm zu antworten, stand Noreen McKay auf und ging an den Tresen. Dort bestellte sie und wartete, während ihr ein Gin Tonic gemacht wurde.

Nkata beobachtete sie und versuchte, die Lücken der Unkenntnis durch aufmerksame Betrachtung ihrer Person zu schließen. Es hätte ihn interessiert, was Noreen McKay an der Tätigkeit in einer Strafanstalt fasziniert hatte - die Macht über andere. die sie einem verlieh, oder die Möglichkeit, im Trüben zu fischen.

Mit dem Glas in der Hand kehrte sie an den Tisch zurück und sagte: »Sie haben beobachtet, dass Katja Wolff und ihre Anwältin bei mir waren. Aber das ist auch alles, was Sie gesehen haben.«

»Ich habe auch gesehen, dass sie einfach ins Haus gegangen ist. Sie hat nicht angeklopft.«

»Constable, sie ist Deutsche.«

Nkata schüttelte den Kopf. »Ich kann mich nicht erinnern, schon mal gehört zu haben, dass es bei den Deutschen nicht Sitte ist, anzuklopfen, bevor man ein fremdes Haus betritt, Miss McKay. Ich glaube, die kennen die Regeln ziemlich genau, besonders die, die besagen, dass man bei den Leuten nicht anzuklopfen braucht, bei denen man sich schon häuslich eingerichtet hat.«

Noreen McKay hob ihr Glas. Sie trank und schwieg.

Nkata sagte: »Was mich an der Situation interessiert, ist Folgendes: War Katja Wolff die erste im Knast, mit der Sie was hatten, oder war sie eine von vielen?«

Noreen McKay lief rot an. »Sie wissen überhaupt nicht, wovon Sie reden.«

»Ich rede von Ihrer Stellung in Holloway und der Frage, ob und wie sie sie möglicherweise über Jahre hinweg ausgenützt haben, und was die Gefängnisleitung für geeignete Maßnahmen bereit halten würde, wenn rauskommt, dass sie ganz andere Dinge getrieben haben, als nur die Türen abzusperren. Wie lang sind Sie jetzt dabei? Sie kriegen eine Pension? Haben Sie eine Beförderung in Aussicht? Wie sieht's aus?«

Sie lächelte ohne Erheiterung, als sie sagte: »Wissen Sie, ich wollte eigentlich zur Polizei, Constable, aber ich leide an einer Lesestörung und habe die Prüfungen nicht geschafft. Da bin ich in den Vollzug gegangen, weil ich der Meinung bin, jeder Bürger sollte die Gesetze achten, und wer die Grenzen übertritt, sollte bestraft werden.«

»Und Sie selbst haben sie übertreten. Bei Katja. Sie musste eine Strafe von zwanzig Jahren verbüßen -«

»Sie war nicht die ganze Zeit in Holloway. Es kommt praktisch nie vor, dass jemand seine ganze Strafe hier absitzt. Aber ich bin seit vierundzwanzig Jahren hier. Ich denke, dass Ihre Vermutung - wie auch immer sie aussieht - auf ziemlich wackligen Füßen steht.«

»Katja Wolff war hier in Untersuchungshaft. Sie war während des Prozesses hier. Und sie hat einen Teil ihrer Strafe hier verbüßt. Und als sie verlegt wurde - nach Durham, richtig? -, bekam sie die Erlaubnis, Besuche zu empfangen, und musste zu diesem Zweck eine Liste mit den Namen der Leute einreichen, die sie erwartete. Wetten, dass ich Ihren Namen - wahrscheinlich als einzigen neben dem ihrer Anwältin - auf der Liste finden würde? Und dann war sie noch mal eine Zeit lang hier in Holloway, nehme ich an. Ja, das hat sich intern bestimmt ohne allzu große Schwierigkeiten arrangieren lassen. Was

für eine Stellung haben Sie, Miss McKay?«

»Ich bin stellvertretende Gefängnisdirektorin«, antwortete sie.

»Ich denke, das wissen Sie.«

»Die stellvertretende Direktorin mit Geschmack an den Damen. Waren Sie immer schon homosexuell?«

»Das geht Sie überhaupt nichts an.«

Nkata schlug mit der Hand auf den Tisch und beugte sich der Frau entgegen. »Mich geht das alles was an«, erklärte er. »Also, soll ich mir Katja Wolffs Unterlagen vornehmen, feststellen, in welchen Strafanstalten sie war, mir sämtliche Besucherlisten von ihr besorgen, auf denen sie Ihren Namen an die oberste Stelle gesetzt hat, und Ihnen dann die Daumenschrauben anlegen? Das kann ich selbstverständlich tun, Miss McKay, aber ich habe keine große Lust dazu. Es ist Zeitverschwendung.«

Den Blick gesenkt, drehte sie ihr Glas langsam in der Hand. Die Tür des Pubs wurde geöffnet, ein neuerlicher kalter Windstoß fegte den Gestank der Abgase von der Parkhurst Road herein, und zwei Männer in der Uniform der Gefängnisangestellten traten ein. Sie starrten erst Noreen McKay an, dann Nkata, dann wieder Noreen McKay. Der eine grinste und machte mit gesenkter Stimme eine Bemerkung. Noreen McKay blickte auf und sah die beiden.

Sie fluchte unterdrückt, sagte: »Ich muss hier verschwinden«, und machte schon Anstalten, aufzustehen.

Nkata legte eine Hand auf ihren Arm. »Aber nicht, ohne mir ein paar Auskünfte gegeben zu haben«, sagte er. »Sonst muss ich mir doch Wolffs Gefängnisunterlagen ansehen, Miss McKay. Und wenn ich da Ihren Namen finde, werden Sie einiges zu erklären haben.« »Ist es Ihre Gewohnheit, den Leuten zu drohen?«

»Das ist keine Drohung. Das ist nur eine schlichte Tatsache. Also, setzen Sie sich wieder hin und trinken Sie Ihren Gin Tonic.«

Mit einer Kopfbewegung wies er auf ihre Kollegen. »Ich glaube, ich tue Ihrem Ruf ganz gut.«

Ihr Gesicht wurde rot vor Zorn. »Sie gemeiner -«

»Regen Sie sich ab«, sagte er. »Reden wir über Katja Wolff. Sie war übrigens damit einverstanden, dass ich mit Ihnen spreche.«

»Das glaube ich nicht -«

»Dann rufen Sie sie an.«

»Sie -«

»Sie steht unter Verdacht, zwei Personen vorsätzlich mit dem Auto überfahren zu haben, in einem Fall mit Todesfolge. Wenn Sie sie entlasten können, dann sollten Sie das schleunigst tun. Sie kann jeden Moment festgenommen werden. Und glauben Sie vielleicht, das wird man der Presse vorenthalten können? Berüchtigte Kindsmörderin erneut von der Polizei festgenommen! Wohl kaum, Miss McKay. Man wird ihr ganzes Leben unter die Lupe nehmen, und Sie wissen wohl, was das heißt.«

»Ich kann sie nicht entlasten«, sagte Noreen McKay, und ihre Finger umfassten das Glas mit dem Gin Tonic fester. »Das ist es ja gerade. Ich kann sie nicht entlasten.«

23

»Waddington«, sagte Chief Inspector Leach, als Lynley und Barbara Havers in den Besprechungsraum traten. Er war bester Stimmung, sein Gesicht entspannter als seit Tagen, sein Schritt wie beflügelt, als er durchs Zimmer eilte, um Kathleen Waddington ganz oben auf eine der Porzellantafeln zu schreiben.

»Wo hat es sie erwischt?«, fragte Lynley.

»In Maida Vale. Die gleiche Verfahrensweise. Ruhige Gegend. Ein Fußgänger allein auf der Straße. Nacht. Schwarzes Fahrzeug. Und bumm!«

»Gestern Abend?«, fragte Barbara Havers. »Aber das würde bedeuten -«

»Nein, nein. Es war schon vor zehn Tagen.«

»Könnte ein zufälliges Zusammentreffen sein«, meinte Lynley.

»Bestimmt nicht. Die hat damals auch eine Rolle gespielt.«

Leach beeilte sich, ihnen zu erklären, wer diese Kathleen Waddington war: eine Sexualtherapeutin, die ihr Institut an dem fraglichen Abend irgendwann nach zehn Uhr verlassen hatte. Sie war auf der Straße angefahren und mit einem Beckenbruch und ausgekugelter Schulter liegen gelassen worden. Bei der polizeilichen Vernehmung hatte sie ausgesagt, der Wagen, der sie angefahren hatte, sei groß gewesen, »wie so eine Gangsterlimousine«, er sei schnell gefahren und von dunkler Farbe gewesen, möglicherweise schwarz.

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