Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
Jamie hatte dem schmaleren Mann immer noch den Arm um die Schultern gelegt, doch jetzt schien er ihn zu stützen. MacNabs Gesicht hatte ein ungesundes Grau angenommen; er glänzte schweißnass und ging sehr langsam, anscheinend unfähig, sich komplett aufzurichten.
»Schön, das ist also abgemacht«, sagte Jamie fröhlich, als sie in Hörweite kamen. »Deine Frau wird sich bestimmt über das zusätzliche Geld freuen, was, Ronald? Ah, hier ist ja auch dein Maultier – gut sieht es aus, nicht wahr?« Das mottenzerfressene Muli, das MacNab zu uns getragen hatte, kam vom Hof geschlurft, wo es die Gastfreundschaft des Anwesens genossen hatte. Aus seinem Maulwinkel ragte ein wenig Heu, das bei jeder Kaubewegung zuckte.
Jamie hielt MacNab die Hand unter den Fuß, um ihm hinaufzuhelfen; allem Anschein nach dringend benötigte Hilfe. MacNab reagierte weder mit einem Wort noch mit einem Winken auf Jamies überschwengliche Abschiedswünsche, sondern starrte nur benommen vor sich hin, während er im Schritt davonritt, als sei er auf eine geheime Sorge konzentriert, die seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nahm.
Jamie blieb auf den Zaun gestützt stehen, bis MacNabs schäbige Gestalt hinter der Hügelkuppe verschwand, und tauschte noch ein paar freundliche Worte mit den anderen Pächtern aus, die sich jetzt ebenfalls allmählich alle heimwärts wandten. Dann richtete er sich mit einem letzten Blick zur Straße auf, drehte sich um und stieß einen Pfiff aus. Eine schmächtige Gestalt mit einem zerrissenen, aber sauberen Hemdchen und einem fleckigen Kilt kroch unter dem Heuwagen hervor.
»Also, kleiner Rabbie«, sagte Jamie herzlich. »Sieht ganz so aus, als hätte dein Vater doch erlaubt, dass du unser Stalljunge wirst. Ich bin sicher, dass du hart arbeiten und ihm alle Ehre machen wirst, nicht wahr?« Runde, blutunterlaufene Augen starrten dumpf aus dem schmutzigen Gesicht empor. Der Junge zeigte keine Reaktion, bis Jamie die Hand ausstreckte, ihn sacht bei der Schulter nahm und ihn in Richtung der Pferdetränke drehte.
»In der Küche wartet das Essen auf dich, Junge. Aber wasch dich besser erst ein bisschen; Mrs. Crook nimmt es sehr genau damit. Oh, und Rabbie …«, er beugte sich vor, um im Flüsterton weiterzusprechen, »achte auf deine Ohren, sonst wäscht sie sie dir. Meine hat sie heute Morgen auch geschrubbt.« Er legte die Hände hinter die Ohren und wackelte damit. In Rabbies Gesicht tauchte ein schüchternes Lächeln auf, und er flüchtete zur Tränke.
»Ich bin froh, dass du es hinbekommen hast«, sagte ich und hakte mich bei Jamie ein, um zum Abendessen ins Haus zu gehen. »Das mit dem kleinen Rabbie MacNab, meine ich. Aber wie hast du das überhaupt geschafft?«
Er zuckte mit den Schultern. »Och, bin einfach mit Ronald hinter das Brauhaus gegangen und habe ihm ein-, zweimal die Faust in die Weichteile gerammt. Habe ihn gefragt, ob er sich lieber von seinem Sohn trennen möchte oder von seiner Leber.« Er sah mich stirnrunzelnd an.
»Es war nicht richtig, aber ich wusste nicht, was ich sonst hätte tun sollen. Und ich wollte auf gar keinen Fall, dass der Junge mit ihm zurückgeht, nicht nur, weil ich es seiner Großmutter versprochen hatte. Jenny hat mir beschrieben, wie der Rücken des Jungen aussieht.« Er zögerte. »Ich sage dir, Sassenach, mein Vater hat mich verdroschen, so oft er es nötig fand, und um einiges öfter, als ich es nötig fand. Aber ich habe nie vor Angst den Kopf eingezogen, wenn er mich angesprochen hat. Und ich glaube nicht, dass der kleine Rabbie eines Tages mit seiner Frau im Bett liegen und darüber lachen wird.«
Er zog die Schultern zu diesem seltsamen halben Achselzucken hoch, das ich seit Monaten nicht mehr bei ihm gesehen hatte.
»Er hat recht; der Junge ist sein Sohn, er kann mit ihm tun, was er will. Und ich bin nicht Gott, nur der Gutsherr, und das ist ja wahrhaftig um einiges niedriger anzusiedeln. Trotzdem …« Er blickte mit einem schiefen Lächeln auf mich hinunter.
»Es ist ein verdammt schmaler Grat zwischen Gerechtigkeit und Brutalität, Sassenach. Ich hoffe nur, dass ich mich auf die richtige Seite gestellt habe.«
Ich legte ihm den Arm um die Hüfte und drückte ihn an mich.
»Du hast das Richtige getan, Jamie.«
»Meinst du?«
»Ja.«
Wir schlenderten zum Haus zurück, die Arme umeinander gelegt. Die weißen Hofgebäude leuchteten bernsteinfarben in der untergehenden Sonne. Doch statt ins Haus zu gehen, führte mich Jamie auf die kleine Anhöhe hinter dem Herrenhaus. Hier setzten wir uns auf einen Zaun und konnten das ganze Hofgelände vor uns sehen.
Seufzend legte ich Jamie den Kopf an die Schulter. Als Erwiderung drückte er mich sacht.
»Das ist es, wozu du geboren bist, nicht wahr, Jamie?«
»Vielleicht, Sassenach.« Er ließ den Blick über die Felder und die Gebäude schweifen, die Katen und die Wege, dann senkte er den Kopf, und sein breiter Mund verzog sich zu einem Lächeln.
»Und du, meine Sassenach? Wozu bist du geboren? Die Dame des Herrenhauses zu sein oder in den Feldern zu schlafen wie eine Zigeunerin? Heilerin zu sein, Professorengattin oder die Frau eines Gesetzlosen?«
»Ich bin für dich geboren«, sagte ich schlicht und breitete die Arme für ihn aus.
»Weißt du«, sagte er, als er schließlich losließ, »du hast es noch nie ausgesprochen.«
»Du auch nicht.«
»Doch. Kurz nach unserer Ankunft. Ich habe gesagt, dass ich dich mehr als alles andere will.«
»Und ich habe gesagt, dass Lieben und Wollen nicht unbedingt dasselbe ist«, entgegnete ich.
Er lachte. »Vielleicht hast du recht, Sassenach.« Er strich mir das Haar aus dem Gesicht und küsste mich auf die Stirn. »Ich will dich, seit ich dich das erste Mal gesehen habe – aber ich liebe dich, seit du in meinen Armen geweint hast und dich von mir hast trösten lassen, am ersten Tag in Leoch.«
Die Sonne sank hinter die schwarzen Kiefern am Horizont, und die ersten Sterne des Abends kamen hervor. Es war Mitte November, und die Abendluft war kalt, obwohl die Tage immer noch schön waren. Jamie, der vom Zaun geglitten war und jetzt auf der anderen Seite stand, neigte den Kopf und legte die Stirn an die meine.
»Du zuerst.«
»Nein, du.«
»Warum?«
»Ich habe Angst.«
»Wovor denn, meine Sassenach?« Die Dunkelheit wälzte sich über die Felder heran, legte sich über das Land und erhob sich, um mit dem Nachthimmel zu verschmelzen. Das Licht des Mondes zeichnete die Umrisse seiner Stirn und seiner Nase nach und legte sich auf sein Gesicht.
»Ich habe Angst, dass ich nie mehr aufhöre, wenn ich einmal anfange.«
Er warf einen Blick zum Horizont, wo der Mond allmählich höher stieg. »Es ist fast Winter, und die Nächte sind lang, a nighean donn.« Er beugte sich mit ausgestreckten Armen über den Zaun, und ich trat auf ihn zu und spürte die Wärme seines Körpers und den Schlag seines Herzens.
»Ich liebe dich.«
Kapitel 32
Harte Arbeit
Ein paar Tage später war ich kurz vor Sonnenuntergang auf dem Hügel hinter dem Haus damit beschäftigt, die Knollen einiger Lerchensporne auszugraben, die ich dort gefunden hatte. Als ich Schritte im Gras rascheln hörte, drehte ich mich um, weil ich dachte, es wären Jenny oder Mrs. Crook, die mich zum Essen rufen wollten. Stattdessen war es Jamie, dem das nasse Haar in Stacheln um den Kopf stand, weil er sich gerade für das Essen gewaschen hatte. Er war noch in seinem langen Hemd, das er sich für die Feldarbeit zwischen den Beinen zusammengeknotet hatte. Wortlos stellte er sich hinter mich, schlang die Arme um mich und legte mir das Kinn auf die Schulter. Zusammen sahen wir zu, wie die Sonne hinter den Kiefern versank, ganz in Gold und Rot gehüllt. Die Landschaft ringsum verblasste lautlos, doch wir blieben, wo wir waren, in Zufriedenheit gehüllt. Als sich schließlich die Dunkelheit über uns senkte, konnte ich Jenny unten im Haus rufen hören.